Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 12 (8.1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 262 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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262 lassen; binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens." In unverbrüchlicher Liebe und Treue hat er nicht nur zu seiner Familie, zu seinem rabbinischen Amte, sondern auch zu seinem Lehrberufe, der ihm besonders heilig war, gestanden; in Liebe und Treue hat er sich unserer engen Gemeinschaft gegeben. Mit der gleichen Liebe und Treue wollen wir alle ohne Unterschied des Ranges und der Richtung danach streben, seine Gedanken und Pläne zu verwirklichen und dabei seine Persönlichkeit und seinen Geist in uns lebendig fortwirken zu lassen. Liebe und Treue wollen wir ihm und seinem Wirken bewahren, so lange unsere Herzen schlagen. So gereiche uns sein Andenken zum Segen. Dr. Gustav Stiebel zum Gedenken Am 28. Juni war ein Jahr verflossen, seitdem Dr. Gustav Stiebel aus dem Leben geschieden. Für diesen über das normale menschliche Maß hinaus gütigen, bescheidenen Menschen, den wahrhaft frommen Juden, den pflichtgetreusten Arzt, soll hier ein Dank- und Gedenkwort stehen, gewiß im Sinne all der vielen, denen er oft genug Helfer und Tröster war. Es waren Menschen aus allen Schichten, nicht zuletzt die Allerärmsten, denen Dr. Stiebel zur Seite stand, ein freundlicher Arzt, ein im edelsten Sinne ärztlicher Freund. Möge das Wirken dieses seltenen Mannes unversessen sein! Ä. R. Nobel-Gedächtnisfeier Anläßlich der 10. Wiederkehr des Todestages unseres unvergeßlichen Gemeinderabbiners N. A. Nobel s. A. veranstaltete die „Gesellschaft für jüdische Volksbildung" vor einiger Zeit im Lehrsaal der Synagoge Unterlindau eine Gedächtnisfeier. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gesellschaft Rabb. Dr. Salzberger hielt Herr Dr. Oscar ff olfsbcr g, den man eigens dazu von Berlin hierher gebeten hatte, eine Gedenkrede. Er führte etwa folgendes aus: Er sei sich deutlich der Schwierigkeit bewußt, Nobels Persönlichkeit erneut zu würdigen. Gerade weil er (in einer Schrift) bereits den Versuch gemacht hat, wisse er, wie unzureichend seine Kraft sei. Nobel, dessen Gestalt ein Kunstwerk war, gerecht zu werden, noch dazu in der Stadt, die ihn mehr als ein Jahrzehnt um Werke sah, seinen Aufstieg und Höhepunkt erlebte, dazu vor einem Kreise, der ihm verwandtschaftlich und menschlich nahestand. Im Gegensatz zu des Redners Versuch in seinem Nobel-Buch soll diesmal Nobel nicht so sehr in seinen einzelnen Qualitäten erkannt und bewundert werden, sondern in seiner Totalität. Welcher Gruppe von Denkern und Führern ist er einzureihen? Die von Ostwald geschaffene Einteilung: Klassiker und Romantiker, ist für den jüdischen Bezirk nicht sehr geeignet, da Sinn und Wirken hier sehr eng zusammengeht. Eher passen die Kategorien, die aus der Welt von Meister und Jünger stammen: der Strafredner, der zürnende Wegweiser, der milde, harmonische Führer, der durch Liebe und Vorbild, durch das Gleichmaß seines innerlich doch bewegten Geistes die Menschen gewinnt, auf der anderen Seite. Wie in unserer Zeit Nathan Birnbaum die erste Gruppe repräsentiert, so Nobel die zweite. Kein Eiferer, kein Pedant und Schulmeister, aber dennoch der erfolgreichste Menschen- und vor allem Jugendbildner. Dieser ethischen Grundhaltung, die sehr ungewollt, die wirklich legitim war, entspricht nun eine besondere Form der Geistigkeit. Nobel ist echter Repräsentant und Fortsetzer aller großen schöpferischen jüdischen Menschen, indem er ein exquisit exegetischer Geist war. Systematik war ihm fern, so sehr er sich in Systeme versenkte. Sein eigenes Schaffen empfängt von der Exegese her — in Halachah u. Agadah — seine Besonderheit. Von hier aus läßt sich die Gegenüberstellung Nobels mit S. R. Hirsch und Hermann Cohen vornehmen und Verwandtschaft sowie Gegensatz gut herausarbeiten. (Im Vortrag geschah das mit großer Ausführlichkeit, hier ist die Wiedergabe unmöglich.) Im Exegetischen ist Nobel beiden überlegen, sowohl in der Ursprünglichkeit wie auch (gegenüber Hirsch) im Philosophischen (wo sich die Kongenialität mit Cohen deutlich erweist). Die Tiefe seiner Kenntnisse in der jüdischen Literatur, die Größe seiner geistigen Potenz, seine hohe Kultur und Vertrautheit mit der klassischen und modernen wissenschaftlichen und schönen Literatur, seine seelische und geistige Schönheit, der Künstler in ihm ließen Gedanken in erlesener Weise ausreifen und Formschönheit erstehen. Das macht den großen Redner aus, den nicht Routine befähigte (dem sie sogar fehlte), den aber — echtes Zeichen inneren Reichtums an Stoff und gewaltigen Gestaltungsvermögens — Spontanität auszeichnete. — Drum war es ein großes Glück, ihm zuzuhören, wenn Ort und Gelegenheit ihn inspirierten und man Zeuge wurde der schöpferischen Gestaltung, des schmerzlich-beglückcndcn Gebärens, das sich vor einem vollzog. Die Ueberzeugung, in Nobel einen schöpferischen Menschen vor sieh zu sehen, der sich und andere nicht durch Scheinleistungen täuschte, führte die Menschen, selbst große, einmalige Gestalten, zu ihm. So wird das Verhältnis Rosenzweigs zu Nobel nicht nur für immer ein schönes Beispiel seltener Freundschaft großer Männer, sondern auch ein Beweis für Nobels einzigartige attraktive Macht bleiben. Die Besten zog er an sich, hielt sie fest und ließ ihnen bei aller gewaltigen Umformung, die er auslöste, doch ihr Wesen, ja selbst konstitutive Züge, die ihm fremd waren. Dieser prophetische Mensch liebte nicht nur die Halachah, sondern forschte unausgesetzt in ihr und war tiefer von ihrer theoretischen Bedeutung und ihrem praktischen Wert durchdrungen als viele, die ihn an Orthodoxie übertrafen. Aus seiner prophetisch orientierten Religiosität erklärt sich seine Stellungnahme zu Lebensfragen des Judentums (Zionismus etc.) und zu entscheidenden Wissensgebieten. Große Werte des Judentums wie Sabbat, Prophctie und Halachah umkreist sein künstlerisches Denken unausgesetzt. Die große Religiosität, die bis in weite Vergangenheit zurückreichende Verbundenheit mit dem Judentum und endlich die hohe künstlerische ft, die einen großen Dichter aus ihm werden ließ, können vielleicht n unsere Liebe Ermäßigter Prell - Erhöhte Wirtschaftlichkeil einigermaßen den Zauber des Unvergeßlichen erkla für immer zugewandt ist. Die Rede, voll von tiefen Gedanken und feinsinnigen Bemerkungen und getragen von der verstehenden Liebe des echten Jüngers eines großen Meisters, war für die ergriffene Zuhörerschaft ein unverlöschliches Erlebnis. Abschiedsabend im Philanthropin Das Ausscheiden des an der Altersgrenze angelangten Professors Dr. Max L e v y aus dem Schuldienst des Philanthropins, dem er fast vierzig Jahre als Lehrer angehört hat, feierte das Kollegium des Philanthropins durch einen intimen Abend im Kreise der Mitarbeiter und ihrer Speise-und Einmach-Essig für Gesunde und Kranke 1 Liter Ciirovin ergibt 3-4 Ltr. Speiseessig Unsere neueste Rezeptsammlung, wie man ohne Essig und Kochsalz mit Citrovin-Essig und Citrovin-Salz schmackhaft und bekömmlich kochen und einmachen kann, steht zur Verfügung. Beachten Sie die seit Jahrzehnten eingeführte Originalmarke. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Citrovln-Fabrik G. m. b. H., Frankfurt a. M. Daimlersfrafje 25 (Postfach 409) - Angehörigen. Der Vorsitzende des Lehrerausschusses, Studienrat Dr. Hirsch, eröffnete in seiner Begrüßungsansprache den Reigen der Darbietungen. Gestützt auf die im Philanthropin traditionell gewordenen geflügelten Worte des Jubilars, stellte er ihn in die leuchtenden Strahlen des Scheinwerfers des Lehrerzimmers und in dessen lustig lachendes Echo. All die Zuneigung und Liebe, deren Professor Levy sich erfreute, die unbestrittene Tatsache, daß niemand diesem aufrichtigen, vornehmen, geraden, vielseitig gebildeten, stets mit Rat und Tat bereiten Kollegen etwas übelnehmen konnte, brachte er geistreich und formvollendet zum Ausdruck. Dann versicherte in einer Ansprache Oberstudiendirektor Dr. Driesen Professor Lew als ehrenfesten, zuverlässigen, vorbildlichen Menschen der Hochachtung aller Mitarbeiter und seiner persönlichen Dankbarkeit. Zugleich wies er auf die Verehrung der Frankfurter Freimaurer-Logen für den langjährigen Meister vom Stuhl hin, sowie auf das ausführliche Dank- und Anerkennungsschreiben des Patrorthts, des Schulrats des Philanthropins, für Professor Lew als Lehrer und Gelehrten, als Schüler der großen Chemiker A. Bayer, Emil Fischer, Wislicenus, Ostwald, der Zoologen Semper und Leukart, und insbesondere des Philosophen Wundt. Noch lange blieb die Kollegenschaft zusammen, animiert durch manch launige Rede, durch Musikvorträge, Lieder und lustige Gelegenheits-Verse. Alles in allem: In trüber Zeit ein von Frohsinn verklärter Abend! Innerjüdische Aussprache Am 2. Juli fand im Jugendheim eine von der Zionistischen Schiilergruppe veranstaltete Aussprache über die Stellungnahme der führenden jüdischen Gruppen zu den politischen Tagesereignissen statt. Referenten waren die Herren Ernst Holzer. Rechtsanwalt Dr. Josef Frank und Privatdozent Dr. Martin Plessner. In der Diskussion nahmen u. a. die Herren Rechtsanwalt Dr. Erwin Seligmann und Dr. Hugo Hoffmann das Wort. Die Aussprache fand starkes InWesse und soll fortgesetzt werden. Jüdische Sozialarbeiter Anläßlich des zweiten internationalen Wohlfahrtskongresses in Frankfurt a. M. hatten sich auch eine größere Anzahl jüdischer Sozialarbeiter aus verschiedenen Ländern hier zusammengefunden. In mehreren Besprechungen, an denen u. a. Dr. M. Karpf, Ch. Znnser. Miß Rasowska (New York), S. Cohen (London), Dr. Neustadt (Warschau), Becker (Danzig). Dr. Bernhard Kahn, Hanna Karminski, Dr. Kreuzberger, Dr. Lamm und Dr. Friedrich Ollendorff (Berlin) teilnahmen, wurden die internationale Zusammenarbeit der jüdischen Stellen, die Stellung der jüdischen Wohlfahrtspflege zur öffentlichen Fürsorge und die Mittelbeschaffung in den einzelnen Ländern, sowie Ausländer- und Mädchenhandelsfragen besprochen. Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde hatte die Teilnehmer zu einer geselligen Zusammenkunft mit einfacher Bewirtung eingeladen, die am 15. Juli in dem schönen Garten des Gemeindehauses an der Gervimisstraße stattfand. Neben den auswärtigen Gästen war die Gemeindeverwaltung mit Herrn Justizrat Dr. Blau an der Spitze und die führenden Persönlichkeiten der jüdischen Wohlfahrtspflege zahlreich erschienen. Die Gäste wurden von Herrn Julius Bloch begrüßt. Im Laufe des Abends nahmen die Herren Dr. Karpf und Rabbiner Dr. Horovitz das Wort. Jüdische Arbeitsvermittlung Männlich. Bei dem Verein Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E. V., Langestraße 30. part. (männlicher Arbeitsnachweis) sind ständig ca. 500 jüdische erwerbslose Menschen gemeldet. Darunter befinden sich in reichlicher Auswahl: Kau Heute jeglicher Art aus allen Branchen und in allen Altcrsgruppierungen wie: Engros- und Detailverkäufer, Lageristen, Fakturisten, Bilanzsichere Buchhalter, in Mahn-, Klage- und Steuerwesen perfekt, Stenotypisten etc. Handwerker, z. '('. mit eigenem Handwerkszeug wie: Gärtner, Bäcker, Metzger, Schlosser, Spengler, Elektrotechniker, Schreiner, Tapezierer, Polsterer, Portefeuiller, Weißbinder, Maurer, Bauhilfsarbeiter usf. Ungelernte Arbeiter: wie Packer, Auslaufer, Radfahrer (stadtkundig), Lagerarbeiter, Hilfsarbeiter für alle Arbeiten. Arbeitgeber! Helfen Sie den jüdischen Erwerbslosen, indem Sie bei Vergebung jeglicher Dauer-oder Gelegenheitsarbeit sofort uns unter II 261 62 oder 282 48 anrufen. Beachten Sie unsere Schreibstube, in der Druck- und Vervielfältigungsaufträge, sowie Adressenschreiben prompt, billig und bestens ausgeführt werden. Sprechstunden: für Kaufleute: Dienstag von 9—11 Uhr vorm., Eschersheimer Landstraße 65; , für Handwerker und ungelernte Arbeiter: Montag, Donnerstag und Freitag von 9—11 Uhr vorm., Langestraße 30. Berufsberntungssprechstunde: Dienstag von 5—6 Uhr nachm., außerdem nach" vorheriger Vereinbarung. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E. V. Langestraße 30, part. Telefon 261 62 und 282 4T ibli Gemeldet sind: Perfekte Hausschneiderin mit besten Referenzen; Kunststopferin (Spezialität Teppiche und Gardinen) in UDd außer dem Hause; Erz.iehungspersonal (Kinderfräulein, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen) mit guten Zeugnissen. Sowie sämtliches Haus- und Geschäftspersonal. Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge für jiid. Frauen und Mädchen