Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 2 (10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 43 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Grosse Brockhaus. Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden. Bd. 9 I-Kas Leipzig 1951. — Der neue Band des .grossartigen Nachschlagewerks enthält ausführliche Artikel über Juden (11 Spalten) und Judentum (5 Sp.), die eine Fülle des Wissenswerten enthalten und durch reiche Literaturangaben dem Suchenden eine Wegleitung geben. Auf zwei Tafeln sind 16 kleine, aber scharfe Lichtbilder zur Veranschauridiiung der religiösen Bräuche vereinigt, darunter das Innere der Offenbacher Synagoge als Beispiel für den neuzeitlichen Synagogenbau. Besonderes Interesse kommt der statistischen Tabelle zu, in der die Zahl der Juden in den einzelnen Ländern, absolut und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, verzeichnet ist. Sie dürfte z. Zt. den Stand der Dinge am besten angeben und wird .noch auf lange hinaus die am bequemsten zugängliche Quelle der Belehrung bleiben. Einige Zahlen seien hier mitgeteilt. Der absoluten Zahl jüdischer Einwohner nach stehen heute die Vereinigten Staaten von Nordamerika an der Spitze aller Länder: ihre jüdische Bevölkerung wird mit 5,6 Millionen angegeben. Es folgt in geringem Abstand Polen (5,5 Mill.) und in schon sehr viel grösserem Räter ussland (2,725 Mill.). Alle anderen Staaten bleiben weit unter einer Million, ja mit Ausnahme von Rumänien, dem Deutschen Reich und Ungarn unter einer halben Million. Leider sind die Zahlen für das gefühlsmässig am stärksten interessierende Land, Palästina, durch Druckfehler ganz heillos entstellt. Von den 750 000 Einwohnern dieses Landes sollen 84 000 Juden sein und diese sollen 8,9% (!) der Bevölkerung darstellen. Nach anderen Quellen wohnen aber fast doppelt so viele Bekenner des Judentums dort und beläuft sich der Hundertsatz auf beinahe zwanzig. So ist Palästina ausser Polen und dem hier als „Land" gerechneten Tanger das einzige Land der Erde mit einer zu mehr als 10% jüdischen Bevölkerung. Dänemark hat natürlich nicht, wie leider verdrill ckt ist, 2,0%, sondern nur 0,2% Juden aufzuweisen. Verhältnismässig hohe Hundertsätze begegnen in Griechenland (2,2) und Argentinien (1,9), während Deutschland unter 1% bleibt. Eine zweite Tabelle igibt die Zahl der Juden in den wichtigsten Städten der Welt und ihren Prozentsatz zu der Gesamtbevölkeming. Hier werden 57 Gemeinden der Grösse nach aufgeführt, von New-York (1,750 Mill.) bis zu Oslo (1500 Seelen). Wer indessen glaubt, nun einmal die 57 grössten Gemeinden der Erde zusammenzuhaben, ist im Irrtum. Hätte der Bearbeiter das im wesentlichen zugrundeliegende Prinzip der Gemeindekopfzahl restlos durchgeführt, so hätte seine Zusammenstellung sehr nützlich werden können. Er hat es aber durch ein zweites, das der Wichtigkeit der Städte an sich, durchkreuzt, wobei unter „Wichtigkeit" speziell die Stellung eines Ortes als Landeshauptstadt zu verstehen ist. So kommt es, dass Belgrad mit seinen 5000 Juden hier steht, Breslau aber mit seiner so viel stärkeren Gemeinde nicht. Auch Hamburg sucht man vergebens, Deutschland ist überhaupt ausser durch Berlin nur durch Frankfurt und Leipzig vertreten, in einem deutschen Lexikon ein merkwürdiger Zustand. Die acht Gemeinden mit weniger als 10 000 Seelen hätten ruhig fortbleiben können, aber für die Grossgemeinden wäre Vollständigkeit anzustreben gewesen. Die nächst New-York gegenwärtig grössten Gemeinden sind Chicago und Warschau; ihnen schliessen sich Philadelphia und 10 andere Gemeinden mit je über 100 000 Köpfen an. Frankfurt steht, sofern auf die Vollständigkeit der Gemeinden mit über 50 000 Seelen Verlass ist, an 55. Stelle, zwischen Prag und Alexandrien. Betrachtet man schliesslich noch die prozentuale Stärke der Gemeinden, d. h. ihr Verhältnis zur Einwohnerzahl ihres Sitzes, so steht Pinsk mit 74,6 v. H. an der Spitze. Ausser dieser Stadt haben nur noch vier eine jüdische Mehrheit, nämlich Kischinew, das hier in der rumänischen Namensform Chisinau erscheint, Jerusalem, Jaffa (mit Tel-Awiw) und Tripolis. Ueber 40% Juden beherbergen Odessa, Wdlna und Minsk, zwischen 50 und 40% einige andere osteuropäische Städte. W. M. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Jahrg. 1951, Heft 7/8. In einem Aufsatz „Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah", zeigt Rahel Wischnitzer, dass die Ueberenn. stimmungen älterer Haggadahbilder mit Holbeins Bildern zur Bibel auf die Benutzung christlicher Mittelquellen zurückgehen; insbesondere hat die Kunst M. Merians auf die HäggadahiHustration gewirkt. A. Tartakower gibt eine Uebersicht über das jüdische Schulwesen in Polen. Der Greifswalder Alttestamentier Schütz berichtet über Ausgrabungen in Palästina. In der Monatsschrift „Der Oberschlesier" (Juli 1951) widmet Michael Fraenkel dem Andenken des vor kurzem verstorbenen Geheimrats Dr. David Mayer in Karlsruhe zwei ansprechende Skizzen über die beiden mit dem oberschlesischen Land verwachsenen jüdischen Schriftsteller Ri ch a rd Hulds ch iner und Felix Holländer, die vor kurzem verschieden sind. 43 Sind Sie neugierig, gnädige Frau? In einer Beziehung bestimmt, nämlich in punkto „Mode" Die neue Saison bringt allerhand modische Überraschungen, über die Sie sicherlich rechtzeitig informiert sein wollen. Kommen Sie zu uns und besichtigen Sie zwanglos unsere letzterschienenen Neuheiten WAGENER & SCHLÖTEL GOETHESTRASSE 9-11 Kalender. Der Jüdische Frauenbund hat seinem im sechsten Jahrgang erscheinenden Kalender diesmal den Leitgedanken .Jüdisdie Gemeinschaften und Juden als Führer" zugrunde gelegt. Bildnisse und Aussprüche führender jüdischer Persönlichkeiten sind geschickt und eindrucksvoll zusammengestellt. Der hübsch und praktisch ausgestattete Kalender ist zum Umlegen oder Abreissen eingerichtet und kostet RM. 1.90. Bestellungen an die Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbunds, Berlin N. 24, Monbijouplatz 10. Jüdische Chronik Deutschland Altenfeld. Wegen Beschimpfung des ermordeten Reichsministers Rathenau wurde ein Nationalsozialist zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. — Berlin. Am 2. Abend des Rosdi ha-Schaua-Festes veranstalteten Nationalsozialisten in den Strassen des Berliner Westens einen wüsten Terror. Aus den Synagogen heimkehrende Juden wurden beschimpft und niedergeschlagen. Die Ausschreitungen wiederholten sich am folgenden Abend. Die Schuldigen wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Ein Erlass des preiissischen Ministers des Inneren macht den Behörden unnachsichtiges Vorgehen igegeu die antisemitische Hetze zur Pflicht. Der Minister und der Polizeipräsident, bei dem der Vorsitzende des „CentralVereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in Gemeinschaft mit dem Vorsitzenden des Vorstandes der jüdischen Gemeinde vorstellig wurden, sprachen ihr lebhaftes Bedauern über die Ausschreitungen aus. Die Repräsentantenversammlunig, die sich mit diesen traurigen Ereignissen beschäftigte, nahm eine Protestresolution an. — Eine Reihe nicht jüdischer Persönlichkeiten hat aus Anlassdieser. Vorgänge eine Kundgebung aur Abwehr veröffentlicht. — Seit den nationalsozialistischen Erfolgen bei den Reichstagswahlen im vorigen Jahr hat sich die Zahl der Arbeitslosen um 1K (Millionen Personen vermehrt; Kredite in Höhe von 4 Milliarden wurden zurückgezogen; der Goldbestand ist nun 44.6%, der Steuereingang um 24,5% zurückgegangen; die Konkurse haben sich um 51,5% vermehrt. — Für einheimische Kranke, welche die Verpflegungskosten in der 1. und 2. Klasse nicht bezahlen können, die aber auf Unterbringung und Pflege ausserhalb der grossen Krankensäle Wert legen, hat das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde eine „Mittelklasse" eingerichtet. — Eine Entscheidung des Berliner Arbeitsgerichtes besagt, dass ein jüdisdier A r b e i t g e b er einen Angestellten, der antisemitische Propaganda macht, entlassen darf. — Während früher das Reichsfinanzministerium . den Zoll auf Palmen und Myrthen zum Sakkoth-Fest immer von 250 auf 75 Mark pro 100 Kilogramm herabgesetzt hat, verweigerte es in diesem Jahre jede Ermässigung. — Am 15. IX. wurde der berühmte Historiker und Nationalökonom Professor Dr. Ignatz J eist r o w 75 Jahre alt. — Der Generalsekretär der Gesellschaft „ORT", Abteilung Deutschland, Dr. Michael Traub, hat sein Amt niedergelegt. — Bielefeld. Die Stadtverordnete nversammlung lehnte in ihrer letzten Sitzung den nationalsozialistischen Antrag auf Erlass eines Schächtverbots ab. Breslau. Am 4. IX. wurde die bekannte Philanthropin Beate Guttmann, Witwe des verstorbenen Rabbiners und Relig.ionsphilosophen Professor Dr. Jacob Guttmann, 75 Jahre alt; ein Altersheim für jüdische Frauen trägt ihren Namen. — Frankfurt a. M. Gemeinsam mit dem „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" hielt der „Preussische Landesverband jyesetzestreuer Synagogengemeinden (Halberstädter Verband)" seine diesjährige Tagrung ab. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand, neben einem aus-