Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 6 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 132 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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132 weise haben die Herausgeber diesem hebräischen Teile die Reproduktion der Morenu-Urkunde vorangestellt, die Rosenheini von den Führern der A. J. im Jahre 1929 überreicht wurde. Dr. Chone, Nachmanides. Nürnberg 1930. 120 S., br. M. 4.—. — Es ist sehr begrüßenswert, daß uns in vorliegender Arbeit eine Würdigung von Rabbi Moses ben Nachman gegeben ist: war er ja einer der Führer seiner Zeit sowohl im außenpolitischen Leben der spanischen Juden als auch im innerpolitischen Kampfe um die Schriften des Maimonides. Einen sehr großen Raum in diesem Werk nimmt die Darstellung des philosophischen Systems des Nachmanides ein. Dem Buche geht eine vielleicht sogar zu eingehende Schilderung der Zustände unter den Juden Spaniens während des 12. und 13. Jahrhunderts voraus. Es ist sehr dankenswert, daß hier der Versuch gemacht wurde, eine volkstümliche Darstellung zu geben; damit rechtfertigt es der Verfasser einleitend, daß er alles wissenschaftliche Beiwerk weggelassen hat. Dem Stil, in dem das Buch geschrieben ist, hätte es vielleicht mehr entsprochen, wenn wenigstens kurz auf die Quellen hingewiesen worden wäre, besonders da der Verfasser Nachmanides in vielen Stelleu in Uebersetzung wörtlich zitiert. Das Sachregister und das bibliographische Verzeichnis verdienen besonders hervorgehoben zu werden. Im ganzen ist das Buch, das mit Unterstützung des Badischen Oberrats der Israeliten gedruckt wurde, wärmstens zu empfehlen. Ludwig Mareuse, Heinrich Heine. Ein Leben zwischen gestern und morgen. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin. 1932. 326 S. geb. Rm. 8.—. — Wenn man bisher geneigt war, Heinrich Heine als typischen Vertreter des „Jungen Deutschland" anzusehen, als einen Kämpfer gegen die wirklichkeitsfremde Romantik des „schwäbischen Auerbachtums", so wird man mit dieser Neu-Erscheinung der Heine-Literatur eines Besseren belehrt. Als wirklicher Lyriker ist Heine politikfremd, er „agierte nicht, er reagierte nur" (S. 214) und kommt somit, von Mareuse ungewollt, in die bedenkliche Nähe eines politischen Literatentums. Heine vertrat in der damaligen Welt einen Standpunkt, der heute unerhört aktuell wirkt, und den wieder sichtbar gemacht zu haben das besondere Verdienst dieses Heine-Buches ist. Es wird in diesem neuen Buch endlich begriffen, daß Heine nicht „isoliert" erkannt und verstanden werden kann. Die Bedeutung von Heines unglücklicher Jugendliebe mit Amalie (Molli) Heine ist in ihrem kardinalen Wesen für seinen Gesamtcharakter offengelegt. Originell zum mindesten ist die-Porträtierung Metternichs als eines kultivierten Politikers „zwischen Gestern und Morgen", wenn damit Heine als „Metternich der Literatur" begriffen werden solL Die etwas unklare Darstellung des Samt-Simonismus macht immerhin offenkundig, wo die Wurzeln des „hellenischen." Heidentums eines Heine zu finden waren. Die zusammengefaßte Darstellung über den „Verein für Kultur und Wissenschaft des Judentums" bietet manches Bemerkenswerte. Alle diese monographischen Feuilletons bilden ein neues Gesamtsystem, das dem Freunde Heinrich Heines das innere Verstehen dieser „schwankenden" Natur erleichtern solL Mareuse stellt ein Heine-System als Heine-Freund, innerlich geschlossen und durch Wahrscheinlichkeit überzeugend hin. Es kann ganz einfach im Leben Heinrich Heines nicht immer eine gerade Linie konstruiert werden. Mareuse empfindet das wohl selbst, wenn er feststellt: „Heines Worte dürfen nicht abgewogen werden wie wissenschaftliche Urteile, sie sind überbetont durch die Erregung", um dann aber sofort vor einer Bagatellisierung dieser Worte zu warnen, als ob sie nicht doch gerade manchmal ein Konglomerat subjektiver Stimmungen wären (S. 109). Leider wird am Schluß die leidige Denkmalfrage aufgerollt, deren an sich richtige Beantwortung als ein Rückfall in einen „mondsüchtigen" Romantizismus empfunden werden muß. Dr. Paul Arnsberg. Julius Hülsen, Der alte Judenfriedhof in Frankfurt a, M. Dieser Tage erscheint eine vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde in Gemeinschaft mit Frau Prof. Hülsen herausgegebene kleine Schrift über den alten Friedhof am Börneplatz nach einem Vortrag, den Julius Hülsen im Rundfunk gehalten hat. Die sehr instruktive kleine Schrift ist mit einer größeren Anzahl interessanter Abbildungen vorsehen und wird jedem Freund des alten Frankfurt willkommen sein. Bestellungen können an das Gemeindebüro, Fahrgasse 146. gerichtet werden. Persönliche Nachrichten 90. Geburtstag Eines unserer ältesten Gemeindemitglieder,' Frau Henriette St ei ii bürg, Oberlindau 108, wird am 11. Februar neunzig Jahre all. Frau Steinberg, die am 11. Februar 1S42 in Langenberg (Rheinland) geboren ist und schon Anfang der 70er Jahre mit ihrer Familie nach Frankfurt übersiedelte, erfreut sidi heute noch einer beneidenswerten geistigen und körperlichen Frische. Sie nimmt an allem, was ihre zahlreichen Kinder. Enkel und Urenkel angeht, regen Anteil, und wenn auch die Not der Zeit ihre Familie nicht verschont hat, so hat die Jubilarin in ihrer tiefen Gottesfurcht dodi immer den Glauben an eine glückliche Zukunft behalten. Mögen die Gebete, die sie lag für Tag verrichtet, erhört werden und der verehrten Jubilarin ein glücklicher Lebensabend beschieden sein! ^5 85. Geburtstag Am 6. Januar feierte Herr Lippmann Rothschild, Ederstraße i, m körperlicher und geistiger Frische seinen 85. Geburtstag. IJcr JuJula! war lange Jahre Mitglied des Synagogenvorstands in Bockenheim und Begründer einer Kolonialwaren-Großhandlung. 75. Geburtstag 1. Februar: Frau Rosa Oppenheimer, geb. Mannheimer, Krögerstrafie 3; 4. Februar: Frau Jakob Frenkel. geb. Landauer, Sandweg 9. , Todesfall * Am 26. Januar wurde ganz unerwartet Herr Harry Fuld aus einem ungewöhnlich tätigen und erfolgreichen Leben abberufen. Am 3. Februar 1879 in Frankfurt a. M. aus alteingesessener Familie geboren, hatte Harry Fuld dank ungewöhnlicher Fähigkeiten sich aus. eigener Kraft zu einem Wirtschaftsführer großen Formates entwickelt. Neben seinen vielseitigen geistigen und künstlerischen Interessen war er auch seiner sozialen Verpflichtungen stets eingedenk und dank der guten jüdischen Tradition, der er entstammte, aber auch aus eigener Ueberzeugung blieb er sich seines Judentums immer bewußt. Ein großer Wohltäter ist mit ihm allzufrüh dahingegangen, und auch die jüdischen Armen Frankfurts verlieren an ihm einen tatkräftigen und' großzügigen Helfer.. Er ruhe in Frieden! (Fortsetzung auf Seite 133) (phot. AI. t-. C. tit.ii) — Warme Küche duich den sparsamen neuen kombinierten Senking-Herd Ideales Braten und Backen I Ermäßig e Preise I Teilzäh&ftg E. 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