Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 1 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3094266-3094373-3094374--2946-3097704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dauern vermöchte, ja die recht eigentlich sogar aus dieser Katastrophe hervorgewachseu wäre. Von dem verführerischen Schein der sittlichen Autonomie des Menschen, der die Theologie des im wesentlichen vom Idealismus herkommenden jüdischen Liberalismus bestimmt hat, führt kein Weg. es sei denn der einer radikalen Uniwendung, zu den Geheimnissen der Offenbarung, in denen diese neue Welt, die sich freilich als die älteste erwies, bei Rosenzweig nun gründete. Aber fast noch stärker steht der klassischen Theologie eines Maimonides oder Crescas die aieue Deutung dieser Welt entgegen, die nicht nur aus den Positionen der Ratio heraus zu einer Mystik des Theismus gelangt und streng mystische Theologumena begründet (im Kontrapunkt zu der bitteren Polemik .gegen die Mystik des apokalyptischen Betens, die den dritten Teil eröffnet), sondern es auch wagt, ins Zentrum ihrer theologischen Anthropologie eine Auseinandersetzung zwischen Judentum und Christentum zu stellen, die mit non liquet endet, mit einem Diktum also, das vom Gesichtspunkt der Orthodoxie aus vermessen und fast blasphemisch erscheint. Diese Grundlegung des Judentums schien wenig oder nichts mit den ains geläufigen Motiven einer solchen zu tun zu haben, und das machte sie anziehend und problematisch in Einem; der Abgrund, in dem die Substanz des Judentums sich verbirgt, war hier mit neuen Namen versiegelt, nachdean der Denker ihn in seiner Selbstbesinnung aufgerissen hatte. Ob der Versuch, die beiden Möglichkeiten tbeokratischer Lebenshaltung in Judentum und Christentum aus der Dialektik des Erlösungsbegriffs zu deduzieren — einer der Hauptpunkte, die eine Auseinandersetzung mit dem „,Stern" am unumgänglichsten erfordern würden — den wahren Ort der beiden in der Tat bestimmen konnte, mag umstritten sein, die Tragweite seiner metaphysisch-pragmatischen Methode, der liturgischen Gestaltung der religiösen Wirklichkeiten ihr Geheimnis abzuhören, ist es nicht. Freilich, in der so faszinierenden wie problematischen Lehre von der Vorwegnahme der Erlösung im jüdischen Leben hat Rosenzweig entschlossen und feindselig Stellung gegen die offene Tür im sonst so .geordneten Haus des Judentums genommen: gegen die Katastrophentheorie der messianischen Apokalyptik, die man wohl als den Punkt bezeichnen darf, an der sich heute noch theokratische und bürgerliche Lebenshaltung unversöhnlich gegenüberstehn. Die tiefe Tendenz, dem. Organismus des Judentums den apokalyptischen Stachel zu nehmen, mit der Rosenzweig der letzte und sicher einer der stärksten-Exponenten einer sehr alten und sehr mächtigen, in vielen Gestalten kristallisierten „Bewegung im Judentum ist, bedingt bei ihm wohl auch den seltsam kirchlichen Aspekt, unter dem liier manchmal unversehens das Judentum erscheint. Die Apokalyptik, die als ein ohne Zweifel anarchisches Element für Lüftung im Haus des Judentums gesorgt hat, die Erkenntnis von der Katastrophalität aller historischen Ordnung in einer unerlösten Welt, hat hier in einem tief ,um Ordnung besorgten Denken eine Metamorphose durchgemacht, in der die zerstörende Madit der Erlösung mir mehr als Unruhe in das Uhrwerk des Lebens im Licht der Offenbarung eingebaut erscheint.. Denn dass der Erlösung nicht nur eine befreiende sondern auch eine zerstörende Gewalt innewohnt — eine Wahrheit, der nur allzuviele Theologen des Judentums sehr ungern sich eröffnen und der auszuweichen eine ganze Literatur sich plagt — konnte freilich einem Denker vom Range Rosenzweigs niemals verborgen bleiben; so suchte er sie wenigstens in einer höhern Ordnung der Wahrheit aufzuheben. Wenn der Blitz der Erlösung das Weltall des Judentums steuert, so ist hier das Leben .des Juden der Blitzableiter, der seine zerstörende Gewalt zu brechen bestimmt ist. Zehn Jahre sind im Leben eines Werkes, das sich zu verwandein und zu dauern bestimmt ist, eine kurze Zeit. Der im genausten Sinne mystische Versuch, das Unkonstruierbare, den Stern der Erlösung, zu konstruieren — denn eine andere Methode der Beschreibung als die Konstruktion gibt Jei£4890 ZIGARETTEN Inhaber: ECKHARD Hauptgeschäft Fahrgasse 119 (Constabler Wache) V Filiale Taunusstraße 52 HÜTE-MÜTZEN tyie heften RDünfcbe $um beDorjßebenden ffäbreswedfell Qebrüder ^raun Die Druckerei des „Qemeindeblait" r Neuheiten in modernen Halsketten für jeden Geschmack — in jeder Preislage von 1.— Mk. an zeigt CHARLOTTE v. Schmuck Moden Das bevorzugte Spezial-Geschäft für Modernen Schmuck Jetzt auch Bridge-Karten u. Garnituren etc. BEGEHRTE GESCHENKE Telefon 24973 Rofjmarkt 17, (am Salzhaus) J PORZELLAN Lorey SPEISESERVICE KAFFEESERVICE OBSTS'ERVICE GLAS-KRISTALL gröfjte Auswahl niedrigste Preise Schillersfrasse 16 Das Fachgeschäft f. Haus u. Küche, Glas u. Porzellan