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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-11-01 · 3 (11.1932) · p. Seite 71

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
3 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
Seite 71 (sequence 17)
Language
German
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Seite 71 Sammlung wurde beschlossen, für den Austritt der Liberalen ans der von der Aguda beherrschten jüdischen Gemeinde Propaganda zu machen und eine liberale So nd ergemein de zu gründen. — Viel Teilnahme erweckt das Schicksal des Samuel Bloch in Zloczow bei Lemberg, der . während des Jörn Kippur-Fasttages in der Gebetsextase das Gelübde tat, keinerlei Speise zu sich zu nehmen, bis der Ewige den Juden Erlösung bringen werde. Nach zwölftägigem Fasten bekam Bloch einen Blutsturz. Trotz der Zureden seiner Angehörigen nahm er auch weiter keine Speisen zu sich. Am 25. Oktober morgens fand man ihn an der Schwelle der Synagoge Zloczow tot auf. Ungarn. Am Dienstag, den 25. Oktober, ist in Budapest der älteste ungarische Publizist, Ernst Mezel, der mit an der Spitze gegen die Ritualmordlüge von Tisza-Eszlar gekämpft hat, im Alter von 81 Jahren gestorben. Lettland. Am 6. 10. wurde in Riga die von der zionististischen Organisation begründete erste jüdische Volkshochschule in Lettland eröffnet. Tschechoslowakei. Der blinde jüdische Dichter Oskar Baum erhielt den tschechoslowakischen Staatspreis für Literatur für das Jahr 1932 für seinen in deutscher Sprache erschienenen Roman ..Die Schrift, die nicht log". Er ist bisher der einzige Sudetendeutsche, dem der Staatspreis für Literatur zuerkannt worden ist. Griechenland. Bei den Balkanspielen siegte im Laufen Leon Passi, Mitglied des Makkabi v.on Saloniki. Rumänien. Der jüdische Boxer Motte Spakow erwarb sieh den Titel eines rumänischen Boxmeisters. Afrika Nach der neuesten Bevölkerungsaufnahme leben in dem französischen Kolonialland Tunesien gegenwärtig 56 248 Juden. Palästina Die Palästina-Regierung bewilligte für die Zeit von Oktober 1952 bis März 1955 4500 Einreise-Zertifikate für Chaluzim; dies ist die höchste Zahl von Zertifikaten,- ■welche sie seit Bestehen der kontingentierten Einwanderung für eine bestimmte Periode ausgegeben hat. — In den Monaten April bis August 1952 betrugen die Einnahmen der Palästina-Regierung 1 112 657 Pfund, die Ausgaben 925 567 Pfund. — Im Jahre 1952 wurden für öffentliche und private Bauten in den Städten 'N!i'«finas 2 720 000 Pfund ausgegeben. — Am 15. 10. wurde der Autobus- \i-rkrhr Jerusalem — Cairo eröffnet; die Linie führt durch die Wüste Sinai und nimmt nur 12 Stunden in Anspruch. — Zum Andenken an Sir Sassoon David, den 'Inhaber eines der größten Handelshäuser Indiens, hat sein Sohn, Sir Percival David, an der Hebräischen Universität in Jerusalem einen Lehrstuhl für Kunst und Archäologie des Nahen Ostens gestiftet, auf den der frühere Bibliothekar am Wiener Orientalischen Institut und jetzige Dozent für islamitische Archäologie und Kunst an der Hebräischen Universität, Dr. E. A. Mayer, berufen wurde. Diamantene Hochzeit Am Freitag, den 8. November des Jahres 1872 schlössen auf dem hiesigen Standes-Amt der Bäckermeister Nathan David Maas (aus der Rechnei-lStraße 8) und Julie Falkeaistein, beide echte Altfrankfurter, den Bund zum gemeinsamen Lebenswege, dem am darauffolgenden Sonntag, 10. November 1872, die religiöse Weihe gegeben wurde. Sechzig Jahre, wahrlicheine lange Zeit, sind in den nächsten Tagen vergangen. Das noch rüstige Paar — der Jubilar steht im 90., die Jubilarin im 84. Lebensjahr — kann mit Genugtuung und mit Dankbarkeit, an die göttliche Vorsehung und Gnade das seltene Fest in seinem Heim Auf der Körner-Wiese Nr. 4 begehen. 88. Geburtstag 21. Oktober: Frau Betty Baer geb. Heß, Cronberger Str. 10. 85. Geburtstag 28. September: Frau Karoline Meier Wwe. geb. Dahn, Uhlandstraße 38. Der Gatte der Jubilarin war Synagogenwart an der Hauptsynagoge. 75. Geburtstag IQ. Oktober: Frau JosefineStern Wwe. geb. Grau, Hanauer Landstraße 32. 70. Geburtstag 18. September: Herr Adolf Adler, Grüneburgweg 96 4. November: Herr Semy Kassewitz, Zeppelin - Allee 5. Goldene Hochzeit 29. Oktober: Die Eheleute Carl Koch und Frau Hedwig geb. Oppenheimer, Inhaber der Firma Theatergarderobe Carl Koch, Kaiserstraße 71. Silberne Hochzeit Die Eheleute Elias Herz und Frau Frieda geb. Ledermann, Baumweg 14. 14. Oktober: Die Eheleute Sally Eichenbaum und Frau Selma geb. Grünebaum, Wiesenau 6. Todesfälle Frau Rabbiner Dr. Brüll Im 80. Lebenjahr verschied am 17. Oktober Frau Julie Brüll geb. Schramek, die Witwe des im Jahre 1891 verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. Nehemias Brüll, eines der bedeutendsten geistigen Führer unserer Gemeinde. Rabbiner Dr. Seligmann widmete der Dahingeschiedenen einen warm empfundenen Nachruf. Ermäßigter Prell - Erhöhte Wirtschaftlichkeif. Speise-und Einmach-Essig für Gesunde und Kranke 1 Liter Cilrovin ergibt 3-4 Ltr. Speiseessig Unsen neueste Razeptsammlung. wie man ohne Essig und Kochsab mit Citrovin-tssig und Ciuovin-Salz schmackhaft und oekömmiicli kochea und anmachen kann, steht zur Verfügung. Beadifeo Sie die seit Jahrzehnten eingeführte Originalmarke. In allm «iruchlägigtn Gtschäften erhältlich. Clfrovln-Fabrlk O. m. b. H., Frankfurt a. M. Daimlerstrafje 25 (Postfach 409) Bernhard Dombrower (4. 12. 1846 — 4. 10. 1932) Im 86. Lebensjahr verstarb der im Ruhestand lebende frühere Synagogenwart der Hauptsynagoge Bernhard Dombrower. Er war Veteran von 1866 und 1870 und stand von 1888 bis 1923 im Dienst der Gemeinde, zuerst als Leichenbegleiter und Hilfssynagogendiener, von 1909 bis zu seiner Pensionierung als Synagogenwart der Hauptsynagoge. Der Verstorbene, dem-ein vornehmes, zurückhaltendes Wesen eignete, versah seinen Dienst mit großer Pünktlichkeit und hat sich in langjähriger, vorbildlicher Hingabe an seine Obliegenheiten die Achtung und Wertschätzung besonders der Besucher der Hauptsynagoge erworben. An seiner Bahre gedachten Herr Rabbiner Dr. Seligmann im Namen der Gemeinde und Herr Ferdinand Stiefel als Vorsitzender des Vorstandes der Hauptsynagoge der pflichttreuen und verdienstvollen Tätigkeit des Dahingeschiedenen. Talmud Thora-Verein (Vereinslokal: Synagoge Börneplatz. Büro: Theobaldstr. 6. Unterrichtslokal: Theobaldstr. 6. Postscheck': Hermann Rothschild, Frankfurt a. M. Nr. 50304). Getragen von dem Bewußtsein, daß nur eine mit jüdischem Wissen ausgerüstete Generation das Judentum, wie wir es von den Vätern ererbt, mit Verständnis erfassen und den kommenden Geschlechtern erhalten kann, rufen wir alle Kreise unserer Gemeinde auf, uns bei der Erreichung dieses Zieles zu unterstützen. Helfen Sie uns bei der Beschaffung der Mittel, gedenken Sie bei freudigen und ernsten Anlässen unseres Vereins und treten Sie dem Talmud Thora-Verein als Mitglied bei. Der Erhaltung der Fortbildungskurse für Knaben und Mädchen ist unsere besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Unterrichtskur.se. welche für die Teilnehmer unentgeltlich sind, sollen eine Ergänzung des Schulunterrichts sein, da es innerhalb des Schulpensums schwer möglich ist, tiefere und gründliche Kenntnisse aus den Quellen unseres heiligen Schrifttums zu schöpfen. Der Unterricht wird nach modernen Methoden von bewährten Lehrern erteilt, sodaß Gewähr gegeben ist, daß den Kindern gründliche Kenntnisse vermittelt werden. Wir richten daher an alle Eltern die ergebene Bitte: Führen Sie uns die Kinder Ihres Familien- und Freundeskreises zu. Der Unterricht umfaßt: Tfillo, Chumisch, Chumisch mit Raschi. T'nach. Mischna, Gemoro. Hebr. Grammatik und Hebr. Schreiben. Der Fortbildungsunterricht für junge Leute findet täglich ab 8 Uhr abends statt. Das Wintersemester für alle Abteilungen beginnt am Dienstag, den 25. Oktober. Delegiertentag der „WIZO" Einem ausführlichen Bericht über den 3. Delegiertentag des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästinaarbeit (Deutsche Föderation der „WIZO"), der am 8. und 9. September in Frankfurt stattfand, entnehmen wir folgendes: Den Delegiertentag, " dessen Verhandlungen dank der Vorbereitung des Berliner Vorstands mit Methode und Sachkenntnis geführt wurden, leiteten Begrüßungsansprachen von Frau J. Blunienfeld. Berlin. Herrn Loew-Tachauer, dem Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe, und Frau Loew-Tachauer, der Vorsitzenden der Frankfurter ,,WIZO"-Gruppe. ein. Die beiden Hauptreferate hielten Frau Blumenfeld über ,,D i e Entwicklung der Weltorganisation" und Frau Dr. Turnowsky, Berlin über „Probleme der deutschen Arbei t". Frau Blumenfeld schilderte das Erstarken der „WIZO". die Erweiterung ihres Aufgabenkreises durch neue Tätigkeitsgebiete innerhalb der sozialen Institutionen Palästinas. Frau Dr. Turnowsky appellierte an den Delegiertentag, sich dafür einzusetzen, daß trotz der schwierigen Verhältnisse in Deutschland die materiellen und ideellen Möglichkeiten zur Erfüllung dieser Aufgaben gegeben werden. In der Aussprache wurde besonders lebhaft die Frage diskutiert, ob und inwieweit die „WIZO" soziale Arbeit im „Calut h" in ihr Programm aufnehmen soll. Der Delegicrtentag empfahl den Gruppen, sie als Zusatzarbeit im Sinne der nach Palästina orientierten Volksarbeit in ihr Programm aufzunehmen. — Um der Gefahr eines planlosen Hinübergehens der weiblichen Jugend nach Palästina ohne genügende Ausbildung wirkungsvoll zu begegnen, wurde die Einrichtung einer Beruf s beratungssteile für Mädchen beschlossen, die in Verbindung mit Ausbildungsstätten in Palästina und Deutschland arbeiten soll. Eiiien sehr breiten Raum nahm auf dieser Tagting die Frage der Zusammenarbeit der „WIZO" mit anderen jüdischen und interkonfessionellen Verbänden ein. Es wurde die Mitarbeit an allgemeinen und interkonfessionellen Friedens- und Frauenverbänden empfohlen, um dem Palästinagedanken auch hier Eingang zu verschaffen. Die Debatte

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