Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 2 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 34 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 34 aufweist, und gerade die letzten zwei Jahre der wachsenden Berufenot haben die Zahl derjenigen Jugendlichen ungeahnt wachsen lassen, die heute bereit sind, zum landwirtschaftlichen Beruf zurückzukehren. Leider sind die Möglichkeiten, sich für diesen Beruf vorzubereiten, heute in Deutschland noch gering. Desto größere Bedeutung haben für uns diejenigen Stellen, an denen eine solche Vorbereitung möglich ist. Diesen Bestrebungen dient das jüdische Lehrgut in Hattenhof bei Fulda. Das Lehrgut wurde Ende 1923 durch Unterstützung einiger Kreise in Frankfurt und Berlin gegründet, die die Bedeutung der landwirtschaftlichen Berufsumschichtung für die Juden erkannten. Es war zunächst ein kleiner Bauernhof von knapp 70 Morgen, der kaum mehr als 8—10 Leute beschäftigen konnte, den man käuflich erwarb. Nach wenigen Jahren stellte es sich bereits heraus, daß dieser Hof zu klein sei, sodaß ein größerer Hof in Rodges bei Fulda gepachtet wurde. Dieser Hof umfaßte bereits 130 Morgen, man konnte mit einem erweiterten Viehbestand arbeiten und dort einen größeren Garten anlegen. Die Zahl der Eleven ließ sich im Laufe der Jahre bis auf 20 steigern. Da die Pacht nur auf vier Jahre abgeschlossen war und der Hof zu einem annehmbaren Preis nach Ablauf der Pacht nicht zu kaufen war, entschloß man sich, ein größeres Objekt, ebenfalls in der Nähe von Fulda, zu erwerben. Dieser neue Hof — Geringshof — zwischen Neuhof und Kerzell gelegen, wurde anfangs 1931 bezogen. Er umfaßt einschließlich Wald und Wiese fast 230 Morgen, der Viehbestand wurde auf 25 Stück erhöht, es ist eine Geflügelzucht mit zirka 200 Hühnern vorhanden. Im letzten Jahre hat man auch einen größeren Bestand an Schafen angeschafft. Weiterhin wurde auf dem Gebiet des Lehrguts ein Garten von zirka fünf Morgen gepflanzt, und außerdem befindet sich auf dem Lehrgut eine Anzahl von Fischteichen, die in diesem Jahre neu angelegt werden. Es bietet sich somit auf dem Lehrgut die Möglichkeit, fast alle Zweige der Landwirtschaft zu erlernen. Es ist nur selbstverständlich, daß dieser Betrieb auch nach den Vorschriften des ■jüdischen Religions-Gesetzes geführt wird, d. h. insbesondere, daß an Sabbaten und jüdischen Feiertagen jegliche Arbeit ruht, .und daß die Küche des Lehrguts streng rituell ist. Die Zahl der Eleven, die in dem Lehrgut beschäftigt werden, ist auf 40 gestiegen; leider ist bei weitem nicht Platz für all die vielen Bewerbungen, die in jedem Frühjahr an die Leitung des Lehrguts herantreten. Um wenigstens noch einen Teil der zahlreichen geeigneten Bewerbungen berücksichtigen zu können, ist die Leitung des Lehrguts dazu übergegangen, auch eine Anzahl der Eleven bei einzelnen Bauern unterzubringen, und zwar wird versucht, jeweils' eine Anzahl von Eleven am gleichen Ort zu beschäftigen. Sie sind dort gemeinsam untergebracht, und es wird für sie eine gemeinsame rituelle Küche geführt. Ein solches Bauernzentrum bestellt in Burghaun bei Fulda und umfaßt in diesem Sommer 15 Eleven. Ein weiteres Zentrum befindet sich in der Nähe von Schierstein, auf dem Groroderhof. Es ist bemerkenswert, daß die Bauern, bei denen wir unsere Eleven unterbringen, mit ihreT Arbeit außerordentlich zufrieden sind, und daß sie gern immer wieder diese jüdischen Eleven nehmen, obwohl diese an Sabbaten nicht arbeiten, und obwohl sie an der Hausgemeinschaft des Bauern nicht teilnehmen. Das allein beweist schon zur Genüge sowohl die Eignung unserer jungen Leute für die Landwirtschaft, wie den besonderen Eifer, den sie an den Tag legen, um sich in ihren neuen Beruf hineinzuarbeiten. Diese Bestrebungen haben demgemäß in weiten jüdischen und auch außerjüdischen Kreisen Interesse gefunden, und die zuständigen Regierungsstellen haben es an Förderung unserer Arbeit nicht fehlen lassen. '1 In diesem Jahre wird zum ersten Mal auf dem Lehrgut auf Grund des Gesetzes über den freiwilligen Arbeitsdienst eine Kolonne jüdischer Erwerbsloser arbeiten, für die die Kosten von den zuständigen Arbeitsämtern getragen werden. Diese Leute werden ausschließlich mit allgemeinen Bodenverbesserungsarbeiten beschäftigt, insbesondere bei uns mit dem Roden von Waldstücken, mit Anlegen neuer Wege und mit der Ausräumung der versumpften Fischteiche. Auch auf diesem Wege hoffen wir, eine Anzahl von. Leuten wieder allmählich zum landwirtschaftlichen Beruf überzuführen. Wir wissen, daß mit dieser Arbeit nur ein kleiner Anfang gemacht ist, aber wir haben vor acht Jahren mit einer Durchschnittsziffer von 8 Eleven pro Jahr begonnen und haben es PH. WITTGES K. HANAUER NACHF. HERRENSCHNEIDER Direkter Import von Qualitätstuchen TELEFON 29289 GOETHEPLATZ 3 Cubaeus-Nitsche Frankfurt a. 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