Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-02-01 · 6 (2.1932) · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
6 (2.1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 134 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3094266-3094373-3094379--3109-3097872
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

134 Iii der Sitzung des Rates des „Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden" vom 10. 1. wurde der Haushaltsplan für das Geschäftsjahr 1952 beraten und beschlossen, wie bisher 5% der Reichs- und Landessteuern als Landesumlage zu erheben. — Schwetzingen. Von einem unbekannten Täler wurden auf dem jüdischen Friedhof neun Grabmäler umgeworfen. — Zwingenberg. Kürzlich hielt hier der „Jüdische Pfadfinderbund" in Gemeinschaft mit dem „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" ein „Führerlager" ab, das von 90 Führern der südwestdeutschen Gaue besucht wurde. Europa. Ausland Oesterreich. Seit dem Erlaß des Toleranzpatents Kaiser Josefs IL, das die Rechtsstellung der österreichischen Juden gewaltig verbesserte und der der andersgläubigen Bürger annäherte, sind 150 Jahre verflossen. — In einer Rundfunkansprache erklärte einer der angesehensten österreichischen Katholiken, Pater Bidilmair, daß der Antisemitismus mit den Lehren der katholischen Kirche unvereinbar sei. Ungarn. Auf Anregung des früheren Stadtrates Desider Korein hat der Magistrat der Stadt Budapest die Erriditung von 15 rituellen S p e i s e h ä-u s e r n beschlossen, in denen täglich 3000 jüdische Erwachsene und 12 000 Schulkinder auf Kosien der Stadt verköstigt werden sollen. — In dem Haushaltsplan der Gemeinde wurden deren Ausgaben für das Jahr 1952 mit 4 435 000 Pengö angegeben. — Im Alter von 65 Jahren verstarb der Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Gemeinde, Dr. Wilhelm Grauer. Niederlande. Der Magistrat der Stadt Amsterdam hat die Einrichtung einer rituellen Volksküche beschlossen, in der jüdische Bedürftige gegen Bezahlung von 5 Cents (8 Pfennige) eine warme Mahlzeit erhalten sollen. — Unter den jüdischen Diamantschleifern Amsterdams befinden sich etwa 5500 Arbeitslose. — Kürzlich wurde hier eine Ortsgruppe der „Vereinigung für das liberale Judent u m" gegründet, zu deren Leiter Rabbiner Dr. A. Friedmann gewühlt wurde. Rabbiner Friedmann hat seine Ausbildung auf einer Frankfurter Jeschiwa erhalten. Schweiz. Der Völkerbundsrat beschloß in seiner Sitzung vom 25. 1., vorläufig yon einer Aenderung des Gregorianischen Kalenders abzusehen; mithin ist die Gefahr, welche dem Sabbath durch die geplante Kalenderreform drohte, zunächst abgewendet worden. Italien. Bei dem Einsturz in der Bibliothek des Vatikans wurden die jüdischen Manuskripte — etwa 2000 an der Zahl —, die von Professor Dr. Freiniann-Frankfurt a. M. katalogisiert wurden, gerettet. England. Im Jahre 1931 verkaufte die „British and Foreign Bible Society" mehr als 3 Millionen Exemplare des Alten und Neuen Testaments. — In der vor einiger Zeit stattgehabten 32. Jahreskonferenz der „English Zionist Federation" wurde Professor Weizmann zum Präsidenten gewählt. — Anläßlich des diesjährigen Neujahrsfestes wurde zwei jüdischen Parlamentsmitgliedern, Percy Alfred Harris und Arthur Michael Samuel, der B a r o n e t - Titel verliehen. — Im Alter von 50 Jahren verstarb der jüngste Sohn Philipp Schiffs, Frankfurt a. M., Ernst H. Schiff, der an der Spitze zahlreicher jüdischer Organisationen wie des Shelters hervorragend wirkte. Tschechoslowakei. In Prag verstarb, 63jährig, der russische Dramatiker Eugen Tschirikow, der Verfasser des Dramas „Die Juden". Der Verstorbene, ein Niditjude. war ein Vorkämpfer der Emanzipation der russischen Juden. Lettland. Im Alter von 82 Jahren verstarb Mayer Feiwel Getz, der „gelehrte Jude von Wihia" (das war der Titel des Regierungssachverständigen in jüdischen Angelegenheiten im zaristischen Rußland). Cetz, Verfasser mehrerer Bücher über die jüdische Frage in Rußland, war lange Zeit Lehrer für hebräische Sprache sowie für jüdische Geschichte am Wilnaer Lehrerseminar. Polen. In Galizien gibt es gegenwärtig 102 jüdische Kreditgenossenschaften mit 42 000 Mitgliedern und einem Kapital von 16% Millionen Zlotv. — Bromberg. Der Jude Barudi Berliner, der von Huligans angegriffen war und in der Not%\'ehr einen Sdiufi auf sie abgegeben hatte, wurde zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Rumänien. Bukarest. König Carol II. von Rumänien spendete die Summe von 10 000 Lei für jüdisdie Wonlfabrtsz wecke. — Der Magistrat der Stadt Bukarest bewilligte den Schulen der jüdischen Gemeinde Bukarest eine Beihilfe von 200 000 Lei. — Soroca. In der Nähe der bessarabisdi-russischen Grenze wurden fünf junge jüdische Männer und ein Mäddien unter dem Vorwand, sie seien Kommunisten und hätten die sowjetrussisdie Grenze übersdireiten wollen, von Grenzge.ndannen aufgegriffen, ersdiossen und beraubt. Amerika. Boise. Im Alter von 78 Jahren verstarb' der frühere Bürgermeister von Boise im Staate Idaho, Moses Alexander. Der Verstorbene war der eiste aus Deutsdiland eingewanderte Jude, der in Amerika den Posten eines Gouverneurs bekleidete. — Detroit. Der Jude Hermann Radner hat eine Volksküche eingeriditet, in der täglidi 1200 Arbeitslose reidilichcs und gutes Mittagessen unentgeltlidi erhalten. — New York. Die Zahl der jüdisdien Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten von Amerika hat sidi gegenüber dem Vorjahre um 42,8% vermehrt. — Seil dem Jahre 1901, dem Gründungsjahre des „K e r e n K a j e in e t h Lejisrael" wurden im ganzen 16 Millionen- Dollar für diesen Fonds gesammelt, davon 5 Millionen in Amerika; von dieser Summe wurden 320 000 Dunam Boden in Palästina für Juden gekauft. — Der vor kurzem verstorbene Inhaber des Warenhauses Altman, Colonel Michael Friedsam, hat dem Metropolitan Museum of Art seine Kunstsammlung im Werte von rund 10 Millionen Dollar vermacht. — Im Alter von 69 Jahren verstarb der jüdisdie Philantrop Julius Rosen wald, der während seines Lebens etwa 55 Millionen Dollar für diaritaiive, religiöse und erzieherische Zwecke ausgegeben hatte. Vor einigen Monaten hatte der Verstorbene dem Berliner Magistrat eine Million Dollar zur Erriditung einer Sdiuizahnklinik zur Verfügung gestellt. — 63jährig versdiied der Präsident der „International Acceptance Bank", Paul M. W a r - bürg, ein Angehöriger der bekannten Hamburger Bankierfamilie. Der Verstorbene, der zu den bedeutendsten amerikanischen Finanzgenies gehörte, hat sidi große Verdienste um die wirisdiaftliche Wiederannäherung zwischen Deutsdiland und Amerika erworben. Seiner rastlosen Tätigkeit verdankt Amerika audi die Sdiaffung des ..Federal Reserve System", an dessen praktisdicm Ausbau er mehrere Jahre arbeitete- — Washington. In den Jahren 1921 bis 1930 sind 559 054 Juden nadi den Vereinigten Staaten gewandert. Asien Teheran. Der vor mehr als fünf Jahren verhaftete Vertreter der Juden im persisdien Parlament, Sdnnuel Jedieskel Chaim, der besdiuldigt war, an einer Versdiwörung gegen den Schah teilgenommen zu haben, wurde vor kurzem hingerichtet. Palästina Jerusalem. Der an der Hebräisdien Universität zu Jerusalem gestiftete Lehrstuhl für internationalen Frieden wurde mit Norman Bentwidi, dem früheren Chef des Justizdepartemenls der Palästinaregierung, besetzt. — Herr J. Maimon-Jerusalera hat unter dem Titel „Elef kizure miliin listenografia iwrit" ein Verzeidinis zusammengestellt, das 1000 stenographische Kürzungen für häufige Worte und Wortverbindungen im Hebräisdien enthält. Kürzlich winde dreizehn Studenten der Hebräisdien Universität, darunter zwei Frauen, der Grad eines Magisters verliehen. — Tel-Aviv. Zwisdien dem Stadtrat von Tel- Aviv und dem Chef der Palästina-Polizei wurde ein Abkommen getroffen, demzufolge die Polizei von Tel-Aviv auch in der Zukunft nur aus Juden bestehen wird. — Der Magistrat der Stadt Tel-Aviv ernannte Lord Reading anlässlidi seines Besuches in Tel-Aviv zum Ehrenbürger. Nobel-Vorlesung. Die diesjährige Nobel-Arorlesung fand am 9. Januar statt und wurde im Namen des Freien Jüdisdien Lehrhauses von Dr. Eduard Strauß mit kurzen Gedenkworten eröffnet. Sodann hielt Rabb. Dr. Dienemann (Offenbadi) die Vorlesung über einen herrlidicn Midrasdi (aus Midrasdi rabba zu Edia), der eine Auseinandersetzung der Erzväter mit Gott zum Gegenstand hat. Der ganze, sehr ausgedehnte Midrasdi wurde aus dem Original übersetzt und ließ für sidi allein ein großartiges Bild des lebendigen Verkehrs mit Gott und der ständigen Gegenwart der Gestalten unserer Gesdiidite erstehen. An die Wiedergabe des Originals schloß üienemann eine sehr tiefgreifende Erläuterung, in der er die religionsgesdiichtlidie Bedeutung des Midrasdi würdigte. Es kam zu klarem Ausdruck, wie hier die Beziehung zwisdien Riditen und Erbarmen nadi jüdisdier Ansdiauung als eine unlösbare Verbindung ersdieint, wie aber auch das Rechten mit Gott von Hiob an bis zur Kabbala und den Chassidim als eine der Formen jüdisdier Religiosität anzusehen ist, und sdiließlidi wie großes Gewidit auf die Erhaltung der Juden als Träger der Thora gelegt wird. Die meisterliche Vorlesung hinterließ tiefen und lang nadiwirkenden. Eindruck. Rabbinisdie Lehranstalt „Jesdiiwa" Das Sommersemester an der unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann stehenden Rabbinisdien Lehranstalt „Jesdiiwa" beginnt am 2. Jjar, Sonntag, den 8. Mai 1932. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden sdion jetzt entgegengenommen. — Der Unterridit erstreckt sidi auf: Bibel, Hebr. Grammatik, Talmud mit Kommentaren und Sdiuldian Arudi. Den Schülern wird cventl. Gelegenheit geboten, sich in profanen Fädiern unter fadigemäßer Leitung fortzubilden. . Für den Lehrgang in der Vorbereitungsklasse und der Unterstufe werden sdiulentlassene Knaben und Jünglinge aufgenommen, die schon einige Kenntnisse in Misdina und Talmud besitzen. Anmeldungen sind zu riditen an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt ,;Jesdiiwa", Frankfurt a. M„ Theobaldstraße 6, weldies zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Talm ud-Thora-Verein Einladung zur ordentlidien Generalversammlung des Talmud -Thora-Vereins am Sonntag, den 15. März d. J., nadi dem Abendgotic-sdienst im Hörsaal der Synagoge am Börneplatz. Tagesordnung. 1. Beridu des Vorstandes 2. Beridit des Kassenführers 3. Beridit der Revisoren und Entlastung des Vorstandes 4. Neuwahl der satzungsgemäß aussdieidenden Vorstandsmitglieder 5. Versdiiedenes. Anträge zur Generalversammlung müssen bis spätestens 29. Februar an das Sekretariat, Theobaldstraße 6, eingereicht sein. Der Vorstand des Talmud-Thora-Vereins. Vortragsabend Eine junge, ungemein talentierte Schriftstelleiin, Frl. Dr. Sophie Kassel aus Leipzig, spradi unter starkem Beifall im Mäddienclub über moderne jüdische Dichtung. Die in den Vortrag eingefügten Beispieleost- und wesljüdischer Diditung gewährten einen guten üeberblick über die. Sdiöpfungcn zeitgenössisdier Dichter. Besonders eindrucksvoll gestaltete die junge Künstlerin Gedidite von Zutkermann und Morris Rosenfeld und vor allem Szenen aus dem Dybuk. Das ergriffene Publikum dankte sehr herzlidi für das Geboteue. Jüdisdier Arbeiter-Sportklub „Jask" Die diesjährige Generalversammlung fand am 2. Januar unter Teilnahme von 150 Mitgliedern statt. Der erste Vorsitzende A. Miodowsky behandelte in dem Hauptreferat die Spczialaufguhen der jüdisdien Arbeitersportler innerhalb der Arbeitersportbewegung. Im Jahre 1951 hat sidi der Verein ein eigenes Heim gesdiaffen, die Mitgliederzahl wurde auf 500 erhöht. Der Kassen- und Spielaussduißbericht wurde von Herrn Erbesfeld erstattet. Der Verein, der seine Tätigkeit mit einer Mannschaft begonnen hat, verfügt zurzeit über 15 Mannschaften, sowie eine Tisditennis- und eine Schadiabteilnng. Die Tätigkeit des Vorstandes wurde gutgeheißen und ihm Entlastung erteilt. Infolge des erweiterten Arbeitsgebietes mußte der Vorstand wiederum erweitert werden und besteht nunmehr ans 9 Personen mit A. Miodowsky als 1. Vorsitzenden. ^Kanalu. Wasserbau-Gesellschaft1 Bergerstr. 6 m. b. H. Bergersfr. 6 sorgt für Instandhaltung der Kanal- und Wasserleitungs-Anlagen. Carolus 43537/38|

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.