Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 2 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 37 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3094266-3094386-3094388--3345-3098115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 37 {incl er sctzung zu rechnen. Eine lesenswerte Abhandlung von II. Marx8) befaßt sich mit den Folgerungen, die ans den Alilauf der wirtschaftlichen Entwicklung" und dein vielberedeten Niedergang des politischen Liberalismus für die deutschen Juden entstehen, und vertritt die Auffassung, daß es sich nicht um eine Konjunkturkrise, sondern um" eine Strukturwandlung handle, die den Juden auch bei einem Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft die Erlangung ihrer alten Position unmöglich mach«. Der Verfasser, ein badischer Richter, kommt zu dem Schluß, daß die deutschen Juden die Rechte einer beruflich umgeschichteten nationalen Mi n d e r h ei t in Anspruch nehmen müssen. In ganz ähnlichen Ergebnissen, wenn auch auf anderem Weg. kommt der durch sein Buch „Wir jungen Juden'"6) und als Gründer des .,Bundes für neues Judentum" bekannt gewordene Stuttgarter Rechtsanwalt K. Lieblich, der in einem - (hübsch gedruckten) kleinen Buch7) zunächst eine erneute Darlegung seiner Theorie vom jüdischen „Gürtelvolk" gibt miß anschließend eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus versucht. Innerpolitisch kommt auch er zur Forderung einer kulturellen Autonomie, etwa in der Form, wie sie frühei von S. Dubnow für Rußland vertreten wurde und heute durch den Begriff der nationalen Minderheit gekennzeichnet ist. Untot den bis in die Vorkriegszeit zurückreichenden, von verschie denen Zeitschriften veranstalteten S o n d e r h. e f te n z u 1 J u d e n f r a g e darf die im Augustheft der ,,E u r o p ä i sehe n R e v u e" enthaltene Sammlung von Aufsätzen auf besondere Beachtung rechnen. An der Spitze steht äußerlich und inhaltlich der Aufsatz des Herausgebers Karl Anton Prinz Rohan. dessen Bemerkungen über das deutsche Judenproblem, schon wegen der sonstigen politischen Einstellungdes Verfassers zu denken geben müssen. Weitere Beiträge lieferten: Leo Baeck. ■Hans Blüher, Jakob Wassermann. Arnold Zweig, Ernst Kahn, der gelehrte Jesuit Erich Przywara. der bekannte politische Schriftsteller Hans Kohn, der Mitarbeiter am ..Deutschen Volks tum" A. E. Günther, der nationalistische Straftrechtslehror Graf Gleispach und der hervorragende Germanist Josef Nadler. Das Heft ist, gleichviel wie man die vorgetragenen Auffassungen bewertet, eine Fundgrube wichtigen gedanklichen Materials für jeden, der sich mit der Judenfrage zu befassen hat. Ein nicht jüdischer Arzt, der sich auch in früheren Veröffentlichungen um Erkenntnis und Würdigung des Judentums bemüht hat, gibt eine sehr ins Einzelne gehende und durch zahlreiche Zitate aus den Quellen belegte Darstellung des Religionsgesetzes und der Lebensauffassung der Juden.8) Er sieht in dem Judentum lediglich eine konfessionelle Gemeinschaft, ist stark von orthodoxen Gedankengängen beeinflußt und schenkt den neuesten Entwicklungen innerhalb des Judentums, wenig Be achtung. Trotzdem ist schon wegen seiner ebenso seltenen wie erfreulichen Grundhaltung das (in seiner Anlage dem Werk von M. Friedländer verwandte) Buch durchaus zu empfehlen. Kommen bei diesem nicht-jüdischen Verfasser die ewigen Werte des Judentums zur Geltung, so blieb es einem Juden vorbehalten, als Prophet vom „Untergang des Judentums" aufzutreten.9) Das Buch hat bei seinem Erscheinen ein gewisses Aufsehen erregt, das wohl zu gleichen Teilen auf den Titel, wie auf die bolschewistische Einstellung des Verfassers zurückzuführen ist. Von einer vollkommen einseitigen Geschichtsauffassung ausgehend, unternimmt der Verfasser eine stets an der Oberfläche bleibende Auseinanderstzung mit der jüdischen Religion und dem Antisemitismus, um sodann im zweiten Teil eine Schilderung des sowjetrussischen Lösungsversuchs zu geben. Alles in allem eine ausgezeichnete Propagandaschrift gegen die „rote Assimilation". Den Versuchen einer deutschen Wiedergabe ausgewählter Stücke des nachbiblischen S c h r i f 11 u m s reiht sich ein neuer an, der schon wegen der Vielseitigkeit des gebotenen Stoffes als besonders geglückt bezeichnet werden darf und wärmstens zu empfehlen ist.10) Auch die Uebertragung ist zu rühmen, wenn sie sich auch von einer aus mißverstandener Treue zum Original erwachsenen artistischen Ueberspitzung des Ausdrucks (z. B. die „Götterklötze" in der ausgezeichneten Uebertragung des Aicnu-Gebets) nicht immer frei hält. (Eine kleine Probe ist in dieser Nummer abgedruckt.) In die Gegenwart oder doch die nächste Vergangenheit führt die bei weitem ä) Hugo Marx, „Was. wird werden? Das Schicksal der deutschen Juden in der sozialen Krise". Verlag Westdruckerei. Wiesbaden 1952. RM. 0.60. «) Karl Lieblich. Wir jungen Juden, drei Untersuchungen zur jüdischen Frage, Zonen-Verlag, Stuttgart 1931. 160 S. 7) Karl Lieblich. Was geschieht mit den Juden? Oerfentliche Frage an Adolf Hitler. Zonen-Yerlag. Stuttgart 1952. 96 S. RM. 1.S0 kart. 8) J. Weigl. Das Judentum, eine volkstümliche Darstellung. Berlin 1952, Philo-Verlag. 525 S. RM. 5.— kart. *| Otto Heller. Der Untergang des Judentum s. Verlag für Literatur und Politik. Berlin/Wien 1952. 590 3. RM. 4.50 br. f) Ein jüdisches Lesebuch. Sendung und Schicksal. Aus dem Schrifttum des nachbiblischeu Judentums mitgeteilt von \ a h u m Norbert Glatzer und Ludwig Strau Ii. Schocken-Verlag, Berlin 195t. 380 S. RM. 5.50 geb. TEPPICHE GARDINEN so billig wie noch nie! Wir nennen hier auf diesem kleinen Raum keine Pieise, denn diese besagen garnichts, wenn Sie die Ware nicht sehen. Besichtigen Sie darum unsere 20 großen Schaufenster und kommen Sie zu uns. BRUMLIK Süüdeutsctilanüs größtes Teppich- und Gardinenspezialhaiis Frankfurt a. M., Liebfrauenstrasse 1—3 reichhaltigste und wertvollste Sammlung ostjüdischer ...Geschichten", die in einer europäischen Druckschrift zugänglich ist.'1) Die einzelnen Schwanke, Erzählungen, Sprichwörter und Rätsel sind in der jiddischen Originalsprache, und zwar in ihrem echtesten litauischen Dialekt, mit deutschen Lettern wiedergegeben und nach kurzem Einlesen auch für denjenigen verständlich, dem dieses Idiom nicht schon vertraut ist. Wer einen tiefen Einblick in unverfälschtes jüdisches Volkstum ge wirinen will, der greife zu diesem Sammelwerk. Er wird sich nicht nur nachhaltig daran erfreuen, sondern auch eine zwar anekdotenhafte aber dafür um so lebendigere Einsicht in jüdisches Wesen erlangen. Die spärliche Literatur über die größte Gestalt der jüdischen Geschichte wird durch ein neues (typographisch leidei nicht sehr erfreuliches) Werk12) um eine schon wegen dei erstaunlichen Fülle des verarbeiteten Materials bemerkenswerte Darstellung bereichert. Unter ständigem Hinweis auf die in der englisch agadischen Literatur verstreuten Quellen wird das Leben und Schicksal Moses' eindrucksvoll geschildert. Im „Ein vernachlässigtes Kapitel jüdischer Sittenlehre" führt eine interessante Abhandlung von S. Lichtenstädter, der den Nachweis führt, daß im jüdischen Religionsgesetz der Begriff des Naturschutzes ein viel umfassenderer ist, als man gemeinhin annimmt.1") Der Weltverband für S a b b a t h s c h u t z hat sich im Rahmen seiner verdienstvollen Arbeit u. a. auch die Aufgabe gestellt, die rechtlichen Vorschriften über die Sabbatruhe in Verbindung mit der Sonntagsruhe in den einzelnen Ländern darzustellen, und legt als Heft 4 seiner Schriftenreihe eine übersichtliche und instruktive Zusammenstellung der in der niederländischen Gesetzgebung und Verwaltung geltenden Bestimmungen vor.11) In der gleichen Reihe behandelt H. Klein in drei Aufsätzen ,.Die Gedankenwelt des Sabbath". Dem wachsenden Bedürfnis nach praktischen Hilfsmitteln für den Unterricht im zeitgenössischen H e b r ä i s c h kommt ein kleines Buch von B. Krupnik lä) entgegen. In einem deutsch-hebräischen und hebräischdeutschen Teil sind die geläufigeren Redewendungen des täglichen Lebens in etwa dreitausend Ausdrücken zusammengestellt. Vielleicht entwickelt sich aus diesem sehr brauchbaren Heft der hebräische ,,kleine Krön". Ueber die Entwicklung der hebräischen Sprache von der Bibel bis zur Gegenwart unterrichtet leicht faßlich eine Abhandlung des Berliner Seminaidozenten S. Grünberg.10) Dem Andenken des hervorragenden Frankfurter Semitologen Prof. I. Ilorovitz haben zwei seiner Schüler, beide ") Immanuel O 1 s v a n g e r , Rosinkess mit M a n d 1 e u Aus der Volksliteratur der Ostjuden ... 2. völlig veränderte und vermehrte Auflage. Verlag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde Basel 195 t. ") A. Rosmarin. Moses im Lichte der A g a d a. The Coldblatt Publishing Co, New York 1952. 13? S. 13) S. Lichtenstädter. Naturschutz und Judentum . . . Verl. L Kauffmann. Frankfurt a. M. 1952. 48 S. RM. 1.20 br. t4) M. S c h o r 1 c s h e i in u. J. Stern, Sonntagsruhe und Sabbatli. 1. Die staatliche Regelung in den Niederlanden . . . Berlin NW 40. 20 S. B a r u c h IC r u p n i lt. Hebräische P Ii r a s e o 1 o g i c. Buchhandlung Rubin Mali, Berlin 1952. TO S. l6) Samuel Grünberg, Vom Biblisch-Hebräischen bis zum .Neu- Hebräischen. Verlag des Bundes jüdischer Akademiker. Berlin 1952.