Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 237 (sequence 11)
- Language
- German
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237 bewegt. Ich spreche im Namen der „Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröte", ich spreche dem Wunsche unseres x\rnold Lazarus folgend, der in seiner Herzenseinfachheit mehr denn vier Sprecher sich verbeten hat, im Namen der „Großen Mutterloge des Eklektischen Freimaurer-Bundes", deren Großmeister Friedrich Ganser neben mir steht, ich spreche im Namen der Frankfurter humanitären Logen, ja aller deutschen humanitären Logen. Wir Freimaurer, die wir an unserer Selbsterziehung und Selbstbeherrschung arbeiten, wir wollen auch in dieser schweren Stunde, wo einem unserer Besten der Hammer aus der Hand gefallen ist, nicht klagen. Wir wollen in dieser Stunde noch einmal danken Dir Bruder Arnold Lazarus, für alles das, was Du uns gegeben, und für allen Reichtum, den Du über uns ausgegossen hast. 25 Jahre hat Arnold Lazarus in unserer Mitte gestanden, 25 Jahre in der Kette gearbeitet als unser Führer, als unser Vorbild. Und in diesem Jahre, dem Jahre des 125. Bestehens meiner Loge, hatte ich die Absicht, als Höhepunkt dieser Feier ihm im Namen seiner Brüder die Ehrenmeisterschaft zu geben. Eine kleine Freude durchzieht mein Herz, daß ich ihm in den schweren Tagen seines Krankenlagers davon Mitteilung machen durfte und daß ein freudiges Danken über seine Züge ging. All die Ideale, nach denen wir streben, den Menschen im Menschen zu finden, Liebe zu geben und Freundschaft zu suchen, Wahrheit und Licht zu suchen, Deutschtum zu pflegen, waren in ihm in meisterhafter Form vereinigt, und so war es eine gegebene Selbstverständlichkeit, daß Arnold Lazarus Meister vom Stuhl geworden, war es eine Selbstverständlichkeit, daß er deputierter Großmeister des Eklektischen Bundes werden mußte. Wir haben unendlich verloren, den Führer und den Freund, der uns gab und gab. Sei es bei unserer Arbeit, wo er im Reichtum seiner Gedankengänge uns immer und immer mitriß, sei es bei jenen Arbeiten, wo er von den Mysterien des Jenseits sprach. Freundschaft und Liebe hat er gegeben; und ich frage hier in diesem Kreis: Hat nicht jeder von Ihnen empfunden, wenn er diesem Manne gegenübertreten durfte, daß warme Innigkeit aus diesem Herzen kam? Und ich bin tiefst durchdrungen, dem er Freundschaft zeigte bis kurz vor seinem Tode, so daß er noch in jener furchtbaren Nacht die Kraft hatte, in Liebe nach meiner Frau und meinen Kindern zu fragen. Wenn Freimaurerei überhaupt Berechtigung hat, so ist das Leben, das dieser Mann gelebt, ein Beweis. Und es ist kein Wort zuviel gesagt, wenn ich behaupte, daß seine Loge ihm zweite Familie war, und ich weiß, Arnold, daß ich in Deinem Sinne spreche, denn wir haben zuweilen über diesen Punkt gesprochen, wenn ich an dieser Stelle und in dieser Stunde Dir, Martha, und Dir, Hannah, danke, daß Ihr in Eurem edlen Frauentuni so viele Stunden gegeben habt, die er in unserer Mitte weilen durfte. Und aus meinem Mund, an dieser Stelle sei Euch Dank gesagt für Euer Heldentum in den letzten Monaten. Und Du, toter Freund: Deine letzte Frage auf dieser Erde war: „Wer hilft mir, mich nach oben zu bringen?" Der allmächtige Baumeister aller Welten hat Dir, hat uns diese Frage beantwortet. Denn er war unser! Mag das stolze Wort Den lauten Schmerz gewaltig übertönen! Es schritt sein Geist gewaltig fort Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen, Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine, Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine. Und nun. meine Brüder, die Ihr zu vielen Hundert hier versammelt seid, tretet im Geiste noch einmal in Ordnung mit Arnold Lazarus, vor Arnold Lazarus. Laßt uns im Geiste noch einmal die Kette mit ihm bilden, aus der er nun gerissen, wo nun eine Lücke ist, die wir niemals schließen können und wollen. Und nun, mein toter Freund, spreche ich zu Dir in den Formen, die Dir heilig waren, die uns heilig sind und heilig bleiben werden-, bis auch wir an dieser Stelle liegen. Liebe, ein großes Wort, ein goldenes Wort. Du gabst uns Liebe, jedem Einzelnen in unvergleichlichem Maße. Als Zeichen unserer Liebe, die fortleben wird, so lange ein Bruder, der Dich gekannt hat, in unserer Kette steht, als Zeichen unserer Liebe diese Rose. Treue, ein Wort, das in deutschen Gauen an Klang verlor, und doch ein Wort, wenn ein deutscher Mann die Treue hält; Treue hast Du uns, Arnold Lazarus, gehalten wie kein Zweiter. Auch wir versprechen hier in dieser Stunde die Selbstverständlichkeit, Dir Treue zu halten. Als Zeichen der Treue diese Rose. Und nun das letzte und das schwerste Wort. Der letzte Brudergruß, das Zeichen unserer Dankbarkeit. Meine Brüder, schwören Sie mir in dieser Stunde, diesem Manne dankbar zu sein dadurch, daß Sie mit Ihrer ganzen Kraft versuchen werden, ihm nachzuleben; und ich, Arnold Lazarus, Dein Nachfolger im Amte, in der Loge Dein Kind, i c h verspreche Dir an dieser Stelle Dankbarkeit, und sie soll gelten Dir, Martha, und Dir, Hannah. Als Zeichen unserer Dankbarkeit, als letzten und allerletzten Brudergruß diese Rose. Gedenkworte Rabbiner Dr. Seligmann Noch kann ich es kaum fassen, daß der liebe Kollege nun für immer von uns gegangen ist, hinüber fern in die Nacht, aus der keine Liebe, die um ihn weint, ihn zum Leben erwecken kann. Und daß ich, der um fast zwanzig Jahre Aeltere, ihm ein letztes Wort herzlichen persönlichen Gedenkens widmen soll. Als ichim Jahre 1880, ein Jahr nach dem Tode seines Vaters, des Direktors am Breslauer Seminar, dortbin kam, war er noch ein Kind, dem die warmen Strahlen mütterlicher und geschwisterlicher Liebe den Lebensmorgen vergoldeten. Als ich aus Breslau schied, hatte ich die Freude, noch ein kurzes Jahr lang in der Religionsschule der Gemeinde sein erster Lehrer im Hebräischen zu sein. Schon damals empfand ich den Zauber der Liebenswürdigkeit, die von seinem frischen und frohen Wesen ausging und die ihm in immer gesteigertem Maße die große Anziehungskraft auf Menschen verlieh und ihm ihre Herzen aufschloß. Dieser Zauber eines feinen, herzgewinnenden Wesens war eines der bezeichnendsten Merkmale unseres heimgegangenen Freundes. Ich kenne kaum einen Kollegen, der so viele wahrhafte Freunde hatte wie er. Am Breslauer Seminar bestand ein Freundschaftsbund, vorzugsweise der deutschen Akademiker, die Amieitia. Ihre Gründer waren u. a. der spätere Seminarlehrer Brann, der spätere Professor am hiesigen Philanthropin Kracauer, die Rabbiner Eschelbacher und Prager. Diese Amieitia entwickelte sich immer mehr zu einer den Geist studentischen Frohsinns und Humors atmenden Verbindung, durch deren Geist sich auch viele Breslauer jüdische Studenten anderer Fakultäten angezogen fühlten. Ein Mittelpunkt dieses Freundschaftskreises wurde, wie vor und in meiner Zeit sein früh verstorbener Schwager, der Saazer Rabbiner Baerwakl, so unser Arnold Lazarus. Die Freundschaft, die dort geschmiedet wurde, hielt Stand für das ganze Leben und verknüpfte auch die wechselnden Generationen. Wie viele liebe Grüße, die die alten Fäden aufs neue knüpften, erhielt ich in diesen Jahren der Breslauer Studienzeit von ihm aus froher Tafelrunde! Als dann, nach seiner Absolvierung des Breslauer Seminars,