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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-01-01 · 5 (1.1933) · p. Seite 114

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
5 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 114 (sequence 4)
Language
German
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Seite 114 mit dem Ausdruck seines Dankes an die Gemeinde und ihre Organe. Namens der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler überbrachte Herr Dr. Felix Kauffmann herzliche Glückwünsche. Die im Jahre 1900 unter dem Vorsitz von Charles Hallgarten auf Veranlassung des Düsseldorfer Museumsdirektors Heinrich Frauberger gegründete Gesellschaft stellte sich die bis dahin fast unbekannte Aufgabe, das aus früheren Jahrhunderten überkommene reichhaltige Material jüdischer Kunst-, Kult- und Ritual-Gegenstände zu sammeln und der wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglich zu machen. Die zahlreichen Publikationen der Gesellschaft sind heute zum unentbehrlichen Rüstzeug aller auf diesem Gebiet tätigen Kunstforseher geworden. Der Redner gedachte der bedeutenden Männer, die der Gesellschaft seit ihrer Begründung bis heute zur Seite standen und widmete ein besonders herzliches Gedenkwort dem heimgegangenen Herrn Julius Goldschmidt, der seit 1908 Vorsitzender und der gute Geist der Gesellschaft war. Mit der Versicherung, daß die Gesellschaft auch weiterhin pietätvoll sich in der Verwaltung des Rothschild-Museums betätigen werde und der Ankündigung, daß die Arbeiten für die Neueinrichtung bereits in vollem Gange seien, schloß der Redner seine Ansprache. Zuletzt sprach namens der Hauptverwaltung der Gemeinde Herr Syndikus Dr. Eugen Mayer. Er hob die Bedeutung des neuen Gemeindehauses für die darin tätigen Beamten hervor und gab einen kurzen historischen Rückblick über die Schicksale des alten Frankfurter Judenquartiers, an dessen früherer Grenze das neue Haus sich erhebt. Der Chor „Seht er kommt" aus dem Oratorium Josua von Händel beendete die würdige und eindrucksvolle Feier. Hieran schloß sich ein Rundgang durch die neuen Räume. _ Anläßlich der Einweihung hatte der Gemeindevorstand beschlossen, von jeder größeren Feierlichkeit abzusehen; statt dessen wurde der jüdischen Wohlfahrtspflege ein größerer Geldbetrag mit der Auflage überwiesen, fünfzig Familien, die nicht hi regelmäßiger Unterstützung stehen, eine Winterbeihilfe zu übermitteln. Die Behandlung biblischer Erzählungen im Koran Von Martin Pleßner I. Die Jahre 1932 und 1933 erfüllen für eine allgemeinere Betrachtung des in der Ueberschrift genannten Gegenstandes die Anforderung, die man im allgemeinen für solche Fälle zu stellen pflegt: es sind nämlich Jubiläumsjahre des Gegenstandes. 1932 waren es 1300 bürgerliche Jahre seit dem Tode Muhammeds, des Propheten der islamischen Religion, die nicht nur positiv durch Uebernahme zahlreicher Elemente gesetzlichen, legendarischen und sonstigen Charakters vom Judentum aufs stärkste beeinflußt worden ist, sondern auch negativ durch Bestimmungen und Erzählungen, die in bewußtem Gegensatz zu entsprechenden jüdischen in die Welt gesetzt wurden, also in polemischem Bezug auf das Judentum geformt wurde. Stellt so 1932 ein Gedenkjahr für die abendländischen Betrachter des Islams als solchen dar — für die Muhammedaner nicht, da sie eine andere Zeitrechnung haben —, so ist 1933 ein Gedenkjahr der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Islam und Judentum, wie sie oben stichwortartig angedeutet wurden. Es sind nämlich genau 100 Jahre verflossen, seit im Jahre 1833 die erste Schrift über dieses Thema erschien, die berühmte von der Universität Bonn preisgekrönte Arbeit Abraham Geigers: „Was hat Mohammed aus dem Judenthume aufgenommen?" Diese Arbeit ist natürlich heute überholt. Aber an den von Geiger erstmals aufgeworfenen Problemen ist unablässig von JudenNund Nichtjuden weitergearbeitet worden; und wenn es gerade im Interesse richtig verstandener Pietät besser gewesen wäre, die Schrift 1902 nicht fast unverändert zu reproduzieren, sondern sie, soweit möglich, auf den Stand der mächtig erweiterten Forschung zu bringen, so hat doch Geigers Pioniertätigkeit auf diesem Gebiete einen berechtigten Anspruch darauf, daß wir uns ihrer noch nach 100 Jahren dankbar erinnern. Die Geigersche Frage muß für eine kurze Betrachtung, wie sie hier geboten werden kann, stark eingeschränkt werden. Unter Weglassung aller gesetzlichen und weltanschaulichen Elemente sollen lediglich die erzählenden Teile des Koran behandelt werden; und selbst innerhalb dieses Teilgebietes wollen wir nur erörtern, was der Koran an erzählenden Stücken aus der Bibel selbst aufgenommen hat, die Beeinflussung durch die Zutaten der rabbinischen Tradition also außer Betracht lassen. Wird io der Einfluß gegenständ auf die Erzählungen und die Einfluß quelle auf die Bibel beschränkt, so liegt weiter schon im Titel der Geigerscheh Schrift wie auch dieses Aufsatzes eine weitere Beschränkung des Empfänger s der biblischen Erzählungen auf den Koran, d. h. die kurz nach Muhammeds Tode kodifizierte Sammlung seiner Offenbarungen, unter Verzicht auf Behandlung derjenigen biblischen Erzählungen, die in nachkoranischer Zeit, also nach 632 n. Chr., in den Islam eingedrungen bzw. im Islam bezeugt sind. Schon eine unter diesen drei Einschränkungen stehende Betrachtung liefert bei der reichen Fülle des Stoffes überaus interessantes Material für den Historiker und Literaturforscher. Es ist unmöglich, sich über Wesen und Charakter der biblischen Einflüsse auf den Koran klar zu werden, ohne mit einem Worte auf den Charakter des Korans als solchen einzugehen*). Das ist aber deshalb sehr schwierig, weil der Koran einer sachlichen Anordnung ermangelt. Das Alte Testament weist eine Reihenfolge seiner Teile auf, die teils sachlich begründet ist (das gilt für das große Geschichtswerk von Genesis bis 2. Kön., sowie für die Bücher der Schriftpropheten), teils historisch zu verstehen ist (das gilt für die Hagiographen, die erst in nachexilischer Zeit entstanden oder erst damals zu „heiligen" Schriften geworden sind); und auch diese Teile selbst sind in sich geschlossene Bücher, deren jedes einen angebbaren einheitlichen Inhalt hat. Und wenn man den Koran nur mit dem Pentateuch vergleichen will, was eine gewisse Berechtigung hat, da beide Werke über die Lebenszeit der Religionsstifter nicht hinausgehen, so finden wir im Pentateuch die zahlreichen Gesetze, die doch den historischen Erzählungszusammenhang eigentlich störend unterbrechen müßten, so geschickt in die Geschichtsdarstellung hineinkomponiert, daß von solcher Störung nur sehr bedingt die Rede sein kann. Aehn- Iich steht es mit dem Neuen Testament. Die historischen Bücher: die Evangelien und die Apostelgeschichte, jedes in sich klar begrenzt, stehen voran, es folgen die Sendschreiben der Apostel an die Gemeinden der Diaspora und an Einzelpersonen, und den Beschluß macht die Offenbarung Johannis, in ihrem Charakter am ehesten mit dem Buch Daniel zu vergleichen. Nicht so der Koran. Obwohl die beiden Testamente sein Vorbild waren und ihre bloße Existenz seine Entstehung entscheidend mitbedingt hat, ist sein literarischer Charakter von ganz anderer Art. Er besteht aus einzelnen kürzeren oder längeren Offenbarungen verschiedensten Inhalts, die nach jüdischem und christlichem Vorbild der Rezitation dienen sollten; daher der Name Koran, der nichts anderes besagt als n*f*lR d. h. Vorlesung (speziell aus der Heiligen Schrift) und ursprünglich als Bezeichnung für die einzelne Offenbarung *) Eine deutsche Uebersetzüng, die im ganzen als korrekt zu "bezeichnen ist,S ist bei Rerlam erschienen. Die Verszählung entspricht vielfach nicht der .im Is'am üblichen.

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