Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 2 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 36 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 ihrer Grabhöhle wie drei Feuerfackeln und beten für die Erlösung ihres bedrückten Volkes. Wer hat das Geheimnis verraten, daß Rabbi Chija und seine Söhne die Macht des Gebetes haben und das Ende der Tage bringen können vor der Zeit?" Und sie riefen Elia, bedrängten ihn und sprachen: „Du hast die Not gebracht, so gehe nun auch du und beende das furchtbare Gebet der drei Gerechten!" Da fuhr Elia in vier Flügelschlägen hinab zur Erde und er sah die Volksmenge versammelt betend auf dem Boden liegen, und oben vor der Grabhöhle standen wie drei Eeuerfackeln Rabbi Chija und seine Söhne, und von der GeAvalt ihres Gebetes erschütterte sich die Erde, und schon hoben sich die Decksteine von den Grä.bern und im Spalt erschien eine tastende Hand, das flatternde Ende eines Totengewandes. — Da verwandelte sich Elia in einen feurigen Bären und stürzte unter die betende Volksmenge und trieb sie auseinander, daß sie ihr Gebet unterbrachen und vergaßen und schreiend entllohen. Als nun aber das Volk sich zerstreut hatte, da erlosch der Glanz auf den Angesichtern der drei Betenden und ihre Stimme schwand omd verstummte, sie glitten zurück in die Höhle und sanken wieder auf ihre Lager zum ewigen Schlaf. Und die Grabdeckel schlössen sich wieder und die Höhlen taten sich zu, keine Regung war mehr bei den Toten. Und die Welt blieb wie sie war, in Not und Trauer und wartend auf den Tag, avo der Rat des Ewigen den Erlöser sendet. DAS OFFENE TOR Nicht ächtet der Heilige, gesegnet sei Er, irgend ein Geschöpf. Sondern: Alle nimmt er an. Die Tore sind offen in jeglicher Stunde, all wer eintreten will, trete ein. (Aus „Sendung and Schicksal" von N. Glatzer und L Strauss, Berlin 1931.) Judaica, kursorisch Bei Anbruch des messianischen Zeitalters wird nach einer im jüdischen Volksmund umgehenden Ueberlieferung u. a. auch der' Streit zwischen der wahren Thora und den zahllosen falschen ..Thoras" entgültig entschieden, indem nämlich alle die Tausende von Büchern, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden und sicli gegenüber dem einzigen wahren „Buch" als entbehrlich erwiesen haben, verbrannt werden; infolgedessen, so sagt jene Ueberlieferung, werde man dann längere .Zeit auf das Holz als Brennstoff verzichten können, und eben hierauf beziehe sich das Psalmwort (96, 12): ..Dann werden alle Bäume des Waldes frohlocken". — Einstweilen aber haben die Bäume keine Veranlassung zum Jubeln . . . Eine spätere Generation wird vielleicht mit Ausdrücken der Bewunderung nicht sparen, wenn sie sich vergegenwärtigt, daß innerhalb des deutschen Judentums in einer Zeit schärfsten Niedergangs auf allen Gebieten einige Werke entstanden sind, die man bei aller Kritik im Einzelnen als großartige Leistungen gelehrter Arbeit bezeichnen muß. Neben der deutschen Ausgabe des großen Geschichtswerks von D ubno w und den Editionen der Soncino-«Gesellschaft sind vor allem die beiden enzyklopädischen Werke zu nennen: die auf fünfzehn Bände berechnete E n c y c 1 o p a e d i a J u d a i c a, von der soeben der neunte Band erscheint, und das seit einiger Zeit bereits in fünf Bänden abgeschlossen vorliegende Jüdische Lexikon, ein nahezu unentbehrliches Hilfsmittel für jeden im jüdischen Leben Tätigen. Von gleichem wissenschaftlichen Rang ist die große Jubiläumsausgabe der Werke Moses Mendelssohns, von der 1929 die ersten drei Bände1) erschienen sind (im Akademie- Verlag. Berlin). Die Ausgabe wird anläßlich der zweihundertsten Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns von der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Gemeinschaft mit einem Ehrenausschuß, dem auch eine Reihe hervorragender nichtjüdischer Gelehrter angehört und mit Unterstützung des Bankhauses Mendelssohn & Co. veranstaltet, die Hauptredaktion haban die Professoren I. Elbogeu, J. Guttniann und E. Mitlwoch. Es kann nicht die Aufgabe dieses Hinweises sein, die wissenschaftliche Bedeutung des mit umfassendstem gelehrten Apprat ausgestatteten Werkes, das vieles bisher unbekannte Material bringt, zu würdigen oder die Frage zu untersuchen, inwieweit sich eine Gesamtausgabe dieses :Umfangs rechtfertigt, die zweifellos zu einem erheblichen Teil nur antiquarische Bedeutung haben kann. Allen möglichen Einwänden gegenüber bestellt die unleugbare Tatsache, das Moses Mendelssohn den Grundstein zu der gesamten neueren Einrichtung des deutschen Judentums gelegt hat, so daß es wohl angemessen sein mag, wenn unsere Generation, die sich mehr zum Sammeln als zum Schaffen berufen fühlt, mit einer des Gegenstands würdigen Ausgabe diesen Schlußstein legt. Sind diese gelehrten, Werke ein Beweis dafür, daß den deutsehen Juden immer noch ein ehrenvoller Platz, wenn auch vielleicht nicht mehr die Führung, innerhalb der Wissenschaft vom Judentum zukommt, so ist doch notgedrungen die Beschäftigung mit aktuellen Fragen immer mehr in den Vordergrund getreten. Es ist aus mehr als einem Grund bemerkenswert, daß zweihundert Jahre nach Mendelssohns Geburt der Jude n h a ß in kaum vorstellbaren Formen aufloht. Das fast aussichtslose Unternehmen, ihm entgegenzutreten, führt der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit anzuerkennender Tatkraft durch. Seiner unermüdlichen Arbeit ist es zu danken, daß eine sehr handliche, schon wegen der zweckmäßigen Anordnung vielfach bewährte Sammlung von Material zur Bekämpfung antisemitischer Schlagworte nunmehr bereits in sechster Auflage vorliegt.2) Ein unentbehrliches Rüstzeug für einen Kampf, der zuweilen zwecklos erscheinen mag, trotz allem aber geführt werden muß. Noch eine andere Veröffentlichung des Zentralvereins ist, hier zu nennen:3) ein kleines Heft, das auf knappem Raum, in prägnanten Sätzen und Zeichnungen gutes Material zur Widerlegung der judenfeindlichen Hetze zusammenstellt. W. Calmmann gibt eine kurzgefaßte, auf wissenschaftlicher Grundlage ruhende Widerlegung der völkischen R a s s e n t h e o r i e . der die Tatsache von der Zugehörigkeit des deutschen Judentums zum deutschen Volk entgegengesetzt wird."1) Wichtiger als alle Abwehr is!: die positive Leistung. Hierzu ist ganz gewiß auch jede ernsthafte politische A u s e i n - 1) Bd. I enlhült die frühen philosophischen Sdiriften in der Bearbeitung v. Fritz Bamberger; Band VIT den t. Teil der Sdiriften zum Judentum, bearb. v. Simon lWidowicz; Bd. XVI einen Teil des Briefwechsels, hearb. v. Haim Borodianski. 2) Anti-Anti. Philo-Verlag, Berlin 1952. 180 Bl. RM. J.—. 3) Wir deutschen Juden 5 2 1 - 1 9 32. Berlin 1932. 4S S. 4) Walter Call n m a n n . Völkische Rassenlehre. Darstellung, Kritik, Folgerungen. Philo-Verlag, Berlin 1932. 30 S. RM, 0.50 br. Deutsche Effectenu. Wechsel-Bank Hervorgegangen aus dem im Jahre 1821 gegründeten Bankhaus L. A. Hahn FRANKFURT A. M. KAISERSTRASSE 30 DEPOSITENKASSEN: Konstabier Wache — Leipzigerstr. 50 Hanauerlandstr. 125 ^Höchst a. M., Dalbergstr. 3 Offenbach a. M., Frankfurters**-. 544