Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 4 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 84 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 stellenden Westendwohnungen entspricht, und kann durch Oeffnen einer Harmonikatür auf 8X12 Meter gebracht werden. Am Ende des Gebäudes an der Börnestraße ist eine Eisenbetontreppe, von ganz' oben doirchgehend bis zu einem besonderen Ausgang auf die Straße, eingebaut worden. Es sind also zwei vollgültige Treppen vorhanden, da auch die Treppe in dem alten runden Treppenhaus nunmehr ohne Schwierigkeit begehbar ist. Der ßauvorgang hatte mit einigen Erschwerungen zu rechnen. Erstens hatte die Gemeinde beschlossen, im Hause wohnen zu bleiben. Es mußte deshalb immer die erforderliche Zahl, von Räumen benutzbar sein und idie zugehörigen Gänge und Treppen von den Unbilden des Umbaus freigehalten werden. Dies konute natürlich nicht in ganz idealer Weise erreicht werden, denn Staub und Lärm dringen durch die feinsten Ritzen. Zweitens war ein etappenweises Vorgehen durch den fragwürdigen Zustand des Hauses geboten. Dieses wurde in seinem Verbände erst angegriffen, als der Neubau in der Börnestraße ein gutes Widerlager bot. Erst dann konnte das alte Haus ausgehöhlt und die Konstruktion eingebaut werden, die wie im Neubau aus einem System von durchgehenden eisernen Stützen mit eisernen Unterzügen in jedem Geschoß besteht und auch im Altbau die Last a,uf neugeschaffene umfangreiche Fundamente überträgt. Drittens wurden während, des Umbaus unsere Erwartungen bezüglich des fragwürdigen Zustands der alten Bauteile durch die vorgefundene Wirklichkeit weit übertroffen. Zwar erwies sich das vorhandene Material, das wiederverwendet werden sollte, wie z. B. die Gebälke, als zumeist gesund. Dagegen wat\ CHI ren an ^^o0'11 Stellen, und I R%\ gerade an statisch wichtigen, Umbauten vorgenommen worden, vielleicht uim die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Diese Umbauten zeigten derart bedenkliche Fehlkonstruktionen, 'daß ihnen n ur mit allergrößter Vorsicht nahegekommen wer- Siizungssaal Treppenaufgang Jüdischer Maurergeselle den durfte. Nur ein Beispiel: ein dicker eiserner Träger, der offenbar einiges au tragen hatte, ruhte auf einer starken eisernen Säule auf. Diese aber stand •bei näherer Untersuchung auf — gar nichts, sondern war in Wirkh'chkeit an dem Träger aufgehängt, den sie stützen sollte. (Eine Weile hätte es wahrscheinlich noch gehalten, wie dies in so alten " Häusern der Fall ist, wo alle Materialien miteinander verfilzt sind und sogar der Deckenputz und die Fußbodenbretter ein klein wenig mittragen helfen.) Solche Umbauerschwe- "..rungen kosten im allge- . - meinen entweder viel Geld oder Zeit, und es fragt sich im Einzelfalle von welchem von beiden mehr da ist. In unserem Falle kam es auf die Zeit weniger an, denn materieller Schaden entstand durch die etwas verlängerte Bauzeit nicht. Was aber das Geld betrifft, so darf erwähnt werden, daß gegenüber dem Voranschlag wesentliche Einsparungen gemacht worden sind. Diese Einsparungen sind zum Teil durch die Konjunktur "bedingt. Daß sie jedoch durch die bekannten, bei Umbauten nicht selten bemerkbaren „unvorhergesehenen" MehrauiSgsaben nicht wieder aufgehoben wurden, sondern sogar vergrößert werden konnten, das liegt nicht zum wenigsten ein der freigebigen Zdtdisposition der Bauherrschaft. Und es liegt auch — hier sei dem Architekten die Erteilung einer weiteren guten Note an seine Bauherrschaft gestattet'— daran, daß das Bauprogramm, einmal dem Bau zugrunde gelegt, auch durchgeführt und während des Baues nichts geändert worden ist. An der Fassade des Altbaues ist die gegenstandslos gewordene Wageneinfahrt entfernt worden, die Fassade des Neubaus ist ihr in allen Einzelheiten angeglichen, auch die schönen Fenstergitter sind hier wiederholt. Tm Anstrich ist die Fassade so gehalten, daß auch nach der ian Stadtinnern bald einsetzenden Der Herr Polier Verschmutzung ein warmer und freundlicher Eindruck verbleihen wird. _ Richard Kaufmann Das alte Siegel der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. In den zu Anfang des 19. Jahrhunderts verwandten Quittungsbüchern für Almosen trägt das Siegel die Umschrift: : "piK mtM ypai ysrh 2V"h D1D Brich für den Hungernden dein Brot, dann dringt dein Licht hervor der Morgenröte gleich. (Jes. 58, 7 u. 8.) Schickt Eure Kinder ins Philanthropin! Die Elternbeiräte der Ansialten des Philanthropins