Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 5 (1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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113 (Fortsetzung von 112) diesem Land gewarnt. — Unter dem Vorsitz von Bernhard Lecache wurde kürzlich der 2. Kongreß des französischen Landesverbandes der „Internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus" abgehalten. — In der Jahresversammlung des „Consistohe Juif" wurden zum erstenmal ausländische Juden, darunter Baron Alfred Ginsbourg und der Zionistenführer Jizchak Naiditsch, zu Mitgliedern dieses Gremiums gewählt. — Im Alter von 63 Jahren verstarb in Paris Rabbi Jules Bauer, Direktor des französischen Rabbiner-Seminars. Italien. Der Professor an der Universität Padua, Enriquez, ■ erhielt für sein Werk über die Mendetschen Theorien den diesjährigen Preis der Papstlichen Wissenschaftlichen Akademie, den ihm der Papst selbst überreichte. — Kürzlich verstarb in Rom der Theoretiker und Mitbegründer des faszistischen Syndikalismus, Professor Angiolo Olivetti, ein Freund und Mitarbeiter Mussolinis. England. In der englischen Hauptstadt leben etwa. 1 0 00 persische Juden, die drei Synagogen besitzen und kürzlich eine „Gemeinschaft der persischen Juden" gegründet haben. — Bei einem Bankett zu Ehren Weizmanns wurden 9000 Pfund für den Keren Hajessod gesammelt. —"Die vor kurzem verstorbene Lady Battersea, eine Tochter von Sir Anthony de Rothschild, hat 13 500 Pfund für jüdische Zwecke hinterlassen. — Zum ehrenden Andenken des Professors an der Universität London und Mitbegründers der Britischen Akademie, Sir Israel Gollancz, wurde ein Gollancz-Fonds geschaffen. Dänemark. Im Alter von 84 Jahren verstarb in Kopenhagen der Schriftsteller und Politiker Edvard Brandes, der sich in seiner Jugend viel mit Hebräisch befaßt und auch einige Uebersetzungen aus diese* Sprache veröffentlicht hat. Tschechoslowakei. Zum Andenken an den bekannten Ingenieur und Philosophen Josef Popper-Lynkeus wurde an seinem Geburtshause in Kolin eine Tafel mit seinem Bildnis angebracht. Ungarn. Unter den ungarischen Juden ist ein starker Geburtenrückgang zu verzeichnen, jedoch kommen uneheliche Geburten verhältnismäßig selten vor. Polen. Im Alter von 102 Jahren verstarb in Kielce der älteste polnische Jude, Leib Lefkowitz. — Lemberg. 98 Jahre alt, verschied Dr. Reuben Bierer, einer der bekanntesten Wegbereiter der zionistischen und modernen hebraistisdien Bewegung. Rußland. Moskau. In den Jahren 1926 bis 1930 hat der sowjetrussische „Verband zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden" („K o m z e t") für seine Arbeit etwa 5 Millionen Rubel ausgegeben, davon 902 251 Rubel für landwirtschaftlichen Aufbau. 2 195 980 Rubel für Industrialisierungsarbeit, 1 029 271 Rubel für Maschinen an Einzelpersonen und 248 381 Rubel für Berufsausbildung. In den Monaten Dezember 1931 bis Februar 1932 sollen von „Korazet" 2700 jüdische Familien in den jüdischen Rayons der Ukraine neu angesiedelt werden. — Für Biro-Bidschan ist von „Komzet" folgendes Ausgabenhudget aufgestellt worden: Im Jahre 1932 sollen 30, im Jahre 1933 60 Millionen Rubel von der Regierung für landwirtschaftliche und industrielle Arbeit investiert werden. Die Zahl der Lohnarbeiter, die gegenwärtig 9 500 beträgt, soll 1932 auf 18 000 und 1933 auf 30 000 gebracht werden. Die Zahl der in landwirtschaftlichen Kollektiven vereinigten Familien, die jetzt (die nichtjüdischen inbegriffen) 4 060 beträgt, soll 1932 auf 6 200, 1933 auf 8 000 gebracht werden. Heute leben in Biro-Bidschan 5 500 jüdische Seelen; diese Zahl muß 1932 auf 17 500, 1933 auf 57 000 gebracht werden. Der Beschluß der Regierung über die Gründung einer jüdischen national-territorialen autonomen Einheit in Biro- Bidschan wurde vom Zentral-Exekutivkomitee der Sowjetunion ratifiziert. Rumänien. Die von dem rumänischen Kultusministerium den jüdischen Institutionen gewährte Unterstützung beträgt in dem neuen Finanzjahr 8 606 255 Lei. — In den öffentlichen Schulen, sowie in den mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestatteten Privatschulen Rumäniens, die von jüdischen Kindern besucht werden, wurde jüdischer Religionsunterricht eingeführt. — Der Gemeinderat der Stadt Bukarest erhöhte die Subvention für die jüdische Wohlfahrtspflege von 60 000 auf 150 000 Lei. — In Anwesenheit eines Vertreters des Königs sowie der staatlichen und kirchlichen Behörden wurde am 20. 12. die Feier des 200"[ührigen Bestehens der sephardischen Gemeinde von Bukarest begangen. — Der jüdische Senator und Direktor der Banca Moldova, W. Dinerman, einer der hervorragendsten Wirtschaftsführer Rumäniens, wurde zum Mitglied des Obersten Rumänischen Rates für Arbeitsfragen ernannt. Türkei. Der türkische Unterrichtsminister hob die Regierungsverordnung, wonach in den jüdischen Schulen am Sabbat unterrichtet werden mußte, auf. — Im Alter von 78 Jahren verstarb der Vorsitzende des „Beth Din" in Konstantinopel, Rabbi Jizchak Elieser Ariel. Amerika. Montreal. Der Erzbischof von Montreal hat mit dem Rabbiner des Tempels „Emanu-El" Maßnahmen zur Bekämpfung des Antisemitismus in Kanada besprochen. — New York. Vor einiger Zeit wurde das verloren geglaubte Originalmanuskript des 3. Teiles des „More Nebuchim" von Maimonides entdeckt und der Bibliothek des „Theological Seminary of America" geschenkt. — Aus den Berichten, welche auf der vor einiger Zeit stattgehabten Delegierten-Versammlung der jüdischen Farmer der Vereinigten Staaten erstattet wurden, geht hervor, daß die Lage der jüdischen Farmer Amerikas weit besser ist als die der städtischen jüdischen Bevölkerung. — Das ,.A merican JewishjCommitte e", das von Louis Marshall zum Schutze der Rechte der Juden in der ganzen Welt gegründet wurde, kann in diesem Jahre auf ein 25jähriges Bestehen znrmkblirken. — Das jüdische Mitglied des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, Samuel Dickstein, wurde zum Präsidenten der Einwanderungskommission des Repräsentantenhauses gewählt. — Syrakus. Zu Ehren des vor ungefähr zwei Jahren verstorbenen Führers der amerikanischen Juden, Louis Marshall, wurde in seiner Heimatstadt Syrakus ein Institut errichtet, das. seinen Namen tragen wird. Palästina. Die letzte Volkszählung hat ergeben, daß in Palästina 759952 Moslems, 175 006 Juden, 90 607 Christen und 9 589 Angehörige anderer Konfessionell leben. — In Jerusalem wohnen 90 526 Personen, davon sind 51 300 Juden, 19 850 Moslems und etwa 19 000 Christen. — Im Jahre 1930—31 betrugen die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds nur 225 286 Pfund; dies bedeutet gegenüber denen des Vorjahres eine Abnahme von 49 225 Pfund. — Von den Siedlungen, weiche der Keren Hajessod auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds errichtet hat, können 13 bereits sich selbst erhalten und der geldlichen Unterstützung von Seiten des Nationalfonds entbehren. — In J e r'u s a 1 e m gibt es 255 Synagogen, 55 jüdische Schulen, 36 rituelle Badeanstalten und 5 jüdische Hospitäler. — Der gegenwärtig in Jerusalem tagende islamitische Kongreß beschloß u. a. die Begründung einer Moslem-Universität in Jerusalem. — Anläßlich seines letzten Besuches Palästinas schenkte Professor Franz Oppenheimer der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem etwa 850 Bücher und 1000 Broschüren. — Das Komitee des auf Veranlassung von Max Warburg-Hamburg gegründeten O e k o n o - mischen Archivs für den Nahen Osten, das eine systematische Sammlung aller aut den Nahen Osten bezüglichen ökonomischen Arbeiten bezweckt, hielt kürzlich seine erste Sitzung ab. Inventur- Ausverkauf Beginn Montag, 4. Januar Aussergewöhnlich billige Preise Wagener & Schlötel Goethestrasse 9—11 -----.....-......... . J Persönliche Nachrichten Baron Hirsch Am 9. Dezember jährte sich zum hundertsten Male der Geburtstag des großen Philanthropen Baron Moritz von Hirsch auf Gereuth. Schon in jungen Jahren wurde er Leiter der Pariser Filiale des Bankhauses Bischoffsheim & Goldschmidt und betätigte sich früh auf jüdisch-sozialem Gebiet. So ermöglichte er durch große Spenden den Ausbau des Schuiwerkes der „Alliance Israelite Universelle". Das größte Verdienst erwarb er sieh aber durch Gründung der „J e w i s h Colonisation Association (ICA)u, die dank seiner unvergleichlichen Opferfreudigkeit Hunderttausenden verfolgter und unterdrückter Glaubensgenossen eine neue Heimat geschaffen hat und weiter schafft. Nach, der Stiftungsurkunde der ICA ist die Israelitische Gemeinde Frankfurt a. M. Aktionärin der Gesellschaft und. im Verwaltungsrat durch ein Mitglied vertreten. Noch weitere große Fonds verdanken Baron Hirsch, dem seine hochgesinnte Gattin, Baronin Clara geb. Bischoffsheim, fördernd zur Seite stand, ihr Dasein, so der „Hirsch'sche Schulfonds zur Förderung der beruflichen Erziehung der gaiizischen Juden" und der „Baron-Hirsch-Fonds in New York", dem die Aufgabe zuteil wurde, in Amerika eingewanderten Ostjuden eine landwirtschaftliche und technische Ausbildung angedeihen zu lassen. Ein Wort, das Moritz von Hirsch ausgesprochen, nachdem sein einziges Kind frühzeitig verstorben war, sei hier ins Gedächtnis gerufen: „Ich habe meinen Sohn, nicht aber meine Erben verloren". Die ganze Judenheit segnet das Andenken ihres großen Sohnes! In Paris wurde unter dem Vorsitz des Barons Alfred von Ginzburg eine große Gedenkfeier abgehalten, bei der eine Reihe von Rednern die Verdienste des Baron Hirsch, vor allem um die Erhaltung der Judenheit im Osten und um die Erschließung neuer Aufenthaltsländer eingehend würdigten. 80. Geburtstag 16. Dezember, Frau J u 31 i n e Beckhardt, Oberlindau 82. 27. Dezember, Herr David Herrmann. Niedenau 51. Dem um den Talmud Thora-Verein und die Jeschiwa verdienten alten Herrn wurde bereits anläßlich seines 75. Geburtstages durch Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann der Chower- Titel verliehen. 25. Januar, Herr Felix Blumenthal, Seilerstraße 13. 70. Geburtstag 26. Dezember, Herr Isaac Heimann, Rückertstraße 52, Mitbegründer und Teilhaber der Firma A. Heimann Söhne, Maschinen und Werkzeuge. Herr Heimann hat sich um den Talmud Thora-Verein und den Jüdischen Nationalfonds große Verdienste erworben. Goldene Hochzeit Herr William Rosenfeld und Frau Dina, geb. Wolf, Neuhofstraße 7, konnten am 29. Dezember 1931 das Fest der Goldenen Hochzeit begehen. Silberne Hochzeit Am 18. Dezember feierten Herr Gemeinderabbiner Dr. J a k o b Horovitz und seine Gattin, Frau Lotte geb. Wiener unter großer Anteilnahme ihrer zahlreichen Freunde und Verehrer ihre silberne Hochzeit. Todesfälle Am 15. Dezember verschied Herr Leopold Levi, Mitinhaber der Firma M. L. Rosenstein & Co. Herr Levi, der in seinem Berufsstand besonderes Ansehen genoß, gehörte von März 1922 bis Ende 1924 der Gemeindevertretung an und hatte sich auch auf diesem Tätigkeitsgebiet durch seine ruhige und pflichttreue Arbeit allseitige Achtung erworben.