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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-09-01 · 1 (9.1932) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
1 (9.1932)
Date
1932-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlieh und wird den Gemeindemitgliedern unentgeltlich durch die Post zugestellt. — Preis der Einzelnummer 50 Pfg. — Anzeigen nach Tarif. — Schriftleitung und Anzeigenyerwaltung: Gemeindehaus, Fahrgasse 14& Fernsprecher: Sammelnummer Hansa 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. 11. Jahrgang Frankfurt a. M., September 1932 Nr. 1 JUBILÄUM DER SYNAGOGE AM?LATZ Die Synagoge Von Gemeinderabbiner ] am Börneplatz i. Die Synagoge am Börneplatz feiert in wenigen Wochen ihren fünfzigjährigen Bestand. Das fünfzigjährige Bestehen einer Synagoge ist wohl kein seltener und ungewöhnlicher Fall. Zumal in einer der ältesten und an blühenden jüdischen Einrichtungen und Anstalten reichsten Gemeinden Deutschlands. Aber schon der Bau dieser Synagoge war ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte unserer Gemeinde. Er bedeutete, nach mancherlei Verhandlungen und Auseinandersetzungen, die rückhaltlose Anerkennung des unantastbaren Lebensrechtes und die rückhaltlose Würdigung des ungebrochenen Lebenswillens des thora- und traditionstreuen Judentums innerhalb der alten Frankfurter Kehilla. Auch nach dem Bau dieser Synagoge sind noch andere konservative Bethäuser, von der Gemeinde unterstützt und gefördert,' entstanden. Aber die Synagoge am Börneplatz blieb, was sie von allem Anfang an zu werden bestimmt war: der Mittelpunkt für alle Ausstrahlungen und Betätigungen des g e - ■setzestreuen jüdischen Lebens innerhalb der großen Einheitsgemeinde. Und je zielstrebiger und Avirksamer sie das gesetzestreue jüdische Leben zu fördern wußte, desto mehr wuchs ihre Bedeutung und desto größer Avurde der Radius ihrer Wirksamkeit. Heute ist sie unbestritten ein in mehrfacher Hinsicht vorbildlich wirkendes religiöses Kraftzentrum. Der fünfzigjährige Bestand dieser iSynagoge rechtfertigt daher ein Wort rückschauender Betrachtung und Würdigung. H. Auf die Austrittsbewegung und die damit zusammenhängenden Verhandlungen und Auseinandersetzungen, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Gemüter der gesetzestreuen Mitglieder der Frankfurter Gemeinde aufwühlten, soll hier nicht eingegangen werden.*) Genug, die zunächst von allen gesetzestreuen Mitgliedern der Gemeinde gehegte Hoffnung, es werde sich die Einheit und Gemeinsamkeit der rituellen Einrichtungen ermöglichen lassen, hat sich nicht erfüllt. Als im Jahre 1876 nach dem Inkrafttreten des preußischen Austrittsgesetzes die Anhänger des Austrittsgectankens immer weitere Forderungen in der Richtung der Selbständigkeit stellten und nur noch eine ganz lose Verbindung mit der ■ *) Dr. H. Heinemann s. A. hat aufschlußreiche Aufzeichnungen über diese Beratungen und Verhandlungen, an denen er aktiv beteiligt war, hinterlassen; vgl. den Beilrag von Prof. Heinemann-Breslau in dieser Nummer. jjvr t re m e i n de v o rs ta n d, ~ egens auf streng gert-,tt eines allen reliijjjualbade? — ein ^ijder Synagoge ' sügiösen Be- Marcus Horovitz (1844—Jy/uj Jakob Hoffman n Gemeinde zugestehen v, m durch die Neuregulierunir setzestreuer Grundlage s< gionsgesetzlichen Ansprüchen konservativer Gottesdienst bestand Dei"j! im Compostellhof — für die Befriedigt! . diirfnisse der gesetzestreuen GenieindemflCTHM^.*im eigenen Bereiche Sorge zu tragen. Die Schaffung ^nst-ü'eberwachung dieser religiösen Einrichtungen sollte einem' gesetzestreuen Rabbiner übertragen werden. Zuerst bestand die Absicht, den zu berufenden Rabbiner lediglich mit den Amtsobliejrenheitcn eines'Gemeinde-Dajan zu betrauen. Allein Rabbiner Dr. Markus Horovitz s. A„ damals Rabbiner zu Gnesen, den man für diese Stelle gewinnen wollte, knüpfte seine Zustimmung an die Erfüllung zweier Forderungen. Er verlangte die Umwandlung der ausgeschriebenen Dajanstelle in die eines Gemeinderabbiners mit allen Rechten und Pflichten eines solchen. Und er verlangte ferner, daß ihm neben den rituellen Einrichtungen, die ausschließlich seiner Oberaufsicht zu unterstellen wären, auch eine Synagoge überlassen werde, wo er von der Kanzel herab zu seiner Gemeinde sprechen könne. Beide Forderungen wurden erfüllt. Und so wurde Rabbiner Horovitz — es war dies im Jahre 1878 — die konservative Synagoge im Compostellhof zur Verfügung gestellt.- Sie erwies sich schnell genug als unzulänglich. Sie hatte keinen Raum für die wächsende Schar der den traditionstreuen Gemeinde-Gottesdienst Besuchenden. Und sie bot keinen würdigen äußeren Rahmen für die Wirksamkeit des bedeutenden und von Tatfreudigkeit beschwingten rabbinischen Führers. So entstand im Jahre 1882 die konservative Gemeindesynagoge am Börneplatz. Und mit dieser Synagoge begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der alten Frankfurter Kehilla: die Erstarkung und Entfaltung der sich selbst bewußten und über den eigenen g e - s i n nu ng s g en ö ss i s c h en Kreis und über die eig-ene Gemeinde hinaus wirkenden Gemeinde-Orthodoxie. Es dauerte nicht lange, und schon wurde der Ruf laut: „Dehne den Raum deines Zeltes aus, spanne die Decken deiner Wohnungen auseinander." Im Jahre 1901 wurde die Synagoge erheblich erweitert und ihr Fassungsraum um mehr als 400 Sitzplätze vergrößert. Aber selbst die dergestalt erweiterte Synagoge vermochte nicht dem täglich wachsenden Bedürfnis Nehemias A. Nobel (1871—1922)

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