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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-01-01 · 5 (1.1933) · p. Seite 124

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
5 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 124 (sequence 14)
Language
German
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Seite 124 Deutschland. Berlin. Nadi der neuesten Zählung hat Berlin 4 287 000 Einwohner, von denen 4,3 Prozent Juden sind. — In der.letzten Sitzung der Repräsentanten vosamiulung wurde die Kultussteuer für 1932 -auf 15 Prozent der Reidiseinkommensteuer für 1951 bezw. falls dieser Betrag geringer ist, auf 30 Prozent der ReidisVermögenssteuer für 1931 festgesetzt; im Vorjahre wurden nur 11 Prozent der Reichseinkommensteue»- als Kultussteuer erhoben. — Aus Anlaß der 300. Wiederkehr des Geburtstages von Baruch Spinoza veranstaltete die Bibliothek der jüdischen Gemeinde eine Ausstellung, welche in Fildern, Büdiern und Urkunden das Leben und Wirken des großen Philosophen einprägsam vot- Augen führt. — Die „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums", die in diesem Jahre auf ein 60jäbriges Bestehen zurückblicken kann, beging den 26. 12. als „Tag der jüdischen Wissenschaf t"; in den Synagogen Fasanenstrafie, Friedenstempel, Lindenstraße und Rykestraße wurden Weihestunden abgehalten. — In einem Schreiben an die „Reichszentrale für Sdiäditangelegenheiten" bezeidinet das Reidisgesundheitsamt „sowohl den Schächtschnitt und das Entbluten als auch das Niederlegen, d. h. den Schäditungsakt in allen seinen Teilen, als nidit tierquälerisch". — Am 18. 12. verstarb kui2 vor Vollendung seines 83. Lebensjahres der bekannte sozialistische Schriftsteller und Politiker Eduard Bernstein. Bernstein, ein Neffe des Novellisten und Mitbegründers der Berliner Reformgemeinde, Arnn Bernstein, war zwar der damaligen Parteiforderung entsprechend religionslos geworden, bradite aber dennoch jüdisdien Dingen immer lebhaftes Interesse entgegen; dies bekundete er namentlich durch seine im Jahre 191J erschienene Sdirif* „Von den Aufgaben der Juden im Weltkriege". Er war u. a. Mitglied des „Komitees für das Arbeitende Palästina". — Die Sdiriftleiterin dei „C. V.-Zeitung", Dr. Margarete Edelheim, Vorsitzende des Frauen- Ausschusses der Staatspartei, wurde zur unbesoldeten btadträtin des Bezirksamtes Berlin-Tiergarten gewählt. — In einer Stadt Mittelfrankens •wurde ein diristlidier Arzt, der in einem von ihm herausgegebenen Wochenblatt einen Artikel mit der Aufschrift „Meidet jüdische Aerzte und Rechtsanwälte" veröfftntlidite, auf Klage der jüdischen k 6* z t e dieser Stadt vom ärztlichen Berufsgericht zu einer Geldstrafe von 100 Mark und zum Ersatz der Kosten verurteilt. — Die Foundation (Zusammenarbeit von Joint mit Ica) hat der Zentralstelle für jüdische Darleke. nskassen zum Ausbau ihrer Arbeit einen Kredit voa 50 000 Dollar zur Verfügung gestellt. — Branitz. In der Heil- und Pflegeanstalt Branitz (Oberschlesien), die Patienten aus allen Teiler. Deutsdilands aufnimmt, wurde auf Initiative des Provinzialverbandes iui jüdische Wohlfahrtspflege in der Provinz Obersdilesien eine rituelle Küche eingerichtet — Breslau, Von den Studenten, die an den aus Anlaß der Berufung des Professors Dr. Ernst Cohn stattgehabten Universitätsunruhen teilgenommen haben, wurden 9 mit dem „consilium abeundi", 3 mit einem Verweis und einer mit Nichtanredinung des Semesters bestraft. Bezüglich des Falles Cohn haben Rektor und Senat nunmehr erklärt, daß, da Professor Cohn in einer „politischen Frage unnötig hervorgetreten sei, seine weitere Lehrtätigkeit im Interesse der Aufrecbterhaltung der Ordnung und eines ungestörten Lehrbetriebes nicht tragbar sei''. Diese Stellungnahme war die Folge der Beantwortung einer Anfrage det Berliner Zeitung „Montag Morgen", die von Cohn wissen wollte, ob mai> dem verfolgten russischen Revolutionär Trotzki in Deutschland ein Asyl gewähren solle. Die „Vossische Zeitung" fährt in der Wiedergabe von Protesten namhafter deutscher Gelehrter gegen die Haltung des Breslauer Universitätssenats im Falle Ernst Cohn fort — Der „Vö lkische Beobachter" vom 29. Dezember bringt außer einem Hetzartikel des Lniversitätsprofessors Dr. Stark eine Reihe anderer judenhetzerischer Artikel. — Danzig. Kurz vor Rosch ha-Sdiana hatten mehrere National-. Sozialisten die Synagoge in Tiegenhof geschändet. Einer der Täter wurde nunmehr wegen Gotteslästerung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. — Dresden. In der Sitzung des Gemeinderats wurde die Kultussteuer für das Jahr 1932 auf 14 Prozent der Reidiseinkommensteuer für 1931 festgesetzt. — Frenz b. Düren (Rheinland). Auf dem jüdisdien Friedhof wurden zwei Grabsteine zerstört und mehrere Gräber beschädigt; das Eingangstor zum Friedhof wurde zertrümmert. — Fulda. Frau Alice Jacob-Loewenson, Berlin, hielt einen nach Form und Inhalt ausgezeichneten Vortrag über „Jüdische Musik", der durdi Schallplatten und Klavierspiel erläutert war. — Leipzig. Im Alter von 73 Jahren verstarb der bekannte Philanthrop Chaim Eitingon, Seniordief der Raudiwarenhandelsfirma Eitingon. Durch wiederholte Stiftungen an die jüdische Gemeinde sowie an versdiiedene andere Institutionen ermöglichte er z. B. den Bau des jüdischen Krankenhauses_ und einer Synagoge. — Memel. Dr. Simon Schlesinger, Dozent am Kölner Jüdischen Lehrerseminar, wurde zum Rabbiner der Gemeinde Memel gewählt. — Osthofen (Rheinhessen). Auf dem jüdischen Friedhof wurden zwei sdiwere Grabsteine umgestürzt und am Eingang des Friedhofs eine Ruhebank herausgerissen und umgeworfen. — Schwerin. Der Landtag von Mecklenburg-Schwerin hat einen nationalsozialistischen Antrag auf Erlaß eitles Schäditverbotes angenommen. Europa Ausland Oesterreich. Bei den diesjährigen Repräsentantenwahlen in der Wiener jüdisdien Gemeinde haben die Zionisten die Mehrheit erlangt; sie errangen von 56 Mandaten 20. Niederlande. Im Jahre 1931 zählte die Amsterdamer asdikenasisdie Gemeinde 62 445 Seelen. Frankreich. Durch großzügige Spenden der Familie Kadoorie ist es der „Alliance Israelite Universelle" ermöglicht worden, weitere Schulen, in verschiedenen Städten Persiens zu bauen. Die , Familie erbot sich auch, eine Synagoge in Oporto auf ihre Kosten erbauen zu lassen. — Nach -einer Schätzung der Pariser Zentrale der Organisation für jüdische Wanderhilfe, „Hias-Ica-Emigdirect" (Hicem) sollen. im Jahre 1932 «twa 26 000 Personen ihre Heimatländer verlassen haben. Von ihnen sinci ungefähr 12 000 Personen nach Palästina gewandert. — In einer unter dem Vorsitz des Oberrabbiners von Frankreich, Israel Levi, stattgehabten Konferenz wurde die Sdiaffung eines Büros beschlossen, dessen Aufgabe es sein soll, soldien jüdischen Frauen, deren Ehe Verhältnisse ■«idit geregelt sind, zit Erlangung der zur Besserung ihrer Lage notwendigen Dokumente zu verhelfen. Großbritannien. London. In der Generalversammlung der „Foundation" wurde als neues Mitglied in den Rat der Foundation u. a. Herr Dr. Eduard Baerwald, Frankfurt a. M., gewählt. — Vor einiger Zeit wurde in London das neue Gebäude des University College eingeweiht, das die von dem jüdisdien Philanthropen Frederik David Mocatta gestiftete Bibliothek, sein der Jüdisdien Historisdien Gesellschaft vermadites Museum jüdischer Altertümer sowie das von Gustave Tuch gestiftete Theater beherbergt. — In der unter Beteiligung audi der beiden Frankfurter Mitglieder des Verwaltungsrates, Justizrat Dr. Blau und Rechtsanwalt Dr. Baerwald, in London stattgehabten Generalversammlung der „Jewisli Colonisation Association" (ICA) hielt der Präsident der „ICA", Sir Leonard L. Cohen, ein Referat über die Lage der Juden in der Gegenwart. Spanien. Iii Madrid verstarb im Alter von 80 Jahren der Senator Angelo Pulido, der als erster den Plan einer Rückwanderung der Nachkommen der im Jahre 1492 au;. Spanien vertriebenen Juden verfodit. Rußland. Während der Jahre 1952—1957 sollen nadi Besdiluß der hierfür zuständigen Sowjetbehörde (Komzet) in Biro-Bidschan 150 000 Juden angesiedelt werden. — Die amtlidie sowjetisdie Handelsorganisation „Torgsim" versdiafft soldien Personen, welche Rußland für immer verlassen wollen, Auswandererpässe. Der Preis eines soldien Passes ist für einen Arbeiter auf 550 und für einen Nichtarbeiter auf 1100 Goldrubel festgesetzt. — Kürzlidi wurde dem der Bekämpfung der Religionen dienenden Museum in Moskau eine jüdische Abeilung angegliedert. Ungarn. Budapest. An Stelle des wegen Krankheit zurückgetretenen Professors Dr. Ludwig Blau wurde der Oberrabbiner von Budapest, Dr. Julius Fischer, zum Direktor des Landesrabbinerseminars ernannt. — Hofrat Samuel Stern, Vorsitzender des Vorstandes der Israelitisdien Religionsgemeinde in Budapest, wurde zum Präsidenten der Israelitisdien Landeskanzlei gewählt. — Das Ungarisdie Jüdisdie Landesmuseum im Kulturpalais der Pester Israelitisdien Religionsgemeinde >«t seinem Zweck übergeben worden. Polen. Warschau. Der polnisdie Staatspräsident Prof. Moscicki hat den jüdischen Oberst der Krakauer Garnison, Bernhard Mond, zum Generalbrigadier der polnischen Armee ernannt. Tschechoslowakei. Das Staatsbudget für 1953 sieht für die jüdisdie Religionsgemeinsdiaft die Summe von Kc. 1 808 0UÖ v«r; im Jahre 1V32 wurden für Zwecke des jüdisdien Kultus nur Kc. 1 650 000 bewilligt. Jugoslawien. Audi die jüdisdien Genieinden Jugoslawiens veranstalteten am Nationalfeiertag Festgottesdienste; in Belgrad, der Hauptstadt des Landes, nahmen Vertreter des Königs und der Regierung an ihnen teil. Griechenland. Der Stadtrat von Saloniki hat für jüdisdie Wohlfahrtszwecke einen Betrag von 630 000 Dradimen bewilligt. Amerika Boston ist die erste Stadt in Amerika, die eine sogenannte „Einheitsgemeinde" besitzt; ihr Rabbiner ist Dr. Joseph Solowejczyk, ein Enkel des „Brisker Raw". Palästina In Palästina wohnen augenblicklich 174 610 Juden; von diesen \iaben bei der letzten Volkszählung etwa 166 000 Hebräisch als ihre Mutterspradie angegeben. — Eine von der Hebräischen Universität ausgerüstete Expedition förderte in der Nähe von Hamath am Jordan eine aus dem 5. Jahrhundert stammende Synagoge zutage. — Die jüdisdien Fabriken Palästinas produzieren jährlidi Waren im Werte von etwa swei Millionen Pfund. — Nach Beendigung eines Teiles der Neuania'gen wurden die heißen Quellen von Tiberias, die sdion in römischer Zeit GLAUBENSGENOSSEN, JUDEN! Schickt Eure Söhne und Töchter zur gründlichen u.id gewissenhaften Vorbereitung für den kaufmännischen Beruf in die Gf\KS'sche k8u!männ. Privai-Sclmle Bleichstrasse 62 (Schulhaus) zweijährige, einjährige und halbjährige Klassen Lehrplan, Lehrziel und ScMgpld wie an der Städtischen Handelslehranstalt. Anmeldungen werden jetzt, Montag bis einschl. Donnerstag, 12—1 und 4—5 Uhr, entgegengenommen. DIE DIREKTION

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