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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-11-01 · 3 (11.1931) · p. Seite 66

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
3 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 66 (sequence 12)
Language
German
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Czernowitz. Zufolge einer Verfügung: des Majors Chirescu, Schwiegersohnes <ies rumänischen Ministerpräsidenten Jorga, wurden 1*4 arme Juden, weiche die Fiüchtlingsbaractcen in Wiznitz bewonnen, aus diesen vertrieben. Litauen. Ein jüdischer Rechtsanwalt, der ehemalige Deputierte des Sejm, Dr. Jakob ilobinson, wurde in den Streitigkeiten zwischen Litauen und Deutschland vor dem Genfer Schiedsgericht mit der Vertretung der litauischen Interessen betraut. Polen. Die unter der jüdischen Bevölkerung Polens herrschende Wirtschaftsnot bewirkte, dass die Zahl der biiiulkinder, weiche an Lntkräftung sterben, in bedrohlicher Weise ansteigt. Die JSIot ist so gross, dass ein Drittel der jüdisciien Bevölkerung unterstützt werden muss. — Kürzlich wurde eine Liga zur Bekämpfung der Selbstmorde unter den Juden gegründet. — Die 915 Schulen der „Agudas Jisroei" in Polen werden von ungefähr luuüüü Schülern und Schülerinnen besucht. Russland. Moskau, in einem Bericht der Exekutive des „American Jewisn Congress" wird behauptet, dass Sowjetrussland das einzige Land der W elt ist, in welchem sicii im vergangenen Jahre die Lage der jüdischen Bevölkerung gebessert nat. — Die Kommission zur Aufstellung eines ihnwanderungsplans für Biro-Bidschan hat beschlossen, im Jahre 19^2 4üüi> jüdische Familien und 3000 Alleinstehende anzusiedeln. — Lydia Kowarskaja, einer jüdischen Lehrerin der staatlichen Meisterschuie für Trikotagefabrikation, wurde der Lenin-Orden, die höchste Auszeichnung in der Sowjetunion verliehen. — Dimitri S c h a - piro, ein Fachmann auf dem Gebiet des Wirtschaftslebens der Sowjetunion, wurde zum Leiter des staatlichen Wirtschaf tspianes der Sowjetrepublik Weissrussland ernannt. Amerika. Chicago. Zur Unterstützung jüdischer und nichtjüdischer Arbeitsloser hat der bekannte Philanthrop Julius Roseawald 250 000, sein Sohn 100 000 Dollar gespendet. — New York. In den Monaten Januar bis Juni 1931 wurden 45,8 Prozent jüdische Familien mehr unterstützt als in den gleichen Monaten des Jahres 1950; die Summe, welche während dieser Zeit an Unterstützungen bezahlt wurde, beträgt 1451897 Dollar gegen 1028 b94 Dollar in der Zeit von Januar bis Juni 1950. — Nach einer Mitteilung des Direktors des jüdischen Erziehungsrates in Chicago müssen die jüdischen Erziehungsanstalten in den Vereinigten Staaten ihre Ausgaben um etwa 10—25 Prozent vermindern. — Mit der Verwaltung des Arbeitslosenfo n d s von 20 Millionen Dollar wurde Jesse Straus, ein Neffe des verstorbenen Philanthropen Nathan Straus, betraut. — Laut Bericht des Statistischen Amtes leben gegenwärtig in Gross-New York 1 875 521 jüdische Seelen. Seit 1910 hat sich "die jüdische Bevölkerung •um 625 586, seit 1920 um 232 509 Seelen vergrössert. Der Bevölkerungszuwachs der Juden ist bedeutend geringer als der bei Katholiken und Protestanten. — Der vor kurzem verstorbene Morris Wohl hat die Hälfte seines auf 750 000 bis eine Million Dollar geschätzten Vermögens dem Jüdischen Nationalfonds hinterlassen. — Washington. In der Zeit vom 1. Juli 1950 bis 50. Juli 1951 sind 5692 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert und 519 Juden ausgewandert. Australien. Im Alter von 66 Jahren verstarb der frühere Kommandeur der australischen Truppen in Frankreich, General S i r John Monash, ein Führer des australischen Judentums. Monash's Vater stammte aus Krotoschin in der ehemaligen Provinz Posen; er war der Enkel des bekannten Hauptes der berühmten Buchdruckerei Monasch und Neffe des Historikers Heinrich Graetz. Palästina. Dem früheren Chef des Justizdepartements der Palästina- Regierung Norman Bentwich wurde der Weizmann- Lehrstuhl für internationalen Frieden an der Hebräischen Universität zu Jerusalem angeboten. 66 ■; " , / - . \ : ........■ | | Persönliche Aachrichtcn | | Kaiser Friedrich. Am 18. Oktober jährte sich zum hundertsten Mal der Geburtstag Kaiser Friedrichs. In vielen jüdischen Häusern, besonders auf dem Land, kann man das Bildnis Kaiser Friedrichs anfinden, ein Zeugnis der Dankbarkeit dafür, dass der zweite Kaiser des neu erstandenen Reiches aus seinem Abscheu gegenüber dem Antisemitismus kein Hehl gemacht hatte. Nach dieser Richtung hatte besonderen Widerhall eine Aeusserung gefunden, die er Ende 1879 dem Berliner jüdischen Stadtrat Magnus gegenüber machte: „Die antisemitische Agitation ist eine Schmach für Deutschland. Ich habe mich im Ausland den Ausländern gegenüber dieser Agitation geschämt."' Auch späterhin, als die'damalige Hochflut des Antisemitismus zu Ausschreitungen führte, äusserte er nochmals seine Entrüstung, vor allem über das Hineintragen dieser Tendenzen in die Schulen oind Hörsäle. Die deutschen Juden haben diese Verteidigung ihrer Menschenrechte nie vergessen und werden auch den kommenden Generationen den Namen des edlen Monarchen in dankbarem Gedächtnis überliefern. Eine Fünfundneunzigj ährige. Frau Mi na Gundersheimer, geb. Steinhardt, Elkenbachstr. 15, ist vermutlich das älteste Mitglied unserer Gemeinde. Am 28. Oktober 1856 wurde sie in Dietigheim in Baden geboren und lebte dann an der Seite ihres Gatten in Würzburg, wo ihr Wohltätigkeitssinn noch heute in bester Erinnerung ist, u. a. war sie Mitbegründerin des Israelitischen Kinderhorts. Die seit 50 Jahren verwitwete Jubilarin lebt nunmehr in Frankfurt a. M. bei ihren Töchtern und nimmt lebendigen Anteil an allem Geschehen, besonders an den Begebenheiten innerhalb der jüdischen Welt. Möge" der Lebensabend der verehrten Frau, die das seltene Glück hat, dass ihr Leben fast ein Jahrhundert umspannt, Ton Segen und Freude erfüllt sein! — Der Vorstand der Gemeinde hat der Jubilarin mit einem Blumenstrauss seine Glückwünsche übermittelt. 80. Geburtstag. Herr Karl Herzberg kann dn ungebrochener Rüstigkeit am 20. November seinen 80. Geburtstag begehen und bei diesem Anlaß auf ein erfolgreiches Lebenswerk zurückblicken. Aus eigener Kraft hatte er es zu einer führenden Stellung im Frankfurter Bankleben gebracht und erst vor einigen Jahren trat, er voii der aktiven Arbeit als Direktor der Deutschen Effecten- und Wechselbank in den wohlverdienten Ruhestand.. Von jeher (Fortsetzung auf Seite t.7) Aussergewöhnlich gross sind die Vorteile beim M 0BELE I N K A U F in unserem bekannten grossen Spezial-Haus NASSAUISCHI MÖBELINDUSTRIE Kaufhaus Frankfurt G. m. b. H. GROSSE FRIEDBERGERSTRASSE 13—17

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