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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-10-01 · 2 (10.1931) · p. Seite 47

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
2 (10.1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 47 (sequence 17)
Language
German
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Wie oft priefe Hülsen die schöne Schrift, die den Steinen eingegraben war, die den Ruhm des Verblichenen berichtete, die von der Gelehrsamkeit sprach und sie höher schätzte als die Güter ider Welt. Eine dieser Inschriften sollte man zum wörtlichen Vorbild nehmen, .wenn man einen Stein an die Stätte setzt, wo Julius Hülsens irdische Reste bestattet sind. Denn auch 'ihm, dem vielgeprüften, gütigen Menschen war Lernen und Lehren, Vermittlung der Erkenntnis edler menschlicher Tat durch die (göttliche Gnade, Lebensaufgabe! L. R. „Schon im Wöhler Realgymnasium zeichnete er sich durch sein einfaches Wesen aus, obwohl er stets der beste in der Klasse war. Direktor Kortegarn pflegte ihn in der Aula der versammelten Schülerschaft als Beispiel hinzustellen, und sagte ihm eine grosse Zukunft voraus. Schon als Obersekundaner gab er unbemittelten Schülern kostenlosen Unterricht. Besondere Anerkennung pflegte audi sein Harmoniumspiel zu finden, mit dem er die Schulfeiern verschönte. Auch sein Zeichnen- und Maltalent hatte sich früh entwickelt, und als junger Schüler pflegte er in den Pausen seine Kameraden zu porträtieren. Er war eine Persönlichkeit von universellem Einschlag, dabei eine tiefreligiöse Natur, und sein Gottvertrauen verliess ihn nie, auch wenn Kummer und Sorgen ihn bedrängten. Seit 16 Jahren war er in glücklichster Ehe mit Adele, geb Goldsehimidt, verheiratet, sein Heim war ein Vorbild jüdischen Familienlebens. M. M. H. Hülsen studierte in den 90er Jahren in Berlin und verkehrte dort viel bei drei Brüdern Horovitz aus Schneidemühl, welche ihm oft Vorhaltungen machten, dass er bei seinen Studien des klassisdien Altertums das Studium des Hebräischen vollkommen vernachlässige. Eines Samstags war Hülsen wieder bei diesen Brüdern und, durch eine Bemerkung von Hülsen provoziert, fingen wieder die Vorwürfe über seinen Mangel an jüdischen Kenntnissen an. Hülsen antwortete: „Ich weiss ja viel mehr, als Sie zu glauben sdieinen. Ich wette mit Ihnen um 20.— Mk. für die Armen, dass ich das Thorastück, das heute vorgelesen worden ist, auswendig hersagen kann." Die Wette wird abgeschlossen und zum grossen Erstaunen der drei Brüder gewinnt HüLsen die Wette. Abends spät kommt der älteste und welterfahrenste der drei Brüder in das Zimmer seines Bruders und sagt: „Weisst du, wir haben uns von dem „Gannew" aber gehörig hereinlegen lassen!" Frage: „Von welchem „Gannew?" „Na, von diesem Bub, dem Hülsen. Hast du denn nicht gemerkt, der Junge hat uns sein Barmizwa- Stückchen vorgetragen." B. H. Todesfall. Eine in weiten Kreisen beliebte Persönlichkeit ist mit Herrn Julius W e i s h a u p t am 10. September d. J. dahingegangen. Herr Weishaupt, der ein Alter von 81 Jahren erreichte, war früher der Inhaber einer bedeutenden Uniformsdineiderei und hatte es zu grossem Wohlstand gebracht, doch leider blieb auch er in seinen letzten Jahren von der grauen Sorge nidit verschont. Weishaupt hat sich vielfältig gemeinnützig* betätigt, u. a. gehörte er der Gemeindevertretung von 1921—1927 an. Lange Jahre hindurch war er erster Vorsitzender des Vereins selbständiger Israelitischer Handwerker, auch wirkte er im Vorstand der Hauptsynagoge, zu deren treuesten Besuchern er gehörte. Anstalten und Vereine Jüdische Notstandsküche. Die erste Notstandsküche wurde von der jüdischen Wohlfahrtspflege am 8. Sept. eröffnet. Die Isr. Gemeinde stellte Räume in ihrem Anwesen Königswarterstr. 24 zur Verfügung. Das in der Krankenhausküdie hergestellte Essen, das mit dem Lastkraftwagen der Gemeinde in eigenen Thermophoren nach der Ausgabestelle verbracht wird, findet allgemeinen Anklang; sdion nach wenigen Tagen wurden täglich 250 Portionen ausgegeben. Es besteht die Absidit, eine zweite Notstandsküche in dem der lsr. Gemeinde gehörigen Haus, Eschersheimer Landstr. 65 einzurichten. Uim festzustellen, ob hierfür ein entsprechendes Bedürfnis vorliegt, bitten wir schon jetzt Reflektanten sich schriftlich anzumelden bei der Jüdischen Notstandsküche Eschersheimer Landstr. 65. Wärmestuben. Auf Veranlassung der Jüdischen Wohlfahrtspflege werden demnächst in dem Anwesen .der Israelitischen Gemeinde an der Königswarterstr. 24 einige Räume als Wärmestuiben eingerichtet. Hierfür werden noch einige Tische und S t ü h 1 e oder Bänke benötigt. Es wird herzlich um Ueberlassung gebeten. Auf telefonisdie Nachricht an die Jüd. Wohlfahrtspflege (Tel. Nr. 28249) erfolgt Abholung. Gedenket der Jüd. Notstandsküche! Postscheckkonto 86?76 Jüd. Wohlfahrtspflege Konto M Langestraße 30 Telefon- 282<»9 Notstandsaktion der Jüdischen Wohlfahrtspflege. Für die vor den LIerbstfeiertagen begonnene Notstandsaktion der Jüdischen Wohlfahrtspflege haben sich in dankenswerter Weise Mitglieder des Vorstands und der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde, sowie 80 Damen der Frauenvereinigungen der drei Frankfurter Logen zur Verfügung gestellt. Die Notstandsaktion wurde durdi eine Sonderausgabe des Genieindeblattes eingeleitet, die in Form eines Hilferufs auf die katastrophale Lage der Jüdischen Wohlfahrtspflege hinwies. Dieser „H i 1 f e r u f ist nicht ungehört verhallt. Darauf setzten die Besuche der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen ein, die mit einem für heutige Verhältnisse nicht ungünstigen Erfolg ihre äusserst schwere Arbeit durchführten. Die Notstandsaktion, die dazu dienen soll, die Jüdische Wohlfahrtspflege und ihre Arbeit für die nächsten schweren VVintermonate au sichern, ist nodi nicht abgeschlossen. Ein zahlenmässiges Ergebnis kann deshalb heute noch nicht vorgelegt werden. Um der Sammlung zu dem so notwendigen vollen Erfolg zu verhelfen, ist es unbedingt notwendig, dass jeder, der bisher der Notstandsaktion eine Spende noch nicht zugeführt hat, dies unverzüglich tut (Postscheckkonto No. 54893 Jüd. Wohlfahrtspflege, Langestr. 50, Tel. 28249). ACHTUNG! Der jüdische Arbeitsnachweis ist zu erreichen unter Ruf: 26162 und 28248. Wir bitten diese Nummern aufzunotieren, da sie nicht im Telefonbuch stehen. Melden' Sie uns bitte jede vorkommende Dauer- und Gelegenheitsarbeit. Für prompteste Ausführung durch Fach- und Hilfsarbeiter wird garantiert. Für den herannahenden Winter empfehlen wir besonders mehrere geprüfte Heizer für alle Arten von Heizungen. Berücksichtigen Sie ferner unsere Sehreibstube. Sie fertigt Ihnen unter billigster Berechnung an: Vervielfältigungen aller Art, sowie Adressen mit Hand- oder Maschinenschrift. Unser Büro ist täglich zu erreichen von 8—19 Uhr. Ber uf s beratu n g s -Sprechstunden finden Diensitag Abend von 6—7% Uhr statt. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden e. V. (männlicher Arbeitsnachweis) Langestrasse 50, part. Jüdische Leihkasse E. V. Die Geschäftsstelle dieser gemeinnützigen Einrichtung befindet sich Eschersheimer Landstr. 29, l. Stock. Geschäftsstunden: Dienstag und Donnerstag, Nachmittags von 4—6 Uhr. Die Leihkasse bewilligt selbständigen Gewerbetreibenden und Handwerkern Darlehen in massigen Beträgen gegen Bürgsdiaft zahlungsfähiger Personen. DIAI2N-Puder bewahrt Ihren Liebling vorWundsein.

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