Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 8 (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- Seite 193 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 193 Judentums, wenn nicht zur Gestaltung, so doch zu einer künstlerischen Erörterung kommt. Deren letztes Ergebnis freilich hat schon einer vorweggenommen: G r a e t z. Vielen, und verdächtigerweise auch Josephus selbst, ist die Parallele zwischen seiner und der Haltung des Jeremias aufgefallen: beide sind „Defaitisten", beide stellen die geistige Existens Israels über die staatliche, beide warnen das Volk, beide raten zur rechtzeitigen Unterwerfung unter den Feind. Freilich — und dies ist der große, der konstitutive Unterschied: Jeremias von innen, Josephus von außen. Deshalb kann Graetz den dritten Band seiner Geschichte mit den großen Worten schließen: „Jeremias, der in Ungemach auf den Trümmern Jerusalems seine Klagelieder aushaucht, bildet den Schluß des ersten Zeitraumes. Josephus, der in den Gemächern der Cäsaren in gemächlicher Ruhe die Geschichte seines Volkes schreibt, bildet den Schluß des zweiten Zeitraumes." Geburtenregelung und Judentum. Von Ne'man. 56 S. Leipzig 1933, Gustav Engel. Brosch. RM 1.50. — Der Vf. nimmt zu dieser brennenden Tagesfrage mit anerkennenswertem Mut in der Oeffentlichkeit Stellung. In vielem kann man seinen Ausführungen nur beipflichten, so bei der Forderung nach „Senkung des Lebensstandards" zur Milderung der materiellen, auf Versittlichung zur Linderung der geistigen Not. In den Ergebnissen aber macht sich stark geltend, daß dem Vf. die jüdischen Quellen offenbar nur unzureichend zugänglich sind. Sonst könnte er nicht zu der Forderung dauernder Abstinenz in der Ehe gelangen, eine Forderung, der nach den Vorschriften des Religionsgesetzes nur in seltenen Fällen Folge geleistet werden kann. Sicher ist die Befolgung dieses Rates viel unnatürlicher als die vom Vf. verworfene periodische Enthaltsamkeit. Noch unjüdischer ist sein Vorschlag, das Zölibat einzuführen. Dem Judentum gilt die Ehe als Krönung von Heiligkeit und Reinheit, der Hohepriester darf am Versöhnungstag seinen Dienst im Heiligtum nur verrichten, wenn er verheiratet ist. Der ganze Ausgangspunkt des Vf. ist verfehlt. Uns interessiert nicht, ob in 10 000 Jahren die Erde den Menschen keinen Raum mehr bieten wird, so daß wir durch Spätehe, Zölibat und Abstinenz eine übermäßige Vermehrung der Volkszahl verhindern müssen. Die Gefahr, die die deutsche Judenheit heute bedroht, ist die Selbstauflösung durch freiwillige oder durch die wirtschaftliche Lage erzwungene Geburtenbeschränkung. Im Hinblick darauf hätte der Vf. der Mahnung zu innerlicher Umstellung noch viel mehr Raum widmen dürfen. V. U. C. Leonard Woolley: Mit Hacke und Spaten. Die Erschließung versunkener Kulturen. Mit 46 Abbildungen. Leipzig: F. A. Brockhaus 1932. 80 S. Gebunden RM. 5.30. Die bewunderungswürdigen Ergebnisse, die die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte im Vorderen Orient zu Tage gefördert haben, und das helle Licht, in das sie bisher gar nicht oder nur wenig bekannte Abschnitte der Vergangenheit gesetzt haben, haben in den Kreisen der Laien ein lebhaftes Interesse für Fragen der Archäologie und besonders für die praktische Tätigkeit des Ausgräbers wachgerufen. Woolley, der rühmlichst bekannte Ausgräber von Ur in Chaldäa, der Heimat von Abraham, hat daher ein wirklich bestehendes Bedürfnis befriedigt, wenn er in seinem jüngst in deutscher Uebersetzung erschienen Buche „Mit Hacke und Spaten" ausschließlich von der Arbeit des praktischen Archäologen handelt. Die ersten Schwierigkeiten sind schon vor Beginn der eigentlichen Arbeit zu überwinden, wenn es gilt einen erfolgversprechenden Platz für die Grabungen ausfindig zu machen. Beim Graben selbst, das vom ersten Spatenstich an fürs erste ein Zerstören von Vorhandenem bedeutet, muß mit größter Behutsamkeit vorgegangen werden. Reste einer alten Mauer, Gräber, Tongefäße und andere Gegenstände, die man finde, hätten nur dann einen Wert, wenn die übereinander gelagerten Schichten streng auseinandergehalten und dadurch Schlüsse auf die zeitliche Folge der Fundgegenstände und auf ihre Beziehung zu bereits Bekanntem gezogen werden könnten. Wohl schlägt auch das Herz des Ausgräbers höher, wenn sich besonders kostbare Gegenstände plötzlich dem suchenden Auge offenbaren, von dem Sammler aber, der nur auf Erlangung derartiger Museumsstücke ausgeht, unterscheidet den Archäologen vor allen Dingen die Achtung auch vor dem unscheinbarsten Fund und das Streben, ihn in einen größeren Zusammenhang einzureihen. Woolley gibt für alle seine Ausführungen geschickt gewählte Beispiele aus seinen eigenen Grabungen und aus denen anderer englischer Archäologen. Gerade darin, daß er den Leser gewissermaßen auf das Grabungsfeld führt und an allen Ueberlegungen und Arbeiten teilnehmen läßt, liegt der besondere Reiz dieses anregenden und belehrenden Buches. Gotthold Weil Hermann Seckbach, Der Seder auf Schloß Grüneburg. Verlag des Israelit und Hermon, Frankfurt a. M. Preis RM 0,60, 67 S. Rechtzeitig vor dem Pessachfest erscheint diese kleine Sammlung von „Erzählungen aus der Kinderecke". Die in dem schmucken Heftchen vereinigten Skizzen sind von tiefem religiösen Empfinden erfüllt und werden den Kleinen, für die sie bestimmt sind, Belehrung und Freude bringen. Darüber hinaus hoffentlich reichen Ertrag dem Siechenhaus, für das der Reinerlös bestimmt ist. Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands Rothschild-Museum Museum jüdischer Altertümer Die Neueinrichtung des Museums steht vor dem Abschluß. Die Sammlungen werden voraussichtlich ab Sonntag, 2 3. April, dem öffentlichen Besuch wieder zugänglich sein. Dio Besuchszeiten sind zunächst Sonntag 10—13 Uhr, Montag bis Freitag 15—16 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt RM 0.50 für Erwachsene, für Kinder RM 0J25. Am letzton Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Anzeigenteil des Gemeindeblattes Mit Wirkung vom 1. April 1933 haben wir unsere gesamte Anzeigen-Verwaltung (Anzeigenannahme, Acquisition, Inkasso und Werbeberatung) der Annoncen-Expedition M. 1 s a a c & Co., hier, Höiderlinstraße 3, Fernsprecher 44686 und 44888, übertragen. Wir bitten unsere Inserenten, sich in allen Anzeigen-Angelegenheiten mit der genannten Firma in Verbindung zu setzen und alle Zahlungen, auch für zurückliegende Rechnungen, vom l. April d. J. ab auf das neue Postscheckkonto Frankfurter Israelitisches Gemeindeblatt, Anzeigenverwaltung, Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 17892 zu überweisen. Frankfurt a. M., März 1933. Frankfurter Israelitisches Gemeindeblatt Verwaltung Gemeindegärtnerei Gemeindemitglieder, wendet euch bei Bedarf an Blumen an unsere Gärtnerei, Eckenheimerlandstrasse 238 (Fernspreeher 52042), die auch die Pflege und Unterhaltung von Grabstätten übernimmt. EHRENFELD Das Haus für Heim U.Technik: Geschenke: Schmuck Radio Lederwaren Photo Kristall Schallplatten Porzellan Beleuchtung Bestecke EHRENFELD neben Hauptpost Gegründet 1874