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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-11-01 · 3 (11.1931) · p. Seite 62

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
3 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 62 (sequence 8)
Language
German
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62 L. & M. Neithold Das Photohaus mit ffachm. Bedienung. Schillerplatz 7 und Zell 65 Mann, der „das Elend gesehen", in dessen „Gebeinen das Wort Gottes Avie verzehrend Feuer brannte", der wie eine eherne Mauer gegen Fürsten und Volk gestanden, der Schmach und Kerker ertragen und doch ungebeugt sich selber treu geblieben. Und nun? Erstarrung befällt ihn, den Einsamen, nur die Augen bleiben lebendig wie der Geist unter^ der Stirn; sie wandern hinaus ins weiter und weiter sich wölbende Firmament zu den strahlenden Sternen in unmessbare Unendlichkeit. Dies Bild ist in mehr als einer Beziehung gleichnishaft für Lesser Urys Leben und Wesen. Hat er darum sich von ihm nicht trennen können? Oder hat es keinen anderen geeigneten Platz sich zu erobern gewusst, als die grosse Wand im Atelier des Meisters? Dort sah ieh's noch vor wenigen Jahren, obwohl es schon vor drei Jahrzehnten entstanden als der gewaltigste Ausdruck der religiösen Gedanken- und Gefühlswelt, die den damals Vierzigjährigen erfüllten. Denn er ist ein im tiefsten Grunde religiöser Mensch. Seine schöpferische Kraft strömt aus einer urtümlichen, starken, stürmischen Religiosität, die dajrum auch allen seinen Werken eignet. Sie mögen noch so mannigfaltig sein, sie tragen dies Gepräge und fügen sich dadurch zu einer grossen Einheit zusammen. Das religiöse Sehnen führt ihn geradezu zum Monumentalen. Denn er erlebt die Gestalten der Bibel so gross, so erhaben, dass die bescheidene traditionelle Bildform ihm nicht mehr genügt. Die Grösse der Form entspringt der Grösse des Gedankens. Er hätte so die monumentale Wandmalerei wieder zu neuem Leben erweckt. Aber nur einmal im Berliner Logensebäude des Ordens Bne Briss — war ihm Gelegenheit gegeben, in grossen Dimensionen zu schaffen; es sind Szenen und Gestalten der Bibel, unter ihnen die des betenden David. Es ist kein Zufall, dass er in biblisdien Gestalten sein Tiefstes, sein Heiliestes offenbart. Als Jude von Kindheit an mit der Bibel vertraut — sie ist ihm das liebste Buch —, werden sie ihm zu Symbolen seines Schicksals und des Schicksals des Juden überhaupt. Wie sehr er sich diesem verbunden fühlt und wie starken Anteil er selbst an der Formung dieses Schicksals nimmt, davon zeugt sein Glaube an eine .zukünftige oder schon existierende iüdische Kunst, „wenn das Judentum eine jüdische Kunst haben will." (so schrieb er mir erst vor wenisen Wodien). Diese Ansdiauun? ist be- -'•pirhnend für ihn. Der Wille entscheidet! Es ist s°in starker Wille, durch den er alle Not und Hemmnisse überwunden, und der ihn schliesslich zu der Höhe emnorgeführt hat, auf der er heute als Siebzigjähriger neben den wenigen grossen Meistern unserer Zeit sich der vollen Anerkennung erfreuen darf. * Dies war eesdirieben, da kam die Nachricht von Lesser Urvs Tode. Ein tracisches Geschick hat ihn den Tae der Ehrung und der Anerkennung, hat ihn die von der Berliner National«ralerie srenlante grosse Ausstellung seines Gesamtwerks nicht erleben lassen. Er dmrfte — wie sein Mose— das Land der Verheissung nur von ferne schauen. So hat er ahnungsvoll in seinem Werk sein eigenes Schicksal gestaltet. Steuoramneslie und Kirchen- (Kultus) Steuer Von Carl Weil Steueramnestie konnte auf zweierlei Art erreicht werden: durch Selbstanzeige oder durch Zeichnung steuerfreier Redchsbahnanleihe. Bei der -Steueramnestie durch Selbstanzeige waren die nicht versteuerten Vermögen per 1. 1. 28 und 1. 1. 31, das nicht versteuerte Einkommen aus 1928, 1929 und 1930 naditräglich anzugeben. Nadizuzahlen ist jedodi nur die Einkommensteuer per 1930 und die Vermögenssteuer ab 1. Januar 1931. Automatisdi erfolgt für diese Zeit auch eine Nachzahlung der Kirchen-(Kultus-)Steuer, je nachdem sie durdi Zuschläge auf die Einkommenbezw. Vermögenssteuer zu entrichten ist. Bei der Amnestie durch Zeichnung von steuerfreier Reichsbahnanleihe musste weder Angabe über hinterzogene Steuern gemacht werden, nodi brauchen irgend welche Nadizahlungen bisher nidit gezahlter Steuern erfolgen. Dafür werden der Reichsbahn für die vollen in der Steuererklärung per 1. Januar 1931 nicht angegebenen Vermögen oder der im Jahre 1928 oder 1929 oder 1930 nicht angegebenen Einkommen — und zwar kommt jeweils die Hödistsumme in Betracht — von dem Steuerpflichtigen Mittel in Form einer Anleihe zur Verfügung gestellt. Mit diesen Mitteln führt sie ein Arbeitsbeschaffiungsprogramm aus, wodurch Arbeiter beschäftigt werden können. Der Fiskus und die Kommunen sparen hierdurch grosse Beträge an Arbeitslosenunterstützung. Die Religions gesell sc haften des öffentlichen Rechts gehen bei dieser Art der Amnestie für die ihnen entzogenen Steuern leer aus. Von den Beträgen, die durch die Amnestie hereinkommen, haben sie gar keinen Vorteil. Nicht nur für die Vergangenheit erhalten die Religionsgesellschaften keinerlei Nachzahlungen, sondern auf Grund des § 14 der 2. Amnestieverordnung sind auch in Zukunft für das Vermögen, das in Steiueramnestieanleihe angelegt ist, keinerlei Kirchensteuern zu entrichten, soweit die Kirchensteuer nach den Merkmalen des Vermögens bemessen wird. Soweit die Kirchensteuer nadi den Merkmalen des Einkommens oder des Ertrags bemessen wird, sind in Zukunft die Einkommen aus Zinsen der Steueramnestieanleihe von der Kirchensteuer befreit. Den Religionsgesellsdiaften des öffentlichen Rechts müsste gerechterweise für ihre Ausfälle ein Ausgleich gewährt werden. Dieser Ausgleich könnte auf doppelte Weise vorgenommen werden: entweder in Form von Zuschüssen seitens des Fiskus oder in Form von Darlehen des Fiskus, dessen Zins und Amortisation entsprechend den Bedingungen der Amnestieanleihe ziu behandeln wäre. Eine solchermassen erfolgende gemeinsame Eingabe der betreffenden Verbände sämtlicher Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts dürfte ihre Wirkung nicht verfehlen. Das GRÖSSTE SPEZIALHAUS SÜDDEUTSCHLANDS TEPPICHE u. GARDINEN jetzt im neuen BRUMLIK-HAUS liebfrauenstr. 1-3 Beachten Sie die sehenswerten Schaufenster mit Qualitätswaren zu sensationell niedrigen Preisen BRUMLIK lEmwiL - oARi-*u*i_i>i - LINOL£u«ft

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