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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-10-01 · 2 (10.1931) · p. Seite 46

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
2 (10.1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 46 (sequence 16)
Language
German
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Dobriners ist von ihm entworfen — er hat gezeichnet und gemalt, hat sich darüber hinaus mit technischen Problemen der Malkunst jahrelang beschäftigt, war ein begabter Musiker, ein fesselnder Erzähler, ein feiner Kenner alter Kunst und ein verständnisvoller Deuter der modernen. Er war schliesslich der beste Kenner seiner Vaterstadt, insbesondere der Frankfurter Altstadt mit all den schönen Zeugnissen einer glorreichen Vergangenheit; so ward er dazu berufen, an dem Werke über Frankfurts Bauten und Kunstdenkmäler mitzuarbeiten, ja ihm fiel der Hauptanteil bei dieser «grossen Arbeit zu. Seine Liebe zur Vaterstadt machte ihn zu einem begeisterten Künder ihrer Schönheiten. In zahllosen Führungen hat er diese dem Einheimischen wie Tausenden von Fremden erschlossen, immer wieder als Herzensangelegenheit. So waren auch seine Führungen auf dem alten jüdischen Friedhof erfüllt von seiner treuen Liebe zur jüdischen Gemeinschaft. Er war nicht nur ein gründlicher Kenner des alten jüdischen Friedhofs, sondern ebenso vertraut mit der Geschichte der Frankfurter Judengasse, mit der Gesdiidite der Frankfurter Jüdischen Gemeinde überhaupt, und er hat an den Arbeiten Isidor Kracauers, des Historikers unserer Gemeinde, stets tätigen Anteil genommen und namentlich die ardiitektonisdien und künstlerischen Forschungen des Wissensdiaftlers beraten und gefördert. Aber auch an den Gegenwartsaufgaben unserer Gemeinde hat er voller Eifer mitgewirkt; er war Mitglied der Friedhofskonimission, hat der Gesellsdiaft für jüdisdie Volksbildung sein förderndes Interesse gewidmet, und dem Verein Montefiore seit dessen Bestehen mit besonderer Liebe gedient. Aus der doppelten Liebe izu Gemeinde und Vaterstadt entsprang seine soziale Gesinnung, die ihn trieb, sidi und seine Kraft, sein ganzes Können und Wollen in den Dienst der Gesamtheit zu stellen, tatkräftig ratend und helfend, mitzuarbeiten überall da, wo es galt für die künstlerische und kulturelle Hebung unserer religiösen und unserer städtisdien Gemeinsdiaft zu wirken. Im Frankfurter Bund für Volksbildung, im Verein für Gesdiidite und Altertumskunde, in der Gesellsdiaft zur Erforsdiung jüdäsdier Kunstdenkmäler war er jahrelang, zumeist als Mitglied des Vorstandes, erfolgreich tätig. Eine Vereinigung für bildende Kunst, die er ins Leben gerufen, hat er bis zuletzt liebevoll geleitet und zu allem Schönen in Kunst und Natur geführt. An der Tedmischen Hochschule zu Darmstadt war er seit Jahren in der ATchitekturabteilung als Dozent für OrnameTntik tätig, audi in Hanau hat er an der Akademie gelehrt, aber es ist ihm nicht gelungen — und das ist beklagenswert — einen Wirkungsbereich zu finden, der seinem Wesen und seinem reichen Können entsprodien hätte. Julius Hülsens reidres, vielseitiges Wissen war nidit Stückwerk, sondern eine Einheit, eine Bildungseinheit im Sinne des Humanismus, zugleich aber war sein ganzes Wesen erfüllt von der Idee der Humanität, die ihn auch schwere Enttäusdiungen überwinden liess. Die Israelitische Gemeinde und die Stadt Frankfurt haben in ihm einen ihrer treuesten Söhne verloren. A. G. Die Beisetzung fand unter grosser Beteiligung am 14. September statt. An der Bahre hielt Rabbiner Dr. Horovitz die Grabrede, sodann sprachen Prof. Dr. Wagner für die Tedinische Hodisdrule in Darmstadt, Dr. Waas für den Frankfurter Bund für Volksbildung, Rabbiner Dr. Salzberger für die Gesellschaft für jüdische Volksbildung, Dr. Kahn für den Verein für Gesdiidite und Altertumskunde und Herr Sturmann für die Vereinigung der Freunde der bildenden Kunst. Es fiel auf, dass der Magistrat nicht vertreten war. Es zeugt für die Beliebtheit und Freuudsdiaft, die Julius Hülsen in weifen Kreisen genoss, dass dem Gemeindeblaft eine ganze Reihe von Würdigungen und Erinnerungen zugegangen sind. Einiges daraus sei im Ansdiluss an den vorstehenden Nadiruf wiedergegeben. Meine erste Begegnung mit Julius Hülsen war in den Kriegsjahren. Damals führte er regelmässig Lazaretünsassen durch die Stätten deT Kunst. So hatten wir Gelegenheit, eine Reihe öffentlicher und auch privater Sammlungen kennen zu lernen, die uns ohne ahn wohl nie zu Gesicht gekommen wären. So zeigte er uns auch seine geliebte Altstadt. Gerne folgte man ihm in seinen unermüdlichen Ausführungen, mit ihm freute man sidi an jedem künstlerisdien Detail, an jedem malerischen Blickpunkt. Mit welchem Sdxmerz sprach er davon, wenn irgend ein künstlerisches Werk vernachlässigt war, etwa die Rathgebsdien Fresken in der Karmeliter-Kirdie, an denen die Feuchtigkeit nagte, oder durch Unvernunft zerstört wurde, wie die mittelalterlidie Wandmalerei eines himmlischen Jerusalem in einer Synagoge der Umgegend. „Und denken Sie, der göttliche Name war auf dem .Bild; welche Sünde war es, ihn gedankenlos zu überstreichen!" Wie Kinder, >wde göttlidie Geschenke waren ihm die kunstvollen Werke gediegener Jahrhunderte, die eine verständnislose Zeit überging. Mit dieser Liebe und Hingabe, mit der er an der Erhaltung der Altstadt wohl wesentlichen Anteil hat, richtete er unser stolzes, kunst- und kulturhistorisches jüdisches Denkmal wieder auf, dem seine besondere Liebe galt, den alten jüdischen Friedhof. Mit weldier Liebe und Freude führte er Juden wie Nichtjuden durdi diese Stätte des Friedens, in jeder Jahreszeit, Sommer wieWinter.VieleTausende hat er dieEhrfurdit gelehrt vor jüdischem Kulturgut, sein Mund wurde nicht still davon, die Steine und die historischen Sdiicksale dieses Ortes zu erklären, wie auch die alten Bräudie des jüdischen Bestattungswesens. Er spradi einmal davon, dass es ausser ihm und dem ebenfalls schon verstorbenen Gerson Frohmann keinen Mensdien gebe, der den Friedhof mit seinen vielen tausend Steinen genau kenne, und dass man eigentlidi einen jungen Menschen in die Kenntnis .des Friedhofs einweihen sollte. Es wird schwer sein, die Kenntnisse wieder aufzudecken, die der so jäh Verstorbene mit sidi zu Grab genommen hat. Eigentümlich ist die Tatsadie, dass auf dem alten Friedhof das älteste bekannte Grab ein Frauengrab aus dem 15. Jahrhundert ist, und dass der erste Grabstein auf dem neuen Friedhof der Gemeinde wieder eine Frau deckt, die Schwester des Professors Hülsen. Es sei nodi an einige Geschiditen erinnert, die Julius Hülsen den Besuchern des Friedhofes immer gern in dem ihm eigenen Humor erzählte. Bei den Restaurierungsarbeiten wurde ihm die baupolizeiliche Vorsdirift gemacht, eine Sduutzhütte auf dem Friedhof zu erstellen. Dies musste geschehen, obwohl die Synagoge in schützender Nähe ist. Bei dem eng besetzten Gräberfeld war es aber, ohne ein Grab zu stören, unmöglich, eine Hütte zu errichten. Er wusste sich Hat. An der Mauer nach den Gemeindehäusern stellte er die Hütte auf, deren Reste vor wenigen Jahren nodi vorhanden waren, und die seine Arbeiter die „Villa Hülsen" genannt hatten. Dann hatte eine Schuhfabrik an der benachbarten Giebel wand eine grosse Reklameschrift anbringen lassen, die das friedvolle Bild des Friedhofes erheblidi störte. Alle Vorstellungen bei den jüdischen Inhabern halfen nichts. So, erzählte der Friedfertige, fasste er den Wunsdi, dass die Sdirdft abbrennen möge, und siehe da, eines Tages bräunte das Gebäude ab und die häsisliche Sdirift verschwand. Diese Geschichte erzählte Hülsen bei einer Führung dem damaligen Polizeipräsidenten, der ihn bat, diesen Wunsch für ein ihm benachbartes Haus ebenfalls auszusprechen, über dessen Schrift er sich jeden Morgen ärgern musste. Aber Hülsen lehnte es ab, diesen Wunsdi ein zweites Mal laut werden zu lassen. Bei den Ausschaditungsarbeiten, bei Neubauten in der Battonnstrasse, musste der rituellen Vorschrift gemäss eine Aufsicht darauf achten, dass keine Reste eines Grabes in die Baugrube abrutschten. Da wurde er eines Tages gerufen, es sei etwas passiert, und als er kam, war der „Bocher", der sich auf einem Stühldien dort postiert hatte, und eingeschlafen war, in die Baugrube gefallen, glücklicherweise ohne sich Sdiaden zu tun. Alle diese Geschichten erzählte er mit dem Humor, mi t dem unsere Alten Gesdiiditen und Legenden berichteten. Er erzählte auch von den Glassplittern, die auf der Friedhofsmauer zum Sdiutz gegen Eindringlinge eingelassen waren, und die auf Drängen des verehrten Rabbiner Nobel s. A. wieder abgesdilagen wurden, denn es könnte doch ein Bedrängter Zuflucht suchen und sidi beim Uebersteigen der Mauer Schaden tun. Aussergewöhnlich gross sind die Vorteile beim M OBELEINKAUF in unserem bekannten grossen Spezial-Haus NASSAUIISCHE MOBIUNDUSTRI Kaufhaus Frankfurt G. m. b. H. GROSSE FRIEDBERGERSTRASSE 13—17

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