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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-09-01 · 1 (9.1932) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
1 (9.1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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5 jedem Schritte, den wir durch Gottes Beistand hier in der Entwicklung .unserer religiösen Einrichtungen vorwärts taten, beglückwünschte er uns in seiner herzlichen Art . . . und im Anschluß an den Schriftvers: „Gott gibt seinem Volke Kraft, Gott segnet sein Volk mit Frieden", fügte er hinzu: „Ich habe hier in Frankfurt Gott sei Dank Kraft gesehen; Gott segne Sie mit Frieden!" Eine Sammlung hebräischer Gutachten, die im Jahre 1891 unter dem Titel Matte Levi erschienen ist, widmete mein Vater dem Meister, der beglückt aus tiefstem Herzen dankte. Zahlreiche Briefe und Karten legen Zeugnis ab von seinem durch nichts getrübten Verhältnis zu dem über alles geliebten Jünger. In diesen Tagen erscheint ein neuer Band von Gutachten und halachischen Briefen meines Vaters. In ihm findet sich u. a. auch ein längeres Schreiben an den genannten R. Ch. H. Mannheimer, dessen erster Teil in denkwürdiger Weise davon spricht, daß und unter welchen Gesichtspunkten mein Vater seine hiesige Stelle anzutreten gedenkt. Das von meinem Vater erwähnte Schreiben Mannheimers hat sich leider nicht erhalten. Dagegen konnte ich ein anderes, im neuesten Teil des Matte Levi veröffentlichen, das die Glückwünsche wiederholt, die der genannte Meister telegraphisch übermittelt hatte. Ich behalte mir vor. ein anderes Mal weiteres Material auszubreiten, das in Aeußerungen führender Männer aus den verschiedensten Kreisen und Richtungen den Eindruck widerspiegelt, -den die Persönlichkeit meines Vaters in ihrer Vereinigung von Kraft und Milde, von Frömmigkeit, Weisheit und Güte geübt hat. Für ihn selbst trifft zu, was er Israel Hildesheimer nachrühmte: „Allein die Tatsache, daß der gesetzestreueste Jude zugleich auch der beste Jude war, der besto edelste Mensch, daß der größte Talmudjude Deutschlands zugleich der liebreichste Mensch auf Erden war, das hat dem gesetzestreuen Judentum mehr geholfen, als Bände, die er und andere geschrieben haben." Der Bau der Synagoge am Börneplatz Von Professor Dr. A. Freimann Es hat unserer Gemeinde nie an Männern gefehlt, die sich in die Reihe stellten, wo sie am rechten Platz waren. Mit Sorgfalt und Entsagung erfüllten sie die Pflichten, die sie selbst übernommen. Von einem solchen Mann muß man sprechen, wenn man sich des Tages erinnert, an dem .unsere Synagoge am Börneplatz oder, wie die Stätte damals hieß, „Am Judenmarkt" erstand. Das Austrittsgesetz vom Juli 1876 ließ die Frage, wie die Gemeinde für die Bedürfnisse ihrer konservativen Mitglieder zu sorgen hat,, neu aufleben. Man hatte in den Kreisen des Gemeinde Vorstands und des Ausschusses Verständnis für die Forderungen. 1877 errichtete man am Judenmarkt das neue Frauenbad. Die Beaufsichtigung der rituellen Einrichtungen wollte man einem Manne übertragen, der von dem Vertrauen der Orthodoxen getragen war. Die Wahl fiel 1878 auf. Marcus Horovitz s. A., Rabbiner in Gnesen, mit dem verhandelt worden war. 1878 trat er sein Amt als Gemeinderabbiner an. Mit der ihm eigenen Tatkraft und Umsicht schuf er die Gemeindeeinrichtungen, die eine orthodoxe Gemeinde nötig hat und die mustergültig geworden sind. Als Sj^nagoge diente der Betsaal am Kompostellhof, der bald die Zahl der Besucher der aufblühenden konservativen Gemeinde nicht fassen konnte. Man dachte an einen Umbau, andere wollten die Synagoge in der Börnestraße zur orthodoxen Gemeindesynagoge umwandeln und für die Liberalen eine neue Synagoge im Westend bauen. Der Vorstand war einstimmig für diesen Plan. Drei Gemeindemitglieder brachten M. 195 000.— aus freiwilligen Beiträgen auf. Schließlich wurde durch Eingaben einiger Liberalen von diesem Plan abgesehen. Ein Schreiben des Herrn Heinrich Meye r *) an den damaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeinde, Justizrat Dr. Fuld, brachte die Frage des Synagogenbaus im Jahre 1880 neu "in Fluß. Meyer hatte schon beim Bau des Hospitals und des Frauenfbads mitgewirkt. Er setzte in diesem Brief auseinander, daß ein -Umbau des Betsaals im Kompostellhof unvorteilhaft sei. Die Dominikanergasse sollte erweitert werden, dadurch würde ein Abbruch des Saales nötig, ferner würden beim Umbau *) Heinrich Meyer, geb. zu Heinrichs 1809, gest. zu Frankfurt, 15. Dezember 1 Synagogen-Inneres die Mieten der Gewölbe im Hofe nicht nur während der Bauzeit, sondern für immer verloren gehen. Es müßte mindestens für zwei Jahre ein anderer Betsaal für die Abhaltung der Gottesdienste beschafft werden, und schließlich sei die Straße für die Errichtung eines Synagogenbaus ungeeignet. Die Inspektion der Gemeindesynagoge am Kompostellhof, Rudolf Straiis, David Schnadig und Aaron Meyer, unterstützten durch Eingaben vom 18. November 1880 an den Gemeindevorstand die Forderung nach einer neuen Synagoge mit der Begründung, daß man in dem Betsaal „nicht einmal eine Trauung vornehmen könne". Am 31.' Januar 1881 beschloß der Vorstand den Neubau und beauftragte den Architekten S. Kusnitzky, Pläne und Kostenvorschläge einzureichen. Für den gesamten Neubau wird ein Betrag bis zur Höhe von M. 200 000.— in Aussicht genommen. Falls Kusnitzky die Ausführung nicht übertragen werden sollte, wird ihm für die Pläne ein Honorar von M. 300.— gewährt. Es wird eine Baukommission mit dem Recht der Kooptation von Mitgliedern der hiesigen Israelitischen Gemeinde geschaffen, deren Vorsitzender Stadtrat A. Strauß, der Präsident der Gemeinde, ist. Als Platz für die Synagoge wurden die Grundstücke Judenmarkt 3ti und Hinter der Judenmauer 2 (heute Börneplatz) gewählt. Man ging schnell ans Werk. Das alte Hospital wurde im März 1881 niedergelegt und auf Abbruch verkauft. Am 23. April wird nach Bericht der Baukommission Kusnitzky der Bau vom Vorstand übertragen. Architekt F. W. Ludwig wird mit der Beaufsichtigung des Baus von der Baukommission beauftragt. Er erhält dafür M. 1500.—. Wieder war es Heinrich Meyer, der in die Synagogenbaukommission kooptiert, in rührigster Weise tätig war. Die Fassade der Synagoge wurde in rotem Sandstein vom oberen Maintal ausgeführt. Die architektonischen Formen der Renaissance sind verwertet und bestimmen die Gestaltung der Fassade. Der Bau stand aber unter keinem günstigen Stern. Kusnitzky hatte offenbar zu einem Synagogenbau nicht genügend Erfahrung. Es werden Aenderungen der eingereichten Pläne notwendig, die aber die Mißstände nur zum Teil beseitigten. Räume für den Chor, die Garderoben und anderes

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