Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 5 (1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 125 großen Ruf als heilkräftig genossen, -wieder in Betrieb genommen. — An der Hebräischen Universität wurde ein Institut für Landwirtschaft begründet, dessen Leitung Professor Chaim Weizmann übernehmen wird. — Im Alter von 70 Jahren verstarb in Nablus der Hohepriester der Samaritaner, Isaac ben Amram. Die noch etwa 200 Personen zählende Sekte der Samaritaner lebt am Fufie des Berges Garizim, in der Nähe des biblischen Sichern. — Dem Bombenattentat auf das Haus des jüdischen Kolonisten Joseph Jacoby in Nahalal fielen der Besitzer und sein neunjähriger Sohn zum Opfer. Persönliche Nachrichten Todesfall. - Nach Redaktionsschluß ereilt uns die tieftraurige Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden des Mitglieds des Gemeindevorstands und Vorsitzenden der Finanzkommission, Herrn Direktor Eduard 0 p p e n h e i m. Es ist kaum zu fassen, daß dieser hochverdiente und sich der größten Wertschätzung erfreuende Mann, der bis in die letzten Stunden seines Lebens xmermüdlich und vorbildlich seine beste Kraft und seine ungewöhnlich reichen Erfahrungen in den Dienst der Gemeinde gestellt hat, nicht mehr unter uns weilt. Das Wirken des so plötzlich Heimgegangenen wird an dieser Stelle noch gewürdigt werden. 90. Geburtstag Am 10. Januar vollendet der frühere Bäckermeister Herr Nathan David Maas, Auf der Körner-Wiese 4, der mit seiner Gattin, Julie, geb. Falkenstein, am 8. November v. J. das seltene Fest der Diamanthochzeit begehen konnte, sein 90. Lebensjahr. * 70. Geburtstag Am 31. Dezember: Herr Moritz Präger, Schloßstraße 55. Herr Prag-er ist seit fast vier Jahrzehnten ein besonders pflichteifriges Mitglied der Ohewra Kadischa und durch großes jüdisches Wissen ausgezeichnet. 70. Geburtstag. 1. Januar: Frau Rebekka Reis, Rückertstraße 30. Geschäft sjubiläum Die Firma Julius Blumenthal & Co., Inhaber Julius Blumenthal, Scheffelstraße 24, feierte am 16. Dezember ihr fünfundzwanzigjähriges Geschäftsjubiläum. Anstalten und Vereine Synagogen-Fest Im September ds. Js. konnte die Synagoge am Börneplatz das Fest ihres 50jährigen Bestehens begehen. Die Zeit der Slichostage und der Herbstfeiertage war damals nicht geeignet, eine Jubiläumsfeier abzuhalten. Eine solche soll nunmehr am 2 8. Januar 1933 abends in den Räumen des Volksbildungsheimes stattfinden. Der Eintrittspreis beträgt M. 1.—, für Jugendliche stehen Galerieplätze zu 50 Pfg. zur Verfügung. Der Reinertrag ist der „Jüdischen Wohlfahrtspflege" zugedacht. Näheres durch Rundsdireiben und Plakate. Sijumfeier Als dauerndes Andenken an ihren großen, allzu früh heimgegangenen Lehrer und Meister, Rabbi Jakob S. Posen s. A., haben vor 9 Jahreu die früheren Schüler seiner Lerngruppen beschlossen, wöchentlich mehrere Male im Lernzimmer Hermesweg 5—7 Schiurim abzuhalten und zunächst die zu seinen Lebzeiten in den einzelnen Zirkeln begonnenen Talmudtraktate zu Ende zu lernen. Nachdem man vor 6 Jahren unter reger Beteiligung Traktat Ketuboth beendet hatte, vereinigte man sich Sonntag, den 19. Dezember, zu einer Sijumfeier auf den Traktat Pabbath, der während der letzten 6 Jahre durchgelernt wurde. Bei der kleinen Schlußfeier wurden in herkömmlicher Weise eine Reihe von Ansprachen gehalten. Die Redner, u. a. Herr Jelen, Halpern, Dr. Ellinger, Silbermann und Oelbauin erinnerten nochmals an die große Gelehrsamkeit, die umfassende Talmndkenntiiis, an den überwältigenden Scharfsinn und an die menschenfreundliche Liebenswürdigkeit ihres großen Meisters, und man gelobte, die Schiurim fortzusetzen und weiterhin dreimal wöchentlich, Montags, Donnerstags und Samstags, zum Lernen zusammenzukommen. Interessenten, die jederzeit zur Teilnahme an dem Schiur eingeladen sind, sei noch mitgeteilt, daß alljährlich ein Jahrzeitlernen veranstaltet wird, in diesem Jahre am Donnerstag, 16. März 1933, abends 8,30 Uhr, Hermesweg 5—7, II. Stock. Ein Vortrag von Georg Bernhard Auf Einladung ■ des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben hielt am 4. Dezember Professor Georg Bernhard im dicht besetzten großen Saal des Holeis Frankfurter Hof einen Vortrag über das Thema Rückkehr zu den Vorfahren. Sanitätsrat Dr. Ettlinger begrüßte als Vorsitzender den berühmten Politiker, Volkswirt und Professor, der sich schon früh unter dem Pseudonym Gracchus und Plutus einen Namen erworben habe und zu den führenden Persönlichkeiten des geistigen Deutschland zähle. Professor Bernhard begann seinen Vortrag mit einer aus Ernst und Scherz gemischten Selbstschilderung. Die Grund-süulen, auf denen nach jüdischer Anschauung die sittliche Welt beruhe, seien Wahrheit, Gesetz und Frieden. Auf den Frieden lege er den Hauptakzent. Jeder Jude müsse ein Pazifist, nicht im Sinne einer Partei, sondern in höherem Sinne sein. Der Frieden, nach dem man streben müsse, beginne in der Familie, weite sich zum Weltfrieden, bedeute für uns Juden aber vor allen Dingen auch den Frieden innerhalb des Judentums. Weil er diesen Frieden innerhalb des Judentums über alles stelle, gehöre er keiner Partei, keiner Richtung an; Parteien befehden sich und verstehen sich meist nicht. Dies sei seine Überparteilichkeit, um deren willen er sich gefallen lassen müsse, mißverstanden und angegriffen zu werden. Ueber die Rückkehr zu den Vorfahren wolle er reden, und seine Rede wende sich zuerst an die Jugend. Diese jüdische Jugend, wie die gesamte Jugend unserer ans den Fugen gegangenen Zeit, strebe weg von dem Elternhaus und habe sich somit weit entfernt von den nächststehenden Vorfahren. Aber die natürliche Stimme des Bluts läßt sidi nidit ersticken. Draußen im Schützengraben, in der Hölle des Granatregens, habe so mancher, der sich von den natürlichen Banden gelöst habe, mit seinem letzten Atemzug „Mutter" gerufen. Und so werde, sc müsse die Jugend zum Elternhaus, zu dem in Blut und Geist Vererbten, zurückfinden, nachdem die Irrwege der Zeit erkannt sein werden. Und wie mit der Jugend und ihrer unlöslidien Verbundenheit mit dem Elternhaus, so ist es mit unserer, der Judenheit, ewigen Verbundenheit mit den Vorfahren. Wir brauchen uns wahrlich dieser Vorfahren nicht zu schämen. Sie sind der älteste Adel der Welt. Jeder, der den Namen Cohen oder Cohn oder Cahn trägt, ist aus dem Blut des aronidischen Priestergeschlechts, jeder Levi ein heute noch lebender Nachkomme jenes Levi, der ein Sohn des biblischen Stammvaters Jukob-fsrael war. Wer soldie Namen trägt, muß sich seiner Bluts- und Geistesverbundenheit bewußt sein. Wir alle aber sind Kinder Israel-Jakobs. Und wir legen — trotz allem von jeder wirklichen Wissenschaft abgelehnten Rassendünkel, der sich auf blutmäßig-reine Abstammung soviel zugute tut — weniger Wert auf das Blutmäßige als auf das Geistige. Geistig vor allem war das Judentum, nicht nur in seiner Elite, wie andere Völker, sondern in seiner ganzen Breite, und unsere heutige Geistigkeit ist ein kostbares Erbe der Vorfahren. Aus seinen Erlebnissen in Osteuropa erzählt der Redner, er habe erst damals die „polnisdien Juden" wirklich kennen gelernt. Er fand da Handwerker, Droschkenkutscher, Lastträger, die zehn Stunden am Tage schwer gearbeitet hatten GÖNNER von jüd. Medizinstudenten z. noonoht Fortsetzung seines Stud ums l|CollLIII. Geil. Olf. u 8. T. 250 an d. Exoed. d Bl. BV I Vom direkten Hersteller Polster-Möbel stets das Neueste und zu auffallend billigen Preisen. 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