Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 7 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 158 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Literarische Rundschau — S. K a a t z, Sendschreiben an d. Vorstand u. d. Mitgl. d. Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. 36 S. Berlin 1932. — Der gelehrte Verf. hat die erst neuerdings aufgekommene abgekürzte Schreibweise „G'tt", „g'ttlich" usw. zum Gegenstand einer knappen, aber eindringlichen Untersuchung gemacht und ihre religdonsgesetzliche und sprachliche Fragwiirdigkeit dargetan. F r i e d h o f s s c h ä n d u n g e n in Deutschland 1923 —1931. Die hier bereits besprochene Schrift des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens liegt bereits in vierter und leider -wiederum erweiterter Auflage vor. In der am 31. Dezember 1931 abgeschlossenen Liste sind 106 Schändungen jüdischer Friedhöfe und 40 Synagogenschändungen aufgeführt Die kleine Schrift führt mit traurigem Recht den Untertitel ..Dokumente der politischen und kulturellen Verwilderung unserer Zeit". Heft (i des „Morgen", das um die Zeit von Goethes 100. Todestag den 7. Jahrgang beschließt, wird von Prof. Dr. IL' A. Fritzsche, Oberbibliothekar der Gießener Universitätsbibliothek, eingeleitet: „Im Gegenwärtigen Vergangnes". Dr. Gustav Löfflers Abhandlung „Heldischer Pazifismus" führt in eine der" umkämpf testen Gegenwartsfragen hinein. J. Heinemanns groß angelegte Arbeit „Die griechische Weltanschäuungslehre bei Juden und Römern" wird fortgeführt. Aktuell und bedeutend ist der Aufsatz von Ignaz Maybaum: „Theologie und Politik"; Betrachtungen zu Alfred de Quervains Buch: „Die theologischen Voraussetzungen der Politik", mit einem kritischen Nachwort von M. Dienemann. Leo Baeck setzt sich in einem Aufsatz ..Zwischen Wittenberg und Rom" zugleich mit Hellpachs gleichnamigem Buch und mit bestimmten Strömungen im Protestantismus auseinander. Eine Abhandlung von Herbert Grabert „Zur Psychologie des Unglaubens. Ein typologischer Versuch" und Buchbesprechungen beschließen das wiederum sehr reichhaltige Heft. Im Dezemberheft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" behandelt der Wirtschaftshistoriker Jakob Lestschinsky „Jüdische Wanderungen und Staatsräume im Lichte der Vergangenheit". Das gleiche Heft bietet eine lehrreiche Darstellung der Geschichte der Juden in Köln aus der Feder des Rabbiners und Geschichtsforschers Dr. Adolf Kober und den Abschluß der großen Artikelreihe über das jüdische Schulwesen der Gegenwart; B. Welnryb berichtet über die jüdischen Schulen und Lehrerbildungsanstalten in Sowjetrußland. Jüdische Chronik Deutschland Berlin. Das Preußische Staatsministerium hat den von ihm ausgearbeiteten Entwurf eines neuen Judengesetzes dem Staatsrat weitergeleitet. — Am 30. Januar wurde die „Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftsfragen der Juden in Deutschland" gegründet; ihre Aufgabe wird es sein, die Wirtschaftsnot unter den deutschen Juden durch sofortige praktische Maßnahmen, insbesondere durch ein planvolles Einwirken auf die Berufsschichtung der Juden zu lindern. — Der Landesverband Ost-Westpreußen des „Reichsverbandes jüdischer Frontsoldaten" veranstaltete in der Zeit vom 20. bis 28. Februar in verschiedenen Städten Aufklärungsversammlungen, zu deren Besuch besonders Nichtjuden geladen sind. — Die sieben nationalsozialistischen Studenten, die während der letzten antisemitischen Unruhen in der Berliner Universität als Hauptschuldige verhaftet wurden, erhielten mehrmonatige Gefängnisstrafen. — Wegen Beleidigung der jüdischen Mitglieder des Vorstandes der Berliner Produktenbörse wurde der verantwortliche Redakteur der nationalsozialistischen Zeitung „Der Angriff" zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Kuratorium der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" hat als erstes weibliches Mitglied Frau Jenny Baerwald, eine Schwiegertochter des verewigten Philanthropindirektors, berufen. — Der rechtsradikale Regierungssekretär Buchholz, der in der Berufungsverhandlung gegen ein Urteil des jüdischen Amtsgerichtsrats Citron die Worte „echt jüdische Frechheit und Schamlosigkeit" gebraucht hat, wurde wegen Beleidigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. — Der Oberführer der Berliner SA., Graf Helldorf, ebenso sein „Stableiter" Ernst wurden von der Anklage des schweren Landfriedensbruchs bei Gelegenheit der Ausschreitungen am vergangenen Neujahrsfest auf dem Kurfürstendamm freigesprochen und lediglich wegen Beleidigung zweier Kaufleute zu einer Geldstrafe von 100 Mark bezw. zehn Tagen Gefängnis verurteilt. — Direktor Heinrich Stahl, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, sprach im deutschen Rundfunk über „Wohlfahrtspflege in den jüdischen Gemeinden Deutschlands". — Unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Heinrich Stern hielt der „Reichsausschuß für russisch-jüdische Flüchtlingshilfe" am 24. Februar seine diesjährige Tagung ab. — Chemnitz. Der sächsische Großindustrielle Georg Mecklenburg hat kürzlidi den Freitod gewählt. Der Verstorbene war der Führer der Liberalen in der jüdischen Gemeinde Chemnitz und auch im Centraiverein an hervorragender Stelle tätig. — Frankfurt a. M. In der am 14. Februar stattgehabten öffentlichen Vorstandssitzung des „Verbandes jüdischer Jugendvereine Deutschlands" wurde beschlossen, die Arbeit auch weiterhin auf gesamtjüdischer Basis fortzusetzen. — Heidelberg. Zum Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Rabbiners Dr. Hermann Pinkuss wurde sein Neffe Dr. Fritz Pinkuss gewählt. — Kassel. Der im Ruhestand lebende Lehrer Ludwig Horwitz, der auch in unserem Gemeindeblatt häufig historische Beiträge veröffentlichte, feierte seinen 70. Geburtstag. — Mannheim. Am 27. Februar wurde Gemeinderabbiner Dr. Isak Unna 60 Jahre alt. — München. In der Sitzung vom 28. Januar beschäftigten sich Vorstand und Gemeindevertretung mit der Beratung des Haushaltsplanes für 1932. Der Finanzreferent der Gemeinde teilte mit, daß die Steuereingänge im Jahre 1951 392 000 Mark betragen haben, daß aber im Jahre 1932 nur mit einem Eingang von 520 000 Mark zu rechnen sei. Der Etat, der in der Einnahmen- und Ausgabenseite mit 475 600 Mark abschließt, wurde einstimmig angenommen und die Kultussteuer auf 12 Prozent der Einkommensteuer zuzüglich 5 Prozent Landesumlagen festgesetzt. — Neubrandenburg. Die Stadtverordnetenversammlung hatte kürzlich ein von den Nationalsozialisten beantragtes Verbot des „tierquälerischen" Schächtens beschlossen. Unter Hinweis auf die Gutachten hervorragender europäischer Vertreter der Tier- und Hirnpsychologie sowie der Veterinärabteilung des Reichsgesundheitsamtes, die sämtlich erklärten, daß im Schächtakt keine Tierquälerei erblickt werden könne, hat die Regierung von Mecklenburg- Zahlungserleichterung'. 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