Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 3 (11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 72 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 72 über den Austritt ans dem Jüdischen -Frauenbund, dem die ..WIZO" als Korporalion angeschlossen ist. im Hinblick auf dessen Erklärung gegen die Abhaltung des Jüdischen Weltkongresses in Genf, die im Namen aller angeschlossenen Verbände abgegeben wurde, endete in einer Resolution, in der gefordert wurde, daß vor allen öffentlichen politischen Kundgebungen des Jüdischen Frauenbundes mit der Leitung der deutschen ..WIZO" Fühlung genommen werden soll. Zur Jugendarbeit sprachen Vertreterinnen des Kontinentalbundes und der Jung-,,WIZO"- Gruppen über die geineinsame Arbeit. Auf Anregung von Frau Loew- Taehauer wurden die Statuten, einer gründlichen Revision unterzogen. Die Neuwahlen für " den gesdiäftsführenden Vorstand Berlin wurden sofort vorgenommen, während die Vorstandsmitglieder aus dem Reich innerhalb von vier Wochen nominiert werden sollen. — Am Tage nach dem Delegiertentag sprach Frau Blumenfeld in einem kleineren Kreis von dem Plan, im nächsten Frühjahr eine Gesellschaftsreise der ..WIZO" nach Palästina zu veranstalten, um vielen Frauen die Möglichkeit zu geben, das Land, für das sie arbeiten, mit eigenen Augen zu schauen. Ferienkinder in der Großstadt (Aus einem Bericht der Jugendleiterin Lucie Aschkenäsy.) Der Jüdische Kinderhort, Bleichstraße 8, führte wie alljährlich in den Sommerferien für seine Schützlinge, Knaben und Mädchen von 6—14 Jahren, eine örtliche Erholungsfürsorge durch. Außer den Hortzöglingen wurde eine Anzahl erholungsbedürftiger Kinder, die zum größten Teil von der Jüdischen Wohlfahrtspflege überwiesen wurden, zu den Ferienspielen aufgenommen. So wTurde 160 jüdischen Kindern eine Möglichkeit geboten, vier Wochen lang im Frankfurter Stadion in Luft und Sonne ein frohes, kindgemäßes Leben zu führen, das frei von den Hemmungen der häuslichen Umgebung und den Sorgen der Erwachsenen war. Setzen sich doch die Mehrzahl der Kinder, die der Hort betreut, aus Kindern erwerbsloser Familien zusammen, die unter den denkbar schwersten wirtschaftlichen Nöten zu leiden haben. Unser täglicher Sammelplatz war die Friedberger Anlage, an der sich die Kinder morgens um 8 Uhr einfanden, um von da aus in einem Sonderwagen der Straßenbahn unter Aufsicht einer Jugendleiterin und drei Hortnerinnen nach dem Bestimmungsort — dem Stadion — gebracht zu werden. Der gemeinsame Tag wurde in der Straßenbahn mit Pläneschmieden. Wetterprophezeiungen und frohem Singen begonnen. Die Direktion des Stadions stellte uns zwei große Golfwiesen zur Verfügung und mehrere Garderoberäume, von denen wir uns einen als Speiseraum einrichteten. Das Wesentlichste war die gute Wirkung, die bei den Kindern von der ungewohnten Berührung mit der Natur ausging. Oft konnte man beobachten, welch seelische Umstellung dies in dem Kinde auslöste, wenn man z. B. einen wilden Knaben sah, der stundenlang auf jegliches Spiel verzichtete, um ein verletztes Kaninchen in seinen Annen zu behüten. Um die Kinder von der Masse zu lösen, wurden kleinere Gemeinschaftsgruppen gebildet. Wir erreichten dadurch zweierlei: einmal die Möglichkeit, intensiver miteinander leben zu. können, zum anderen, die größere Berücksichtigung persönlicher Eigenarten der Kinder. Den Forderungen körperlicher und seelischer Erholung entsprechend war unser Tageslauf sehr abwechslungsreich. Das Schwimmbassin stand uns täglich vormittags zur Verfügung und wurde bei Wind und Wetter von der fröhlichen Kindersdiar mit viel Freude begrüßt. Während eine Gruppe badete, tummelten sich, die anderen auf den Wiesen, trieben eifrig Gymnastik oder maditen Entdeckungsreisen im Walde. Mit viel Begeisterung wurden, besonders von Seiten der Jungens, die im Stadion stattfindenden Wettkämpfe verfolgt. Die Mädchen dagegen widmeten sich besonders eifrig dem Stegreifspiel. Die in Schule und Hort durch Arbeit und Raum gebundenen kindlichen Spielkräfte drängten draußen in der Natur und in der Gelöstheit froher Ferientage zu spontaner Gestaltung. Märchenspiele wurden von Darstellungen aus dem eigenen Erlebniskreise abgelöst, und der Besuch des Waldtheate'rs im Stadion steigerte noch ihre Spielfreudigkeit, die beredten Ausdruck in unserer Abschiedsfeier fand. Die Finanzierung gestaltete sidi recht schwierig, da der Hort bei seinen laufenden Ausgaben für diese Sonderleistung die erforderlichen Mittel nidit verfügbar hatte. Erst durch das Zusammenwirken der verschiedenen an dem Gelingen interessierten Stellen wurde die Verwirklichung der Ferienspiele ermöglicht. Die Israelitische Gemeinde und die Jüdische Wohlfahrtspflege hatten gemeinsam einen größeren Betrag zur Durdiführung zur Verfügung gestellt. Durdi den Anschluß an die Städtischen Ferienspiele erhielten wir eine Reihe von Vergünstigungen, während der Hort selbst die Organisation der Ferienspiele mit seinen Kräften vorbereitete und durdiführte. Krankenhaus Schaare Zedek in Jerusalem Die wohlbekannte und ausgezeidinet geleitete Anstalt, die sich seit dreißig Jahren große Verdienste, besonders auch in der Behandlung ansteckender Krankheiten erworben hat, leidet unter der Schwere der Zeit und bittet ihre Freunde um Spenden. Anfragen an Herrn Emil H. Lehmann. Frankfurt a. M., Zobelstraße 9. Heim für jugendliche Erwerbslose Das Tagesheim der erwerbslosen jüdischen Jugend. Königswarterstraße 26, bietet Aufenthalt, Verpflegung, Fortbildung, Spiel und Sport. Täglich geöffnet 14 bis 20 Uhr. Mädchengruppe des Vereins Montefiore Die neugebildete Gruppe beginnt ihre Tätigkeit mit einer Arbeitsgemeinschaft „Sadie und Seele, die Gegensätze in unserem Weltbild" unter Leitung von Frau Dr. Martha Wertheimer. Anfragen und Anmeldungen an Trudl Rosenstiel, Gausstraße 57, III. Jubiläumsfeier Anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens der Israelitischen Volksschule findet am Sonntag, 20. , November, vormittags 10.30 Uhr, im Volksbildungsheim eine akademische Feier und am Vorabend, 8 Uhr, in der S. R. Hirsch-Sdiule eine festlidie Veranstaltung statt. Wohltätigkeitsvorstellung Zugunsten der Wohnräume der Weiblichen Fürsorge. Bückerweg 26, findet am 13. November 1932. vormittags H Uhr, im Roxy- Palast, Große Friedberger Straße, eine Kino-Vorstellung ,,D er Jazzsünger" mit AI Jonson statt. Karten zu Mk. 0.50, 0.75 und 1.— sind im Vorverkauf zu haben bei: Fa. Drogerie Schneemann. Schillerstrafle 2.- Fa. Moritz Herzberg, Zeil 11, Fa. Max Freimärk, Baumweg 1 und in der Frankfurt-Loge, Esdiersheiiner Landstraße 27, ferner an der Theaterkasse vor Beginn der Vorstellung. Musikalische Vorträge Zugunsten der „Jüdisdien Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M." hall Frau Mitia Mayer-Lismann drei Vorträge über ,,Salzburg als Festspielstadt und die dort aufgeführten Werke" am Montag, 14. November. 28. November und 5. Dezember, abends 8V1> Uhr, im Saal der Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstraße 27. Eintrittspreise für die drei Vorträge M. 3.—, für jeden einzelnen Vortrag M. 1.20. Nähere Auskunft erteilt Jüdisdie Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M., Langestr. 30, Anruf 28249. Verein Israelitischer Gehörloser E. V. Vortrag des Herrn Oberlehrer Hülm am 5. November, 8 Uhr abends pünktlich, im oberen Saal des Cafe Hauptwache. Gäste willkommen. Anschließend an den Vortrag, 9 Uhr, Monatsversammlung. 25. Dezember. Chanukkafeier. Unterhaltungsabend mit Tanz im obereu Saal des Cafe Hauptwache. Näheres wird nodi bekanntgegeben. Ansdiriften an den Vorsitzenden, Herrn Max Blumenthal, Porzellanhofsirafie 6, II. Ein neues Chanukkaspiel Die durdi ihre Gelegenheitsdiditungen für Vereins- und Familienfeiern rühmlidist bekannte Sdiriftstellerin Fräulein Irma Dresdner hat ein wiederholt mit Erfolg aufgeführtes Chanukkaspiel verfaßt, das den Titel trägt: „W i e in der Laubhütte ein Chanukkaspiel entstand". Das Spiel kann ohne Bühne von einem Erwachsenen mit 6—12 Kindern leicht aufgeführt werden. Näheres bei Frl. Dresdner. Gausstraße 10 (Fernspr. 41611). Zimmernachweis in München. Für Studierende an der Universität Müncheu werden von der Israelitisdien Kultusgemeinde Zimmer bei Ge7iieiiidenii!gliedcrn nadigewiesen. Anfragen an: Israelitisdie Kultusgemeinde München, Herzog-Max-Str. 5. I. Kriegsgräberfürsorge Am 20. November (Totensonntag). 7.30 Uhr, findet in der Paulskirdie ein öffentlidier Lichtbildervortrag ,,Kriegsgräberfürsorge — eine Kulturaufgabe" statt. Den Vortrag hält Schriftsteller F. Geis im Auftrag der Ortsgruppe des Volksbundes Deutsdie Kriegsgräberfürsorge. Recht auf Arbeit Auf Grund von Vorschlägen, die 3m .Wirtschaftsausschuß des Preußischen Landesverbandes gegeben worden sind, wurde in dessen „Unterausschuß für Arbeitsnachweise" nach längerer Beratung einstimmig beschlossen, den Monat November d. J. als Werbemonat für die Idee der jüdischen Arbeitsvermittlung und Erwerbs be Schaffung zu proklamieren. Während dieses ganzen Monats soll unter der Devise „Ugaser Recht auf Arbeit" im ganzen Reich für die jüdische Arbeitsvermittlung geworben werden. Die geplante Werbeaktion soll keine Hilfsaktion im üblichen Sinne werden, d. h. es geht hier nicht darum, Almosen zu sammeln oder zu erbitten, um aus dem Ertrag derartiger Sammlungen den Erwerbslosen zu helfen. Es geht vielmehr darum, durch eine Zusammenfassung aller Kräfte den Versuch zu machen, dort, wo es heute noch möglich ist, dem jüdischen Erwerbslosen Arbeit und damit Brot zu beschaffen. Die Durchführung der Aktion ist der „Vereinigten Zentrale der jüdischen Arbeitsnachweise", Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158, unter engster Mitwirkung der zentralen Organisationen des deutschen Judentums übertragen worden. Sämtliche jüdischen Veranstaltungen und Versammlungen, die im Laufe des November stattfinden, sollen der Werbung von Arbeitsplätzen für jüdische Erwerbslose nutzbar gemacht werden. Darüber 4ünaus. sollen in möglichst vielen Gemeinden Gemeindeversammlungen, Besprechungen von Arbeitgebern, Werbung von Vertrauensleuten für die Arbeitsnachweise durchgeführt werden. Die jüdische Presse, die gesamte jüdische Oeffentlichkeit sollen in weitestem Umfange zur Unterstützung dieser Werbearbeit herangezogen werden. Wissen ist Macht! _ c LernenSie praktische ^Beherrschung fremder Sprachen in der KS G bT I I t Z "5 C H U I G die mit- 50 jähriger Erfahrung'arbeitet. NEU ERÖFFNET! Nur Kaiserstrasse 31 Telefon 32006