Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 10 (6.1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 219 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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219 (Fortsetzung von Seite 218) Deutschland Berlin. Prälat Dr. Ludwig Kaas, Vorsitzeuder der Deutscheu Z e 11 - trumspartei, erklärte dem „Israelitischen Familienblatt", daß die Zentrumspartei der Politik des Hasses mit Festigkeit entgegentreten werde. — Vor kurzem wurde ein weiteres Heim für erwerbslose jüdische Jugendliche eröffnet. — Das deutsche Komitee „Pro Palästina" hielt seine diesjährige Jahresversammlung ab. Im Anschluß an diese fand unter dem Vorsitz des früheren Reichsministers des Inneren Dr. Dernburg ein Vortragsabend statt, bei dem u. a. Professor Dr. Paul Rohrbach-München über „Gegenwart und Zukunft des Zionismus" sprach. — Im Laufe dieses Monats hielten weiter folgende Vereinigungen 'I a g u n g e n ab:' um 9. 5. der „Verbund Russischer Juden in Deutschland" und am 22. 5. -die ..Vereinigung für das liberale Judentum". — 85 Jahre alt, starb am 5. 5. der Philanthrop II e r m a n n A b r a h a in . der Begründer des ersten Vereins für Volkskinderküchen. — Der verstorbene Geheimrat Jacob Rief! er. ein Neffe Gabriel Rieliers. war in den Jahren 1SS0—1888 Aktuar des Schulrats der. „Real- und höheren Mädchenschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. (Philanthropin)". — Am 23. 5. starb der bekannte Philanthrop Dr. James Simon, Chef der Baumwollfirmu Gebrüder Simon und einer der bedeutendsten deutschen Wirtschaftsführer der Gegenwart. Der Verstorbene, Mitbegründer und langjähriger Präsident des „Hilfsvereins der deutschen Juden", galt als einer der feinsinnigsten Kunstkenner und hat als solcher dem Kaiser-Friedrich-Museum seine Sammlung italienischer Renaissancebilder, Broncen, Medaillen und Münzen geschenkt. Simon war auch Mitbegründer der „Deutschen Orientgesellschaft" und brachte den Ausgrabungen dieser Gesellschaft grofies Interesse entgegen. Außer im „Hilfsverein" betätigte sich- Dr. Simon noch in verschiedenen anderen philanthropischen Organisationen, z. B: in der „Jewish Colonization Association (ICA)"'. deren Conseil er bis zum Jahre 1929 angehörte. Auch war er einer der Grunder des Technikums in Haifa. Namens der preußischen Regierung sandte Minister Dr. Grimme ein herzlich gehaltenes Beileidstelegramm an die Hinterbliebenen. — Kurz nach Vollendung seines 82. Lebensjahres verstarb Geheimer Konimerzienr-it Herrn. Frenkel, Mitinhaber des Bankhauses Jacquier & Securius. —Frankfurt u. M. Dr. Gottfried Fraenkel, bisher Assistent an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, hat sich an der hiesigen Universität habilitiert. — Fürth. Im Alter von 98 Jahren verstarb Klausrubbiner Markus Faust, der iiiteste deutsche Rabbiner. Vor 45 Jahren zum Rabbiner der FUrther orthodoxen Gemeinde gewühlt, konnte er vor kurzem seinen 98. Geburtstag in Verbindung mit seinem 80. Rabbinerjubiläum feiern. — Heidelberg. In seiner letzten Sitzung nahm der Stadtrat einen nationalsozialistischen Antrag Huf Erlaß eines Schächtverbotes an. Europa Ausland Oesterreich. Durch die Wahl von zwei der Heimwehrbewegung angehörenden Ministern hat die österreichische Regierung einen antisemitischen Einschlag bekommen. — Der jüdische Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kantor -Wien wurde zum Präsidenten der dortigen Anwaltskaminer gewählt. Niederlande. Königin Wilhelminc von Holland hat dem früheren Präsidenten der Haager jüdischen Gemeinde, A. Simons, den Orden Oranien-Nassau verliehen. Frankreich. Paris. Der neugewählte Präsident der französischen Republik, Albert Lebrun, ist Mitglied des Comite France-Palestine und bezeugte wiederholt sein Interesse für das Palästina-Werk. — Straßburg. Im Jahre 1951 wohnten in Elsafi-Lothringen 28 325 Juden, gegenüber 26 125 im Jahre 1926. G.r ofibritannien. Belfast. Nach dem neuen vom irischen Parlament angenommenen Schiächtgesetz ist das Schächten gestattet; es darf jedoch nur von solchen Schochtim ausgeübt werden, welche hierzu eine Autorisation vom britischen Oberrabbiner haben. — Birmingham, im Alter von 81 Jahren verstarb der in der englischen Sportwelt bekannte Athlet Eduard Lawrence Levy. — Leeds. Christliche Schulkinder brachen in das Gebäude der Talmud Thora-Schule ein und richteten dort, wie auch in der benachbarten Synagoge ungeheure Verheerungen an. — London. In einer Versammlung des Schochtim Verbandes Großbritanniens und Irlands erklärte der Pathologe Professor Sir Leonard Hill, dal? die jüdische Schächtmethode die beste und humanste Schlachturt sei. — Das Jüdische M u s c u m hat die sogenannte „Howitt-Kollektion", eine bedeutende Sammlung jüdischer Kunst-Antiquitäten, erworben. Italien. Mailand. .Im Alter von 50 Jahren verschied der italienischjüdische Schriftsteller Guido Treves, Chefredakteur der „Illustrazione Italiana" und Inhaber des von seinem Vater gegründeten Verlages Treves. — Rom. Vor kurzem fand in Anwesenheit Mussolinis die Feier des hundertjährigen Bestehens der von Lazzaro Morpurgo, einem aus Triest stammenden jüdischen Bankier, gegründeten „Assicurazioni Generali", der größten italienischen Versicherungsgesellschaft, statt. Rußland. Das Wirtschaftskomissariat. der Sowjetunion bewilligte 10 Millionen Rubel für industrielle Unternehmungen in Biro-Bids ch a n und i\'-> Millionen Rubel für landwirtschaftliche Kolonisation in diesem Gebiet. — Während im Jahre 1931 die Zahl der jüdischen Bevölkerung im Rayon K a I i n i n d o r f noch 1916 Familien betrug, leben ' heute dort nur 350 Familien. — In Moskau gibt es gegenwärtig mehr als 100 000 jüdische Arbeiter, die hauptsächlich im Maschinenbau und in anderen mechanischen Industrien beschäftigt .sind. Lettland. Der Stadtrat von Riga bewilligte 350 000 Lat für jüdische Institutionen. Rumänien. In Bukarest wurde am 9. 5. in Anwesenheit des spanischen Gesandten die sephardische Volkshochschule eröffnet. Bulgarien. Kürzlich wurde in Sofia in Anwesenheit von Vertretern des" Königs, sowie zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer Verbände und Organisationen der Grundstein zu einem jüdischen Krankenhaus gelegt, das dem Andenken der im Kriege gefallenen bulgarischen Juden gewidmet ist. Im Anschluß, daran nahm der Kriegsminister die Weihe der Fahne der jüdischen Kriegsteilnehmer vor. Jugoslawien. Im Munizipalausschuß der Stadt Belgrad befinden sich fünf Juden. Tschechoslowakei. In einem Rundschreiben an alle ihm unterstellten Behörden betont das böhmische Landesamt, daß das Erlassen von Schächtverboten „im Widerspruch mit der Bestimmung des § 122 der Verfassungsurkundestehe". Spanien. Der Magistrat der Stadt Barcelona hat der jüdischen Gemeinde einen Platz zur Anlegung eines Friedhofes geschenkt. Speisen verderben auch im Sommer fl | C Ii t wenn sie rechtzeitig in den Eisschrank kommen. Die Preise sind so niedrig, dar) sich jedermann einen Eisschrank zulegen kann. 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Jahrestagung des Arbeiterringes (Verband jüdischer Arbeitervereine) eröffnet. — New York. Mit dem Ziel, die Synagoge zum Mittelpunkt des jüdischen Lebens zu machen, soll in Amerika eine Bewegung „Zurück zur Synagoge" eingeleitet werden. — Das „American Joint Distribution Comittee" hat beschlossen, in diesem Jahre zur Linderung der Not unter den Juden Mittel- und Osteuropas die Summe von 2 500 000 Dollar aufzubringen. — Im Alter von 74 Jahren verstarb Cyrus L. Sulzberger. einer der Gründer der Zeitschrift „The American Hebrew". Der Verstorbene, der zu den führenden Persönlichkeiten des amerikanischen Judentums gehörte, war Mitglied zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer philanthropischer und politischer Vereinigungen, u. a. der Executive des „American Jewish Comittee". — Das „Jewish Institute of Religion" ernannte X a Ii ii m Sokolow, deu Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der „Jewish Agency" zum Ehrendoktor der hebräischen Literatur. Palästina Jerusalem. In Palästina gibt es gegenwärtig zehn jüdische K o n - s u In. — In den ersten sechs Monaten des Jahres 5692 (1. Oktober 1931 bis 31. März 1932) betrugen - die Einnahmen des Keren Hajessod 114 833 Pfund, das sind 5895 Pfund mehr als in den betreffenden Monaten des Jahre 569t. Von dieser Summe wurden 36 636 Pfund in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gezeichnet. —. Am 1. 5. wurde der botanische Garten der Hebräischen Universität, dessen Errichtung eine Stiftung der Gebrüder Lamport-New York ermöglichte, eingeweiht. — 80 Jahre alt, verstarb am" 23. 5. Rabbi Elijahu Klatzkin. einer der bedeutendsten talmudischen Gelehrten der Gegenwart. — Tel Aviv. Die kürzlich abgehaltene Levante-M es s-e wurde von ungefähr 300 000 Personen-besucht; die auf ihr abgeschlossenen Transaktionen belaufen sich im ganzen auf etwa 175 000 Pfund. 90. Geburtstag Frau Rosa Flörsheim geb. Selbmann, Jahnstr. 27. vollendete am 18. Mai ihr 90. Lebensjahr. Die sehr rüstige alte Dame, die noch jetzt in ihrem Haushalt tätig ist, wurde vom Gemeindevorstand unter Ueberreichung eines Blumenstraußes beglückwünscht.