Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-11-01 · 3 (11.1932) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
3 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
Seite 62 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3094266-3094386-3094389--3375-3098146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 62 zur Deckung ihres Messiasanspruchs herangezogenen Stellen, insbesondere Jesaja 11, im behaistischen Sinne gedeutet und interpretiert. So ließ man z. B. auch die 2300 Jahre in Daniel 8,14 mit dem Jahre 1844 n. Chr. (1260 d. Hidjra) abschließen, eben dem Jahre, in dem sich der Begründer der Sekte als „Bab" proklamierte. Man übersetzte mit Hilfe jüdischer Konvertiten Auszüge aus den Behaischriften ins Hebräische und verbreitete sie zunächst in Hamadan, der Stadt, die das größte Heiligtum' der persischen Juden, nämlich das Grab des Mordechai und der Esther in sich birgt. Seit dem Jahre 1888 arbeitete dort der behaistische Judenapostel mit größtem Eifer. Aus gelegentlichen Propagandaversammlungen entwickelten sich nicht Geringeres als regelmäßige, feststehende Religionsdisputationen, die den persischen Juden, die ihrem Glauben treu bleiben wollten, eine willkommene Gelegenheit gaben, die Unhaltbarkeit der Behaiexegese nachzuweisen. Aber auch die behaistische Propaganda ließ es an nichts fehlen, um ihre Ideen wirksam zu vertreten. Im Mittelpunkt dieser Disputationen stand die Frage des „Wahrheitsbeweises der Behai- Religion", eben der sogenannte „Schriftbeweis", der wie bei jeder anderen Lehre, die in den Heiligen Schriften „vorausgesagt" sein will, auch hier die entscheidende Rolle spielte. Daneben wurde nocluein anderes Moment in der Judenpropaganda vorgebracht, nämlich die Verbindung der Behaibewegung mit Palästina. Wir erwähnten schon oben, daß die heiligen Stätten der Behai in Akko und in Haifa waren. So zufällig auch diese Verbindung war, Beha Allah hätte ja auch nach Cypern verbannt werden können, wie sein Rivale — die behaistische Propaganda wußte dies geschickt zu verwerten und läßt auch damit wieder eine biblische, Voraussage in Erfüllung gehen. Denn steht es nicht schon in Hosea 2,17: „Ich mache das Tal 'Ako(r) zum Tal der Hoffnung"? Jedenfalls hat die Zugehörigkeit Akkos und Haifas zu ■einem Lande, das „Erez Israel" ist, die Propaganda unter den persischen Juden erleichtert. Es soll auch schon vorgekommen sein, daß die Wallfahrt eines persischen Juden nach Palästina einem behaistischen und keinem jüdisch - religiösen Zwecke diente. Diese Disputationen und andere von den Behaijüngern beschrittene Propagandawege hatten ein Ergebnis, das es leider erlaubt, von einer jüdisch-behaistischen Abfallbewegung zu sprechen. Ueber den Umfang dieser Abfallbewegung lassen sich genaue Daten nicht ermitteln. Und zwar deshalb nicht, weil die Behaibewegung vom Staate mit Feuer und Schwert verfolgt wurde und noch heute selbst unter dem liberalen Regime eines Riza Khan Pehlevi verboten ist, und andererseits weil der Behaismus als eine Einheitsreligion einen formellen Uebertritt gar nicht .verlangt. Dennoch besitzen wir eine ungefähre Vorstellung von der Zahl der jüdischen Behai-Anhänger. Ganz abgesehen von den Daten, die die behaistischen Tendenzschriften nennen, wissen wir aus objektiven Darstellungen der inneren Verhältnisse Persiens, aus Werken von Gobineau, Browne, Goldziher, Curzon u. a., daß die Zahl der zur Behai- Bewegung übergetretenen Juden erschreckend groß war und noch ist. Wie sehr die Bewegung gerade Juden anzog und wie sehr sie in ihr geradezu, eine neue Offenbarung sahen, wird von vielen Seiten immer wieder betont. Curzon berichtet in seinem Persienbuch (S. 496), daß sich in Teheran 150, in Hamadan 100, in Kaschan 50 jüdische Behaikonvertiten und in Gulpaygan 75 Prozent der jüdischen Bevölkerung befanden. Indessen hat sich die Zahl bedeutend erhöht, was auch ich während meines Aufenthalts in Persien feststellen konnte. Die Hochburg des jüdischen Behaismus war einst Hamadan, das alte Ekbatana und nach der Tradition „Schuschan habira". Doch dank erfolgreicher Abwehrmaßnahmen von seiten der Lehrer der Alliance dürfte die Zahl auf etwa 80—100 jüdische Familien gesunken sein. Immerhin noch genug. Das Zentrum der jüdischen Behai-Bewegung ist heute Kaschan, eine Stadt auf halbem Wege von Teheran nach Isfahan gelegen. Es ist eine Ironie der Weltgeschichte, daß in Kaschan, das mit Recht das „persische Jerusalem" genannt wurde und eine Pflanzstätte der Tora war, in der die Werke von Maimonides, Raschi, Jehuda Halevi und anderen eifrigst studiert wurden, aus der alle bedeutenden persischen Rabbiner im 15. und 16. Jahrhundert, u. a. auch der berühmte persisch-jüdische Dichter und Chronist Babai b. Lutf, hervorgingen, daß in Kaschan heute die behaistische Abfallbewegung unter den Juden ihren Hauptstützpunkt gefunden hat. Nach den mir mitgeteilten Schätzungen sollen die Behai-Anhänger gerade hier viele jüdische Familien umfassen. Wenn auch die Behailehre einen ausgesprochenen Religionswechsel nicht fordert, so geht faktisch ein Behaijude doch für das Judentum verloren. Denn was bleibt noch vom Judentum, wenn er einer Sekte sich verschreibt, die ein Konglomerat aller Religionen darstellt, wenn er an Moses, Buddha, Christus, Mohammed, Zoroaster und Beha Allah glauben muß? In ihrem Bestreben, an dem Aufbau einer zukünftigen alle Unterschiede verwischenden Menschheitsreligion mitzuarbeiten, gehen denn auch Nach 9i/siähr. Tätigkeit: Innere Medizin (Prof von Bergmann), Pathologie (Prof. B. Fischer), Chirurgie (Prof.Schmieden), UniversitHts-Frauen- Klinik in Leipzig tGeheimr Prof. SeUheim) und insbesondere die letzten 51/2 Jahre als Assistent der hiesigen UniversilHts-Frauenklinik (Direktor: Geheimrat Prof. Dr. L. Seitz) habe ich mich als Facharzt für Frauenkrankheiten u. Geburtshilfe Frankfurt am Main Goethestrasse Nr. 7 im Hause J. A. Carl (Eing. Alte Rothofstraße) niedergelassen. Dr. med. Hans Wiesbader Sprechstunden täglich 11—I Uhr, 3-5 Uhr, Samstag 11—1 Uhr Telefon 26031 We-Kenner kaufen bei Unsere Spezialbehandlung verleiht auch den billigsten Sorten einen Höchstwert an Geschmack und Preiswürdigkeit Frankfurt am Main Goethestrasse 25 Rufen Sie bitte unter 239 75 an Warme Küche durch den sparsamen neuen kombinlertea Senking-Herd Ideales Braten und Backen I ErmaBIgt« Preise! Ttlhabtuf E. HAGE & Co. I -L_J Am Eschenheimer Tor l ELEKTRO Anlagen Leudifköiper RIESS BraubadtsSfrasse 37, am Römer Telefon: 24214 Der Friseur der Dame P.ALT 29 Schillerstrasse 29 (Entresoi) Bei persönlicher erstklassiger Bedienung stark reduzierte Preise. Henne-Färbung 5— bis 7.— RM.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.