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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-11-01 · 3 (11.1932) · p. Seite 65

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
3 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
Seite 65 (sequence 11)
Language
German
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Seite 65 Das Jubiläum der Synagoge am Börneplat) Am Sabbat, dem 24. September d. J., genau 50 Jahre nach der Einweihung, fand in der festlich geschmückten Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt. Festliche Stimmung, freudige Ergriffenheit erfüllten die dicht gedrängte Schar der Andächtigen, die das Gotteshaus kaum zu fassen vermochte. Der Gottesdienst, dessen äußere Form hier besonders gepflegt wird, erhielt durch festliche Gesänge von Kantor und Chor ein weihevolles Gepräge und fand seinen Höhepunkt in der Festpredigt des Herrn Gemeinderabbiners Dr. J. Hoffmann. In ihr erhielt die ergriffene Gemeinde Rechenschaft darüber, was die Synagoge als religiöses Zentrum erstrebt und erreicht hat, wie das Erreichte möglich war und wozu das bisher Geschaffene verpflichte. Ohne auf die schweren gemeindepolitischen Erschütterungen in der Gründlingszeit der Synagoge einzugehen, würdigte der Rabbiner ihre Bedeutung als Kraftquelle für das traditionelle Judentum innerhalb der großen Einheitsgemeinde und darüber hinaus als beispielgebendes Werk der Befriedung für die gesamte deutsche Judenheit. Er gedachte des Schöpfers dieses Werks, Rabb. Markus Horovitz' s. A., als des ersten Wortführers der Gemeindekonservativen, des warmherzigen Künders und scharfsinnigen Deuters der Gotteslehre, der bei aller Wahrung seiner Ueberzeugunstreue es durch Milde und Versönlichkeit verstand', Menschen aller Richtungen in den Bannkreis seiner überragenden Per und damit jüdischer Betätigung zu gewinnen. Er Bedeutung Rabb. Nehemia Nobels s. A., der nicht engeren Gemeinde als unvergeßlicher Führer gewirkt, sondern bis an die äußerste Peripherie das Feuer religiöser Begeisterung entfacht und durch seine schönheitstrunkene Seele und die Gewalt seiner Rede die Menschen bezaubert und mächtig angeregt habe. Diesen beiden großen Rabbinern sei es in erster Linie zu danken, daß die vor 50 Jahren übernommene Aufgabe durchgeführt und der gesetzestreue Teil der Gemeinde sich zu einem immer stärkeren Element innerhalb der großen Gesamtgemeinde entwickelt habe. Das Erreichte sei aber nächst der Wirksamkeit der großen Führer nur möglich geworden durch die Gemeinde selbst, durch das tatkräftige Interesse der Gemeindekörperschaften, durch die opferbereite Mitarbeit führender Männer in der Synagoge, in der Ritualkommission und in anderen Organisationen, die sich für den Dienst an der heiligen Sache zur Verfügung gestellt haben. Der Rabbiner mahnte zur Erhaltung der Einheit der Gemeinde, als des kostbaren, heute mehr als je notwendigen Gutes, die trotz der religiösen Gegensätze möglich sei, wenn man nur den ehrlichen Willen habe, das Gemeinsame, aber auch das Trennende anzuerkennen. Die Festpredigt schloß mit dem Hinweis auf die Verantwortung, die das Errungene uns auferlege. Wir, die Gegenwärtigen, hätten die heilige Pflicht der Erhaltung des Erworbenen, wir seien die Bürgen für die Kommenden, für den jüdischen Nachwuchs, an uns liege es, freudigen Herzens und festen Willens unsere Schuldigkeit zu tun, damit, wenn wir nicht mehr da sind, andere das Werk fortsetzen können. — Der Festgottesdienst, dem auch zahlreiche Vertreter des Vorstands und der Gemeindevertretung beiwohnten, wurde durch besonders schöne und weihevolle Vorträge des Synagogenchors verschönt und hinterliefi bei der großen Menge der Besucher einen sichtlich nachhaltigen Eindruck. Am Sonntag, den 25. September, veranstaltete der Konservativjüdische Gemeindeverein in der Frankfurt-Loge einen Festabend, an dem gleichwie in der Synagoge, alle Kreise der Gemeinde teilnahmen. Die beiden Logensäle konnten die Fülle der Zuhörer nicht fassen. Die Feier wurde durch Herrn R.-A. Dr. Michel G r u ii e b a ii m eingeleitet, der die Vertreter der Gemeindebehörden, der konservativen Fraktion des preuß. Landesverbandes, die Festredner und die Menge der Erschienenen bej: ruhte. Er wies darauf hin. daß das Jubiläum der .Synagoge auch das des 50jährigen Bestehens der Geineindeorthodoxie bedeute, die es mit Lnterstutziing der Gemeindeverwaltung durch latkraft und Entschlossenheit erreicht habe, daß alle erforderlichen rituellen Einrichtungen in mustergültiger Weise geschaffen worden sind und ihre Erhaltung gewährleistet ist. Hierauf überbrachte Herr Professor Dr. A. F r « u.eindev nisvolle, i in a n i. die Stands .„den Cliickw Wir gesetz vom Jahre I8T6 für d meiiideii hatte? haben könne sichtige Männer in aufopfernd dessen Bestehen wir feiern. verhiing- Vnstntts- Die Ostwand im Festsehm (phot. Samson & Co.) rinliehkeit zu ziehen gedachte ferner der dei R i i Bestund der Ge- . wenn nicht einr Arbeit das Werk, ir feiern, geschaffen hatten, r d M e r z b a c Ii entbot als Gemeindevertretung deren te im dankbaren Gedenken Rabb. Markus Horovitz. das ervativen Teils zum Wohl Finheitsgc als Vorsi R.-A. A. H.i der konservativ auf die Bedeutung de in Frankfurt, sondern Iii längerer Rede gedachte Hei v i t z der Wirksamkeit seine: beharrlich, mild und folgte und trotz allei halb der Einheitsgem Hierauf erhielt d< m a n ii - Breslau, ch tion des preuß. Landesverbands jii'l (iemciiu ynagogc für die Gemeindeorthodoxie nicht i merhalb des ganzen deutschen Judentums 1 Gemeinderubbiner Dr. Jakob Hör unvergeßlichen Vaters, wie er stiil i versöhnlich seinen als sicher erkannten Weg Anfeindungen dem gesetzestreuen Gedanken inner-;inde Raum und Geltung verschaffte, r Festredner, Herr Professor Dr. J. Heine- Wort zu einem mit stärkster Anteilnahme aufgenommenen Vortrag. Er schilderte die theoretische Grundlage der Gemeindeorthodoxie und zeigte in klarem historisch und philosophisch begründeten Aufbau, wie die Entwicklung des deutschen Judentums das Unterfangen der Männer, die 1882 die Synagoge schufen, gerechtfertigt habe, wie die durch die Nachwirkungen der Emanzipation scheinbar bedingte Auffassung vom Judentum als einer konfessionellen Gemeinschaft mit einem orthodoxen und einem neologen Teil sich in den letzten 50 Jahren gewandelt hat zum Glauben an eine durch Abstammung, Sprache, Geschichte und Kultur verbundene „Notgemeinschaft", die sich nicht — wie man bisher angenommen habe — den jeweiligen. Zeitströmungen gemäß entwickle, sondern nur das ihr organisch Verwandte aus der Umwelt aufnehme und verarbeite. Der Wandel dieser Auffassung habe sich in dem Leben und Wirken der Männer um Rabb. Horovitz s. A. verkörpert und frühzeitig einer Erkenntnis Bahn gebrochen, welche für alle kommenden Geschlechter Geltung behalten werde. Zum Schluß richtete Herr Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann die Aufforderung an die Versammlung, eine tatkräftige Werbearbeit im Interesse des traditionellen Judentums zu beginnen und besonders die Jugend, die durch radikale Strömungen gefährdet sei, zur Rückkehr zum Judentum und zur Mitarbeit an der Einheifsgemeinde zu gewinnen. Die mit großem Beifall aufgenommenen Reden waren von musikalischen Darbietungen der Herren Oberkantor E. Groß (Gesang) und Chordirigent Dr. N. E h r e n r e i c h (Klavier) wirkungsvoll umrahmt. T. M. Die Lehrerschule der Alliance Israelite Universelle Anläßlich der 65. Wiederkehr des Gründungstages der Lehrerbildungsanstalt der „Alliance" hielt ihr Präsident, Prof. Sylvain Levy, eine bemerkenswerte Ansprache, die hier in der Verdeutschung von Studienrat Dr. Max Solomon nach dem in der Juni-Ausgabe von „Paix et Droit" enthaltenen Wortlaut wiedergegeben ist. Ein Geburtstag führt uns heute hier zusammen. Wenn Sie mich fragten, ob es ein verspäteter fünfzigster oder ein vorzeitiger hundertster sei, so könnte ich mit gutem Recht diese Frage zurückweisen. Denn in der ruhmreichen Vergangenheit der Alliance Israelite stoßen wir auf eine solche Menge bedeutungsvoller Geschehnisse, daß wir nur zögernd daraus dasallerbedeutendste auszuwählen in der Lage wären. Vor nunmehr 72 Jahren wurde die Alliance gegründet; vor 70 Jahren konnte sie bereits ihre erste Schule eröffnen. Es war in Tetuan, in jenem Marokko, das später, unter französischer Verwaltung, im engsten Einvernehmen und in Zusammenarbeit mit ihr das fruchtbarste Feld ihrer Betätigung werden sollte. Im Jahre 1866, vor nunmehr 66 Jahren also, kam man im Zentralkomitee zum ersten Male auf die Frage der Ecole Normale Orientale zu sprechen. 1867 gab es bereits den ersten Schülerjahrgang, dem die bis heute unvergeßlichen Namen eines Nissim Behar und eines David Cazes entstammen. Im Jahre 1880 erfolgte die bereits seit 1868 angestrebte öffentliche Anerkennung der Schule. Sie verlieh dem Erfolg des

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