Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 6 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 130 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sitzungsbericht von Bürodirektor I. Meyer. Sitzung vom 28. Januar 1932. Herr Dr. Richard Merzbach eröffnet in Anwesenheit von 31 Gemeindevertretern und 6 Mitgliedern des Vorstandes die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende des schmerzlichen Verlustes, den die Gemeinde durch das Hinscheiden des stellvertretenden Vorsitzenden ihres Vorstandes, Herrn Julius Goldschmidt, erlitten hat. Der Vorsitzende führt u. a. aus: In den langen Jahren, in denen der Verstorbene dem Vorstand angehörte, haben wir ihn kennen und verehren gelernt. Er war so verwachsen mit der Gemeinde und hingegeben an deren Geschicke, wie Wenige. Trotz seines persönlichen religiösen Standpunktes besaß er ein hohes Maß von Toleranz auch anderen Anschauungen gegenüber, und das machte ihn zum geeigneten Führer einer jüdischen Einheits-, gemeinde. Er verband Klugheit mit praktischem Sinn und widmete diese Eigenschaften mit besonderem Erfolg den Verwaltungsgeschäften der Gemeinde. Er war ein königlicher Kaufmann mit weitem Blick, den er sich im Verkehr mit Menschen aller Kreise und aller Länder erworben hatte, und war kraft dieses Weitblicks und seiner großen geschäftlichen Erfahrung in allen . Angelegenheiten, die er mit der ihm eigenen Großzügigkeit übernahm, erfolgreich. Sein Hinscheiden bedeutet für die Frankfurter Gemeinde einen schweren Verlust. Sein Andenken wird in der Gemeinde unvergessen bleiben. Der Vorsitzende gedenkt ferner des Heimgangs des hochgeschätzten Rabbinatsassessors. Herrn L i p i n s k y, der sie]! besonders um die Ausgestaltung des Ritualwesens der Gemeinde große Verdienste erworben hat und sich durch seine gewinnende Persönlichkeit in allen Kreisen der Gemeinde großer Verehrung erfreute. Sein Andenken werde in der Gemeinde fortleben. Die Anwesenden haben sich zu Ehren der'Dahingeschiedenen von ihren Sitzen erhoben. Hierauf erfolgt die Wahl des Büros. Es werden gewählt: zum Vorsitzenden Herr Dr. Richard Merzbach, zu stellvertretenden Vorsitzenden die Herren Fromm und I. L. Goitein. zu Schriftführern die Herren Albert Cohen, Felix Meyer und Heinrich Gerlich. Es erfolgt ferner die Wahl der Kommissionen und Delegationen. (Eine Zusammenstellung wird in der nächsten Nummer des Blattes veröffentlicht.) In den Vorstand werden an Stelle der ausgeschiedenen Herren Dr. Simon Fromm und Julius Goldschmidt die Herren Professor Dr. Aron Freimann und Julius Werner, in den Vorstand der Krankenhaussynagoge Herr Siegfried Blank gewählt. Bezüglich der Beratung des Etats für das Rechnungsjahr 1932, welcher im Entwurf fertiggestellt ist, wird auf Antrag des Vorstands beschlossen, die Vorlage ohne vorherige Debatte an die Gemischte Finanzkommission zur Durchberatung zu überweisen. ACHDUTH Vereinigung gese'tzestrruer Juden Deutschlands, Otrsgruppe Frankfurt a. M. Beschaffung billiger Mazzen. Die Ortsgruppe der Achduth ist in der Lage, für Pesach an minderbemitlele Privatpersonen, die in Frankfurt a. M. wohnen, Mazzen und Mehl zu folgenden Preisen ab Mazzenbäckerei Heidestraße 79 hier zu liefern. 1. Mazzen in 5 und 10 Pfd. Rollen ä 44 Pfg. per Pfd. 2. Mazzenmehl abgewogen in Pak. ä 52 Pfg. per Pfd. Bedingung für die Lieferung ist, daß mindestens 5 Pfund Mazzen bezogen werden. Der Betrag für das bestellte Quantum ist gleichzeitig mit der Bestellung an Herrn S. Blanck, hier, Karl-FJeschstraBe 1, Postscheckkonto Frankfurt a. M. 33783 zu• überweisen. Bestellungen .sind bis spätestens 10. April 1932 erforderlich Der Vorstand: Dr. Schönberg, Vorsitzender Israelit. Knaben-Institut 7^ 47 p. Klibansky FRANKFURT A. M. Tel. Zeppelin 55595 Allererste Referenzen. Internat-Externat. Eine Interpellation des Herrn Dr. Arnsberg, welche Maßnahmen der Vorstand zur Produktivierung der jüdischen Erwerbslosen zu ergreifen gedenkt, wird von Herrn Bloch namens des Vorstandes in dem Sinn beantwortet, daß die Gemeinde, neben der tatkräftigen Unterstützung des Vereins Berufsberatung und Arbeitsnachweis durch eine besondere Kommission das Problem und die zu seiner Lösung gegebenen Möglichkeiten habe untersuchen lassen. Das Ergebnis dieser Untersuchungen lasse leider keine Zweifel, daß man infolge der ungeheuren Wirtschaftskatastrophe dem Problem ziemlich machtlos gegenüberstehe. Es werde alles versucht, um die geistige und materielle Not der Erwerbslosen zu lindern, so sei man auch in Gemeinschaft mit dem Arbeitsnachweis und dem Reichsbund für jüdische Siedlung daran gegangen, jüdische Erwerbslose an den von den Verwaltungen der Großstädte ins Leben zu rufenden Randsiedlungen zu beteiligen. Der Rechnungsabschluß für das Rechnungsjahr 1930/31, welcher' von der Gemeindevertretung geprüft worden ist, wurde genehmigt. Bekanntgegeben wurde ferner eine Z u - wendung des Herrn Louis Herzog für die Synagoge am Börneplatz. Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung-. Religiöses Schrifttum Besprochen von Rabbiner Dr. Josef Unna. N e' m a n , Praktisches Judentum. 174 S. Leipzig 1932, br. RM. 3.—. — Der Verfasser, der, wie auch in früheren Veröffentlichungen, seinen Namen nicht nennt, schildert in dem Vorwort seinen religiösen Lebenslauf; wie er, ans religiösem Hause stammend, durch die Lektüre atheistischer Bücher seinem Glauben entfremdet wurde. Das Andenken an seinen Vater und an seinen Lehrer brachte ihn nach schweren Kämpfen wieder zum Judentum zurück. Dies© Vorgeschichte ist für das Verständnis und die Beurteilung des Inhalts des Buches von Bedeutung. Es wird in diesem Buche in offenen Worten schärfste Kritik geübt an der religiösen Einstellung und der Praxis der meisten Juden (gemeint sind wohl die gebildeten Juden unseres Kulturkreises). Mit scharfem — vielleicht manchmal allzuscharfem — Blick erkennt der Verfasser die Mängel, die sich dem vorurteilsfreien Beobachter zeigen. So dürfen wir ihm an den Stellen des Buches, an denen er auf solche Mängel hinweist, fast ausnahmslos folgen, wenn auch manches als Uebertreibung empfunden wird. Anders aber bei den Verbesserungsvorschlägen, bei denen es sich oft ergibt, daß der Verfasser sich ganz von seinen Gefühlen leiten läßt. Hier kommt er auch manchmal zu der dem Kenner der jüdischen Geschichte nur allzugut verständlichen Inkonsequenz, wenn er nämlich einerseits am Alten festhalten will und andererseits seinen Gefühlen ganz Rechnung tragen zu müssen glaubt. Am deutlichsten tritt das Seite 25 hervor. Im ganzen regt das Buch zum Nachdenken an; es ist ihm daher Verbreitung vor allem unter unseren Führern zu wünschen. NAUMANN Die Grosse MARKE in Seifen jeder Art. Für Naumann's Kernseife «extrafeine Qualität» gibt es keinen Ersafe. Naumann's Feinseifen sind unerreicht in Körper sowie Parfüm und für die Gesundheitspflege direkt vorbildlich. «J*10* Wir liefern sämtlichen Bürobedarf für Heim, Büro und Verwaltung Heinrich Zeiss (Unionzeiss) A.-G. Frankfurt am Main, Taunusstrasse 8