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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-10-01 · 2 (10.1931) · p. Seite 45

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
2 (10.1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 45 (sequence 15)
Language
German
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Fortsetzung von Seite 44) Amerika Vom 1. Juli 1930 bis 50. Juni 1931 sind 5692 Jaulen in <lie Vereinigten Staaten eingewandert. — In den letzten drei Jahren sind nach Argentinien 26.187 und in andere südamerikanische Länder etwa 50.000 Juden eingewandert. — Chicago. Richter Harry Fischer wurde zum Oberrichter und Leiter des Kriminalgenehts ernannt. — New York. In der Zeit von September 1930 bis September 1931 haben die amerikanischen Juden 56.200.870 Dollars für W o h l - Fahrtszwecke ausgegeben, davon 30.555.000 für jüdische. — Der Philanthrop Jacob II. Schiff hat ein Vermögen von 55.162.932 Dollars hinterlassen. Afrika Auf Vorschlag des Erzhischofs von Karthago hat Papst Pius XI. die beiden Oberrabbiner von Tunis, Joseph Guez und Boccara, zu Rittern des Ordens Papst Pius XI. ernannt. Asien. Bagdad. Im Irak leben 110.000 Juden, davon in Bagdad 70.000, in Basra 6.000 und in Mossul 3.000. Für diese ist vor kurzem eine Gemeindeordnung geschaffen worden. — Biro- Bidschan (Sowjetrussland). Von russisch-jüdischen Arbeitern aus Argentinien, Deutschland und Uruguay wurde eine sozialistische Muster kleinst a d t erbaut. — Im Jahre 1952 sollen in Biro-Bidschan 16.000, in der Krim etwa 16.000 und in der Ukraine etwa 10.000 Juden angesiedelt wenden. — Hankau (China). Bei einer Hochflut wurde auch die jüdische Siedlung in Hankau zerstört. — Konstantinopel. Der Posten eines Oberrabbiners der Türkei soll in Zukunft nicht mehr besetzt werden. Palästina. Jerusalem, Im Jahre 1950 wurden 10.000 Dunam Boden mit Orangen bepflanzt. — In der Zeit vom 1. X. 1950 bis 51. VIII. 1951 betrugen die Eingänge des K e r e n - II a j e s s o d 250.000 Pfund, von denen " 85.000 Pfund in den Vereinigten Staaten igesaminelt wurden. — Der Oberstaatsanwalt für Palästina Norman B entwich ist aus seinem Amt geschieden. — Die Kolonie „Ejn Charod" konnte auf ihr lOjähriges Bestehen zurückblicken. — Tel Aviv. Eine Verordnung des Gemeinderats besagt, dass im Stadtkreise von Tel Aviv am Sabbat und an Feiertagen alle Geschäfte und Werkstätten geschlossen bleiben müssen. Persönliche Nachrichten Dr. h. c. James Simon 80 Jahre Am 17. September 1951 vollendete der weit über Deutschland hinaus bekannte und verehrte Grosskaufmann. Mäzen und Philanthrop, sein SO. Lebensjahr. Mit dem Namen James Simon ist ein wichtiger Teil der Geschichte des deutschen Judentums verknüpft, aber auch in die Geschicke grosser Teile der Judcnheit in anderen Ländern hat er als Mitbegründer und als jahrzehntelanger Präsklent des Hilfsvereins der Deutschen Juden wohltätig eingegriffen. James Simon wurde 1851 in Berlin geboren. Als Chef der weltbekannten Baumwollfirma Gebrüder Simon in Berlin spielte er eine führende Rolle im deutschen Wirtschaftsleben, war jahrelang Vizepräsident der Handelskammer Berlin und Mitglied des Reichsbankdirektoriums. Er gilt als einer der feinsinnigsten Kunstkenner und Kunstsammler und hat als Mäzen grossen Einfluss auf die Gestaltung des Muscumswesens ausgeübt. Die Berliner Museen haben ihm eine grosse Bereicherung ihres Besitzes zu verdanken. So schenkte er dem Kaiser-Friedrich-Museum seine Sammlung italienischer Renaissancebilder, Broncen, Medaillen, Münzen usw., die in einem eigenen „James Simon-Saal"' untergebracht sind, und seine Sammlung deutscher Holzskulpturen und Gobelins. James Simon war Mitbegründer der Deutschen Orientgesellschaft (1S98) und beteiligte sich in starkem Ausmass au der Finanzierung der Ausgrabungen in. Mesopotamien (Babylon 1S98—1912, Assur 1902—1914), Palästina (Jericho, Synagogen in Galiläa) und Aegypten (Abusir bei Cairo, Abusir-el Meneq und el-Amarna 19Ö8 bis 1914), Kleinasien (Boghazköi). Noch bevor James Simon 1901 mit Eugen Landau und Paul Nathan den Hilfsverein der Deutschen Juden begründete, betätigte er sich in hervorragender Weise auf dem Gebiete der jüdischen Wohlfahrtspflege, begründete und unterstützte eine Reihe sozialer Institutionen. Er war einer der Gründer des Technikums in Haifa. Bis Ende 1929 gehörte er dem Rat der Jewish Colonization Association (JCA) in Paris au. In dem sich weit erstreckenden sozialen Wirkungskreis von Dr. James Simon hat der Hilfsverein der Deutschen Juden seit seiner Begründüng einen besonders hervorragenden Platz eingenommen. In langjähriger Zusammenarbeit mit dem verewigten Paul Nathan hat er den Hilfsverein zu einer Organisation ausgebaut, die in engster Verbindung mit anderen jüdischen Körperschaften stets aktionsbereit war und in Osteuropa und im Orient eine vielseitige Tätigkeit entfaltet hat. Anlässlich seines SO. Geburtstages war Dr. James Simon Gegenstand grosser Ehrungen; eine ..James Simon-Stiftung" beim Hilfsverein der Deutschen Juden wurde geschaffen. . 87. Geburtstag Frau Betty B a e r, geb. Hess, Biickerweg 9, konnte am 2. Oktober in körperlicher und geistiger Frische ihren 87. Geburtstag feiern. 80. Geburtstag. Frau Paulina Guttenberg, geb. Stiebel, Zeil 92 (Rothschild'sches Altersheim), konnte am 8. Oktober in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag feiern. 70. Geburtstag Herr Nach um H. Loeb, Kursmakler, Pfingstweidstrasse 9. Herr Josef Frank. Hansa-Allee 22, früherer Teilhaber der Firma Frank & Baer, jetzt Prokurist im Hause I. Adler jr. 60. Geburtstag Am Freudenfest der Thora feierte der allbekannte und bewährte Pädagoge. Herr Direktor P i n k u s K l i b a n s k y seinen sechzigsten Geburtstag. In Frankfurt geboren, verlor er frühzeitig seinen Vater, doch verstand es seine Mutter trotz wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen, ihren sieben Kindern eine gute Erziehung zuteil werden zu lassen. Klibansky bereitete sich gründlich und sorgfältig für seinen späteren Lebensberuf vor. Nachdem er das Kölner Seminar und im Anschluss daran die Universität Heidelberg besucht hatte, gründete er im Jahre 1900 ein zu hoher Blüte gelangtes „Knaben-Institut1', dessen erzieherische Bedeutung allgemeine Anerkennung gefunden hat. Auch für das Philanthropin wurdenhier hunderte vonSchülern vorbereitet und somit die Interessen der Gemeinde in hervorragender Weise unterstützt. Als Vertreter in der Synagoge Untcrlindau bewährte.er sich als wahrer „Scbliach Zibbur", der den Gottesdienst zu heben verstand und durch die Innigkeit und VVäi'me seiner Gebete wie durch den harmonisch schönen Gesang die Herzen seiner Zuhörer mit Andacht erfüllte. Noch heute lässt es sich seine Gemeinde nicht nehmen, wenigstens an den ..Jomim Nauroim" ihren altbewährten Vorbeter zu hören. Direktor Klibansky arbeitet noch immer mit Fleiss und Emsigkeit, getreu der salomonischen Weisheitslehre: „In der Jugend streue das Saatkorn der Lehre und des Wissens aus. aber auch im vorgerückten Alter lass deine Hände nicht ruhen." Möge ihm noch recht hinge im Kreis der Seinen eine segens- und erfolgreiche Tätigkeit beschieden sein! D. Nachrufe Julius Hülsen. Mit Professor Hülsen, der am 12. September im Alter von 58 Jahren plötzlich verstarb, ist eine der bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten Frankfurts dahingegangen. Bekannt durch" sein vielseitiges Wirken in Stadt un I Gemeinde, durch seine Vorträge und seine Lehrtätigkeit, durch seine künstlerische und wissenschaftliche Arbeit: beliebt durch die stete Bereitwilligkeit, aus dem Reichtum seiner Welt allen zu spenden, die ihn darum angingen, durch die Art und Weise sich mitzuteilen, durch die restlose Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit an die ihm heilige Sache der Kunst und der Kunsterziehung. Hülsen war eine im tiefsten Grunde künstlerische Natur von seltener Vielseitigkeit. Er hat Kunstgeschichte und Architektur studiert, war vertraut mit den Methoden archäologischer Forschung. Als junger Mensch schon hat er an den Ausgrabungen von Milet teilgenommen und das Nymphaeum rekonstruiert, eine in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht mustergültige Publikation, aber er hat auch modelliert und gemeisselt — das schöne Grabmal Hermann „ZUM FAUST" Am Schauspielhaus FRANK Fl) RT-M Beste Küche Bestes Publikum zeitgemässe Besfe Bedienung PRE,SE ARNO DIPPMANN

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