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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-01-01 · 5 (1.1933) · p. Seite 126

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
5 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 126 (sequence 16)
Language
German
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Seite 126 und am Abend in das Bes-ha-Midrasdi gingen, «in zu „lernen". Diese Selbstverständlichkeit des Geistigen ist unser Erbe, das wir unseren Yorfahren zu verdanken haben. Wir deutschen Juden sollten endlich mit jenem Assimilalionsbestreben aufhören, das die eigene Art verleugnet. Es nützt uns ja heute auch nichts mehr; selbst den Getauften rechnet man ihre Vorfahren noch bis ins dritte und vierte Geschlecht als Makel an. Uns sollen diese Vorfahren unsere Ehre sein. Und wenn man die deutsche Geschichte von Hermann dem Cherusker oder von der Völkerwanderung an rechnet, so lebten schon damals Juden als römische Kolonisten, als civc.s romani, auf deutscher Erde. Aber wozu von Vergangenheit reden. Alle diejenigen, die den deutschen Juden heute das letzte Verständnis für deutsches Wesen abstreiten, seien auf zwei Tatsachen nur hingewiesen. Der deutsch-christlichste Komponist der Neuzeit. Ridiard Wagner, wußte für die Interpretation seiner Meisterwerke keinen Besseren, als den Rabbinersohn Kapellmeister Levi in München. Und der Wiederentdecker und Wiedererwecker jenes musikalischen Genius, der am tiefsten die deutsche Seele offenbarte, der unermüdliche Kämpfer für Johann Sebastian Bach, war Felix Mendelssohn-Bartholdy. Selbst die strengste jüdische Orthodoxie, die hier von Frankfurt ihren Ausgang genommen, habe durch das Schlagwort Samson Raphael Hirsdi's „Talmud Thora im Derech Erez" weltlidie deutsche Bildung in inniger Verbindung mit jüdisdier Tradition auf ihre Fahnen geschrieben. Nadi einem längeren Exkurs übel seine Stellung zu den versdiiedenen Parteiriditungen innerhalb des Judentums der Gegenwart mahnte der Rednei zum Sdilufi, das jüdisdie Selbstgefühl und ' Selbstbewußtsein zu stärken und mit starkem Wollen die geistige und seelische Rückkehr zu den Vorfahren zu vollziehen. C. S. Kundgebung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten In einer aufierordentlidi stark besuditen Versammlung geladener Gäste des Reidisbundes jüdisdier Frontsoldaten spradi Dr. L u d w i g F r e u n d, Berlin, über „Weltkrieg, Vaterland, deutsdies Judentum". Die Versammlung war von Vertretern des Stahlhelms, der Kriegervereine, des Jungdeutsdien Ordens und anderer Organisationen der Kriegsteilnehmer und Kriegsbesdiädigten besudit. Der Eröffnungsanspradie von Reditsanwalt Dr. Steffen Kann folgte eine Ehrung der Gefallenen. Dr. Ludwig Freund spradi über die inneren Beziehungen von Deutsditum und Judentum und umriß den Begriff des Vaterlandes als Zusammenfassung aller Güter und Traditionen, die sidi ein Volk in Jahrhunderten erarbeitet, erkämpft und in Leiden erstritten hat. Aus dem gemeinsamen Fronterlebnis habe sidi eine Schicksalsverbundenheit entwickelt, aus der heraus die Kraft kommen müsse, um das Trennende zurückzustellen und das Gemeinsame zu betonen. Die 96 000 Juden, die von den 550 000 deutsdien Juden im Heer standen, die 12 000 Juden, die fürs Vaterland gefallen sind, gehören zu Deutschland. Das Judentum habe ebenso wie das Deutsditum Repräsentanten des Geistes, der Kunst und der wirtsdiaftlidien Tätigkeit aufzuweisen, auf die es allezeit stolz sein könne, und die auch dem deutsdien Volke gut anständen. Das deutsdie Judentum müsse es ablehnen, für die Verfehlungen einzelner in seiuer Gesamtheit verantwortlidi gemadit zu werden. Man solle endlich Sdilufi madien mit der engstirnigen Verhetzung von Rasse und Klasse. Zum Sdiluß wandte sidi der Redner gegen den Versuch, bestimmte politische Richtungen und Weltansdiauungen als typisdi jüdisch zu bezeidinen, und verwies darauf, daß der geistige Einfluß deulsdier Menschen jüdisdien Glaubens eben in der Totalität des Lebens wirksam sei. Universitätsprofessor Dr. Heimberger, der katholische Geistliche Dr. Kaufmann und der evangelische Geistliche Direktor Melle dankten dem R. j. F. für seine aufklärende Tätigkeit und betonten die Notwendigkeit, die innere Zerrissenheit durdi Zusammenfassung aller Volksgenossen zu gemeinsamer Arbeit am Volksganzen zu überwinden. Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen Aus den letzten Veranstaltungen ist hervorzuheben, daß am 15. November in Gegenwart des zweiten Verbandsvorsitzenden, Herrn Steinhardt- Magdeburg, eine Sondersitzung über versdiiedene Standesfragen abgehalten wurde, u. a. über die Ausgestaltung des Yerbandsorgans und die Anstellung von Religionslehrern ohne staatliche Lehrerprüfung. — In einer gut besuditen Versammlung sprach Herr Dr. Henry Philipp über die jüdisdie Gesdiidite im Urteil der nicht jüdisdien Forschung. Herr Lehrer Bester hielt einen Vortrag über das Budi „Der Sinn der Heiligen Sdnift" von Ricarda Hüch. Sämtlidie Veranstaltungen waren gut besudit und führten zu lebhaften Aussprachen. Chanuckafeier im Philanthropin Am 21. Dezember fand in der diditgefüllten Aula des Philanthropins die alljährliche Chanukkafeier statt, die mit Musik und Rezitationen eingeleitet wurde. Den Höhepunkt des reidihaltigen und abwedislungsreichen Programms bildete die Sdilußszene aus „Jeremias" von Zweig, die von Schülern und Schülerinnen der Unterprima hinter gesdilossenem Vorhang aufgeführt wurde und nur durch den eindrucksvollen Vortrag auf die Zuhörer wirkte. Jn seiner Anspradie wies Herr Oberstudiendirektor Dr. Driesen darauf hin, daß das Chanukkafest einen Triumph der Minderheit darstelle; trotz der Schwere der Zeit sollten auch wir nidit an der Zukunft der Jugend verzweifeln und frohen Sinnes unsere Arbeit an ihr tun. Die Schatten- und Singspiele des zweiten Programmteils, der zumeist von Sdiülern der Unterstufe bestritten wurde, fanden viel Anklang beim Publikum und lösten frohe Heiterkeit aus. Nach den Aufführungen vereinte ein gemütlidies Beisammensein mit Tanz die zahlreichen Gäste nodi längere Zeit in den unteren Räumen. Chanudta-Konzert Anläßlich des Chanucka-Festes fand im kleinen Saalbau zugunsten der Frankfurter Winterhilfe ein Konzert statt, dessen Vortragsfolge deutsche, russische und jüdisdie Musik enthielt. Der Leiter des Abends, Max Neumann, brachte mit dem Tonkünstler-Orchester eine Anzahl gefälliger Instrumental-Kompositionen in gediegener Ausführung zu Gehör, unter denen in diesem Kreise besonders die „Hebriiisdie Rhapsodie" von Lewandowski Anklang fand. Benno Ziegler vermittelte mit gepflegtem Vortrag und in starker stelisdier Vertiefung einige Arien aus der Oratorien-Literatur und ein stimmungsvolles ..Adausdiem, adausdiem . ." von Löwenstamm. Konzertmeister Hugo K o 1 - berg spendete in froher Musizierlaune einige Proben östlidier Violinmusik, die mit ihrem orientalisierenden Einsdilag gut in diesen Rahmen paßten und durdi die hohe Gestaltungskunst des Geigers zu hinreißender Wirkung gelangten. Als auswärtiger Gast war der Mannheimer Kantor Wolf Lewi gewonnen worden, dessen wohlgebildeter, nicht sehr fülliger, aber ungemein ansprediender Tenor sidi rasdi die Herzen der Zuhörer gewann. Lewi ist durdi gute musikalisdie Sdiulung imstande, auch deutsdie Arien (aus „Elias" und „Sdiöpfung") in durchaus sfilgcmäßer Haltung zu singen. Sein Bestes, Eigenstes aber gab er dodi in gehaltvollen hebräisdien Gesängen von Alman und in einigen volkstümlidien Jargonliedern. Die Klavierbegleitung besorgte Ernst Wolff mit bewährter Künstlersdiaft. Das Publikum erzwang sich durdi begeisterten Beifall von allen Solisten Zugaben. —ch. Chanuckafeier Der Privat-Kindergarten Ciaire Schöi. berg veranstaltete am 22. Dezember für seine Kinder und deren Angehörigen im Jüdisdien Jugendheim eine wohlgelungene Chanuckafeier. Musikstücke wediselten mit von den Kindern selbst verfaßten Gedidiien und zwei hübsdien Singspielen ab. Eine kleine Besdierung bildete den Abschluß der Feier. Jüdisdie Wohlfahrtspflege Aus gesundheitlidien Gründen hat Herr Julius Bloch den Vorsitz in der Jüdischen Wohlfahrtspflege, den er seit dem Jahre 1928 innegehabt hat, niedergelegt. In seiner unermüdlichen und beispielhaften Tätigkeit hat er in sdiwerer Zeit den Aufbau und Ausbau der Jüdisdien Wohlfahrtspflege dcirdigeführt, wofür ihm vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde und vom Vorstand der jüdischen Wohlfahrtspflege der wärmste Dank ausgesprochen wurde. Auf allgemeinen Wunsch ist Herr Blodi ein«w der .stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdisdien Wohlfahrtspflege gc .vorden und arbeitet auf diese Weise weiter im Vorstand der Jüdisdien Wohlfahrtspflege mit. An seiner Stelle wurde einstimmig der bisherige stellvertretende Vorsitzende, Herr Sanitütsrat Dr. Albert Ettlinger, zum Vorsitzenden der Jüdisdien Wohlfahrtspflege gewühlt. Die Wahl wurde vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde bestätigt. Jüdische Arbeitsvermittlung Männlich | Arbeitgeber! Rufen Sie bei Vergebung jeglicher Dauer- oder Aushilfsarbeit unseren Arbeitsnachweis, Tel. 26162 oder 28248, an. Sie finden bei uns tüchtige, gesdiulte kaufmännische Angestellte wie: Detail- und Engrosverkäufer, Lageristen, Expedienten aller Branchen, Buchhalter, Stenotypisten, im Steuerfach bewandert, u. a. Handwerker jeglicher Art, Lager-, Hilfs- und Bauarbeiter, Auslaufer, Packer und sonstige ungelernte Arbeiter in jeder Altersstufe, tüchtige geprüfte Heizer für Privat- oder Geschäftshäuser. Kennen Sie unsere preiswerte Schreibstube, in der Vervielfältigungen sorgfältig ausgeführt, Adressen mit Hand und Maschine zu billigsten Preisen gesdirieben und alle Drucksadien postfertig gemadit werden? 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Wodienprogramm : Sonntag, y—b Uhr: Tisditennis, Schreibmaschinen-Wettbewerb. — Montag, 5 Uhr: Deutschkurs, Leitung: Philipp Rochwerg. — Dienstag, %5 Uhr: Stenographie für Anfänger,. Leitung: Frau Postawelski. — 6 Uhr: Handfertigkeitskurs, Leitung: Frl. Lucie Asdikenasy. — Mittwoch, 3 Uhr: Erwerbslosenveranstaltung im Volksbildungsheim (Theater, Film, Kabarett oder Musik). — 8tägig, ,5 Uhr: Sing- und Sprechchorkreis, Leitung: Kurt Nikolai. — Htägig, 5 Uhr: Arbeitsgemeinsdiaft über Wirtsdiaftsfragen, Leitung: Eugen Cohn. — Donnerstag, 5 Uhr: Turnen in der Annaschule, Leitung: Ed. Goldberg- Bar Kodiba. Jeden Nachmittag kostenlose Verpflegung. Sdireibniasdiine zum Ueben steht, dauernd zur Verfügung. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Schach und sonstige Spiele.

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