Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 12 (8.1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 260 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Gedaditnislichter. Zum Andenken an Verstorbene können In den Gemeindesynagogen Gedfichtnisliditer gebrannt werden. Die im Voraus zahlbaren Gebühren betragen: für ein Licht am Jahrzeitstag Rm. 1.— für ein Licht während des Trauerjahres (11 Monate und am ersten Jahrzeitstag) Rm. 75.— für ein ewiges Licht am Jahrzeitstag Rm. 100.— für ein ewiges Licht am Jahrzeitstag einschließlich Verrichtung des Kaddischgebets Rm. 200.— Sprechstunden der Gemeinderabbiner Dr. Hoff mann, Börneplatz 16, Fernspr. Hansa 22024, 15—16 Uhr — Dr. Horovitz, Staufenstraße 30, Fernspr. Maingau 77963, 15—16 Uhr (außer Montag) — Dr. Salzb e r g e r, Eschersheimer Landstr. 67, Fernspr. Zeppelin 56920, 15V-i—16¥i Uhr — Dr. Seligmann, Böhmerstraße 9 part., Fernspr. 51184, 17—18 Uhr. Andere Sprechzeiten können telephoniseh vereinbart werden. Für die im Ostend wohnenden Gemeindemitglieder ist Herr Rabbinatsassessor Kirschbaum zur Beantwortung halachischer Anfragen Donnerstags von 10—12 Uhr vorm., Freitags von 9—11 Uhr vorm. im Hause der J e s c h i w a, Theobaldstraße 6, Parterre, zu sprechen. Die Sprechzeiten des Herrn Rabbiner Kirschbaum in seiner Wohnung, Eckenheimer Landstraße 4 (Fernsprecher 58281), bleiben unverändert. Bibliothek und Museum. Infolge des Umbaues des Gemeindehauses müssen die Gemeindebibliothek und das Museum vorübergehend für einige Zeit geschlossen bleiben. Die Wiedereröffnung wird rechtzeitig an dieser Stelle bekanntgegeben. Der Lescraum ist wieder eröffnet und befindet sich bis auf weiteres im Erdgeschoß des Gemeindehauses, Börnestraße 54. Zuwendungen Herr Dr. Eduard Baerwald schenkte dem Museum jüdischer Altertümer und dem Gemeindearchiv mehrere Druckschriften. — Herr Kurt Sostmann schenkte der Synagoge am Börneplatz eine Thorarolle mit Schild und Deuter. Sdiluss der amtlichen Anzeigen. Infolge Raummangels muß die „Literarische Rundschau" in dieser Nummer ausfallen. 84. Geburtstag 17. August: Frau Emma Levy geb. Koch, Köderbergweg 77. 19. August: Frau Jakobine Gianini geb. Hirschfeld, Waldschmidtstraße 9. 75. Geburtstag 31. August: Herr Kaufmann Bing, Wingertstraße 3. Silberne Hochzeit 4. August: Herr Max Hirsch und Frau Berta geb. Bössmann, Baumweg 52. 14. August: Herr Siegfried Kupfer und Frau Rosa geb. Großberg, Hermannstraße 43. Trauerfeier Die von der Gemeinde anläßlich des Hinscheidens des Gemeinderabbiners Dr. Arnold Lazarus am 6. Juli veranstaltete Trauerfeier nahm einen überaus eindrucksvollen Verlauf. Die Westendsynagoge war von einer andächtigen Trauerversammlung dicht gefüllt. Unter den Teilnehmern befanden sich Vertreter des Polizeipräsidenten, der Universität, der beiden Kirchen, des Vereins ehemaliger 81er, der Studentenverbindung Nassovia, der Großloge VIII U. 0. B. B., der Frankfurt Loge, der Freimaurerloge „Zur aufgehenden Morgenröte", des Vereins israelitischer Lehrer und Lehrerinnen, des Instituts Steimer; feiner die Rabbiner der Gemeinden Ottenbach, Mainz, Wiesbaden und Darmstadt. Vorstand und Gemeindevertretung, sowie die Vertreter der gemeindlichen Institutionen waren nahezu vollzählig erschienen. Während; eines einleitenden Orgelvorspiels und während die Gemeinde sich erhob, wurde die Witwe des Heimgegangenen mit ihrer Tochter vom Vorsitzenden des Gemeindevorstands an ihren Platz geleitet. Die Feier begann mit dem Vortrag des Psalms 8 durch die Herren Oberkantoren Scheuermann und Fleischmann. Hierauf hielt Herr Gemeinderabbiner Dr. Salzberger eine groß angelegte Gedenkrede, in der er im Anschluß an das Wort von der Verbindung des Thorastudiums mit weltliche: Bildung vom Beruf des Rabbiners in unserer Zeit sprach ual darlegte, in wie vorbildlicher Weise der Heimgegangene durch seine Persönlichkeit und sein Wirken es verstanden hatte, die Forderung, die in jenem Wort liegt, zu bewähren. Das vom Synagogenchor unter Leitung seines Dirigenten Frank Rothschild vorgetragene „Heilig" aus der Deutschen Messe von Franz Schubert verlieh mit seiner schlichten und innigen Frömmigkeit der erhebenden Feier den weihevollsten Abschluß. € Küchenfee1 nur beim Die Konserven-Gläser mit der vollen Garantie für Haltbarkeit und guten Verschlufj Porzellan * Bär Stiftstrasse 8—10 Gröfjtes Spezialgeschäft für Küche und Haus Nachrufe In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 16. Juni hielt, wie bereits in der letzten Ausgabe kurz berichtet, der stellv. Vorsitzende, Herr N a p h t a 1 i Fromm, den folgenden Nachruf: Vor Eintritt in die Tagesordnung ist es mir eine schmerzliche Pflicht, des schweren Verlustes zu gedenken, den unsere altehrwürdige Gemeinde durch den allzufriihen Heimgang des Genieinderabbiners Dr. Arnold Lazarus erlitten hat. Im jugendlichen Alter von 27 Jahren kam Dr. Lazarus als Religionslehrer und Prediger an unsere Gemeinde, durchdrungen von der Mannigfaltigkeit der Aufgaben eines Lehrers und zukünftigen Rabbiners. Sehr bald verstand es Lazarus, sich in weiten Kreisen unserer Gemeinde Sympathie und treue Freundschaft zu erwerben und dauernd zu erhalten. Sein aufgeschlossenes, repräsentatives Aeußere, seine freundliche, sonnige Art, seine oft faszinierende Liebenswürdigkeit, seine mit Scharfblick gepaarte Güte und sein weitgehendes Verständnis für junge und reife Mensehen haben ihm in stets steigendem Maße die Herzen gar vieler unserer Gemeindemitglieder geöffnet, die in ihm einen treuen Berater und aufrichtigen Freund und im wahrsten Sinne des Wortes einen Seelsorger suchten und fanden, einen zuverlässigen Menschen, der Vertrauen gegen Vertrauen gab. Lazarus war ein Verfechter des liberalen Gedankens im Judentum und vertrat diese Weltanschauung in ehrlicher Ueberzeugung auf der Kanzel. Wir leben in einer Einheitsgemeinde, in welcher die verschiedenen religiösen Richtungen neben- und miteinander leben; uns alle umschlingt die Liebe zum Judentum. Da ist es gerade die Aufgabe des Rabbiners, Verständnis zu haben für alle Anschauungen, die Ueberzeugung des anderen zu achten und zu schonen. Dr. Lazarus hatte dieses Verständnis. Die kluge, vornehme Art seiner Amtsführung, sein ehrlicher Wille, sowie sein vorbildlicher Takt waren es, die ihn ganz besonders auszeichneten. Er war stolz auf sein, auf unser Judentum, stolz auf unser Deutschtum, das er in treuer, dem Judentum als heilige Pflicht gebotener Vaterlandsliebe in idealster Weise stets von neuem erlebte und durchlebte: tapfer und beispielgebend war er für uns ein Muster treudeutscher Gesinnung. Lazarus war ein vorbildlicher Lehrer und hat als Referent für den Religionsunterricht aufbauende und Schwierigkeiten oft überbrückende Arbeit geleistet. In seiner Tätigkeit als Feldrabbiner heiligte er Gottes Namen. Durch seine führende Stellung in der Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröte verkehrte er auch viel in nichtjüdischen Kreisen und hat es durch seine hervorragenden Eigenschaften und sein bestrickendes Wesen verstanden, dem Judentum auch in christlichen Kreisen hohe Achtung zu verschaffen. ..Die Lippen des Priesters hüten und fördern Erkenntnis." Gleich einem Priester sei das Wirken des geistlichen Führers. So steht das Bild des allzufrüh verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. Arnold Lazarus lebendig vor unseren Augen! Wir danken ihm in dieser ernsten Stunde für seine großen Verdienste um unsere Gemeinde und können sein Andenken nicht mehr ehren, als wenn wir die Priester-Segenssprüche, die wir am kommenden Sabbat lesen werden und welche der Heimgegangene so oft zu seinen Getreuen gesprochen hat, seiner Familie und unserer ganzen Gemeinde zurufen und deren Erfüllung vom Herrn über Leben und Tod erbitten: Der Herr segne und behüte uns! Sein Angesicht erleuchte und begnade uns! Der Allgütige wende sein Angesicht uns zu und gebe uns Frieden! _ In der letzten Sitzung der „Vereinigung israel. Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M." gedachte der Vorsitzende Dr. Julius Höxter des heimgegangenen Rabbiners Dr. Arnold Lazarus in folgenden Worten: