Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-08-01 · 12 (8.1932) · p. Seite 259

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
12 (8.1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 259 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3094266-3094373-3094385--3283-3098052
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

259 daß Arthur Dinter, jener berüchtigte Verfasser der „Sünde wider das Blut" und anderer von Gehässigkeit triefender antisemitischer Schriften, aus dem Verbände ausgeschlossen wurde. Seine letzte Tat vor dem Weltkriege war die Uebersetzung des „Peer Gynt", der noch im Mai 1914 mit ungeheurem Erfolg im Berliner Königlichen Schauspielhaus aufgeführt wurde. Im Kriege stellte er seine Feder in den Dienst vaterländischer Gedanken, ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen. Nach dem Kriege verfaßte er noch eine Reihe erfolgreicher Lustspiele, und im Jahre 1926 erschien unter dem Titel „Karneval des Lebens" eine Sammlung seiner im Laufe der Jahre veröffentlichten Sinngedichte. 1926 wurde er zusammen mit Thomas Mann, Gerhard Hauptmann und Arno Holz unter den ersten in die neu gegründete Deutsche Dichter-Akademie gewählt, der er, wie oben erwähnt, heute noch angehört. Man hat Fulda öfters gerade die vollendete Form seiner Uebersetzungen zum Vorwurf gemacht und ihm nachgesagt, er sei nur ein Anempfinder, er sei französischen Einflüssen unterworfen. Demgegenüber sei eine Definition des Dichters Georg Hermann angeführt, der von ihm schreibt: ,^Es ist falsch, bei Fulda von französischen Einflüssen zu sprechen. Man kommt seiner literarischen Wesensart schon näher, wenn man feststellt, daß Fulda Frankfurter und Jude ist, ein Mensch aus einer Mittelrasse emporgestiegen, ein Blutserbe hervorragender Rasseeigenschaften". Gerade weil Ludwig Fulda. niemals als Jude versucht hat, sich Geltung zu verschaffen, sondern weil er trotz vieler Anfeindungen als aufrechter Deutscher, als deutscher Dichter, stets seinen Weg gegangen ist, haben wir Juden ihm zu danken. Zeigt er doch ebenso wie der von ihm selbst als Beispiel herangezogene Berthold Auerbach, wie vollgültig ein Jude ein Deutscher sein kann. Und zum Schluß als kleines Beispiel seiner aus Gefühl und Satire zusammengesetzten Kunst, eines seiner Sinngedichte, betitelt „Statistik": Ein Engel sitzt vom Morgen bis zum Abend im himmlischen statistischen Büro, und zählt die Tränen, die auf Erden fließen. Alljährlich dann in mächtigen Registern summiert er sie mit Sorgfalt, jeder Art von Tränen ein besond'res Folio widmend. Alljährlich bucht er als die größte Summe die heimlichen, die stillen ungeahnten, geweint des Nachts von Menschen, die am Tag lustwandeln geh'n mit lachenden Gesichtern. Orlljomtfott'** 6ctf<mpttU>ct? ttta^&fcmatf Daö 3WctmJ> <BUUc|ftc u t i urtb SBuntroäfctje, sum Hbfeifcii unb ©cfymam. paVetnuvlbm 6ctinjanputo«t hilft Ipatm csfdjom9Üä|cfje aßänbe. Mm Doppelpake 44% 8cb. - Mb Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands I ZutiBmmu.f^}pu&^ desUBcfaJeifix?dMnusft?fa. Ausschreiben. In unserer Gemeinde ist die Stelle eines liberalen Rabbiners zu besetzen. Jüngere im Amt stehende Rabbiner wollen sich unter Beifügung ihres Lebenslaufs und der Zeugnisabschriften zunächst nur schriftlich melden. Vorstand der Israelitischen Gemeinde. Synagogenplätze In den Gemeindesynagogen sind noch Plätze frei Schriftliche Anträge auf Zuteilung von Platzkarten wolle man gefl. an den Vorstand der betreffenden Synagoge richten, und zwar: 1. Hauptsynagoge, Allerheiligenstraße 75 an Herrn Ferd. Stiefel, Brüder-Grimm-Straße 58 2. Synagoge am Börneplatz, Börneplatz 18 an Herrn Jakob Bickhardt, Schwanenstraße 20 3. Westendsynagoge, Freiherr v. Steinstraße 30 an Herrn Jakob Stern-Bing, Hammanstraße 11 4. Synagoge Bockenheim, Schloßstraße 5 an Herrn Jul. Herrmann, Königstraße 89. Erweiterung des Barmizwa-Unterrichts. _ Unter Beibehaltung des Unterrichts, den bisher die zuständigen Kantoren zur Vorbereitung für die Synagogenfeier (Segenssprüche, Thoraabschnitt usw.) und zur Einführung in die Ritualien erteilt haben, soll den Barmizwaknaben auch der wesentliche Inhalt der jüdischen Glaubens- und Sittenlehre durch die Gemeinderabbiner nahegebracht werden. Die Gemeinde-rabbiner haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, den Knaben zu diesem Zweck unentgeltlich einen halbjährigen Gruppen-Unterricht von einer Stunde wöchentlich (mit Ausnahme der Schulferien) zu erteilen. In jedem Jahr finden zwei Kurse statt: Ostern bis Herbst und Herbst bis Ostern. Den Unterricht erteilen für die Synagoge Börneplatz: Herr Rabbiner Dr. Hoff mann; vereint für die Synagoge Bockenheim und Unterlindau: Herr Rabbiner Dr. Jakob Horovitz; vereint für die Hauptsynagoge und Westendsynagoge: die Herren Rabbiner Dr. Seligmann und Salzberger. Den Gemeindemitgliedern steht in den liberalen Synagogen die Wahl des Rabbiners frei, der dann auch die Einsegnung der betr. Knaben vornehmen wird. Die Anmeldungen auf dem Gemeindebüro, Fahrgasse 146, Zimmer 37, haben so zeitig, mindestens sechs Monate vor der Feier, zu erfolgen, daß die volle Teilnahme an dem entsprechenden Halbjahrskurs vor der Barmizwafeier gewährleistet ist. Umgehende Anmeldungen für den nach den Osterferien beginnenden Unterricht werden dringenderbeten. Preisermäßigung der Pflegesätze Das Pflegamt des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde, Gagernstraße 36, teilt mit, daß es mit Rücksicht auf die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse die Pflegesätze in der ersten und zweiten Klasse wie folgt festgesetzt hat: 1. Klasse je nach Zimmer . . von RM 14.— an, 2. Klasse je nach Zimmer . . von RM 9.— an. Röntgeninstitut Das Röntgeninstitut am Krankenhaus der Gemeinde, Gagernstraße 36, wird nach Umbau und Erneuerung der technischen Apparatur nunmehr von Herrn Dr. med. Albert Oppenheimer, bisher Oberarzt der Röntgenabteilung der Medizinischen Universitäts-Poliklinik (Städt. Krankenhaus) geleitet. Das Institut ist nach wie vor zu allen Krankenkassen zugelassen. Die Inanspruchnahme des in jeder Beziehung auf der Höhe stehenden Röntgeninstituts wird für den Bedarfsfall allen in Betracht kommenden Kreisen, insbesondere auch der Aerzteschaft, empfohlen. Blutübertragungen Das Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde sucht ständig gesunde kräftige Männer über 21 Jahre, die sich als Blutspender zur Uebertragung von Blut bei lebensgefährlich und schwer Erkrankten zur Verfügung stellen. Vorerst nur schriftliche Meldungen an die Chirurgische Abteilung des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde, Gagernstraße 36, erbeten. Persönliche Vorstellung erst nach besonderer Aufforderung. Milchpreis Die unter Aufsicht der Ritualkommission der Israelitischen Gemeinde stehenden Milchhändler haben sich verpflichtet, die Koschermilch ohne jeden Freisaufschlag zu 26 Pfennig pro Liter frei Haus zu verkaufen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.