Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 2 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 35 (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 35 jetzt 'bereits, trotz aller finanziellen Schwierigkeiten, die uns daraus erwachsen, auf eine Durchschnittsziffer von 100 Eleven pro Jahr gebracht. Soviel kann immerhin aus unserer Arbeit schon als erwiesen gelten, daß auch, für deutsche Juden der Weg zur Landwirtschaft nicht verschlossen und daß es auf diesem Wege möglich ist, einiges zu leisten, um die anormale Struktur unserer Gemeinschaft zu verbessern. Aus dem Traktat Roschhaschana im Babylonischen Talmud Ausgewählt von Fritz Rosenthal Um der Gemeinschaft willen In den Tagen, da die Lehre" noch, von Javne ausging, entbrannte ein Lehrstreit zwischen Rabbi Joschua und Rabban Gamliel: beide hatten Tag und Stunde der Hochheiligen Feste berechnet und waren zuverschiedenerlei Ergebnis gekommen. Es war aber der Rabban Gamliel der Fürst des Gerichts in dieser Zeit, und so befahl er R. Joschua er sollte am Tage, da nach seiner Berechnung Sühnetag sei, mit Wanderstab und Geld vor ihn hintreten. Der Befehl lastete schwer auf R, Joschuas Seele, und er saß in tiefer Trauer auf der Erde. So traf ihn R. Akiba an, der zu ihm gekommen war, um ihm allerlei Tröstliches aus der Schrift zu sagen. Und R. Akiba hub an zu sprechen und also war seine Rede: „Ich will Dir aus der Thora Gottes beweisen, daß es recht und richtig ist, den 'Sühnetag mit der Gemeinschaft Israels zu begehen — selbst wenn sie sich in der Berechnung irrte. So steht geschrieben: „Dies sind die Gezeiten des HERRN, Heilige Ausrufungen, die Ihr ausrufen sollt. Bei Eurer Zusammenkunft — gleichviel ob zur rechten oder unrechten Zeit". Und da er noch redete, gesellte sich ihnen R. Desa beni Arkinos zu und auch er tröstete R. Joschua, indem er sprach: „Wahrlich, wolltest Du Rabban Gamliels Gerichtshof überprüfen, so müßtest Du alle Gerichtshöfe in Israel seit dem Tage Mosches nachprüfen — und die Welt käme aus ihrer Ordnung". Da erhob sich R. Joschua, nahm Wanderstab und Geld zair Hand und zog nach Javne, um an dem Tage, den er für den Sühnetag hielt, vor Rabban Gamliel hinzutreten. Der erhob sich, umarmte und küßte R. Joschua und rief: „Tritt ein in Frieden, mein Meister und Schüler: mein Meister an Gottesgelehrsamkeit;' mein Schüler, weil Du meine Worte nicht verwarfest und Dich ihnen fügtest. Wohl dem Geschlecht, in dem Große den Kleinen — und wie viel mehr Kleine den Großen um der Gemeinschaft willen dienen. Das Verdienst der Väter Als seine Schüler R. Abahu fragten, warum man am Neujahrsfeste gerade in ein Widderhorn stoßen müsse, antwortete er ihnen: Der HEILIGE, er sei gesegnet, spricht: Stoßet vor mir in des Widders Horn, damit ICH eingedenk bin eures Vaters Abraham, der mir seinen einzigen Sohn Jizchak darbringen wollte, und da es ihm mein Bote wehrte, ergriff er einen Widder, der sich in einer nahen Hecke festgerannt hatte, und metzte ihn statt seines Sohnes. Stoßet vor mir in des Widders Horn, und ich will es euch anrechnen, als hättet ihr euch auf die Schlachtstatt binden lassen — gleich Jizchak — und wäret bereit gewesen, mir euer Liebstes zu opfern — gleich Abraham. Vom verborgenen Sinn der Schrift In der Legende um Hagar, die am Neujahrsfest aus der Thora Gottes verlesen wird, heißt es: „Denn Gott hörte des Knaben Stimme, sowie er eben da war". R. Jizchak deutete den verborgenen Sinn dieser Stelle: aus dem „sowie er eben da war" mußt du entnehmen, daß der Heilige — er sei gesegnet — den Menschen nur nach seinen jeweiligen Verdiensten und Sünden richtet. und wenn er fertig ist, lege ich ihn wieder auf sein Lager. Dann tue ich das gleiche mit Isak und zuletzt mit Jakob. Und da sie viel flehen für ihre Kinder, das arme und bedrückte Volk Israel, so wird es für mich spät, und ich kann nicht zur rechten Zeit hier sein." Da sprach Rabbi: „Kann der Herr nicht schneller fertig sein, wenn er sie alle drei zusammen beten läßt?" Elia antwortete: „Ich fürchte, wenn sie alle drei zusammen beten, das Angesicht gen Jerusalem gewandt und bestrahlt von der feurigen Morgensonne, so wird ihr Gebet so mächtig sein, daß es den Messias herab bringt vor der Zeit, die bestimmt ist, und der Plan des ewigen Gottes wird von den drei Toten umgestürzt." Und Rabbi sprach: „Wenn das Gebet der Väter so machtvoll ist, — gibt es ihresgleichen auf Erden, die eine gleiche Gewalt des Gebetes haben?" „Ja, Rabbi Ohija, dein einstiger Schüler, und seine beiden Söhne, die in der Blüte der Jahre gestorben sind, — sie sind vollkommene Gerechte und haben gleiche Macht des Gebetes." Rabbi aber dachte: Groß ist die Not und unerträglich die Bedrückung, sollte es nicht doch Zeit sein, daß der Messias kommt? Und er ließ ein Fasten ausrufen, daß das ganze Volk in Gebet und Flehen sich vereinige, um Rabbi Chija und seine Söhne aus dem ewigen Schlaf zu wecken, daß sie durch die Macht ihres Gebetes den Messias herab brächten für das bedrängte Volk. Und da das Flehen der Menge zum Brausen anschwoll, da erhob sich in seiner Grabhöhle Rabbi Chija von seinem Lager und hinter ihm seine beiden Söhne, und sie traten vor die Höhle und begannen zu beten, das Angesicht gen Jerusalem gewandt, und sie waren anzusehen wie drei Feuerfackeln. Und ihr Gebet donnerte an die Wölbung des Himmels mit dem inbrünstigen Dreiklang ihrer Stimmen. Als sie sprachen: „der du den Wind wehen lassest", — da erhob sich rauschend ein Wind über den Wipfeln der Bäume und trieb schwarze Wolken in dicken Ballen vor sich her, und als sie sprachen: „der du den Regen fallen lassest", — da strömte das Wasser vom Himmel und übergoß die Erde, und als sie sprachen: „der du den Toten wieder Leben gibst", — da erbebte die Erde und wollte ihren Schoß auftun, die Toten zu entlassen. Die Engel im Himmel aber erschraken und sprachen einer zum andern: „Was ist geschehen, daß die Weise der Welt sich wandelt und die Erde erbebt, als sei das Ende der Tage gekommen und sie müsse ihre Toten wieder gebären?" — Und die andern antworteten: „Seht, Rabbi Chija und seine Söhne sind durch ein Fasten des Volkes beschworen und stehen vor Macht des Gebets Legende aus dem Talmud Nacherzählt von Else Schubert-Christaller Der Prophet Elia pflegte zu der Schule des großen Rabbi zu kommen und da mit den Weisen zu lernen. Doch kam er morgens nicht zur rechten Zeit. Da sprach eines Tages Rabbi zu ihm: „Warum kommt der Herr morgens nicht zur rechten Zeit, da er doch in vier Flügelschlägen die ganze Welt durchfliegen kann?" Elia antwortete ihm: „Wohl kann ich in vier Flügelschlägen die ganze Welt durchfliegen, aber viel habe ich des Morgens zu tun, das mich aufhält. Ich muß den Abraham aufheben aus seinem ewigen Schlaf in der Höhle Machpela, seine Hände waschen und ihn hinstellen, daß er bete, das Angesicht gen Jerusalem gewandt im feurigen Strahl der Morgensonne, — auch bei k£eütem eiHkommatt, können Sie sich einen, Linqel-Herrenschuhi leis+en. Lingel Qualitäten Lingel Passf orm Lingel Eleganz sind tonangebend Hauptpreislagen: IL ■ IICB t * m Wm " ■* Frankfurt a. M., Kaiserstr. 27