Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 5 (1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 120 In welchem Umfang in Zukunft weitere Sparmaßnahmen möglich sind, läßt sich im Augenblick noch nicht feststellen. Jedenfalls muß alles daran gesetzt werden, um unseren Religionsunterricht auf der bisherigen Höhe seiner Organisation zu erhalten und ihn für die Folge in seinen Leistungen nach besten Kräften zu steigern. An die Eltern richten wir schließlich den dringenden Appell, nicht nur für die regelmäßige Teilnahme ihrer Kinder am Religionsunterricht der öffentlichen Schulen Sorge zu tragen, sondern sie auch zwecks Erlernung des Hebräischen, ohne dessen Kenntnis ein ersprießlicher Unterricht in jüdischer Religion nicht erteilt werden kann, zum Besuch der Religiousschulen bzw. der Hebräischen Unterrichtsanstalt anzuhalten. Um Wünsche und Anregungen hinsichtlich des Religionsunterrichts zwischen Eltern und Lehrern auszutauschen, ist die Einrichtung von jüdischen Elternabenden an einzelnen Schulen geplant. Es darf die Erwartung ausgesprochen werden, daß sich diese Abende regsten Zuspruchs erfreuen. Frankfurt a. M., im Dezember 1932. Rabbiner Dr. G. Salz berger, Referent für Religionsunterricht. Sprechstunden in Angelegenheiten des Religionsunterrichts Montag und Donnerstag 12—13 Uhr auf dem Gemeindebüro Fahrgasse 146. Zimmer 54 (am besten nach vorheriger telefonischer Anmeldung). Kampf mit der Not Ein Geschäftsbericht Der Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. war es gelungen, das Etatjahr 1931/32 ohne Fehlbetrag abzuschließen. Sie wurde zu Beginn des laufenden Etatjahres 1932/33 vor ganz besonders schwierige Aufgaben gestellt. Während bisher die Einnahmen der Jüdischen Wohlfahrspflege sich in der Weise zusammensetzten, daß die Beiträge und Spenden ein Drittel, die fürsorgerischen Einnahmen ein Drittel, die Subvention der Israelitischen Gemeinde ein Drittel des Etats ausmachten, wurde dieser Aufbau erstmalig erheblich dadurch erschüttert, daß die Israelitische Gemeinde ihre Subvention von 120 000 auf 72 000 Rm. herabsetzte. Die Jüdische Wohlfahrtspflege mußte ferner damit rechnen, daß die Eingänge an Beiträgen und Spenden sich erheblich vermindern würden. Es wurde deshalb beschlossen, daß unter Berücksichtigung dieser beiden Umstände die Ausgaben unbedingt ihren Einnahmen angepaßt werden müßten. Auf diese Weise wurde erreicht, daß die Monate April bis Oktober 1932 ohne Defizit abgeschlossen werden konnten. Der Monat November hat erstmalig einen Fehlbetrag von etwa 3000 Rm. ergeben. Das Defizit wird sich in den kommenden Monaten notwendigerweise vergrößern, da es unmöglich sein wird, die Kürzung der Subvention der Israelitischen Gemeinde von bisher 33 750 Rm. und den Rückgang an Spenden von bisher 22 000 Rm. in den nächsten 4 Monaten des Etatjahres auszugleichen. Auf die einzelnen Zweige der fürsorgerischen Arbeit wirkt «ich diese Sachlage wie folgt aus: Die Mietbeihilfen sind auf ein Mindestmaß reduziert, eine weitere Senkung hätte zur Folge, daß Hunderte unserer Hilfsbedürftigen von ihren Hausherren auf die Straße gesetzt würden. Sonderbewilligungen zur Beseitigung dringender Notstände können zurzeit nicht mehr gewährt werden. Eine Kohlenve rsorgung war nur dadurch durchzuführen, daß die Jüdische Wohlfahrtspflege an der Frankfurter Winterhilfe beteiligt war. Die Essenempfänger der Notstandsküche, die bisher ausnahmslos und regelmäßig den geringen Betrag von 10 Pfg. pro Portion bezahlt haben, sind heute zum Teil schon hierzu nicht mehr in der Lage. Prüfungen haben ergeben, daß die Nichtzahlung auf tatsächlichem Unvermögen der Hilfsbedürftigen beruht. Eine Herausnahme von Jugendlichen aus Heimen und Pflegestellen über das im vorigen Jahr durchgeführte Maß hinaus ist nicht mehr zulässig, da nur besonders schwer Gefährdete und Kinder ohne" Familie untergebracht sind. V e rw a h r I o s t e Jugendliche, die nachweislich eine Gefährdung anderer geworden sind und untergebracht werden müßten, können aus Mangel an Mitteln nicht mehr in Heime eingewiesen werden. Die Heime, denen wir nur noch minimale Pflegesätze zahlen, drohen mit der Entlassung unserer Jugendlichen, falls wir die Pflegerechnungen nicht pünktlich bezahlen. Da wir im nächsten Monat hierzu nicht mehr in der Lage sein werden, sind die Folgen vorauszusehen. Unsere Vertrauensärzte machen uns darauf aufmerksam, daß sie bei ihren Untersuchungen in erschreckendem Maße Unterernährung und gesundheitliche Schädigung der Jugendlichen feststellen. Die von ihnen beantragten Nahrungszuschüsse können in der notwendigen Höhe nicht mehr gewährt werden. Die Schuh Versorgung der Jugendlichen liegt besonders im Argen. Die Schulen melden uns wöchentlich, daß die Kinder infolge unzureichenden Schuhwerks die Schule nicht besuchen können. Wir geben allein für Schuhreparaturen monatlich 200 Rm. aus, ohne damit allen Anforderungen nachkommen zu können. Die Beschaffung von neuem Schuhwerk ist uns fast unmöglich gemacht. Der Oppenheimersche Kindergarten und der Israelitische Kinderhort Bleichstraße, die von der Israelitischen Gemeinde keine Subvention erhalten, haben uns gedroht, ihre Betriebe zu schließen, falls 'wir ihnen keinen Zuschuß zur Verfügung stellen. In dieser Zwangslage mußten wir ihn gewähren, um die Beaufsichtigung und Versorgung von etwa. 2 00 Kindern sicherzustellen. Die Tuberkulosefürsorge hat ihre Erholungsverschickung ganz eingestellt; sie ist auch nicht mehr in der Lage, den Ernährungsanträgen der Vertrauensärzte in vollem Umfange zu genügen. Von einer Studentenhilfe der Jüdischen Wohlfahrtspflege kann kaum noch gesprochen werden. Der W a n d e r f ü r s o r g e gelingt es gerade noch eben, die Durchwanderer entsprechend den allgemeinen Richtlinien und Verpflichtungen der Wanderfürsorge zu befördern. Die große Aufgabe der Wanderfürsorge, die heute mehr denn je durchgeführt werden müßte, nämlich die Finanzierung von Auswanderungen, kann aus Mangel an Mitteln nicht gelöst werden, obwohl nachzuweisen ist, daß diese Art der Hilfe nicht nur zweckmäßiger, sondern auch weitaus billiger als die jahrelange laufende Unterstützung der Hilfsbedürftigen ist. Auf Grund dieser Darlegungen wurde festgestellt, daß eine weitere Senkung der fürs orgerisehen Ausgaben, die im Monafesdurchschnitt nur noch insgesamt 18 280 Rm. gegenüber 25 400 Rm. im Vorjahr betragen, nicht zu verantworten ist. Es wurde weiter festgestellt, daß auch eine Senkung der Unkosten über das bisherige Maß hinaus nicht mehr durchgeführt werden kann. Eine Aveitere Verminderung des Personalbestandes kann bei der dauernden Vermehrung und Erschwerung der fürsorgerischen Arbeiten nicht erfolgen, auch bei den übrigen Unkosten sind weitere Abstriche nicht durchführbar. Ae&Ii£if^</ y Kohlenhandelsgesellschaft m. b. H. Spezialität: la Ruhrzechenkoks f. Zentralheizungen