Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 4 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 90 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 90 treter der Galerien Lafayette in Paris, ein anderer Hühneraugenschneider. Die übrigen sind Rentner. Drei Synagogen. Eine liberal, -eine orthodox und eine für das jüdisch-englische Militär. Alle jüdischen Geschäfte haben Samstag geschlossen, dafür aber Sonntag offen. Ein aus der Türkei stammender Geldwechsler fragte mich, was Kaiser Franz Josef mache, ein anderer erkundigte sich nach dem. „bolschewistischen Finanzminister Breitner". Der Gemeindesekretär erzählte mir Dinge, die in mir das Gefühl eines Reiters überm Bodensee erweckten. Die neutrale Zone, die glattasphaltierte Straße nach Gibraltar, ist mit Dynamit unterminiert- und kann bei Ausbruch eines spanischen Krieges innerhalb weniger Sekunden in die Luft gesprengt werden. Die Insel würde sich in einem solchen Falle zwei bis drei Jahre mit den aufgespeicherten Lebensmitteln erhalten können. Abends ging ich mit dem Sekretär in den Tempel. Sabbatausgang. Jeder bekommt einen kleinen Oelzweig in die Hand. Nach Schluß des Gottesdienstes reißen sich alle um den gesegneten Wein, mit dem man sich die Hände und den Kopf benetzt. Man nimmt den Zweig nach Hause mit. Er soll seinen Besitzer während der nächsten Woche an den Sabbat erinnern. Ein jüdischer Brauch, den ich sonst nirgends sah. Herr Benady. der Präsident, ein guter, aber sachlicher Mensch, meinte am folgenden Tage, daß ich nun nach Afrika könne. Die Reise bezahle die Gemeinde. Aber mir gefiel es zu gut in Gibraltar. Schließlich kommt man doch dort nicht alle Tage hin. Ich flunkerte ihm vor, daß ich postlagernd einen Brief von meiner Schwester aus Amerika erwarte. Zufällig war gerade die ,.Saturnia" der Cosulich Line aus New York fällig, und ich verlängerte die Gastfreundschaft der Gemeinde um einen weiteren Tag. Den Sonntag benützte ich mehrmals, verbotene Gebiete zu betreten, wurde aber immer ertappt und vorläufig ..gcntlemanlike" davongewiesen. Draußen außerhalb der Stadt war es wunderschön. In der Alameda, von tropischen Pflanzen umgeben, gab es schmucke Landhäuser begüterter (»ftiziere. In der „Europa Road" kann man sich eines eigenartigen Gefühls nicht erwehren. Drüben, von wenigen Nebelschleiern verhüllt, grüßt Afrika! Je mehr man sich dem „Point4-, Europas äußerstem Südpunkt, der Südspitze der Insel nähert, desto besinnlicher macht das großartige Panorama. Ich ging meine Jauseneinladungen absolvieren. Die vSalurnia" brachte natürlich keine Post, und es hieß Abschied nehmen. Am anderen Tage, sollte es wieder losgehen. Nach Afrika! Schon der Gedanke daran berauschte mich. Es stellte sich heraus, daß ich nach Tanger nicht einreisen durfte. Diese Stadt ist internationales Gebiet, und Deutsche, Oesterreicher, Türken und Russen sind dort unerwünscht. Nur Touristen ans diesen Ländern mit gespickten Brieftaschen dürfen vom Schiff aus zwei Stunden in dieser Stadt spazieren. Also, via Algeciras nach Genta. Der Sekretär gab mir eine Unmenge Ratschläge und Erklärungen. Ich solle nur ungeniert bei den Kultusgemeinden drüben in Marokko vorsprechen. Wie naiv doch so ein Sekretär sein kann. Er brachte mich zum Commercial Pier, wo die Dampfer nach Algeciras anlegen. Einige Leute begleiteten mich. Ich bekam Segenswünsche, eine Fahrkarte nach Algeciras und 15 Peseten für die Ueberfahrt nach Marokko, wohin ich am selben Tage noch hingelangen sollte. Adios! Schalom! Good bye! Praktisch schenken heißt WMF-Qualitätserzeu gnisse wählen Gebrauchs- und Ziergeräte für jeden, auch den verwöhntesten Geschmack, in Echtsilber und schwerversilbert aus Ikora-K'-istall und -Edelmetall. Hochmoderne Beleuchtungskörper (Spezialität: Deckenstrahler< Neuheit: Ikora Edelschmuck l Wir bitten um zwanglose Besichtigung. Württembergische Metallwarenfabrik NIEDERLASSUNG FRANKFURT-M., ROSSMARKT 1 I Der Oberpräsident in Kassel hat unterm 18. Okt. 1932 die neue Satzung der gemeinnützigen u. mündelsicheren Siäöiischen SparkasseFrankluri a.M. Hauptstelle: Domstr. 9 u. Börsenplatz 5 genehmigt. Die Sparkasse ist somit eine Körperschaft des öüenilicHen Rechts geworden. Die neue Sparkassensatzung wird durch Aushang im Kassenlokal der Hauptstelle und sämtlicher Zweigstellen der Städtischen Sparkasse zu Frankfurt am Main bekanntgegeben. Frankfurt am Main, den 1.November 1932. Vorsfanrl der Stadllschen SparkassezaFranklnrla.MalD DEUTSCHE EFFECTEN- UND WECHSEL-BANK vormals L. A. Hahn - gegründet 1821 - Akt. Ges. seif 1872 FRANKFURT A. M. Kai8erstraBe 30 Konstanter Wache Allerheiligenstraße 89 Offenbach a. M. Frankfurterstraße 54 DEPOSITEN KASSEN Bockenheim Leipziger straße 50 Osthafen Hanauerlandstraße 125 Höchst a. M. Dalbe gstrasse 3