Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 4 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 89 (sequence 11)
- Language
- German
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Das Buch Das große, von M a r t i n Bube r gemeinsam mit F r a n z Kosenzweig unternommene Werk einer neuen Verdeutschung der Heiligen Schrift schreitet rüstig voran. Seit dem Tod Franz Rosenzweigs, der noch an der Verdeutschung des .Jesaja mitarbeiten konnte, hat Buber den Jeremias und nun den Jecheskel fertiggestellt. Wie er seihst sagt, hätte er ■die Verdeutschung nicht fortzusetzen vermocht, wenn nicht die Werkgemeinschaft auch nach dem Tod des einen Werkgenossen fortdauerte. Besonderer Dank gebührt dem Verlag Schocken, daß er die Fortsetzung des großen Werks, von dem nunmehr die ersten zwölf Bände vorliegen, ermöglicht hat. Eine kleine Probe der Uebersetzjing sei hier wiedergegeben. ... So hat mein Herr, ER, gesprochen: Ja, unter die Weltstämme habe ich sie entfernt, und ja, in die Länder habe ich sie versprengt, und nur noch wenig bin ich ihnen zum Heiligtum in den Ländern wohin sie gekommen sind, — darum sprich: So hat mein Herr, ER, gesprochen: Aber ich hol euch zuhauf aus den Völkern. Seite 89 Jecheskel aber ich sammle euch aus den Ländern wohin ihr versprengt worden seid, und gebe euch den Jissraelsboden: dorthin sollen sie kommen und hinwegräumen daraus all seine Scheusale all seine Greuel. Ich gebe ihnen ein einiges Her/.. einen neuen Geist gebe in ihre Brust ich, das Steinherz räum ich aus ihrem Fleisch und gebe ihnen ein Fleischherz: damit sie in meinen Natzungen gehn, meine Rechtsgeheiße wahren und sie tun. Sip solh'i) mir werden zum Volk und ich werde ihnen zum Gott. Auf Wanderschaft in Gibraltar Von H a n s H a c k e r Mein Köli'erchen ließ ich in einem Gasthaus vor den groß:?» Steintoren der neutralen Zone zurück und ging mit Herzklopfen über die asphaltierte Straße zur englischen Gebietskontrolle. Die gutgewachsenen semmelblonden ..Bobbies" unterhielten sich vor einem kleinen unscheinbaren Häuschen, sodaß ich garmeht beachtet wurde. In der Hand hatte ich ja nichts und ich unterschied mich in keiner Weise von einem spanischen Handlungsgehilfen. Dennoch sind die Aufenthaltsvorschriften in Gibraltar sehr streng, und ich richtete ziemliches Unheil dadurch an. daß ich mich nicht selbst bei dein eigentlich sehr harmlosen Beamten meldete. Fremden ist der Aufenthalt in dieser Festungsstadt nur bis zum Eintritt der Dunkelheit gestattet. Hat man aber viel Geld, oder kommt man gar mit einem Auto an, dann kann das Hotel, in dem man absteigt, einen ..Permit" für einige Tage besorgen. Ja, nun war wieder ein Wunsch erfüllt. Ich erinnerte mich an Gespräche aus meiner Schulzeit. Da phantasierte ich einmal, wenn ich groß bin, da wandere ich nach Spanien, und von Gibraltar fahre ich mit einein „Schinakel" nach Afrika. Wie wurde ich damals ausgelacht! Und mm suchte ich. der im Geist, noch immer ein Schuljunge war. in dieser dunklen, realen Welt meine Phantasien. Gibraltar erreicht zu haben, versetzte mich in glückliche Stimmung. Die Batterien, die Festungsanlagen, selbst die Kanonen, die einem von der Höhe der Insel unheimlich anblicken, konnten mir meine Lust an Unbekanntem nicht rauben. Und so viel Unbekanntes war in der Mainstreet zu sehen. Vor allem gibt es erstaunlich viel europäisch gekleidete Araber.' Läden mit afrikanischen Kuriositäten und solche mit .,Spanish Shawls" für die zahlreichen Touristen, die aus England nach Indien oder Australien fahren, geben der Straße das Gepräge. Vor der City Hall, dem Rathaus, werden, auE dem Pflaster ausgebreitet, Tropenhelme und Charles Dickens-Bücher verkauft. Ueberall marschiert khakibraunes Militär singend herum. Ein Bobby jongliert lustig seinen Gummiknüppel, pfeift die verbreitete Melodie „Mi pequeno chiquita" und weist alle zwei bis drei Minuten einem Militärauto oder einer alten Droschke mit einer noch älteren Lady die Richtung. Ich fragte den Bobby — so werden die Polizisten genannt — ob es hier einen deutschen Konsul gäbe. ..Yes Seüor." Er gab mir nähere Auskunft. Der Konsul ist ein Stockengländer. Er hat die Vertretung einiger deutscher Schiffahrtslinien. Für eine offizielle Hilfeleistung war er, da ich österreichischer Staatsbürger bin, nicht zu gewinnen. Ganz gegen die Gewohnheit eines Engländers gab er mir. wie er sagte, aus seiner eigenen Tasche fünf Peseten. Hierauf fragte ich ihn, ob es hier eine jüdische Gemeinde gäbe, und wo sich deren Sekretariat befände. Es war eine Gewohnheit von mir, immer erst, wenn Ich beim Konsul schon was erreicht hatte, nach den Juden zu fragen. Sonst hätte ich wohl häutig statt einer Unterstützung eine Vertröstung auf die Hilfe der reichen Juden erhalten. Der Konsul schickte mich zum Präsidenten der Hebrew Community. Senor M. Benady. Und in der nächsten Stunde machten die Juden von Gibraltar aus mir eine Sensation. Nachdem ich in der Wohnung des Genieindesekretärs einquartiert worden war, mobilisierte man einen englisch-jüdischen Rechtsauwalt, der gut deutsch sprach. Er frag-te mich, wohin ich wolle. Hoffentlich doch nicht auch nach Amerika, wohin die Gemeinde erst jüngst einem Rabbiner aus Polen die Reise bezahlt habe. Sie könnten mich nach Tatiger oder Tetuan in Marokko senden, wo es große Judengemeinden gibt. Uebrigens machen sie sich eine Ehre daraus, mich vorläufig über Sabbat als Gast der Gemeinde zu bewirten. Er fragte mich, wo ich mein Gepäck und Eintrittsticket der Polizei habe. Da wurde ich verlegen. ..Gepäck? Das Köfferehen ist draußm vor den Toren in einem Gasthaus." Ich erzählte, wie ich nach Gibraltar hereingekommen war. Gab das eine Aufregung! Mit einem Auto fuhren wir hinaus, den Koffer holen. Es ging auf Sabbat zu. Die Polizei telephonierte herum. Skandal. Wieso ich ohne Ticket hereinkam. Aber jetzt konnte mir nichts mehr geschehen, fch war Gast der Hebrew Community. Abends war die Synagoge ganz voll. Alles kam. um mich zu sehen und mit mir zu sprechen. Sie waren enttäuscht, daß ich nicht wie mein ehrwürdiger Vorgänger die heilige Sprache spreche. Sie trösteten sich aber bald und fragten mich auf englisch und spanisch aus. Der Gottesdienst wurde nach sephardischem Ritus abgehalten. Bei dem Gemeindesekretär. bei dem ich zu Abend aß und schlief, fühlte ich mich nach langer Zeit wie zu Hause. Ich sah bei ihm die in Tanger (Marokko) erscheinende spanisch-zionistische Zeitschrift ..Renacimento de Israel" (..Jüdische Renaissance"), die in einer Auflage von BOGO Exemplaren zweimal im Monat erscheint. Es war angenehm, wieder in einem guten, weichen Bett zu liegen. Morgens frühstückte ich behaglich und lief den ganzen Tag herum. Auch auf der Straße wurde ich von vielen Juden angesprochen, die mich in der Synagoge gesehen hatten. Ich bekam sechs Einladungen zur Xachmittagsjause. Aber ich schlug, übermütig geworden, alle aus und vertröstete sie auf den anderen Tag. Die Juden in Gibraltar sind sehr fromm. Die jüdische Gemeinde zählt 900 Seelen. Zweihundert Familienoberhäupter haben Kaufläden, fünfzig leben vom Geldwechsel, dreißig sind Advokaten, acht Schiffsmakler, fünf Pensionsinhaber, zwanzig Kultusangestellte, sechs Teinpeldiener. einer davon ist Ver- *PerWach$ ^_j^_IHH^ hauchdünn auftragen . sofort A •';polieren Werwaditäermdii die ideale Polier-Creme für Linoleum. Parkett; LMöbel, Stein. A Leder. Auto. gibt spiegelnden Glanz verhütet Ausrutschen L äuFTreppen A u.Fußböden