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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-01-01 · 5 (1.1933) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
5 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich und wird den Gemeindemitgliedern unentgeltlich durch die Post zugestellt. — Preis der Einzelnummer 50 Pfg. — Anzeigen nach Tarif. — Sehriftleitung und Anzeigenyerwaltung: Gemeindehaus, Fahrgasse 14&. Fernsprecher: Sammelnummer Hansa 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatta nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. 11. Jahrgang Frankfurt a. M., Januar 1933 Nr. 5 Einweihung des Gemeindehauses Am Sonntag, dem 11. Dezembev, vormittags 11 Uhr, fand im Sitzungssaal des erneuerten und erweiterten Gemeindehauses eine schlichte Einweihungsfeier statt. Die Feier wurde durch Gesangsvorträge des Chors der Westendsynagoge unter der Leitung seines Dirigenten, Herrn Studienrat Frank Rothschild, eingeleitet und abgeschlossen. Nachdem die feierlichen Klänge des Psalms 127: „Wenn Gott der Herr das Haus nicht baut" in der schönen Vertonung von de Rossi verklungen waren, ergriff zunächst der Vorsitzende des Gemeindevovstands, Herr Justizrat Dr. Blau, das Wort zu seiner Begrüßungsansprache. Trotz der schweren Zeit habe sich die Notwendigkeit eines Umbaus und einer Erweiterung des Gemeindehauses ergeben, und wie seinerzeit beim Erwerb des Gebäudes habe auch diesmal die pietätvolle Tochter des letzten der Frankfurter Rothschilds, Frau Baronin Edmond de Rothschild in Paris, das Werk ermöglicht. In tiefer Wehmut und Dankbarkeit gedenke die Gemeinde bei diesem Anlaß des ihr im vergangenen Jahr entrissenen Vorstehers, Herrn Julius Goldschmidt, der in unvergleichbarer Tatkraft und mit seiner großen Anhänglichkeit an seine alte Gemeinde sich für das Zustandekommen des Werkes eingesetzt habe. Namens der Gemeinde danke er allen, die sich am Bau betätigt haben, ebenso auch den Gästen, die der heutigen Einladung gefolgt sind, insbesondere " Herrn Polizeipräsident Steinberg und Herrn Baron Rudolf v. Goldschmidt-Rothschild. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Herr D r. Richard Merzbach, hob die Bedeutung hervor, die das neue Gebäude für die sachgemäße Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten haben werde und betonte sodann, daß über diese Verwaltungsarbeit hinaus der Blick auf die großen Aufgaben der Gemeinschaft gerichtet bleiben müsse, insbesondere auf die Pflege des Unterrichtswesens und die Gotteshäuser. Der Gemeindeverwaltung solle stets eingedenk bleiben, daß dieses Haus auch vorher niemals nur ein Geschäftshaus war, sondern daß die Mitglieder der Familie Rothschild stets von dem sozialen Sinn der jüdischen Gemeinschaft erfüllt waren. Gerade diese Vergangenheit des Hauses lege besondere Verpflichtungen auf, aus deren Erfüllung die Verwaltungsarbeit ihre Weihe und ihren Segen erhalten werde. Herr Rabbiner Dr. Selig mann begann seine Ansprache mit dem Segensspruch „Schehechejonu", mit dem zunächst zum Ausdruck komme, daß all unser Erleben und Schaffen unter der Herrschaft Gottes stehe, also auch die Weihe dieses neuen „Versammlungshauses". Dankbarkeit gegen Gott erfülle alle in dieser Stunde. Dank gebühre aber auch dem Haus Rothschild, das seinen Adel nicht nur der Fürstengunst, sondern seiner Gesinnung und der großzügigen Erfüllung seiner sozialen Verpflichtungen verdanke. Die Weihe des Hauses sei ein Akt der Pietät, und wenn sie mit dem gleichen Segensspruch vollzogen werde, wie ihn die Väter bei solchen Anlässen aussprachen, so sei dies ein Zeichen dafür, daß auch hier die Enkel den Bund mit den Vätern erneuen, so wie in jedem Segensspruch der Eltern über ihre Kinder der Stammvater Jakob fortlebe. „Der Stein aus der Mauer schreit". An dieses Wort des Propheten Habakuk knüpfte Herr Rabbiner Dr. H o f f - mann an. Auch dieses Haus habe seine eigene Sprache, die der Pietät. Altes und Neues, Kulturelles und Materielles sei in ihm gesammelt und geeint. In dieser festlichen Stunde dürfe man den Wunsch aussprechen, daß die Sprache des Hauses unser aller Sprache im Leben sein solle, so wie einstmals den Wanderern durch die Wüste außer der Bundeslade Gottes auch der Sarg Josefs vorangetragen wurde, das ewige Gesetz und das Symbol treuer Pietät. Trotz aller Not der Zeit sollten wir in der Pflege der geistigen Güter nicht erlahmen, die uns Lebenssinn und Lebenszweck stets gewesen sei. Thora und Heiligtum wurde dem jüdischen Volk zuteil, bevor es ein Land hatte, und der Stammvater Jakob, der als armer Wanderer in eine ungewisse Zukunft hinauszog, errichtete unterwegs einen Denkstein, den er zu einem Gotteshaus bestimmte. Bei solcher Gesinnung werde die in dem Haus geleistete Arbeit der Frankfurter Gemeinde ihre jahrhundertealte Bedeutung erhalten. Namens der Baukommission ergriff sodann deren Vorsitzender, Herr Otto Bonwit, das Wort, um in kurzen Ausführungen die Geschichte der Bauaufgabe und ihrer Durchführung darzulegen. Neben ausreichenden Verwaltungsräumen sei nunmehr für eine würdige Unterbringung des Gemeindearchivs, der Bibliothek und des Lesesaales, sowie vor allem des Rothschild-Museums gesorgt, dessen wertvolle Bestände nun erst zur richtigen Geltung kommen werden. Besonderes Gewicht sei von der Kommission darauf gelegt worden, daß die zur Verfügung stehenden Kredite in keiner Weise überschritten wurden. Mit Dankesworten für die hervorragende Leistung des Architekten, Herrn Richard Kaufmann, und den örtlichen Bauleiter, Herrn Ernst Schragenheim, sowie alle beteiligten Firmen, Handwerker und Arbeiter schloß der Redner seine Ausführungen. Ihm folgte der Architekt Herr RichardKaufmann selbst, der seinen Dank für die Uebertragung der ebenso schönen wie schwierigen Aufgabe aussprach und die Probleme kurz darlegte, vor die er sich als Baumeister gestellt sah. Insbesondere sei es darauf angekommen, die Atmosphäre des Hauses zu erhalten, was nicht immer einfach war. Auch eine ganze Reihe schwieriger technischer Probleme habe der Lösung bedurft, denn es habe sich während des Umbaus herausgestellt, daß der bauliche Zustand an verschiedenen Stellen noch fragwürdiger war als man zuvor angenommen hatte. Im übrigen bezog sich der Redner auf seinen bereits im Gemeindeblatt veröffentlichten Bericht und schloß

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