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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-09-01 · 1 (9.1931) · p. Seite 10

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
1 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 ten, das er -einst erlebt Jiat: wie der berühmte hochgelehrte Brisker Rabbiner, in dem uralte Generationen stolzer Führer und .grosser Gelehrter weiterleben, der sich, ein hochgewachsener, feurig blickender, im hohen Alter noch kräftiger Mann mit weissem, wallendem Barte, seit Jahrhunderten als Verkörperung des heiligen Geistes und uralter Lehre weiss, ein Mann, der wie ein König auftritt und vor dem alles zittert — wie der Brisker Rabbi zum Bialer Zaddik kommt, der einst sein-Lieblingsschüler, sein Stolz und seine Hoffnung gewesen ist. Ein völlig anderer Mensch, der Zaddik. Keine Ehrfurcht verbreitende Erscheinung, die gebieterisch und unnahbar über der Menge thront, sondern ein milder, (gütiger Mann mit freundlichen Augen und heller, tröstender Stimmne, bei dessen Nahen man nur Liebe und Vertrauen fühlt. Zwei Welten treten sich da entgegen in ihren besten Vertretern: erhaben eine jede und doch einander ewig feind und fremd. Dem Zaddik war es einst beim Rabbi zu eisig und einsam gewesen; um die Höhen der Forschung, wohin ihn allein der Rabbi geführt hatte, wehte eine kaltklare Luft, die Sehnsucht nach Wärme und hegendem Schutz erweckte, und man stand dort, nur auf sich angewiesen, sdiwindelerregend hoch und ferne von allen Menschen, dass man aus tiefstem Grunde nach Liebe und demütigem Sichanschmiegen der Brüder rief. Da hatte es der. Sdiüler nidit mehr ausgehalten, er war dem Rabbi davongeeilt. Das klare Paradies der Vernunft, das ihm sein Lehrer gewiesen hatte, stiess er zurück. „Lieber in der Hölle mit ganz Israel zusammen, als «ich allein zu retten." (Darin ist die tiefe Liebe zu den Armen und Unterdrückten, die Sehnsudit, sie mit sich zu reissen in der Glut des eige-- nen Herzens der Erlösung der Welt entgegen und die Abweisung des Verführers, der einem die eigene Rettung vor Augen stellt.) Der Rabbi selbst ist unterdes nodi strenger und grösser geworden, mitleidlos verfolgt er die Chassidim. Da kommt er nach Biala und findet im dortigen Zaddik seinen ehemaligen Lieblingssdiüler. Und dieser weist ihm — es ist das Fest der Gesetzesfreude, Simdiat Thora — die begeisterte Freude, die Menschen und Natur erfüllt, die die Seele des armen Melamed noch lange Zeit später in entzückte Schwingungen versetzt — aber der Rabbi merkt nichts davon und kalt, stumm, fremd und gross verlässt' er den Zaddik, mder einst sein Schüler gewesen ist und der heute, demütig und allen Wesen hingegeben, mit seiner liebe die ganze Welt zur Freude erweckt. Wunderbar sind diese Schlusszenen mit ihrer weiten Menschlichkeit und ihrem universalen, kosmAsdien Lyrismus. Doch mehr noch bedeutet uns, dass in dieser Erzählung Perez selbst ist: aber in keinem der Helden gibt er sich ganz, beide leben und ringen in ihm. Er fühlt in sidi die starke, klare, aber kalte und begrenzte Kraft der Vernunft, ihr blendendes Licht, den Stolz .des geistigen Aristokraten, der weit über der Masse in ewig ihr (Unzugänglichen . Paradiesen lebt. Aber er ist nicht stark genug, diesen einsamen, kühlen, von blendendem Licht' erfüllten Weg zu gehen, in seinem Innern ist nicht mehr die ungebrochene, hochragende Kraft des Brisker Rabbi, das Urchaos ist in ihn eingedrungen, kosmische, Sehnsucht hat ihn erfasst und in seinem Herzen züngelt .die Flamme der Inbrunst, die einst im Ghetto zuletzt in den ersten Verkündern des Chas_ sidismus gelodert hatte. Aber auch die Kraft des Bialer Zaddiks ist nicht mehr da. Da beginnt die Tragödie. Die Tragödie des schwachen Enkels, der isich nach heroischer Tat sehnt, die über seine Kräfte igeht, des Einsamen, der die Gemeinschaft erlösen will. Das Drama eines, der auf der Schneide steht, in dem das alte Vertrauen des Glaubens erloschen ist, der sich nicht mehr Glied fühlt in der goldenen Kette der Tradition; eines Heimatlosen, in dem der Wille noch einmal ungeheuerlich aufflackert zu einer Tat, die sich an Gott vermisst und die Welt in den läuternden Sturm der Gewalt ihres Willens zwingen will, und doch eines Heimatlosen, der nidit mehr Glied in der goldenen Kette werden kann und den der Zweifel von seiner Höhe stürzt. „Die goldene Kette" hat Perez seine . Tragödie genannt. In Reb Schloime sehnt sich der menschliche Geist, sich von der Erde und aus den Banden des Alltags zu einem neuen göttlichen, feiertäglichen, sabbatlicheri Leben zu befreien. Ein ewiger Sabbat soll anbrechen, eine Zeit endlosen Glanzes und unendlicher Freude. Die Tretmühle des grauen Alltags soll für immer verniditet werden. Die „neschama jethera", die Gott-trunkene Feiertagsseele, die der Mensch für den Sabbat empfängt, soll nie mehr von ihm weichen. Und Reb Sdüoime weigert sich, die Hawdala zu spredien, den Segensspruch, durdi den der ausgehende Sabbat von der beginnenden Reihe der Wochentage geschieden wird. Nicht mieliT soll die Welt in Heiliges und Unheiliges zerfallen, nidit mehr soll getrennt werden, was vereinigt war, nie mehr das Reich der Finsternis anbrechen. Das Lidit der Sabbatekstase soll für immer währen. Und in einer grossartigen Szene hört Schloime die kleinen, erfrorenen Seelen der Juden, wie sie bangen, der Friede des Sabbats werde aufgehoben und das Leiden und das stete Weltgericht wieder beginnen, das Reidi der Gereditigkeit anstelle der Herrsdiaft der Gnade. Das Mitleid, die Alliebe erfasst Schloime, er wird nidit zulassen, dass der Alltag komme mit seinem Gericht! Ewiger Sabbat soll herrschen! Kein Sündigen mehr, kein kleinliches Tun und Handeln! Ewige Feiertagsruhe! Und wenn die Welt darüber zugrunde geht! „Wir aber, die sabbatlichen, feiertäglidien Juden mit der „nesdiama jethera", werden auf ihren Ruinen gehen ... Zu Ihm, zu Ihm! Singend und FOrNBChkuren.be» Herz-, Nerven-, Frauenleiden BiOX-SAUERSTOFF-B&DER Es gibt nichts Besseres zur Berunig«..» Herz und Nerven, ebenso zur Erfrischung. Mattigkeit u. Ueberanstrengung. Bad M Ii in Apoth. u. Drog. Max Elb A.-G., Dresden! fr Pension Rosiner Frankfurt a. M., Zeil 44 \== wünscht allen werten Gästen, Freunden, Verwandten und Bekannten D'niD und b'i mW n la. KflMißiffleiine bestes Vogelfutter für alle Vögel Gg. MQIIer Weißfrauenstraße 12 Telefon Hansa 21785 Ostend* Kraftwagenpark ^gmgmggmgHanauer Landstraase 11/13 Gross - Tankstelle und Garage Telefon: Carolus 42376. WMB %%G>AUUBM Wir haben SCIHIOILKE^CHMI © eine Filiale eröffnet. WILHBENDER» 3SmkfildmJiÜimrflasm^aSSC 9, gegenüber der Marld/joll*»' Wolle moderne Handarbeiten Gitterflausch Meia ÄDöiier Katharinenpforte 2

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