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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-04-01 · 8 (4.1932) · p. Seite 183

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
8 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 183 (sequence 21)
Language
German
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183 der Waschküche und bei den Säuglingen, überall werden die MädAen tunlichst so lange beschäftigt, daß sie sich genügende Kenntnisse in den hier verrichteten häuslichen Arbeiten erwerben können. Es ist nicht leicht, diese schwierigen, nicht zu systematischer Arbeit gewillten Zöglinge zur sorgfältigen Verrichtung der ihnen aufgetragenen Pflichten zu bewegen, trotzdem gerade diese Ausbildung nach Art und Zusammenstellung gewiß die geeignetste für ihre Anlagen ist. Bleiben sie aber lange genug im Heim, und ist die Erziehbarkeit nicht zu gering, so können die erworbenen Kenntnisse als Grundlage für ein selbständiges, rechtschaffenes Berufsleben völlig ausreichen. Den normalen Schulunterricht genießen die Heimkinder vom Tage der Gründung an in der Städt. Volksschule in Isenburg. Es besteht somit kein Unterschied zwischen ihnen und ihren Altersgenossen, mit denen sie durch die Schule in lebendiger Fühlung bleiben. Nach Beendigung der Schulaufgaben bleibt den Kindern immer noch reichlich Zeit zum Spielen und allerlei nützlicher Beschäftigung. Regelmäßig zweimal in der Woche erhalten sie von dem jüdischen Lehrer einer Nachbargemeinde Religionsunterricht. Es ist tief bedauerlich, zu beobachten, welche Unkenntnis in allen jüdischen Dingen bei den meisten der jungen Menschen, die zu uns kommen, herrscht. Viele wissen fast nichts vom Sabbat und den Festtagen, den Speisegesetzen, den Pflichten und Freuden, die das Judentum uns gibt. Von der innigsten und schönsten Seite lernen sie das alles nun im Heim kennen. Unvergleichlich versteht es die mütterliche Leiterin, einen Freitag-Abend zu gestalten, an dem die Lichter auf dem festlichen Tisch glänzen, und eines der Kinder feierlich ein Gebet spricht, das, für diese Weihestunde verfaßt,- aller Verständnis angepaßt ist. Auch Channuka und Purim werden fröhlich begangen, und an den hohen Feiertagen findet im Heim ein Gottesdienst statt, bei" dem die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Isenburg das Minjan bilden. So erleben diese jungen Mädchen zum großen Teil zum ersten Male die Schönheit des jüdisdien Jahres. Aber auch die Schönheit der Jahreszeiten erfahren diese Großstadtkinder in Isenburg zum ersten Male. Jede freie Stunde verbringen sie in der guten Jahreszeit in dem großen Garten. Er ist im Frühling voll vom Blühen seiner Obstbäume und Stauden, im Herbst von reifen Fruchten; ein von Künstlerhand geschaffener Märchenbrunnen zeigt lustige Tiergestalten. Im Nutzgarten gibt es Arbeit nach den Kräften für groß und klein, die besonders während der Ernte beliebt ist. Mit größter Sorgfalt hat die Heimkommission versucht, Sparmaßnahmen im ganzen Betrieb durchzuführen, um der finanziellen Not der Gegenwart zu begegnen. Da aber äußerste Einfachheit von jeher, schon aus pädagogischen Gründen, eine kennzeichnende Tendenz des Isenburger Heims war, so konnten die Unkosten in der letzten Zeit nicht wesentlich verringert werden, und die Selbstkosten blieben größer als der von den meisten einweisenden Stellen bewilligte Pflegesatz. So steht die Heimleitung vor der traurigen Tatsache einer drohenden baldigen Unterbilanz und hofft nur, daß die Einsicht der gesamten Judenschaft die Erhaltung des Heims in Insenburg ermöglicht. Denn dieses Erziehungswerk hat heute, nach 25 Jahren, durch die Zeitverhältnisse bedingt, eine noch größere Aufgabe zu erfüllen, als zur Zeit seiner Gründung, und die ganze jüdische Gemeinschaft ist für sein Bestehenbleiben mitverantwortlich. Ida Wolf. Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Bürgerstöchter. Am 15. März fand die diesjährige Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Alfred Schwarzschild statt. An Stelle des verstorbenen Herrn Max David wurde Herr Dr. Julius Sichel in den Vorstand gewählt. Der Mitgliedsbeitrag für 1932 wurde wieder auf RM. 9.— 'estgesetzt. Bei der Verlosung der Aussteuer 1. Klasse, die RM. 4000.— oeträgt, wurde die Nummer 140 gezogen. Dem Mitglied, das diese Beteiligungsnummer besitzt, steht das Recht zu, den genannten Betrag als Mitgift einem Mädchen zuzuweisen, das den satzungsgemäßen Bedingungen entspricht. Es wurde ferner beschlossen, sieben Aussteuern 2. Klasse von je RM. 400.— am 24. Mai d. J. zur Vergebung zu bringen. Zur Bewerbung um diese Aussteuern ist jedes jüdische Mädchen, das den Bedingungen der Satzung genügt, ohne irgendeine Zahlung zugelassen. Anmeldungen sind von den Bewerberinnen bezw. ihren Eltern oder Vormündern bis zum 29. April d. J. bei Herrn Wolfgang Auerbach, Gervinusstraße 10, vorm. 8—9 Uhr, einzureichen. — Den Vorstand bilden zurzeit die Herren: Alfred Schwarzschild (Vors.), Wolfgang Auerbach, Ludwig Groedel, RA. Abraham Horovitz, Dr. Ernst Kirchheim, Dr. Julius Sichel. Max Stern. - Anschrift: Gervinusstraße 10, Postscheckkonto: Ffm. 50338. Jüdische Leihkasse E. V. Die Jüdische Leihkasse ist auch im Jahre 1931 ihrem Zwecke, zur Errichtung und Erhaltung selbständiger Existenzen, insbesondere des Kleingewerbes und des Handwerks. Darlehen zu gewähren, gerecht geworden. Die im Gesamtbetrag von rund RM. 85 000.— an 260 Personen bewilligten Darlehen verteilen sich nach Berufen gegliedert auf: 69 Händler und Hausierer. 55 selbständige Kaufleute. 43 Handelsvertreter, 38 Handwerker, 25 Beamte- und Angestellte, 17 freie Berufe (Lehrer, Aerzte. Künstler), 13 diverse Berufe. Im Laufe des Jahres wurden Rückzahlungen in Höhe von RM. 52 359.50 geleistet. Der Bestand am 31. Dezember wies 294 Darlehen im Betrag von RM. 48 106.30 auf. Eingereicht wurden 341 Gesuche, von denen 260 bewilligt wurden. Dem B.'/rag nach beläuft sich das niedrigste Darlehen auf RM. 20.-. das höchste auf RM. 1000.—, der weitaus größte Anteil entfällt auf die Darlehen bis zu RM. 300.— (205). Die Leihkasse verdankt ihre segensreiche Wirksamkeit, die zahlreichen kleinen und mittleren Existenzen zugute kommt, in der Hauptsache einem von der Israelitischen Gemeinde zur Verfügung gestellten Betriebskredit . von RM. 35 000.—. Jüdische Leihkasse E. V. Die Geschäftsstelle dieser gemeinnützigen Einrichtung befindet sich Eschersheimer Landstr. 65, 1. Stock. Geschäfisstunden: Dienstag und Donnerstag, Nachmittags von 4—6 Uhr. Die Leihkasse bewilligt selbständigen Gewerbetreibenden und Handwerkern Darlehen in massigen Beträgen gegen Bürgschaft zahlungsfähiger Personen. Jüdsiche Erziehungsberatungsstelle Beratung für Eitern und Kinder bei Erziehungs- und Scbulschwierigkeiten, Eschersheimer Landstr. 65 (Jugendheim). Die Beratungen sind unentgeltlich und streng vertraulich. Auskunft erteikn: die Leierin Frau Dr. Alice Schaumberg, Eckenheimer Landstr. 17, sowie die Mitglieder des pädagogisch-psychologischen Ausschusses des israelitischen Lehrervereins, Mittelschullehrer Julius Flörsheim, Koselstraße?32, und Lehrer Alfred Speyer, Baustraße 5, Um unnötiges längeres Warten in der Sprechstunde zu vermeiden, ist vorherige Anmeldung erwünscht' Tagesheim für erwerbslose männliche Jugendliche. Das Heim, dessen Träger die Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde ist, befindet sich Königswarterstraße 26 pt. und ist täglich ab 14 Uhr geöffnet. Geboten wird: Unterhaltung, Fortbildung, Erfrischungen. Auskunft erteilt der Heimleiter, Herr cand. phil. Philipp Rochwerg. Rückertsiraße 59, Tel. 45434. Jngenddienst Die Zentralstelle Jugenddienst (nachgehende Fürsorge) des Jüdischen Frauenbundes Frankfurt a. M. will allen alleinstehenden Jugendlichen eine beratende Helferin zur Seite stellen. Anfragen und Mitteilungen an die Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Langestr. 3. Jüdische Arbeitsvermittlung Männlich. Kaufmännische Sprechstunde: Dienstag und Donnerstag von 9—11 Uhr vorm., Eschersheimer Landstraße 65, 1. Stock. Sprechstunde für Handwerker und Ungelernte: Montag, Dienstag. Donnerstag, Freitag von 9—11 Uhr, Langestraße 30 pt. •Berufsberatung: Dienstag von 6—'/28 Uhr abends, außerdem nach Voranmeldung, Langestraße 30 pt. Lehrstellenvermittlung nach Frankfurt und auswärts. Freiwillige Arbeitsdienstpflicht: Sprechstunden: wie oben. Rechtsberatung in arbeitsrechtlichen Fragen: Sprechstunden: wie oben. Schreibstubenanfträge werden jederzeit Langestraße 30 pt. entgegengenommen urd bestens ausgeführt. Gesucht werden: Handwerkliche Lehrstellen per sofort. Bei allen offenen Dauer- und Aushilfsstellen Rufnummer: Hansa 26162 und Hansa 28248. AV e i b l i c h. Empfohlen: tüchtiges Personal für Büro, Lager und Verkauf, gelernte und ungelernte .Arbeiterinnen; Hauspersonal mit guten Zeugnissen, auch für größere Betriebe. Kochaushilfen und Putzfrauen. Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge Frankfurt a. M.. Langestrafle 3, Hansa 25462. M 3i5*^Unoleum,Parkett, Stein,Möbel, leder,Auro. Hauchdünn auftragen-sot'ortpolieren! Gibt strahlenden Glanz verhütet Ausrutschen auf Treppen uFußböden Lehrstellen. Eine große Anzahl junger Mädchen, die Ostern die Schule verlassen, bangt um die Möglichkeit, eine Lehrstelle zu finden. Wenn sich diese Hoffnung nicht erfüllt, geht ein ganzes Jahr der Berufsbildung verloren. Jüdische Arbeitgeber! An Sie ergeht unsere Bitte! Nehme jeder, dem es irgend möglich ist, ein jüdisches Mädchen in die Lehre. Melden Sie uns bitte sofort Ihre Vakanz. Unentgeltlicher Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge, Langestraße 5, Telephon 25462. Mitteilungen des Centraivereins „Was steht im Talmud?'' Die hiesige Ortsgruppe des Central Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte zu einem religionswissenschaftlichen Vortrag über das obige Thema am 28. Februar in die Westend-Synagoge eingeladen. Von den etwa 1100 Erschienenen waren schätzungsweise 800 Personen Nichtjuden, die in lautloser Stille, offenbar auch berührt von

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