Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 8 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 179 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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179 t~0't<r-:nn> v.»i Sei'c 17S> zwisclion auch als Verfasser einer jüdischen Geschichte an die Oeffentliehkeit g/trstni) hat mit seinem „Sabbata Zowi" ein,' überaus wertvolle wissenschaftliche Arbeit geleistet, indem er die Gestalt seines Helden aus dem Zauber magischer Beleuchtung herausgestellt und zu einem Menschen von Fleisch und Blut gemacht hat, der sich auf dem Hintergründe einer gewaltigen Zeit bewegt. Schuldig wird er, der Tausende m'.c unheimlicher Kraft zu sich gezogen hatte, nicht allein dadurch, daß er seinen Glauben verläßt, sondern weil er sich zum Führer erhebt, ohne die Qualitäten eines solchen zu besitzen. Zu den hier genannten Werken gehört auch der „Jud Süß" von L i o n F e u c h t w a n g e r. Er behandelt eine geschichtliche Situation, die neben der Bearbeitung in Romanform eine dramatische (Kornfeld) und eine historisch-wissenschaftliche (Selma Stern) gefunden hat. III. Roma n Auch in der Ebene des epischen Schaffens drängt jüdische Begabung zur dichterischen Gestaltung. Unbestritten steht Jakob Wassermann an erster Stelle, dessen Leben und Werke, dessen Werden und dessen Sein und Berufung in einer ausgezeichneten Biographie (von Siegmund Bing) niedergelegt sind. Wir sehen, wie der Dichter, von dem Glauben an seine Mission getragen und erfüllt, sich zum einzigartigen Darsteller jüdischer Seelenvorgänge und einem Sprachschöpfer grandiosen Ausmaßes emporentwickelt hat. Immer aufs tiefste bewegt von der dem Juden schlechthin im Leben und Lebenskampfe aufgezwungenen Problematik und Tragik, sucht er sich gar oft dieser Schwere im befreienden literarischen Schaffen zu entledigen. (Manchen seiner Gestalten haften autobiographische Züge an.) Mir will es scheinen, als ob, von hier aus gesehen. „Der Fall Maunizius" des Dichters stärkstes Werk sei, weil er in ihm gerade die ganze Krisenhaftigkeit unserer Zeit am wuchtigsten gestaltet hat. Die Tragik des „Juden" Waremme aus der Perspektive der soziologischen Stellung des Juden schlechthin gesehen, ist gewaltig und erschütternd zugleich. Arnold Zweigs „Sergeant Grischa", das jetzt in der dramatischen Fassung über die Bühne geht, spielt ganz in den Bezirken der Humanität und ist erfüllt von leidenschaftlich geführten Kämpfen um Recht und ein das starre Dograa des paragraphierten Gesetzes auflösendes Menschentum. Der reinste und gläubigste Vertreter der humanen Richtung ist der jüdische Gefreite Bertin, der offenbar autobiographische Züge trägt. Josef Delmonts „Juden in Ketten" behandelt das tragische Schicksal des Hascheleh Kaiisch, der aus dem furchtbaren Geschehen und Erleben eines Pogroms in die Welt hinausgetrieben wird. Wenig sympathisch berührt die m. E. zu stark kinomäßig aufgezogene Folge der Szenen. In dramatischer Bearbeitung erscheint nunmehr der Roman „David Golder" von Irene Nemirowski. der im Gemeindeblatt eine ausführliche Würdigung durch den Verfasser dieser Zeilen erfahren hat. Es sei in diesem Zusammenhange auf den ebenfalls in deutscher Uebersetzung vorliegenden Roman „Silbermine" des französichen Nichtjuden de Lacretelle hingewiesen. Ein um seines Judeseins angefeindeter jüdischer Schüler, der zugleich ein feinsinniger Interpret französischen Geisteslebens ist, geht an diesen Angriffen innerlich zugrunde. Mit „Katrin wird Soldat" hat Adrienne Thomas Zeugnis für ihre starke dichterische Begabung abgelegt. Der Roman erfaßt mit erstaunlicher Sicherheit Tempo und Rhythmus der Kriegsjahre. Er zeigt zugleich, welche Summe von Liebe und Menschlichkeit sich hinter der Furchtbarkeit des Zeitgeschehens gestaut hat und zur Explosion drängt. Wer sich mit Liebe und Inbrunst in Josef Roths „Hdob" versenkt hat, wird fühlen, daß dieses Buch unter den Werken der Nachkriegszeit mit an erster Stelle steht. Eine feine, auf den Ton der Erzählung harmonisch abgestimmte Sprache läßt ein jüdisches Schicksal erstehen, das uns alle ergreift und uns aus der Furchtbarkeit des Alltags für Stunden hinaushebt. ' Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Die Zeitschrift tritt in den 76. Jahrgang ein und hat sich au? diesem Anlaß vhi i:eu<\s Gewand geleistet. Das Februar-Heft bringt ein Lebensbild Wolf Heteenheims, ferner eine LT-Vrs;._von M. Grunwald über jüdische Sagtukuiule und eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen und Besprechungen. De-; Zeitschrift, die nunmehr schon fast drei Generationen jüdischer wissenschaftlicher Forschung wertvollste und allgemein, auch in der nichtjüdischen Welt, anerkannte Dienste geleistet hat, ist jede Förderung zu wünschen. Jüdische Chronik Deutschland Berlin. Bei den am 13. März durchgeführten ersten Wahlen für das Amt des Reichspräsidenten fehlten dem bisherigen Reichspräsidenten Hindenburg 168 453 Stimmen zur absoluten Mehrheit. Der nationalsozialistische Kandidat Hitler erhielt 11 338 571 Stimmen. — Der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat zwecks Sammlung von Mitteln zur Bekämpfung des Judenhasses und der judenfeindlichen Propaganda einen „Kumpffonds 1952" errichtet. — Aus den Endkämpfen um den Wanderpreis des Reichsverbandes für Jiu- Jitsu ging der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" als Sieger hervor. — Am 9. März hielt die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" ihre 30. Jahresversammlung ab, in der Dr. Albert Lewkowitz-Breslau über das Thema ..Die Stellungnahme zum Judentum in der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts" sprach. — Aus Anlaß seines 85. Geburtstages verlieh die Stadt Berlin dem Philanthropen Hermann Abraham, dem Begründer des ersten Vereins für Volkskinderküchen, die Ehrenplakette. Auch der Reichspräsident, der Reichskanzler, der preußische Ministerpräsident richteten neben dem Vorstand