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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-11-01 · 3 (11.1931) · p. Seite 65

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
3 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 65 (sequence 11)
Language
German
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65 Deutschland Berlin. Der Preussische Landtaig lehnte einen von den Kommunisten gestellten Antrag auf Einstellung aller Zahlungen an Kirche und Synagogengemeinden ab. — In diesem Winter werden an einem Berliner Theater jiddische Operetten und Schauspiele zur Aufführung gelangen. — Die. Gegensätze zwischen den revisionistischen und den anderen Zionisten haben nunmehr dazu geführt, dass die 2. ordentliche Konferenz der „Union der Zionisten-Revisionisten, Landesverband Deutschland" den Mitgliedern des Landesverbandes den Austritt aus den Ortsgruppen bezw. aus der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland" und die Gründung selbständiger revisionistischer Gruppen empfohlen hat. Audi in der M israch i-Bewegung ist insofern ein Umsdrwung eingetreten, als die deutsche Landesorganisation des Misrachi aus der Misrachi-Weltorganisation ausgetreten ist. — Die diesjährige Winterarbeit des deutschen Keren Ha je.ss od wurde durch zwei Versammlungen eingeleitet, in denen der frühere Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, die Hauptrede hielt. Zu seinen Ehren veranstalteten die-deutschen Mitglieder der Jewish Agency einen Begrüssungsabend, bei dem u. a. Rabbiner Dr. Baeck und Stadtkämmerer Bruno Asch sprachen. — Am 14. Oktober wurde das vom Landesausschuss Berlin der jüdischen Jugendverbände gemeinsam mit dem Jugendpflegedezernat der Jüdischen Ge- , meinde errichtete Heim für erwerbslose Jugendliche eröffnet. — In der Sitzung der Repräsentantenversammlung vom 7. Okt. wurde Dr. Walter Breslauer zum Verwaltungsdirektor der Gemeinde gewählt. In derselben Sitzung wurde bekanntgegeben, dass die Ste u errück s t änd e der Gemeinde die beträchtlidie Höhe von 5KMillionen Mark erreicht haben. — Am 9. X. vollendete der leitende Arzt der Augenabteilung des Rudolf-Virchow- Krankenhauses, Professor Dr. Oscar Fe h r, das 6(L Lebensjahr. — 91 jährig verschied am 14. X. Dr. Isidor Kastaa, der Senior der Berliner Journalisten und ehemalige politische Chefredakteur des „Berliner Tageblattes". — Im Alter von 78 Jahren verstarb Geheimer Justizrat Dr. Berthold Timendorfer, der frühere Grosspräsicleiit des deutschen Distriktes des U. O. B. B. Geheimrat Timeudorfer war lange Zeit audi stellvertretender. Vorsitzender des „Hilfsvereins der deutsdien Juden" sowie in anderen jüdisdien Organisationen an führender Stelle tätig; so gehörte er von 1905—1911 auch dem Vorstand der Berliner Gemeinde an. — Frankfurt a. M. In der Nacht vom 18. mim 19. X. wurde das in der Bockenheimer Anlage befindliche, 1877 enthüllte Börne-Denkmal, ein Werk des Bildhauers Kaupert, schwer beschädigt. — Hamburg. Dr. Carl Melchior, Teilhaber des Bankhauses M. M. Warburg & Co-, beging am 13. Okt. seinen 60. Geburtstag. Als Wirtschaftsführer von internationalem Ruf war er einer der sedis deutschen Delegierten bei den Friedensverhandlungen von Versailles und vertrat audi sonst bei wichtigsten Gelegenheiten die finanziellen Interessen des deutschen Reiches. Unter den Gratulanten befand sich auch der Reichspräsident. — Der nationalsozialistische Polizeiwachtmeister Gerhart Pohl, der vor einigen Wochen den nicht mehr dem Judentum angehörigen Regierungsrat Lassaly bei einem Revolverattentat schwer verletzt hat, wurde wegen versuchten Totschlags zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. — Kassel. Mehrere Schüler der Kolonialschule in Witzenhausen, welche in der Nadit vom 4. zum 5. VIII. das Lager des „Brith Haolim (Jung jüdischer Wanderbund)" überfallen haben, wurden vom Schöffengeridit teilweise zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt, teilweise freigesprodien. — Kiel. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte in ihrer Sitzung vom 16. X. einen nationalsozialistisdien Antrag auf Einführung eines Schächtverbotes ab. — Königsberg. Im Alter von 67 Jahren verstarb der protestantische Theologe, der Alttestamentler an der Universität, Professor Dr. Max Lohr. Der Verstorbene hat auf dem Gebiet der altisraeLitischen Religions- und Literaturgeschichte Hervorragendes geleistet. Lohr hat dem Judentum inniges Verständnis entgegengebradit und besass sogar einen Ehrenplatz in der Synagoge, die er an fast allen Feiertagen besuchte. Auf seinen besonderen Wunsch wirkten bei der Einäscherung der erste Kantor Dr. Pick und der Synagogenchor mit. — Mannheim. Im Alter von 83 Jahren verstarb Frau Rabbiner Ida Goitein, weit über ihren engeren Kreis hinaus verehrt und bis zuletzt unermüdlich tätig. — Memel. Die 4 Nationalsozialisten, die neulich den jüdischen Friedhof in Memel durch Zerstörung von Grabsteinen gesdiändet haben, wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. — Weimar. Der thiiringisdie Landtag lehnte das von den Nationalsozialisten beantragte Schächtverbot ab. Europa. Ausland Oesterreich. Wien. Auf dem Katholikentag in Wien wurde eine scharfe Resolution gegen den Nationalsozialismus als im Widerspruch zum Christentum stehend gefasst. — Infolge Geldmangels besteht Gefahr, dass die israelitische theologische Lehranstalt geschlossen bleiben muss. — Im Jahre 1931 wurden an Kultussteuern 2 516 000 Schilling von insgesamt 53 878 Personen gezahlt. — 'Bei seiner Anwesenheit in Wien wurde Professor Einstein auch von dem Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde empfangen. — Zu Ehren des Schöpfers der Psychoanalyse, Professor Dr. Sigmund Freund, wurde an seinem 75. Geburtstag in seiner Heimatstadt Freiberg in Mähren eine Gedenktafel enthüllt. — Im Alter von 61 Jahren verschied der Ethiker und Soziologe Rudolf Goldscheid, eii:er der bekanntesten Führer der Friedensbewegung in Europa. — Kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres starb am 21. Okt. Arthur Schnitzler, wohl einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Neuzeit. Schnitzler, der in seinen Dramen und Erzählungen der liebenswürdige Schilderer des alten Oesterreich war, hat auch die Judenfrage in verschiedenen Werken, so besonders in seinem Schauspiel „Professor Bernhardi" behandelt. Schweiz. In der Konferenz für Verkehr und Transit beim Völkerbund, bei deren diesmaliger Tagung u. a. die Reform des gregorianischen Kalenders und damit die Einführung eines beweglichen Ruhetages beraten wurde, kamen auch Vertreter des Judentum«, u. a. der Oberrabbiner von England sowie Dr. Elkan N. Adler zu Wort. Es ist anzunehmen, dass die Entscheidung für einen beweglichen Ruhetag, die der Feier des jüdischen Sabbats unendlichen Schaden zugefügt hätte, auf lange Zeit hinausgeschoben werden wird. Niederlande. Einige orthodoxe Mitglieder der Haager jüdischen Gemeinde forcierten den Ausschluss der L i - beralen aus der Gemeinde; Oberrabbiner Maarsen jedoch, der Führer der holländischen Orthodoxen, lehnte dieses Verlangen ab. England. London. Bei den am 27. Oktober in England durchgeführten Wahlen zum Unterhaus wurden auch 16 Juden gewählt. Italien. Die katholische Mission hat im Jahre 1930 ungefähr 63 Millionen Lire für Judenbekehrung ausgegeben. — Der Mathematiker der Universität Rom, Professor Dr. Tulio Levi-Civita, wurde zum Mitglied der päpstlichen wissenschaftlichen Akademie ernannt. — General Angelo Modena wurde zum Vorsitzenden des Obersten Militärgerichts Italiens ernannt. Ungarn. Budapest. Infolge des Geburtenrückganges der letzten Jahre hat sich die Zahl der jüdischen Schulen in Ungarn — heute nur noch 80 — so vermindert, dass in diesem Jahre nur noch 16 Hörer in die Landes-Lehrerbildungsanstalt aufgenommen werden konnten. Tschechoslowakei. Karlsbad. Vor kurzem beging der Rabbiner der Gemeinde, Professor Dr. Ignatz Ziegler, Sdiöpfer des „Israelitischen Altersheimes" in Karlsbad, sowie Verfasser vielgelesener Schriften, seinen 70. Geburlstag. — ^rae- Zum Präsidenten der Jüdisdien Gemeinde wurde Dr. Gottlieb Stein, ein Deutschdemokrat, ernannt. Rumänien. Bukarest. Der Philanthrop Aristide Blank, Generaldirektor der Banca Marin arosch Blank, hat infolge der Krise, von der auch diese bedeutendste rumänische Privatbank betroffen ist, seinen Posten niedergelegt. — Im Alter von 84 Jahren verschied Dr. Adolph Stern, einer der prominentesten Juden Rumäniens, der Vorkämpfer der Emanzipation der rumänischen Juden. — „ZUM FAUST" Am Schauspielhaus FRANK FL) RT-M Beste Küche Bestes Publikum zeitgemässe Bes\e Bedienung ARNO DIPPMANN PREISE

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