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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-11-01 · 3 (11.1932) · p. Seite 68

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
3 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
Seite 68 (sequence 14)
Language
German
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Seite 68 schicken, werden Sie auch die Seligkeit empfinden ein* Vaterland zu haben. Und zwar welches, dem Geiste nach! Das Bundesvolk der Neuzeit, das Volk Gottes der Zukunft wie der Gegenwart!" Aus der mutigen Antwort von Bernays, die in ihrem zweiton Teile in gelehrten Ausführungen an Paulus Brief an die Römer anknüpft, seien die mittleren eine bestimmte Ablehnung enthaltenden Partien auszugsweise mitgeteilt. ,,... Die Hauptfrage ja die einzige Frage ist, ob ich den Entschluß fassen kann, mich äußerlich durch Taufschein und dergleichen, als Mitglied einer der bestehenden christlichen Kirchen zu bekennen. Die Erklärung kann Ihnen nicht unerwartet kommen, daß ich diesen Entschluß nicht fassen kann. Er selbst, Jesus von Nazareth selbst, jetzt als Jude geboren, würde es nicht können: wTürde es wohl am allerwenigsten können. Ich vermöchte nicht ihn zu achten, wenn ich nicht glauben dürfte, er würde sich lieber der Reihe nach von allen Kirchenbehörden auch körperlich kreuzigen lassen, ehe er zu einer der Confessionen überträte, die sich nach ihm nennen, obgleich sie zuwider seiner Vorschrift, weder Salz bei sich noch Friede unter einander haben." „Mit einer, nothwendig weitläufigen Discussion dessen, was Sie über Jesu Person mir zu erwägen geben, will ich Sie nicht behelligen: ich erlaube mir nur in aller Bescheidenheit zu sagen, daß Sie sehr irren, wenn Sie meinen, ich hätte ihn bisher noch nie auf Leben und Tod ins Auge zu fassen gesucht. Die inneren und äußeren Antriebe dazu haben mir wahrlich nicht gefehlt; und in den letzten Jahren am allerwenigsten. Je mehr ich mir ihn aber vergegenwärtige und den Vaternamen erforsche, der, wie er sagte, ihm mitgeteilt worden, desto heiligere Scheu fühle ich, mich mit Alle dem zu verfangen, was seit lange, und jetzt so mehr als je, in seinem Namen getan und unterlassen wird." Jacob Bernays hat aber nicht nur dem Judentum die Treue bewahrt, sondern, Avie oben schon angedeutet, das Religionsgesetz bis in seine kleinsten Vorschriften durch tägliche Uebung gehalten. Was ihm aber das Judentum als solches innerlich bedeutete, darüber hat er sich Aveder zu Bunsen noch Avohl sonst geäußert. Die Aufgabe, vor die die deutschen Juden als Gesamtheit sich in der Mitte des Arorigen Jahrhunderts gestellt sahen, hat Bernays nicht beschäftigt. Er führte ein harmonisches, in sich geschlossenes und nach außen beinahe abgeschlossenes Leben, und so blieb auch die Antwort, die er auf dieses Problem gab, eine rein individuelle. Ebenso Avie er bis zu seinem Tode im Jahre 1881 niemals eine Eisenbahn benutzte, so Abschloß er sich, avo es nur ging, allen Aron außen auf ihn eindringenden Einflüssen. Die Taufe seines Bruders Michael hatte ihn gelehrt, Avohin es führen kann, Avenn die Zügel des Gesetzes gelockert werden, und die Treue seinem verehrten Vater gegenüber, der ihn in die religiösen Urkunden des Judentums eingeführt und ihm zugleich auch das Verständnis für die Antike und das Wirken der Humanisten erschlossen hatte, glaubte er nicht nur dadurch zu halten, daß er das Judentum als Ganzes bejahte, sondern daß er auch in seinem Leben alle die Formen wahrte, die jenem heilig geAvesen Avaren. Gotthold Weil Max V o g e 1 s t e i n. K a i s e r i d e e — Romidee und das Verhältnis von Staat und Kirche seit C o n - st antin. (Historisehe Untersuchungen, 7. Heft.) Breslau, M. & H. Marcus 1930. — Die geschichtlich und ideologisch Aveittvagende Bedeutung der Vorstellung von der Ewigkeit und Allumfassung des Römischen Reiches (die sogenannte Romidee) hat in letzter Zeit mehrfach zu Untersuchungen und Darstellungen Anlaß gegeben. Zu verschiedenen Büchern, die das Fortleben der Romidee im Mittelalter behandeln, kommt jetzt die Schrift von Max Vogelstein, derzeitig als Rabbinatsadjunkt an der hiesigen Gemeinde tätig, die sich mit Bestrebungen und Anschauungen der ersten vier nachchristlichen Jahrhunderte beschäftigt und in deren Mittelpunkt Kaiser Colistantins Verhältnis zu Staat und Kirche steht (der Titel i*5t in seiner Zeitbestimmung also irreführend). Die schon von namhaften Forschern sehr günstig besprochene Schrift macht es sich zur Aufgabe, die sich in der römischen Kaiserzeit allmählich vollziehende gegenseitige Durchdringung von Romidee, Kaisertum soAvie dem seit Constantin als Staatsreligion anerkannten Christentum im staatlichen Leben Avie in allgemein politischer und geistiger Geltung nachzuweisen. Die methodisch gut aufgebaute und mit dem Rüstzeug eines reichen Tatsachenmaterials sowie streng historischen Denkvermögens versehene Arbeit atmet echt wissenschaftlichen Geist. Der Verfasser, der über ausgiebige altertumswissenschaftliche Kenntnisse verfügt, sowohl solche der antiken Schriftsteller wie auch der modernen Forschung und staatsrechtlicher Avie kirchengeschichtlicher Probleme, ein Wissen, wovon besonders die zahlreichen Anmerkungen sowie vier Exkurse Zeugnis ablegen, weiß seine Grundthesen soAvie Einzeldarlegungen überzeugend zu gestalten. Hierzu kommt, daß die Untersuchung, Avenn auch durchaus auf das spätere Altertum beschränkt, doch in allgemein interessierender Weise so überzeitliche Fragen wie politischen und religiösen Universalismus, Kaiserkult, absolute und konstitutionelle Monarchie, Verhältnis zAvischen Staat und Kirche, religiösen und politischen Erlösungsglauben, Friedensidee, Reichseinheit herausarbeitet. Es kann behauptet Averden, daß die Wissenschaft stets mit dieser auch von echter Begeisterung für den Stoff getragenen Arbeit, mögen vielleicht auch nicht sämtliche Behauptungen allgemein anerkannt werden, ernsthaft rechnen wird. Ernst Marbach F r,i t z F r i e d 1 a e n d 6 r, Heine «nd G o e t h e. VIII, 70 Seiten. Verl. Walter ,de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig. 1932. Rm. 3.35. (Germanisch und. Deutsch, Studien zur Sprache und Kultur, 7. Heft.) — Es handelt sich um eine erstmalige Zusammenfassung alles dessen, Avas für die Beziehung Heines zu Goethe bemerkenswert ist. Man Aveiß, daß das Zusammentreffen der beiden ein sehr kurzes Avar, und auch in dieser Darstellung Avird dem Besuche Heines bei Goethe nur Avenig Raum zugemessen. Die bekannte Schilderung, die Max Heine über den Besuch in Umlauf gebracht hat, Avonach Goethe die Unterhaltung jäh abgebrochen habe, als Heine ihm auf die Frage, Avomit er sich zurzeit beschäftige, geantAvortet habe: „Mit Faust", Avird Aron Friedlaender als unzuverlässig abgelehnt. Im übrigen Avird literarhistorisch und literarkritisch alles gebracht, Avas für die Beziehung Goethes und Heines von Interesse sein kann. Man msfg den 'Gedankengängen des Verfassers nicht immer folgen,, muß aber zugeben, daß hier versucht Avird, ein bemerkenswert geschlossenes und interessantes System dieser Beziehungen zu bringen. Paul Arnsberg Aussprache Offener Brief an die weiblichen Mitglieder der Gemeinde Liebe Glaubens- und Geschlechtsgenossinnen! Ich kann nicht umhin, Ihnen Allen, die Sie gestern am Jom- Kippur in der .. .-Synagoge waren, diesen Brief zu schreiben und richte ihn an alle, die es angeht. In der heutigen Zeit haben viele von uns nicht oft Gelegenheit, in unser Gotteshaus zu gehen, teils aus Zeitmangel, teils Leipziger LebeosversicHeniiig Wir suchen für Frankfurt a. M. einen weiteren tüchtigen Platz-Generalagenten mit besten Beziehungen in judischen Kreisen. Ein grösserer Inkassobestand kann evtl. zugewiesen werden. Direkter Verkehr mit der Direktion. Kautionsfähige Großlebens-Fachleute mit nachweisbar guten Erfolgen werden um Einreichung ihrer Bewerbung gebeten. Leipzig, Postschliessfach 104 liEliBSEliffliliiiE

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