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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-05-01 · 9 (5.1932) · p. Seite 201

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
9 (5.1932)
Date
1932-05-01
Page
Seite 201 (sequence 11)
Language
German
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201 (Fortsetzung von Seite 200) Großbritannien. Dublin. Der irisdie Landtag nahm oin Gesetz . an, welches, das Schlachten der Tiere nach jüdischem Ritus zuläßt. — London. In einer der letzten Sitzungen des britischen Unterluiuses wurde das Palästina-Problem eingehend erörtert. — Der ,,Ver- band jüdisdier Hilfsgesellschaften" hat zu Pessach an 10 000 arme jüdische Familien in Rußland Pakete geschickt. — In Anwesenheit von Vertretern der jüdischen Organisationen, sowie einer großen Zahl von Führern der englischen Juden wurde das ,,J ü d i s c h e II a u s" eröffnet. Italien. Vor einiger Zeit wurde in Rom die Synagoge der spaniolischen Gemeinde eingeweiht. Sie ist auf Ruinen alter spaninlischcr Synagogen erbaut, die aus dem 14. Jahrhundert stammen sollen. Rußland. Die sowjetrussische Regierungskommission für jüdische Lanclansicdlung und Industrialisierung, ..KOMZET" wird, einem Beschluß des Zentralcxekutivkomitees zufolge, ihre Huupttätigkeit nunmehr auf Biro-Bidschan konzentrieren. Nach einer neuerdings von „KOMZET" aufgestellten Statistik gibt es in den Ländern der Sowjetunion ungefähr 800 000 jüdische Arbeiter. — In der Republik Weißrußland ist die Zahl der jüdischen Gemeinden in den Jahren 1917—1930 von 653 auf 5-17 zurückgegangen: heute gibt es dort 187 Ortsgruppen jüdisdier Atheisten mit insgesamt 10 450 Mitgliedern, 17 400 Juden gehören den gemischten Atheisten-Gruppen an. Polen. Die polnisdie Regierung hat zwei von der Organisation ,.Tarbut" unterhaltene h c b r ii i s ch c Gymnasien für öffentlich erklärt; „Tarbut" besitzt heute 10 Gymnasien, 4 Lehrerseminare, 181 Volkssdiulen und 85 Kindergärten. Ihre Sdiulen, an denen über 1000 Lehrer nnterriditen, werden von ungefähr 55 000 Schülern besucht. — Unter den 15 Pianisten, welche im Internationalen Chopin-Wettbewerb Preise errungen haben, befinden sieh 14 Juden. — Aus dem Tätigkeitsbericht des jüdischen Rettungskomitees geht hervor, daß sich ungefähr ein Drittel der Warschauer jüdischen Bevölkerung an das Komitee um Gewährung einer Unterstützung gewandt hat. Ungarn. Im Alter von 63 Jahren verstarb in Budapest Obeiregierungsrat Ludwig Deutsch, Generaldirektor der städtischen Elektrizitätsw erke. Bulgarien. In Bulgarien gibt es 3t sephardische und 2 aschkenasische Gemeinden. Jede von ihnen besteht aus zwei Ausschüssen: einem Sdiul- und einem Syiiugogenaussdmß, aus deren Mitte die Gemeiuderepräsentanten. die sogenannten ,,Gemeinderäte", gewählt werden. Jugoslawien. Die Funkstation in Belgrad, die größte; Radio- Station Jugoslawiens, hat am Vorabend des Pessachfestes den Gottesdienst aus der aschkenasischen Synagoge in Belgrad übertragen. — Am 28. März wurde der frühere Präsident der sephardisdien Gemeinde, Dr. David Alkalay. ein Führer der jugoslawischen Juden, 70 Jahre alt. Rumänien. Im Alter von 94 Jahren verstarb der Nestor der deutsdien Publizistik in Rumänien, Julius Sdiein. Tschechoslowakei.. Der Innenminister der tschechoslowakischen Republik hat das Tragen von Hakenkreuzen sowie deren Anbringung auf Plakaten. Briefpapieren und Ankündigungen irgendwelcher Art verboten. — In Böhmen, Mähren und Sdilesien wurden im Laufe des Jahres 1931 26 K 1 e i n g e m e i n d e n aufgelöst. Auch die jüdische Bevölkerung Prags nimmt in erschreckender Weise ab; es wurden in diesem Jahre 2420 Juden weniger gezählt als im Jahre 1930. — Nach einer Mitteilung des Statistischen Amtes leben in Böhmen 28 römische Katholiken jüdischer Nationalität, d. h. zum katholischen Christentum übergetretene Nationaljuden. Amerika New York. Auf der vor einiger Zeit stattgehabten Delegierten- Tagung des „American Joint Distribution Committee" wurde im Hinblick auf die sdilimme Lage der Judenheit in den osteuropäischen Ländern beschlossen, das Hilfs- und Aufbauwerk in Europa fortzusetzen. — Bisher wurden für den „American Palcstine Campaign" 150 000 Dollar gespendet, davon 50 000 Dollar von Felix M. Warburg. — Unter den diesjährigen Preisträgern ,der Guggenheim-Foundation befinden sich vier Juden. — Washington. In Amerika leben 1 220 658 Juden, deren Mutterspradie das Jiddische ist; von ihnen wohnen 656 466 in New York, 68 264 in New Jersey, 22 505 in Connecticut und der Rest in den übrigen amerikanischen Staaten. Australien. König Georg von England hat den Generalgouverneur von Australien, Sir Isaac Isaacs, zum Ritter des Großkreuzes St. Michael-St. George ernannt. Palästina Jerusalem. Der Jesuitenpater Koppel vom päpstlichen Bibelinstitut in Jerusalem hat in der Nähe des Hügels Ghassul die Ueberreste von vier übereinander gelagerten Ansiedlungen, sowie von Asche übersdiütteter Wohnstätten entdeckt: man vermutet, daß es sidi hierbei um die Ruinen von So dorn und Gomorrha handelt. — Bibliothekar Karl J. Lüthi, Direktor des Gutenbergmuseums in Bern, hat der Nationalbibliothek seine Judaica-Sammlung zum Geschenk gemacht. — Im Alter von 83 Jahren verstarb Rabbi Chajjim Joseph Sonnenfeld, der geistige Führer der „Agudas Jisroel" in Palästina. ■— Tel-Aviv. In der Zeit vom 28.—31. März fand die ,,M akkabiade 193 2" statt, an der sich folgende Länder beteiligten: Aegypten, Amerika, Australien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, England, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Holland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Oesterreich, Polen, Palästina, Rumänien, Schweden, Syrien, die Tschechoslowakei und Tunis. In den Kämpfen erhielt die polnische Landesgruppe mit 377 Punkten den ersten Preis und gewann sowohl den Makkabiah als audi den Boxmeisterschaftspokal; es folgten Amerika mit 285, Oesterreich mit 254, die Tschechoslowakei mit 223, Palästina mit 218, Deutschland mit 120, Rumänien mit 14 und England mit 10 Punkten. — Der High Commissioner of Palestine, General Sir Arthur Wauchope, eröffnete am 7. April die „Levante -Messe 193 2", die von 24 Ländern beschickt wurde. Der Erzbischof von Köln für inneren Frieden Der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, hat, wie der C. V. mitteilt, an Rabbiner Dr. Rosenthal folgendes Schreiben gerichtet: „Von den überaus rohen und jeder Gesittung hohnsprechenden Beschimpfungen Ihrer Glaubensgemeinschaft, namentlich von den Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen, worüber Sie meinen Herrn Generalvikar — da ich verhindert war — persönlich und nachher mich durch Ueberreichung von gedrucktem Material unterrichteten, habe ich mit tiefstem Bedauern Kenntnis genommen. Ich kann Ihre innere Empörung und Entrüstung nur teilen und sehe in diesen Vorkommnissen eine neue ernste Mahnung an alle Gutgesinnten, der zunehmenden. Verwilderung der Sitten in unserem Volke ohne Säumen und mit aller Energie entgegenzuwirken." 80. Geburtstag Herr Michael R a p p , Eschenheimer Anlage f>0, beging am 10. April 1932 in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Herr Rapp ist eines der ältesten und treuesten Gemeintiemitglieder, der sich besonders auf sozialem Gebiet betätigt und seit vielen Jahren der Chewra Kadischa angehört. 70. Geburtstag Der Vorsitzende des Chors der Synagoge am Börneplatz. Herr Abraham L e w i s o h n , begeht am 4. Mai seinen 70. Geburtstag. Herr Lewisohn ist seit über 25 Jahren Mitglied des Chors und bekleidet seit über 20 Jahren in vorbildlicher Hingabe und Tatkraft das Amt des Vorsitzenden des Chorvorstandes. J PerWadu hauchdünn auftragen sofort W. -4» f T ' '"^W"'' - 1 rermdwPermdts I die ideale Polier-Creme i gibt spiegelnden Glanz für Linoleum. Parkett, A verhütet Ausrutschen Möbel.Stein, auFTreppen Leder. Auto. ^^^^L. u.Fußböden Sophie Meyer (geb. 6. Dezember 1884, gest. 26. April 1932) Von ihrem mehr als drei Monate hindurch geduldig ertragenen Leiden ist die Leiterin des Sekretariats der Gemeinde, Frl. Sophie Meyer, durch einen sanften Tod erlöst worden. Aerztliche Kunst und hingebungsvolle Pflege im Krankenhaus der Gemeinde hatten nicht vermocht, das Verhängnis abzuwenden. In tiefer Trauer sieht der Vorstand und die Hauptverwaltung der Gemeinde eine Mitarbeiterin von hinnen (gehen, die zwanzig Jahre lang Tag für Tag mit unvergleichlicher Pflichttreue und Hingabe ihren Dienst getan hat, der den ganzen Inhalt und das Glück ihres Lebens bedeutete. Den mannigfachen Aufgaben ihrer Stellung, die viel Verantwortungsgefühl, vielfältige Kenntnisse und stete Umsicht verlangten, war sie bis zuletzt voll Eifer, unerbittlich gegen sich selbst, mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit rastlos und in rührender Selbstverständlichkeit ergeben. Am Tag, bevor sie sich niederlegte, schon leidend, schloß sie eine große Arbeit ab, und von da an kreisten ihre Gedanken um die eine Frage, ob sie je wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren würde. Es war ihr nicht beschieden, die guten Augen, die geschickten Hände sind für immer erstarrt, ihr Platz ist verwaist. Bei aller Verschlossenheit war Sophie Meyer ein grundgütiger Mensch, dankbar und anhänglich, eine treue, reine Seele. Tapfer ist sie ihren einsamen Lebensweg gegangen, ihren Freunden und Mitarbeitern war sie der beste, immer hilfsbereite Kamerad. Nun hat sie, die Unermüdliche, die ewige Ruhe gefunden. Unauslöschliche Dankbarkeit wird ihr Andenken umhegen. Möge die Erde ihr leicht sein! Die Beisetzung fand am letzten Tage des Pessachfestes statt. Der Feiertag verbot jede Kundgebung der Trauer, und so wurde ihr sterbliches Teil still und schweigsam, wie es ihrem eigenen Wesen entsprach, in die Erde gesenkt. Zahlreiche Mitglieder des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung, ihre Mitarbeiter und viele Freunde und Bekannt'' hatten es sich nicht nehmen lassen, der Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen und dem trauernden Bruder ihr Mitgefühl auszusprechen.

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