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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-07-01 · 11 (7.1932) · page 14

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
11 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde_ Nr. 11___JULI 1931 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an den Schriftleiter der Beilage, Ernst Holzer, Corneliussirasse 8, zu richten ANSPRACHE AN DIE JUGEND Die Blätter Jugend und Gemeinde' treten in ihr zweites Jahr. Haben bisher fast aussdüiesslidi Menschen der jungen und längeren Generation von und zu der jüdischen Jugend gesprochen nach dem Grundsatz: Jugend hilft der Jugend — so soll in dieser schon durch den Zeitablauf hervorgehobenen Nummer von gereiften Mensdien die Jugend angesprochen werden. Aus der grösseren Sicherheit und aus der grösseren Weite heraus, die nur Altei und Erfahrung verleihen können {was unsere Zeit allzu häufig vergisst), wird hier zur Jugend von Heute und von der Forderung des Heute an sie gesprochen. Schriftleitung. Unser deutsches Schicksal Da ich aufgefordert wurde, zur Jugend über unser Deutschjudentum, als Schicksal und Anteil, zu sprechen, war bei uns mancherlei wenn auch Vorauszusehendes noch nicht eingetreten; heute wandelt sich mehr und mehr im Innern und Aeußern, vor radikaler Abkehr und rapidem Angriff, Frage in Alarmruf, Unsicherheit in Bedrohung. Nun: angesichts der Gefahr, in der Existenz bestritten zu werden, sind wir Lebenden alle gleichaltrig; wir verlieren mit einem Male die uns naturgemäße Generationsbestimmtheit. Handgreiflicher fast, als es uns sonst eigen ist, werden wir Juden eins mit allen, die je waren und je sein werden, und wir erleben im Augenblick die grausame Seite unserer Lebens-Ueberlieferung — nicht die der dauernden zentralen Auseinandersetzung und peripheren Zersetzung, sondern die des immer wieder neu entbrennenden Kampfes mit der Umwelt, die in uns und gegen uns lebt, uns festhält und uns befehdet. Wir fühlen, daß unsere Ewigkeit leibhaftig von der Säkularisierung bedroht ist. Diese Bedrohung unserer Existenz ist der furchtbare Strahl, der uns vom Schicksal der Völker her trifft: „Wenn alle leiden, das ist Leid". Wie das Volk, mit dem wir leben, in seinen Grundfesten erschüttert wird, so - erschüttert es uns. Wähnend, gerade dadurch zu sich selber zu kommen, Urmuttertriebe aus sich emporschürfend, ballt ein Volk die Fäuste — liegen uns: an der Menschheit verzweifelnd, in schwächlicheil Wahn umdeutend, was die Väter an den Himmel seines Geistes geschrieben haben, flucht es — in unsere Ohren am lautesten. Und da wird, in solcher Notlage und Lockerung alles sicheren Grundes, offenbar, daß wir Juden um der Menschheit willen unter den Völkern leben und darum ihrer Schicksale" teilhaftig werden müssen. Durch uns hindurch tobt der Kampf der Völker gegeneinander; an unserem Leib und Leben zucken die Wehen, aus denen Menschheit erst noch geboren werden soll. Aber die Menschheit, um derenwillen wir da sind und aus deren Glauben wir leben, ist nicht und niemals, wie die anderen es billig verkennen, eine blasse Ideologie, ist keine gestaltlose oder aus Gestaltauflösung werdende Masse und kein durch apokalyptische Gewaltakte herbeigerissenes Reich. Menschheit wird nur dann, so glauben wir, ein echtes „Wir Alle" sein, wenn sie aus der gerechten Ganzheit — Ganzheit ist wahrer Friede — der Völker und aus ihrer unverfälschten und uneingeschränkten Eigenart endlich frei erwächst. Nur dann ist sie weltwirklicher, als ein Wunschbild des Geistes und gottmächtiger, als ein Zwangsgesetz des Menschen. Die eine Sprache, die Gott dem Menschen eingeschaffen hat, ist die eigene Sprache jedes Volkes, die es nicht preisgeben kann und darf; keine Volkheit, keine Menschart darf in Lebenszeit aufhören, zu sein und auszuwirken, was sie ist: so darf der Deutsche nicht aufhören, Deutscher zu sein und anders, eben um unseres Daseins-Sinnes willen, dürfen wir Juden in Weltzeit nicht aufhören, Juden zu sein: denn nur unsere lebendige Substanz, unser Eigenes und Ewiges, verbürgt, daß wir wirklich Sehicksalsanteil auf uns nehmen und das heißt: in Versuchung und in Bedrohung das Wort bewahren können, dessen Träger, wir sind. Wir sind Deutsche, und sind es auf unsere jüdische Weise in der vollen Wahrhaftigkeit von Blut und Geist, so wie wir — unsere Geschichte beweist es von dem jüdischen Minnesänger bis zu den Denkern der Gegenwart — Juden auf deutsche Weise sind: in Wirklichkeit verwobenen Schicksals. Wir wissen, daß das nicht einfach ist und daß wir uns nicht in glatter Gleichung, sondern in stets erneuter Frage und Antwort einen. Wir sind der „geliebten Gefahr" — nach Rosenzweigs Wort —drinnen nie aus dem Weg gegangen um unser selbst willen, und wir werden dem feindlichen Haß draußen nicht aus dem Wege gehen um der anderen willen. In dem Chaos, das aus Erdtiefen aufbricht, in der Zeit, in der Trieb und Getriebe, Mensch und Maschine untereinander um die Herrschgewalt ringen — ganz fern einer Theopolitik, die unser Erbe von Anbeginn ist —, haben wir die Seelen zu hüten, auf deren Grunde Gottes Ewigkeit ruht .... Eduard Strauß Zur religiösen Not der Jugend Als die deutsche Jugendbewegung ihr romantisches Stadium durchlief, konnte man auch in Kreisen der jüdischen Jugendbünde so manches Mal das Wort vernehmen: „Jugend haben heißt religiös sein". Dies Wort war ehrlieh gläubig gemeint und gesagt Wie konnte es anders sein? Wenn beim Lagerfeuer die Lohe prasselnd zum nächtlichen Himmel schlug, die im Bunde Geeinten sich brüderlich an den Händen faßten und singend und jauchzend um die Flammen tanzten, wenn junge jüdische Menschen auf Wanderfahrt am Waldrand lagerten und mit sinkendem Tag in seligem Schauen und Träumen die Sonne glührot sinken sahen, den Himmel und die Landschaft weithin vergoldend, oder wenn man nach nächtlicher Wanderung über

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