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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-01-01 · 5 (1.1932) · p. Seite 116

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
5 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 116 (sequence 14)
Language
German
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116 Blau und Geheimrat Dr. Rosenmeyer gedachte. Der Festvortrag von Rabbiner Dr. Lazarus gab eine Ueberschau über die kulturhistorischen Entwicklungsstufen, die vom Humanismus zum politischen Liberalismus führten und diesem seine geistige Prägung gaben. Auf der Linie dieser Entwicklung lag die Pflege der Persönlichkeitskultur, durch die wiederum in die Sphäre des Religiösen der Begriff der Freiheit getragen wurde. Aus solcher Einstellung kamen Fritz Auerbach und seine Mitkämpfer zur Gründung des Vereins, der unter der Devise ..Religion und Freiheit" nicht nur den Kampf für die Gleichberechtigung des religiösen Liberalismus und gegen jede Gewissensbedrückung, sondern auch gegen die im Zeichen des wirtschaftlichen Aufstiegs zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Judentum führen sollte. Nicht, nur Trutzjudentum, sondern religiöses Judentum in freiem Rahmen war das Ziel, das die Gründer sich gesetzt hatten, und dem der Verein auch in Zukunft treu bleiben möge. Zum Schluß überbrachte JR. Dr. Blau die Glückwünsche des Gemeindevorstandes und dankte dem Verein für die erfolgreiche, positive Arbeit, die er im Interesse der Gesamtgemeinde geleistet habe. Besondere Weihe erhielt die Feierstunde durch Gesangsvorträge von Hans Assenheim, der mit seinem schönen und wohlgeschulten Bariton unter der stilsicheren Begleitung von Frank Rothschild zwei Arien vortrug. Chanukka-Feier der Jüdischen Wohlfahrtspflege. Audi in diesem Jahr hatte die Jugendfürsorge der Jüdischen Wohlfahrtspflege eine große Zahl der von ihr betreuten Kinder zu einer Chanukka-Feier am 7. Dezember eingeladen. Fast 400 Kinder waren anwesend. Nadi einer Ansprache von Rabbiner Dr. Horovitz wurden die Chanukka-Lichter entzündet und im Chor „Moaus Zur" gesungen. Sodann ergötzte Frau Liesel Simon die junge Schar mit ihrem Kasperle- Theater und fand damit stürmischen Beifall. Die finanzielle Notlage gestattete in diesem Jahr leider keine reichhaltige Beschenkung, doch erhielt jedes Kind eine Tafel Schokolade und außerdem einen Gutschein über ein Paar Schuhe oder ein warmes Kleidunesstück. Die Mittel hierfür waren zum Teil von der Frankfurter Volkshilfe, zum Teil von der Kinderschutzkommission der Weiblichen Fürsorge beschafft worden. Aus einer besonderen Sammlung, die von den Damen Anna Isaak, Johanna Stern und Amelie Picard veranstaltet wurde, erhielt die Jüdische Wohlfahrtspflege etwa 90 Paar Stiefel. Allen Förderern der Feier und der Sammlung sei auch an dieser Stelle herzlich gedankt. •. - - Gedächtnisausstellung. Die bis zum 15. Januar dauernde Ausstellung von Werken Julius Hülsens (JunghofStraße 12) wurde am 14. Dezember mit einer kleinen Feier eröffnet. Für die Vereinigung von Freunden der bildenden Kunst begrüßte Architekt Naumann die Erschienenen, worauf Stadtoberschulrat Hensse mit einer warmherzigen Ansprache, in der er die Verdienste Hülsens um die Frankfurter Volksbildung besonders hervorhob, namens der städtischen Behörden die Ausstellung für eröffnet erklärte. Die Ausstellung gibt einen wohlgerundeten Ueberblick über Hülseris umfangreiches Wirken als Kunstforscher und bildender Künstler und läßt noch einmal seine liebenswerte Persönlichkeit vor uns erstehen. ' Gedenkfeier. Im Verein für Geschichte und Altertumskunde hielt anläßlich der Jahresversammlung Dr. Julius C a h n eine Gedenkrede auf das verstorbene langjährige Vorstandsmitglied Prof. Dr. J u 1 i u s H ü 1 s e n. An e'ne warmherziep Würdigung des vielseitigen Wirkens des Heimgegangenen schloß sich die Mitteilung:, daß vom 14. Dezember bis 15. Januar im Hause Junerhofstr. 12 eine Gedächtnisausstellung veranstaltet wird. Schule der jüdischen Jugend. Im Januar besinnt eine Vortragsreihe über „Das deutsche Judentum" mit folgenden Themen und Referenten: 13. 1. 32. Ueberblick über die Geschichte der deutschen Juden seit der Emanzipation. (Dr. Karl Guargenheim.) 3. 2. 32. Die soziologischen Verschiebungen bei den Juden innerhalb und außerhalb Deutschlands. (Ernst Kahn.) 10. 2. 32. Die Organisation des deutschen Judentums. (Dr. Eu?en Mayer.) 24. 2. 32. Die Wirtschaftsnot der deutschen Juden. (Dr. Fritz M i 11 n e r.) 9. 3. 32. Die Juden und die politischen Parteien in Deutschland. (E. Holz er.) 23. 3. 32. Der Antisemitismus und seine Abwehr. (Dr. M. Mar x.) 6. 4. 32. Die Stellung des deutschen Zionismus im Weltzionismus und der Beitrat der deutschen Juden am PaläPtinaaufbau. (Dr. E Pomeranz.) 13. 4. 32. Relisriöse Frasren der Gegenwart: I. Gesetz und Freiheit. 4. 5. 32. E. Erbe und Gestaltung. (Räbb. Dr. S a 1 z b © r g e r.) 11. 5. 32. JJJ. Die jüdische Lehre und die religiöse Fragestellung der Gegenwart. (Dr. Nahum N. G1 a t z e r.) 18. 5. 32. Judentum und Deutschtum als dichterisches Problem. (Dr. H. Eppstein.) 25. 5. 32. Die jüdische Jugendbewegu^s Deutschland. (Georg Guthmann.) Die Einschreibegebühr für die Vortragsreihe von 12 Abenden beträgt RM. 2.—, für den einzelnen Abend 25 Pfg. Von Fall zu Fall kann die Gebühr ermäßigt oder erlassen werden. Wir machen gleichzeitig aufmerksam auf unsere laufenden Veranstaltungen: Arbeitsgemeinschaft: Jüdische Geschichte. (Dr. N. Glatzer.) Hebräischkurse gemeinsam mit der hebr. Sprachsehule. Es bestehen 4 Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, geleitet von Frau Fraenkel, Frl. Awaschanska und Herrn Kaczalski. — Auskunft erteilt Dr. Karl Guggenheim, Eschenheimer Anlage 30. Jüdische Erziehungsberatungsstelle. Beratung für-Eltern und Kinder bei Erziehungs- und Schul- Schwierigkeiten, Eschersheimer Landstr. 65 (Jugendheim). Die Beratungen sind unentgeltlich und streng vertraulich. Auskunft erteilen: die Leiterin Frau Dr. Alice Schaumberg, Eckenhedmer Landstr. 17, sowie die Mitglieder des pädagogischpsychologischen Ausschusses des israelitischen Lehrervereins, Mittelschullehrer Julius Flörsheim, Koselstraße 32, und Lehrer Alfred Speyer, Baustraße 5. Um unnötiges längeres Warten in der Sprechstunde zu vermeiden, ist vorherige Anmeldung erwünscht. Jugenddienst. Die Zentralstelle Jugenddienst (nachgehende Fürsorge) des Jüdischen Frauenbundes Frankfürt a. M. will allen alleinstehenden Jugendlichen eine beratende Helferin zur Seite stellen. Anfragen und Mitteilungen an die Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Langestr. 3. Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben. Im Rahmen eines Vortragszyklus „W eltanschauung undWirtsehafts form" spricht Herr Prof. Julius Gutmann-Berlin im Empfangssaal der Westendsynagoge, Freiherr-vom-Stein-Straße 28/32, am 13. Januar 1932, abends 8*A Uhr, über das Thema „Religiöses Ethos und wirtschaftlicher Rationalismus". Verein selbst, israel. Handwerker und Gewerbetreibender E. V. Aus dem Tätigkeitsbericht des Vereins für das Jahr 1931 geht hervor, daß der Mitgliederbestand erhalten werden konnte. Es fanden 2 Hauptversammlungen, 7 Mitgliederversammlungen und 10 Vorstandssitzungen statt. Eine Rechtsberatungsstelle für alle juristischen Fragen steht den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung;; außerdem werden Auskünfte über Kreditwürdigkeit von Kunden, sowie Steuer, Buchhaltung, soziale Lasten, Fragen wirtschaftlicher Natur erteilt. Verbilliege Inseratenaufnahme im Gemeindeblatt und Israelitischen Familienblatt Avurde durch ein Vereinsabkommen ermöglicht. Die Jüdische Leihkasse gewährte in verschiedenen Fällen Darlehen. — Auch die Arbeit der Frauengruppe war in dem Berichtsjahr äußerst ausgedehnt. Die alljährliche Chanukkafeier fand am 6. Dezember unter großer Anteilnahme statt. Für erkrankte Mite-lieder wurde aus den Reihen des Vereins wiederholt Hauspflege gestellt. Jüdische Arbeitsvermittlung. Männlich. I Herrenstoffe Oute Ware und doch billig nur im Tuchhger A. Frankel STIFTSTRASSE 7 eine Treooe Lag«rocsuch sehr lohnend Unsere kaufmännische Sprechstunde findet jeweils Dienstag und Donnerstag von. 9—11 Uhr Eschersheimer Landstraße 65 statt. Telephonische Anfragen und Korrespondenzen weiterhin an das Hauptbüro Langestraße Nr. 30, pt. Wir suchen tüchtige, branchekundige Reisende für Berufskleider, Luxus- und Galanteriewaren, Photoartikel, Weine und Liköre, Zeitungsakquisiteure für Frankfurt und Umgebung, ledigen Filialassistenten, 20—30 Jahre, für Metzgerei, jungen geübten Goliathfahrer, stadtkundigen Milchburschen, 18—20 Jahre, junge Packer. Wir vermitteln kaufmännische Kräfte; gelernte und ungelernte Arbeiter. Wir suchen Lehrstellen für handwerkliche Lehrlinge; kaufmännische Lehrlinge. Beachten Sie unsere S ehr e i b s t u b e. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E. V., Langestraße 30, pt. Telephon: Hansa 26162 u. 28248. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E. V. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß im Jahr 1930 6022 Arbeitsgesuche, davon 3263 Neuanmeldungen, vorlagen. Gemeldet -waren 1888 offene Stellen, wovon 1633 durch Vermittlung besetzt werden konnten. Von den 28 großen Berufsgruppen erstreckten sich die Vermittlungen auf 22, womit sich die irrige Meinung widerlegt, daß nur Kaufleute, aber keine Handwerker und sonstigen Berufe gemeldet seien. 226 Berufsberatungen wurden erteilt, die Hälfte der Ratsuchenden konnte

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