Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 8 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 178 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3094266-3094373-3094381--3167-3097932- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
178 Die Kosten des Verfahrens trägt der Antragsgegner. Landgericht Leipzig, 15. Zivilkammer. Dr. Jlling. Dr. Friedrich. Dr. Voigt. Ausgefertigt am 7. März 1932. Der Urkundsbeamte der Geschäftsst. b. d. Landgericht Leipzig. L. S. gez. unl. Unterschrift. Beglaubigt Rechtsanwälte Justizrat Dr. Drucker, Dr. Eckstein und Dr. Cerf durch Dr. M. Drucker. Durch Beschluß vom 22. 3. 1932 wurde die vorstehende einstweilige Verfügung dahin ergänzt, daß ihr Wortlaut auf Kosten des Antragstellers außer in den „Amtlichen Mitteilungen" auch in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht werden kann. Sprechstunden der Gemeinderabbiner Dr. Ho ff mann, Börneplatz 16, Fernspr. Hansa 22024, 15—16 Uhr — Dr. Horovitz, Staufenstraße 30, Fernspr. Maingau 77963, 15—16 Uhr (außer Montag) — Dr. Lazarus. Friedrichstraße 29, Fernspr. Maingau 79482, 15—16 Uhr — Dr. Salzberger, Eschersheimer Landstr. 67, Fernspr. Zeppelin 56920, loX—lW Uhr — Dr. Seligmann, Böhmerstraße 9 park, Fernspr. 51184, 17—18 Uhr. Andere Sprechzeiten können telephonisch vereinbart werden. Für die im Ostend wohnenden Gemeindemitglieder ist Herr Rabbinatsassessor Kirschbaum zur Beantwortung halachischer Anfragen Donnerstags von 10—12 Uhr vorm., Freitags von 9—11 Uhr vorm. im Hause der J e s c h i w a, Theobaldstraße 6, Parterre, zu sprechen. Die Sprechzeiten des Herrn Rabbiner Kirschbaum in seiner Wohnung, Eckenheimer Landstraße 4 (Fernsprecher 58281), bleiben unverändert. Ritual-Kommission der Israelitischen Gemeinde. Dr. S. F r o m m. W i 11 y M a i n z. Sprechstunde für Religionsunterricht. Der Referent für unseren Religionsunterricht, Herr Gemeinderabbiner Dr. Lazarus, ist in allen auf den Religionsunterricht bezüglichen Angelegenheiten werktäglich von 15—16 Uhr in seiner Wohnung, Friedrichstraße 29, zu sprechen. Andere Sprechzeiten können durch Fernruf (Maingau 79482) vereinbart werden. Bibliothek und Museum. Infolge des Unibaues des Gemeindehauses müssen die Gemeindebibliothek und das Museum vorübergehend für einige Zeit geschlossen bleiben. Die Wiedereröffnung wird rechtzeitig an dieser Stelle bekanntgegeben. Der Leseraum ist wieder eröffnet und befindet sich bis auf weiteres im Erdgeschoß des Gemeindehauses, Fahrgasse 146. Zuwendungen Das Museum erhielt folgende Geschenke: Vom Rothschild sehen Altersheim einige Kultgegenstände aus Stein, von Frau Wetzler, Herrn Gustav Abrahami und Herrn Hugo Bondi einige interessante Schriftstücke, von Herrn Dr. Richard Weiß und Frau Dr. Jacob Mayer je ein Tafelwerk (Bilder von Professor Oppenheim, bzw. Schate des Freiherrn Karl v. Rothschild), von Herrn Max Frenkel ein Mohelbuch und ^von Herrn Photograph Junior ein Bild der Baronin Hanna -Mathilde v. Rothschild. Die Gemeindebibliothek erhielt aus einem Nachlaß neun Bände einer französischen Machsorausgabe, sowie eine Buchspende von Herrn Bürodirektor I. Meyer. Fundsache. Ein Täschchen mit einem Geldbetrag wurde in der Westendsynagoge nach der Weihestunde am 6. 3. 1932 gefunden. Abzuholen gegen Ausweis im Gemeindehaus, Zimmer 37. Sdiluss der amtlichen Anzeigen. Literarische Rundschau Jüdische Probleme und Gestalten in der deutschen Gegenwartsliteratur Von Dr. Max Salomon Die hier gegebene Auswahl ist subjektiv und betrifft, unter Einbeziehung in deutsche Uebersetzung erschienener ausländischer Werke, nur solche, die nach des Verfassers Meinung zu uns als Menschen und Juden irgendwie aus der Tiefe des Erlebten, des Erlebnisses sprechen. I. Drama, Sowohl im Hinblick auf die psychologische Seite des Dramatischen wie auch seine sprachliche Formung liegen in der seelischen Verfassung des Juden unmittelbarste Voraussetzungen, eine Tatsache, die unbestreitbar und vor allem aus der geschichtlichen Entwicklung heraus zu begreifen ist. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die historische Linie aufzuzeigen und die Wandlungen in der Darstellung der Juden und des Jüdischen jeweils aus der Zeit heraus zu begreifen. Andererseits sind Gestalten wie Nathan und Shylock in ihrer Ueberzeitlichkeit auch heute noch aktuell und daher unmittelbaren Gegenwartsinterpretationen zugänglich. Neu und neuartig ist die Form des Gesellschafts stück es, das die soziologische Seite des jüdischen Problems zur Grundläge seiner Darstellung zu nehmen sich anschickt. Als Exemplar dieser Art dramatischer Gestaltung mögen Schndtzlers „Professor Bernhardi" und G a 1 s w o r t h y s „Loyalties" (Gesellschaft) angeführt werden, in denen der Jude um der Wahrhaftigkeit und der Erhaltung seiner Existenz willen bis zum letzten zu kämpfen gezwungen ist. Ernst Toller, dessen gesamte dichterische Produktion aus edner unbedingten und absoluten Verneinung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse sich ableiten läßt, ist in diesem Zusammenhange weder wegen seiner jüdischen Gestalten noch wegen seiner jüdischen Probleme zu nennen. Denn beide gibt es nicht. Aber sein gesamtes Schaffen ist so stark in den Bezirken der reinsten Menschlichkeit verankert, daß er von hier aus unbedingt den Anspruch auf Einbeziehung in den eingangs skizzierten größeren Zusammenhang erheben dürfte. Sein Werk im ganzen ist mit ungeheurer tragischer Schwere belastet. Während etwa bei Shaw die Negation der gesellschaftlichen Verhältnisse sich in befreiender Kritik auflöst und sich in beißender Ironie und überlegenem Spott zu kompensieren bemüht ist, verzehrt sich dieser in sich gekehrte Mensch und Dichter im tragischen Ringen um Wahrheit und letzte Erkenntnis. Die „Affäre Dreiyfuß" von Rehfisch & Herzog ist in ihrer politischen und literarischen Bedeutung so oft zur Genüge dargestellt, daß es hier nur der Nennung des Namens bedarf, um Inhalt und literarischen Wert der durch blendenden Dialog und überraschende Vollkommenheit des gesamten szenischen Vorgangs ausgezeichneten Stückes uns noch einmal zu vergegenwärtigen. Daß Walter Mehring in seinem „Kaufmann von Berlin" ein überaus charakteristisches und treffendes Bild der Inflation und ihrer gesamten Lebensform entworfen hat, ist von der Kritik ebenso anerkannt worden wie die Tatsache, daß er in einer Sprache schreibt, die das unheimliche Tempo und den Rhythmus der Zeit treffend spiegelt. In seinem „Paulus unter den Juden" greift Wer fei in eine Zeit, die in ihrer Problematik und Verwirrung der heutigen vergleichbar erscheint. Man mag sich zu Einzelheiten verschieden einstellen und gar die Objektivität des geschichtlich-religiösen Hintergrundes bezweifeln, aber niemand wird sich der Erkenntnis verschließen dürfen, daß hier ein ganz Großer mit gewaltigen sprachlichen und szenischen Mitteln ein ungemein tiefes und lebendiges Werk geschaffen hat. H. Biographie. Kulturgeschichte. Der „Revolutionär und Patriot" (Das Leben Ludwig Börnes) von Ludwig Marcuse ist keine trockene, leblose Biographie, die sich in Daten und einer bloßen Anhäufung von Tatsachen erschöpft. Das Werk ist mehr als dies. Es ist eine feine und feinsinnige Interpretation einer gewaltigen Zeit, die ihren Helden als Exponent eineT gewissen politischen Idee vor uns erstehen läßt. In manchem ist das Buch, über die Gestaltung eines persönlichen Schicksals hinaus, für die Erkenntnis der Stellung der Juden im neunzehnten Jahrhundert von weitgehendster Bedeutung. In den „Frauen der Romantik" greift Margarete Susmann in eine Zeit, die sowohl vom literarischen und weltanschaulichen wie auch vom redn emanzipatorischen" Standpunkte aus eine überragende Rolle spielt. Für uns als Juden erwächst ein besonders starkes Interesse an den Schicksalen von Frauen, die, als Jüdinnen geboren, in engster Bindung an geistige, allgemeine Werte und Ideale einen vollgültigen Ersatz für eine ihnen scheinbar nicht genügende Erlebnis- und Empfindungswelt zu .finden glaubten. Wobei sich je nach Temperament und Veranlagung diese Abkehr vom Angestammten dn mehr oder minder starkem Maße vollzogen hat. Ein treffliches Buch! Josef Kastein (in- (Fortsetzung auf Seite 179)