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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-12-01 · 4 (12.1932) · p. Seite 82

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
4 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 82 (sequence 4)
Language
German
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Seite 82 Bericht der Baukommission Im Jahr 1919 beschloß die Gemeinde, das ihr von Frau Baronin Edmond de Rothschild überlassen e Anwesen Fahrgasse 140/Börnestraße 54, den früheren Sitz des Bankhauses M. A. v. Rothschild und Söhne, für die Zwecke eines Ge meindelmises in Benutzung zu nehmen. Unter der Wirkung der damals gültigen Wohnungismangelgesetze konnte die Freigabe des Grundstücksteils Fahrgasse 146 für Bürozwecke nur unter der Bedingung erreicht werden, daß der Grundstücksteil Börnestraße 54 (das früher sogenannte Spanier'sche Haus) dem Wohnungsamt zwecks Einrichtung von Kleinwohnungen zur Verfügung gestellt wurde. Anfangs Winter 1920 wurde unter der Leitung des Architekten Fritz Epstein mit den baulichen Arbeiten begonnen. Diese erstreckten sich auf Ausbesserung von schadhaft gewordenem Gebälk, Ausbruch von Trennwänden zur Schaffung eines Sitzungsraumes, Abschließen der in der Brandmauer befindlichen Durchgänge «um Nebenhaus, teilweisen Ausgleich von Schrägen in den Fußböden, Aufsohlen der Stufenbeläge der Haupttreppe, die nach dem Treppenauge zu sich stark gesenkt hatte, Einbau eines Personen- Aufzuges. Einbau von Toiletten, Einbau einer Zentralheizungsanlage und Herrichten der Räume in Tapete und Anstrich. Nach Fertigstellung der Umbau- und Herrichtungsarbeiten Anfang August 1921 wurden im Erdgeschoß die Pförtnerlage, im 2. Stock verschiedene Büroräume und der Sitzungsraum für die Gemeindevertretung und im 3. Stock weitere Büroräume und das .Sitzungszimmer des Genieindevorstands eingerichtet. Die nach der Außenseite schrägen Dach- Mg^S^Bfgfm^^ mSSBBSBSSBmsm^V^. "L"??T-?i?^rM^^ tg I Gudula, die Stammutter der Rothschilds (1753 -1819) geschoßräume wunden für die Hausimeisterwohnung und Abstellräiime benutzt. Im 1. Stock wurde einige Zeit später im Zusammenhang mit den Privatbüros der letzten Inhaber des Bankhauses von Rothschild das Museum jüdischer Altertümer untergebracht. In zwei Erdgescboßräumen fanden die Bestände der Gemeindebibliothek eine vorläufige Unterbringung, um Anfang 1925 in den Erdgeschoßräumen des Hauses Börnestraße 54 eine für längere Zeit gedachte und für die dauernde Benutzung der Bücher besser geeignete Unterkunft zu erhalten. Es wurde gleichzeitig wurde aber nicht für gegeben erachtet. Die Risse zeigten sich jedoch weiter in verstärktem Maße, aiifgeklebte Probestreifen aus dünnem Papier an den Gehrungen der Türbekleidungen und an sonstigen Stellen machten die fortschreitende Vergrößerung der Risse erkennbar, so daß auf fortgesetzte Senkung des Gebäudes geschlossen werden mußte. Die Sprünge in den Wänden, insbesondere aber auch an den schweren Stuckgesimsen der Decken ließen es immer mehr zur Gewißheit werden, daß das Gebäude dem Verfa.ll entgegenging, und daß eine ständig wachsende Gefahr für die Insassen des Hauses drohte. Im Jahre 1929 und im Jahre 1930 ließ der Gemeindevorstand durch den beeidigten Sachverständigen Herrn Architekten Epstein gründliche Untersuchungen über das Ausmaß der Senkungen, die sich in dem starken Gefälle der Fußboden zeigten, anstellen. Der Sachverständige kann in seinem Gutachten zu dem Urteil, daß ganz gründliche und umfassende bauliche Maßnahmen notwendig seien, wenn man das Gebäude vor dem sonst unaufhaltsamen Verfall schützen wollte. Inzwischen hatte man sich, insbesondere auch durch den gefahrdrohenden Zustand des Hauses veranlaßt, mit dem Gedanken befaßt, das Haus Fahrgasse 146 zu räumen und das Gemeindehaus in ein anderes Gebäude zu verlegen. Inzwischen war es jedoch den eifrigen und unausgesetzten Bemühungen des sei. Herrn Julius Goldschmidt. des damaligen stellvertretenden.Vorsitzenden des Gemeindevorstands, gelungen, bei Frau Baronin Edmond de Rothschild das Interesse für die Erhaltung des Hauses zu wecken, die in hochherziger Weise der Gemeindeverwaltung einen Betrag zur Verfügung stellte, der es ermöglichen sollte, das „ehrwürdige Haus", wie die Stifterin selbst es mannte, in einen solchen Zustand zu versetzen, daß sein Bestand und das in ihm untergebrachte R o t h s c h i 1 d - M u s e u m für alle Zeiten gesichert wäre. Die Gemeindebehörden beschlossen darauf, den Altbau einer durchgreifenden Erneuerung zu unterziehen, sowie das kleinere Nachbarhaus an der Börnestraße abzubrechen und neu aufzubauen. T Freiherr Wilhelm Carl von Rothschild (1828—1901) ein Leseraum eingerichtet, in dem eine große Anzahl von Zeitschriften aufgelegt wurde. v Etwa ein Jahr nach Inbenutzungnahme des Hauses Fahrgasse 146, im August - September 1922, machten sich bereits Sprünge und Risse an Decken und verschiedenen . Fachwerkwänden bemerkbar. Die Ursache wurde von Sachverständigen zunächst auf Schwinden des alten Holzwerkes infolge der Inbenutzungnahme der Zentralheizungsanlage zurückgeführt, eine Gefahr für den Bestand des Hauses in seiner Konstruktion Bei der Aufstellung des Bauprogr&mmes und der Prüfung der auf Einladung des Vorstands von einer Reihe hiesiger jüdischer Architekten vorgelegten Vorentwürfe wurde die Gemeindeverwaltung von Herrn Professor Meißner von der Technischen Hochschule Darmstadt beraten. Der Auftrag zur endgültigen Planbearbeitung wurde sodann dem Architekten Herrn Dipl.-Ing. Richard Kauffmann erteilt. Die örtliche Bauleitung wurde von dem technischen Beamten der Gemeinde, Herrn Architekt Emst Schragenheim, durch- Freiherr Mayer Carl von Rothschild (1820-1886)

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