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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-12-01 · 4 (12.1932) · p. Seite 83

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
4 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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Seite 83 geführt. Die gesamten Arbeiten unterstanden einer besonderen Bau-Kommission, bestehend aus Herrn Otto Bonwit als Vorsitzenden, Frau LuJu Bloch-Neustadt, Herren Julius Goldschanidt, Syndikus Dr. Mayer, Felix Meyer, Rechtsanwalt Simon, Emil Carl Oppenheianer, Dr. Franz Wolf; nach dem Ableben des Herrn Julius Goldschmidt trat Herr Julius Werner in die Kommission ein. Die Kommission, deren Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, hat bis Ende November 1932 48 Sitzungen abgehalten. Das Bauvorhaben wurde in zwei Abschnitte geteilt. Im Nachbarhaus wurden zunächst die Wohnungen und im Altbau die neben der Brandmauer liegenden Räume in sämtlichen Geschossen freigemacht. Am 2. September 1931 wurde mit dem Abbruch des Nachbarhauses begonnen. Der Neubauteil stand am 24. Dezember 1931 unter Dach. In der ersten Juniwoche 1932 wurden die Büros aus dem Altbau in die bis auf Tapeten Tind Anstriche fertiggestellten Neubauräume verlegt. Die Arbeiten im Altbau waren kurz vorher mit der Herstellung neuer Fundamente für die Haupttragpunkte begonnen worden. Die Ausführung der Hauptarbeiten, abgesehen Mathilde von Rothschild (1832—1924) von einer Reihe von Ausbauarbeiten, war der Firma E. F. Ambrosius & Sohn übertragen worden. Außerdem waren 58 Firmen bei den Bau- und Einrichtungsarbeiten beschäftigt. Es ist hierbei zu erwähnen, daß von den ausführenden Firmen auch jüdische Arbeitskräfte eingestellt waren, soweit solche in dem betreffenden Gewerbe vorhanden waren. Somit konnte in dieser Notzeit einer großen Anzahl von Gewerbetreibenden, Lieferanten und Arbeitern, darunter zahlreichen Gemeindemhgliedern, Beschäftigung lind Verdienst gegeben werden. Hervorzuheben ist schließlich, daß für die gesamten Arbeiten keinerlei gemeindliche Mitte! in Anspruch genommen wurden, und daß die Ausgaben sich streng innerhalb der veranschlagten Beträge hielten. Die Kommission kann diesen Vorhergeht nicht abschließen, ohne die ausgezeichnete Planung und Beratung durch Herrn A r c h i t e k t Richard Kau f m a n n rühmend hervorzuheben: auch dem unermüdlichen örtlichen Bauleiter Herrn Ernst Sehr-agen heim gebührt vollste Anerkennung. Bericht des Architekten Das alte Bankhaus der Rothschilds, wie es sieh 1931 präsentierte, war äußerlich ein Bau von großzügiger Schlichtheit, und dieselbe Eigenschaft war sicher auch der ursprünglichen inneren Anlage zu eigen gewesen. Wenigstens wiesen noch deutlich erkennbare Spuren darauf hin. Vor allem das halbrunde Treppenhaus, edel und würdig selbst noch im feldgrauen Anstrich. Dagegen schon auf den angrenzenden Fluren, ursprünglich ebenso würdigen Gliedern der Raumanlage, hatte sich im Laufe der Jahrzehnte der Zahn der Zeit in Form von zahlreichen Einbauten niedergelassen, die, nackten Zwecken dienend, solchermaßen zwar dringend nötig waren, den edlen Grundriß jedoch zerstörten. In den Zimmern selbst waren es die baulichen Schäden, die das Interesse des Besuchers beanspruchten. Während die Außenmauer, ihrer Pflicht zur Repräsentation bewußt, wie ein Fels stand — und auch heute steht, denn sie ist durch den Umbau nicht berührt worden —, war die mittlere Tragmauer, aus Holzfachwerk bestehend, in sich zusammengesackt. Die Fußböden hatten sich nach innen zu vollkommen schräg gestellt, die Wände waren nachgefolgt, und die darin befindlichen Türöffnungen hatten Trapezform angenommen. Papierstreifen, über die klaffenden Risse der Türbekleddungen geklebt, zeugten von dem begreiflichen Interesse der Insassen des Hauses iür die Schnelligkeit dieser Bewegung (die sich durch dieses Verfahren feststellen läßt). Mit sicherem Stilgefühl hatte die Gemeindeverwaltung bei "ihrem ersten Einzug in diese Räume von Mobiliar-Neuanschaffungen abgesehen, soweit ihr Fundus Passendes enthielt. In dem niedrigeren Nebenhaus hatten Bibliothek und Lesezimmer eine primitive Unterkunft. Für den Bau lag folgendes Programm vor: Die Fassade des Bankhauses bleibt erhalten, die historischen Zimmer im ersten Stock desgleichen, und ebenso das Treppenhaus, wenigstens in seiner Gesamtform (aber mit einer neuen bequemen Treppe). Alles übrige kann abgerissen werden, das Nebenhaus wird überhaupt abgerissen. In dem Neubau wird alles, was auch vorher schon im Hause war, übersichtlich untergebracht, Ra.umzuwachs zweitens für ^< unter möglichst großem erstens für das Museum, Bibliothek und Lesesaal. ' Dieses Programm ist auf folgende Weise verwirklicht worden: Im Erd Luise von (1820ge,sch oß sind die Räume, die besonders leicht von der :Straße betretbar isein sollen, also der öffentliche Lesesaal (für mindestens 60 Besucher, gut heizbar und mit Lufterneuerungsanlage), und die Räume, deren Inhalt im Gefahrfalle besonders leicht fortschaffbar sein soll, also das B ü e h e r m a g a z i n der Gemeindebibliothek und das Gern e i n d e a r c h i v. Im neuen Vestibül an der Fahrgasse ist neben dem Pförtnerraum mit Fernsprechzentrale auch eine Besuchergarderobe untergebracht. Für das Museum Jüdischer Altertümer war nach wie vor der erste Stock der gegebene Platz. Der außer den beiden historischen Zimmern vorhanden gewesene Raum hat sich etwa verdoppelt. Hier ist von einer aufwendigen Raumanlage Abstand genommen worden, nicht allein der höheren Kosten wegen. Denn unsere jüdischen Altertümer sind, bevor sie solche waren, auch nur in schlichten Räumen zu Hause gewesen und passen am besten in solche. (Es darf hier konstatiert werden, daß der Verzicht auf eine „Raumschöpfung" in diesen an Bauaufgaben armen Jahren gewisse Anforderungen an die Bescheidenheit des Architekten stellt.) Im zweiten Stock liegen die Büros der Gemeinde, ><- die eigentlichen Büros des Vorstands wie bisher im dritten Stock. Auch die Büros der Steuerverwaltung sind vom Erdgeschoß in den zweiten Stock umgezogen. Sie haben neues Mobiliar erhalten, so daß eine Verwechslung mit dem Museum Jüdischer Altertümer nunmehr ausgeschlossen ist, und auch das übrige Mobiliar ist ergänzt worden. Alles ist möglichst einfach und zweckmäßig, und der Komfort besteht in schalldämpfenden Wänden und Decken, einer Lichtrufanlage und anderen praktischen Dingen. Im dritten Stock sind auch die Sitzungsräume, das Vorstands - zimmer, zwei Kommissionszimmer und der große Saal der Gemeindevertretung. Dieser Saal ist zweigeschossig und besitzt eine Galerie für das Publikum, so daß sieh zu den Sitzungen die Zuhörer nunmehr zwangloser als bisher einfinden können. Im übrigen aber hat sich die jüdische Oeffentlichkeit übertriebene Vorstellungen von der Größe dieses Saales gemacht, wenigstens geht das aus den Vorschlägen zu seiner Ausnutzung hervor. Der Saal ist nur 8 zu 8 Meter groß, was ungefähr den Speisesälen in den leer- Rothschild -1894)

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