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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-01-01 · 5 (1.1933) · p. Seite 117

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
5 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 117 (sequence 7)
Language
German
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Seite 117 Mensch mit all seinem Sein und Tun das Schicksal der Welt bestimmt"), so läßt sich folgern: Durch das mehr oder weniger empfundene, bei beiden Gesprächspartnern eintretende Angstgefühl, daß ein im Werden begriffenes Zusammenklingen ihrer Gedanken durch das Eingreifen einer fremden Kraft plötzlich unterbunden werden könnte, — oder durch das Angstgefühl des einen Redners, es könnte irgend ein Dazwischenkommendes seinen Ideengängen abträglich werden, stockt in ihm seine Denkkraft; oder sein Ausdruck versagt. Ja, jedesmal, wenn Gefahr besteht, daß, besonders wegen Zeitmangels, das beabsichtigte geistige Ineinandergehen „Zweier", einerlei ob dies mit Debatte, oder schon vermöge des Ideen-Ergusses eines der beiden zu geschehen habe, gar nicht zustande zu kommen vermöchte, wird in diesem Gesprächspartner die bekannte „Hemmung" ausgelöst. Es war eben das Zusammenklingen, wenn auch nur um einen Klang, es war die Ideen-Verknüpfung, wenn auch nur um einen Faden, gefährdet. Denn es bedurfte eben der „unbeschränkten Gesprächsdauer" als wesentlichen Momentes, während ein Uebersehen anderer wichtiger Faktoren (wie die unpassend getroffene Wahl von Zeit- und Sprechort usw.) der erforderten „Seelenruhe" abhold sind. Wie sehr werden aber solche negative Faktoren für das Zustandekommen des Vorgehabten zum Verhängnis, sobald den beiden sich gegenseitig geistig Absuchenden, wie gleichgesinnt sie auch sein mögen, bei der vorschwebenden vorzeitigen Unterbrechung des Gesprächs zugleich auch vorschwebt, das dasjenige, was in dem einen Gespräch nicht geworden ist, später nimmermehr werden kann. Es war nurdaseineMal „Konjunktur"! Das Scheitern des Gesprächs, und zwar möglichst auf immer, mußte den Gesprächspartnern vorschweben. Unter den ungünstigen Umständen, mußten sie sich gegen die Störung sträuben, die der Erschließung ihres Herzens im Wege stünde. Um so zurückhaltender müssen sie sein, je größer die Unabsehbarkeit der Tragweite des Erschließens ist; denn sie sind sich wohlbewußt, daß ein Gespräch, je näher seinem Abschluß zu, um so gedanken-verknüpfter, entscheidender, feierlicher Avird. Es sollte doch aus dem gemeinschaftlichen Gedankengut im innigsten Austausch das neue Geistesprodukt entstehen! Mit einem Gleichnis: Wer wird eine kostbare Packung loser Diamanten, an sich nur kleine und kleinste Steine, — wer ward sie unter stürmischem Winde überhaupt auspacken? Ebenso auch beim Gespräch. S o kommt es, daß mitunter die „sieben Siegel" des innersten Heiligtums geschlossen bleiben. Ist diese Erkenntnis nicht schon eine Teil-Lösung des Problems der Erschließung von Mensch zu Mensch? IL Aber was ist es denn, was in einem Gespräch „zu werden", oder vielleicht „nimmermehr zu werden" hat? Und wie rechtfertigt sich gar das Gleichnis der Diamanten? Es heißt in der Religionsphilosophie: „Alle Dinge sind in GOTT urgedachte Wesenheiten". Mithin: Die Welt entsteht, indem Gott sie denkt, die Welt ist die Verwirklichung des göttlichen Gedankens. Daß hier von einem Denken oder Denkprozeß die Rede ist, das menschenähnlich auf die Gottheit bezogen wird, das seil uns insofern noch zustatten kommen, als wir ja, mit dem weiteren Folgern, von der Gottheit wiederum auf den Menschen zurück schließen sollen, wie auf Gottes Ebenbild. Gott „denkt", so heißt es, auf daß um so treffender gesagt sein könne: der Mensch „denkt". Dies soll und kann der bibelmäßigen Auffassung eines unermeßlichen Abstandes zwischen Gott, dem Absoluten, und Mensch keinen Abbrach tun. Vom Menschen heißt es in der uralten Weisheit: „D a s Wort des Menschen schafft neue Himme 1". Mit „Wort" ist wohl des Menschen geistige Betätigung gemeint, dessen Symbol das Wort ist; mit „Himmel" die geistige Voraussetzung zu jedem neuen Entstehen. Diese geistige Betätigung des Menschen, das ist, mit einer umgekehrten Begriffsübertragung von der obigen, von der wir ausgegangen waren, der göttliche Geist, auf Gottes Ebenbild übertragen. Ein biblisch Gegebenes. Diese gottesähnliche geistige Betätigung des Menschen, als was kann sie anders bezeichnet werden, denn als Ideen - Verknüpfungen, als Zusammenhangs - Wirkungen von Ideen oder Gedanken? Und diese erschaffen eine „neue Welt". Mithin: Auch was der Mensch denkt „wird". Besser gesagt: es ..i s t". Und wahrlich, so oft der Mensch gottgegeben will, ist das Gottes Wollen. Freilich, wie viel ein menschlicher Wille in Verirruugen verfallen kann, das braucht hier nicht erörtert zu werden. Nein, nur soviel ist des Menschen Willensgedanke, nur soviel sind seine Ideen-Verknüpfungen gottesähnlich, wirksam, als der Mensch in seinem Geiste rein, Gottes Ebenbild ist. Unter welchen äußeren Bedingungen wird nun dies „relativ größte" Seelen-Vermögen des Menschen tätig? Wir sahen welchen Hauptbedingungen zu genügen ist: Unerläßlich ist die Erfüllung der Bedingungen von Zeit, Ort, Seelenruhe und Gesprächsdauer," und zwar schon bei gleichgesinnten Gesprächspartnern. Denn die Ideen-Verknüpfungen sind, als eine in sich abgeschlossene Einheit, entweder „ganz", oder aie „sind nicht" — auch sind diese eine niemals im voraus voll absehbare Größe —, und schließlich ist der Geist, je substiler, um so mehr in seinem Gleichgewicht bedingt. Und was „nur bedingt" „wird", das kann sonst „nicht", ja, wie behauptet war, vielleicht nimmermehr „werden". — Bleiben die Bedingungen unerfüllt, so schafft das Gespräch keine „neue Welt"; es läuft leer, es war „umsonst". Da aber das Gespräch selbst, vornehmlich ein Zwiegespräch, allerernstest gemeint, d. h. an das Heil gerichtet war, so war es auch ein heiliges, ein in Gott erdachtes, in Gottes Anwesenheit zu führendes Gespräch. Wird es „umsonst angebahnt", so ist eben „die Gottheit umsonst herbeigerufen". Welch' ein Verstoß gegen Gottes Gebot! (Leser, die sich für die Gedankengänge des vorstehenden Aufsatzes interessieren, werden vom Verfasser gebeten, sieh mit ihm in Verbindung zu setzen; Anschrift: Oederweg 124m.) Jüdische Gestalfen bei Romain Rolland Von Studienrat Moritz Simon Ein Dichter von der universellen Bedeutung Romain Rollands, für den die ewigen Ideen der Wahrheit und Gerechtigkeit den höchsten Leitstern seines künstlerischen Schaffens bedeuten, kann an den vielseitigen Fragen des Judentums und seinem Verhältnis zur Umwelt nicht vorübergehen. Für den großen Europäer, dessen Idealismus Klassen- und Rassenhaß ablehnt, kommt eine anfcijüdischc Einstellung von vornherein in Wegfall. Damit soll aber nicht gesagt werden, daß der Dichter nur einseitig auf Lob eingestellt ist, Schon die dem ersten Buch von Johann Christoph entnommenen Worte: „Jede Rasse, jede Kunst hat ihre Heuchelei" lassen auch in bezug auf die jüdische Frage eine kritische Stellungnahme -des Dichters erwarten. Ein besonderes Werk hat der Dichter dem jüdischen Problem nicht gewidmet. Dagegen finden sich in seinem Hauptwerk, dem „Johann Christoph", eine Fülle jüdischer Charaktere. Die Wesenszüge dieser Typen herauszuarbeiten und die Stellung des Dichters zu ihnen nachzuweisen, ist bei seiner überragenden Bedeutung eine lohnende Aufgabe. Um Romain Rolland gerecht zu werden, muß auf die Feststellung Wert gelegt werden, daß der Dichter seine Kenntnis von Juden und Judentum nicht aus zweiter Quelle schöpfte. Wir wollen daher zunächst den jüdischen Einflüssen auf seinem Lebenswege nachgehen. Der Dichter versichert uns selbst, so auch in den Briefen an Malvida von Meysenbug, daß seine Freundschaft mit dem jüdischen Dichter Suarez für die weitere Gestaltung seiner Weltanschauung richtunggebend wurde. Bonnerot in seiner Biographie über Romain Rolland, sowie auch Hans Leo Götzfried: „Romain Rolland, das Weltbild im Spiegel seiner Werke"

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