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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-02-01 · 6 (2.1932) · p. Seite 133

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
6 (2.1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 133 (sequence 15)
Language
German
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-^3-. (Fortsetzung von Seite 132) 133 Julius Goldschmidt geb. 20. März 1858 gest. 5. Januar 1932 / 26. Tebet 5692 ■ £ Jt*gt>.-« ■ - 'Kjtab . * In tiefe Trauer ist die Gemeinde und ihr Vors:and durch das Hinscheiden Julius Goldschmidts versetzt worden. Eben noch hatte er die Absicht geäußert, einer am gleichen Abend stattfindenden Vorstandssitzung beizuwohnen — aber die Vorsehung hatte es anders gewollt: niemals wieder sollte er den gegewohnten Gang in die Fahrgasse antreten, niemals wieder den ihm ans Herz gewachsenen Ehrendienst für die Gemeinde verrichten. Väterlicherseits aus Grebenstein, von der Mutter Seite aus Altfrankfurter Familie stammend, war Julius Goldschmidt seit 1874 in der Firma tätig, die sein Vater 1853 begründet hatte. Seit 1857, mit dem Eintritt Selig Goldschmidts, trug die Firma den Namen I. & S. Goldschmidt, und es war nicht zuletzt das Verdienst des Heimgegangenen, der ihr nahezu 60 Jahre angehörte, daß sie auf dem Gebiet des internationalen Kunsthandels Weltruf erlangte. Zwei Seiten der Persönlichkeit Julius Goldschmidts werden allen denen, die ihm nähertreten durften, unvergeßlich bleiben: die ruhige Sicherheit seines Urteils und sein gütiges, menschenfreundliches Wesen. Wenn er in Sitzungen oder im Gespräch seine Meinung äußerte, konnte die aus einer langen Lebenserfahrung fließende Ruhe und Besonnenheit niemals ihren Eindruck verfehlen. Alles Übertriebene und Radikale lag ihm fern, und darum verstand sich kaum jemand besser als er auf den Ausgleich widerstreitender Meinungen. Männer wie er sind in ihrem Beruf Tag für Tag vor die Frage „echt oder unecht" gestellt, und daher mag es kommen, daß er den Maßstab der Echtheit auch an die Dinge anlegte, die er in seiner außerberuflichen Tätigkeit zu beurteilen hatte. Es entsprach diesem angeborenen Sinn für das Echte, dem er seine Meisterschaft im Bewerten von Kunstwerken verdankte, daß er allem falschen Prunk abgeneigt war, daß er immer die einfachen und geraden Lösungen suchte. Eben diese Geradheit in seinem Wesen verhalf ihm zu seinem großen Einfluß, wo immer er wirkte. Man wußte, daß man sich auf ihn verlassen konnte; aber nicht nur wegen der Echtheit seiner Gesinnung, sondern auch wegen seiner vorbildlichen Pflichtauffassung. Das Ehrenamt war für ihn nicht ein Luxus, den man sich nebenher und wenn es gerade paßt, leistet, sondern ein ernster Dienst an der Gesamtheit, der mindestens so ernst genommen zu werden verdient wie der Beruf. Nach dieser Richtung und auch in der vornehmen äußeren Erscheinung hatte er etwas in seiner Art, was an unsere t...».-•>•.:*;! ■ -^s*2?3 i,? , - *^~5S§ •: '1o,j5 ' Jl historischen „Schtadlanim11 erinnerte. So hatte das Wort Gemeinde für ihn einen ganz besonderen Sinn: sie war ihm eine konkrete Lebensaufgabe, der er sich mit Kopf und Herz rückhaltlos widmete, ganz besonders seitdem er 1917 in den Vorstand eingetreten war. Noch höher aber als dies alles stand seine Menschlichkeit. Er war sehr gütig, und es war nicht schwer, an sein Herz zu rühren. Für Schlechtigkeit fehlte ihm jedes Verständnis. Seine Menschenfreundlichkeit war wohl noch dadurch gesteigert, daß sein Leben ihn mit Menschen aller Art zusammenführte, mit ganz hochgestellten und ganz armen, und daß er das Wertvolle zu sehen gelernt hatte. So besaß er auch die seltene Eigenschaft, die Leistung anderer anzuerkennen, lieber nichts konnte er sich begeisterter äußern, als wenn er irgendwo tüchtige Arbeit am Werk sah, wenn die Hingabe an eine Sache, die ihn selbst bei seiner vielseitigen gemeinnützigen Tätigkeit so sehr auszeichnete, bei anderen von ihm beobachtet wurde. In der Tradition seiner Vorfahren aufgewachsen, bewahrte er stets eine echte, ungekünstelte Frömmigkeit, das l'eben von Wohltätigkeit verstand sich für ihn von selbst. Bei allem war er eine sehr einfache Natur, bis zuletzt von Freude am Leben und an den Schönheiten derWelt erfüllt. Zwei besonders große Freuden standen ihm für dieses Jahr bevor: die goldene Hochzeit und die Einweihung seines Museums in dem umgebauten Gemeindehaus. Es war ihm nicht beschieden, diese beiden Höhepunkte zu erreichen, aber es mag ein Trost für die Gattin, die den treuen, ritterlichen Gefährten, für die Kinder, die den liebevollen Vater verloren haben, und für uns alle sein, daß er die Vorfreude noch kosten durfte. Nun hat er seine klugen gütigen Augen für immer geschlossen. Es ist an uns allen, den Namen dieses teuren Mannes in Ehren zu halten, seinem Vorbild selbstloser Pflichterfüllung nachzuleben. Er ruhe in Frieden! Bei der Beisetzung, die unter außerordentlicher Beteiligung am 6. Januar in der Ehrenreihe des neuen Friedhofs stattfand, hielt ilabbiner Dr. Hoffmann die Grabrede und Jusfizrat Dr. ßlau den Nachruf des Genu'indevorstunds. Außerdem .sprachen die Herren I. 15. Levy für Frankfurt-Loge und „Ach'uwa", Julius Bloch für den Hilfsverr.in der deutschen juden, Dr. Richard Merzbach für den Vorstand und Verwalter Seckbach für die Insassen des Guuipertxscheii Siechenliause.s. Prof. Freimann und ein Zögling für das Israelitische Kinderheim in Diez. Dr. Felix Kauffir.ann für die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, die Israelitische Manner- und Fratienkussc und den Verein „Malbisch Arumim". Deutschland Aschaffenburg. Am 9. 1. verstarb unerwartet Distriktsrabbiner Dr. Raphael Breuer, ein Sohn von Rabbiner Solomon Breuer und Enkel Samson Raphael Hirschs. — Berlin. Unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Justizrat Dr. Blau-Frankfurt a. M. hielt die Exekutive der „Gesellschaft fürjfidische Aus Wanderung, HIAS-ICA-EMIGDIRECT (HICEM)" ihre jährliche Budgetsitzung ab, an welche sich eine Beratung über aktuelle Wanderungsfragen, u. a. die der Rückwanderung von in Frankreich arbeitslos gewordenen östlichen Glaubensgenossen in ihre Heimat,'anschloß. — ,,1932, das Jahr der Entscheidungen", war das Thema dreier großer Kundgebungen, welche der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" am 16. 1. veranstaltete und in denen Vorkämpfer für die Idee des C. Y. zu den politischen Tagesfragen Stellung nahmen. Unter dem Vorsitz von Moses Goldmann wurde am 17. 1. die VII. Konferenz des „Reichsverbandes der ostjüdischen Organisationen in Deutschland" abgehalten. — Am 21. 1. wurde der Arzt und Schriftsteller Julius Levin 70 Jahre alt. Levin ist auch ein hervorragender Geigenbauer. — Am 20. 1. vollendete Rabbiner Dr. Samson Weisse, Mitbegründer der Religiösen Mittelpartei und ihr Vertreter in der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde, sein 75. Lebensjahr. — Dessau. Der Magistrat der Stadt Dessau hat mit großer Mehrheit den nationalsozialistischen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes angenommen. — Frankfurt a. M. An Stelle des in den Ruhestand getretenen Herrn Baruch Stern wurde Lyzcaloberlehrer Karl Ochsenmann zum Rektor der Israelitischen Volksschule ernannt. — Groß- Rohrheim. Herr M a x Hochschild aus Baltimore Md., der aus Groß-Rohrheim (Hessen) stammt, stiftete bei seinem letzten Aufenthalt in Deutschland zugunsten bedürftiger Bewohner seiner Heimatgemeinde eine ewige Jahresrente von 500 GM. jährlich. Das Kapital für diese Rente ist in Baltimore festgelegt. Die hochherzige Stiftung gilt hauptsächlich zur Zahnpflege von Kindern und zur Beschaffung von Heizmaterial für Bedürftige. — Güstrow. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte einen nationalsozialistischen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes ab. — Hamburg. Bei einem Ueberfall auf die größte Synagoge Hamburgs, die Synagoge am Bornplatz, wurden 6 Fensterscheiben der Wochentagssynagoge zertrümmert. — Zwei junge Rohlinge haben auf dem jüdischen Friedhof mehrere Grabsteine mit Gewalt umgerissen und einige von ihnen beschädigt. Sie wurden zu Gefängnisstrafen von 9 bezw. 6 Monaten verurteilt. — Hannover. Die Kultussteuer fUr das Etatjahr 1931—32 wurde auf 14% der Reichseinkommensteuer festgesetzt. — München. I Herrenstoffe Oute Ware und doch billig nur im Tuchlager A. Frankel STIFTSTRASSE 7 ein« Treooe Lagaroesuch sehr lohnend

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